Lebensdaten
1683 bis 1757
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118592904 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pesne, Anton
  • Pesne, Antoine
  • Pesne, Anton
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Pesne, Antoine, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592904.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Thomas (um 1653–1727), Bildnismaler in P. (s. ThB);
    M N. N.;
    Neapel (?) 1710 Ursule-Anne (1696–1748), T d. Blumenmalers Jean-Baptiste Gayot Dubuisson (s. ThB);
    1 S, 3 T, u. a. Henriette Joyard (um 1720-um 1790), Malerin.

  • Leben

    Zunächst Schüler seines Vaters und seines Großonkels Charles de la Fosse, besuchte P. später die Pariser Akademie und gewann 1703 den Rompreis mit einem Gemälde „Moses vertreibt die Hirten vom Brunnen und tränkt die Schafe der Töchter Jethros“ (verschollen). Obgleich diese Entscheidung des Preisgerichtes annulliert wurde, ging P. 1705 nach Italien und bildete in Venedig, wo er Tizian und Veronese kopierte, sowie in Rom und Neapel insbesondere seine koloristischen Fähigkeiten aus. In zum Teil großformatigen Porträts suchte er durch ungewöhnliche Inszenierungen aufzufallen. Aufgrund des 1707 gemalten, nur noch in einer Replik erhaltenen Bildnisses des preuß. Gesandten in Venedig, Friedrich Ernst v. Knyphausen (1678–1731), wurde P. 1710 nach Berlin berufen und erhielt 1711 die mit 1200 Talern dotierte Stelle des verstorbenen Augustin Terwesten (1649–1711) als Hofmaler. Seine venezianisch geschulte, Farb- und Helldunkelkontraste bevorzugende, sehr lebendig vorgetragene und dabei psychologisch interessante Porträtmalerei setzte in Berlin augenblicklich neue Maßstäbe. Genrehafte Motive, die er vorher auch behandelt hatte, traten nun zurück. Bis zum Tod Kg. Friedrichs I. 1713 behielt seine Kunst diese Neigung zum Üppigen, wurde aber im gewandelten Klima unter Friedrich Wilhelm I. kühler und strenger. Obwohl sein Gehalt auf die Hälfte herabgesetzt wurde, blieb er in Berlin; er erhielt jedoch die Erlaubnis, 1715 in Dessau und 1718/28 in Dresden zu arbeiten. 1723 reiste er über Paris nach England, um Mitglieder des engl. Hofes zu porträtieren, und kehrte 1724 nach Berlin zurück. Hier war seine Kunst mehr von Kgn. Sophie Dorothea und Adelskreisen als vom König geschätzt, den er erstmals 1729 porträtierte. Neue Impulse erhielt sein Schaffen, als der frankophile Kronprinz seit etwa 1734 Einfluß auf das Kunstleben zu nehmen begann. Eine hellere Farbigkeit, eine leichtere Pinselführung und ein gesteigerter Erfindungsreichtum in Haltungen, Attributen und Hintergründen belebten nun seine Porträtmalerei. Kronprinz Friedrich entfaltete, von P. angeregt, eine Vorliebe für die Maler des Watteaukreises, die ihrerseits P. inspirierten. In seinem Schloß Rheinsberg ließ der Kronprinz von ihm Deckenbilder malen. Solche führte P. nach dem Regierungsantritt Friedrichs 1740 auch in den Schlössern Charlottenburg (1742), Potsdam (1746) und Sanssouci (1747) aus. Um 1745 wandte sich P. vorübergehend der Landschaftsmalerei zu, versah auch die Landschaften befreundeter Künstler wie Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff (1699–1753) mit Staffagefiguren. Um 1749 kam es zu einer Verstimmung zwischen dem König und P., weshalb dieser nur noch gelegentlich für den Hof arbeitete. 1755 erhielt er jedoch den ehrenvollen Auftrag, für einen Saal des Neuen Palais in Sanssouci ein riesiges Gemälde „Raub der Helena“ zu malen, wo es mit Werken von Carle Vanloo, Jean-Baptiste Marie Pierre und Jean Restout konkurrieren sollte. Es wurde nach P.s Tod von seinem Schüler Christian Bernhard Rode (1725–97) vollendet.

    P. beschäftigte in seiner Werkstatt seit dem Ende der 20er Jahre, auch um eine steigende Nachfrage nach Repliken und Kopien zu befriedigen, in zunehmendem Maß Gehilfen und bildete Schüler aus, von denen jedoch nur wenige als eigenständige Künstlerpersönlichkeiten zu fassen sind, so – neben Rode – Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff, Johann Gottlieb Glume (1711–78), Joachim Martin Falbe (1709–82) und Frédéric Reclam (1734–74). Quellen berichten von „bis 38“ bzw. „an 46“ Schülern. Durch eine ungewöhnliche Produktivität hat P. nicht nur die künstlerische Entwicklung an anderen mitteldeutschen Höfen mitbestimmt, sondern durch seine Schüler auch weit über seinen Tod hinaus die Malerei in Berlin beeinflußt. In der ersten Jahrhunderthälfte kann er neben Jan Kupetzky (1667–1740) als bester Porträtmaler in|Deutschland gelten.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Pariser Ak. (1720).

  • Werke

    Weitere W Marquis Corbelli als Jäger, 1709 (Potsdam, Neues Palais);
    Mgf. Philipp v. Brandenburg-Schwedt, um 1710;
    Friedrich d. Gr. als Kronprinz u. seine Schwester Wilhelmine, 1714;
    Amazonenkgn. Thalestris vor Alexander d. Gr., 1722 (alle Berlin, Schloß Charlottenburg);
    Kgn. Sophie Dorothea v. Preußen, 1737 (Schloß Rheinsberg);
    Friedrich d. Gr., 1739/1740 (Berlin, Gem.gal.);
    Die Barbarina, um 1745;
    Badende Mädchen, 1746 (beide Berlin, Schloß Charlottenburg);
    Wandgem. im Konzertzimmer v. Schloß Sanssouci, 1747.

  • Literatur

    ADB 25;
    M. Oesterreich, Beschreibung derjenigen Slg. versch. Original-Gem. v. franz. u. dt. Meistern, welche d. Cabinet ausmachen, v. J. G. Eimbke, 1761, S. 43-49;
    P. Seidel, Friedrich d. Gr. u. d. bildende Kunst, 1922;
    P. du Colombier, in: L. Dimier, Les peintres français du 18e siècle, II, 1930, S. 291-325;
    Ch. F. Foerster, A. P. 1683-1757, Ausst.kat. Berlin 1933;
    W. Holzhausen, P. u. seine Beziehungen z. August d. Starken, in: Zs. f. Kunstgesch. 9, 1940, S. 49-65;
    G. Poensgen u. E. Berckenhagen, A. P. Gedächtnisausst., Schloß Charlottenburg 1958;
    E. Berckenhagen, P. du Colombier, M. Kühn u. G. Poensgen, A. P., 1958 (vollst. W-Verz.);
    ders., Nachträge z. Œuvre A. P.s, in: Zs. f. Kunstwiss. 14, 1961, S. 181-200;
    H. Börsch-Supan, Die Gem. A. P.s in d. Berliner Schlössern, Aus Berliner Schlössern, Kl. Schrr. VII, 1982;
    ders., Der Maler A. P., Franzose u. Preuße, 1986;
    G. Bartoschek, A. P. 1683-1757, Ausst.kat. Potsdam-Sanssouci 1983;
    ThB;
    KML;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Selbstbildnisse: Ölgem., um 1710 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    mit Fam., 1718 (Potsdam, Schloß Sanssouci);
    1728 (Dresden, Gem.-Gal.);
    mit zwei Töchtern, 1754 (Berlin, Gem.-Gal.), Abb. in: E. Berckenhagen u. a., 1958, s. L, Abb. 1, 14, 55, Titelbild.

  • Autor/in

    Helmut Börsch-Supan
  • Empfohlene Zitierweise

    Börsch-Supan, Helmut, "Pesne, Antoine" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 212 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592904.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pesne: Anton (Antoine) P., Bildniß- und Geschichtsmaler, wurde geboren zu Paris am 23. Mai 1683. Den ersten Unterricht in der Kunst erhielt er von seinem Vater Thomas P., einem Bildnißmaler von geringer Bedeutung, Neffen des durch seine Blätter nach N. Poussin bekannten Kupferstechers Jean P., und weiterhin durch seinen Großohm, den Geschichtsmaler Charles de La Fosse. Nachdem ihm 1703 von der Pariser Akademie der erste Preis in der Malerei zuerkannt worden, ging er um 1706 zu seiner ferneren Ausbildung nach Rom, Neapel und Venedig, wo er sich dem Studium der großen Meister widmete und bei längerem Aufenthalte in letzter Stadt angeblich unter dem persönlichen Einfluß des Malers Andrea Celesti stand. Den ersten namhaften Auftrag zu einem Bildnisse ertheilte ihm 1707 der Freiherr von Kniphausen in Venedig. Dieses Gemälde gab die Veranlassung, daß König Friedrich I. von Preußen zu Anfang des Jahres 1711 an Stelle des eben verstorbenen Aug. Terwesten P. als Hofmaler nach Berlin berief. Gegen die Mitte des Jahres traf er mit seiner jungen Frau, einer Tochter des Blumenund Früchtemalers J. B. Gayot Dubuisson aus Italien dort ein. Auch die beiden folgenden Könige von Preußen wandten dem Künstler ihre dauernde Gunst zu. In die Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. fällt die Reise (1723 bis 1724?) Pesne's nach England. Er scheint seinen Weg über Paris genommen und hier das Bildniß des späteren Directors der französischen Akademie in Rom, des Malers N. Vleughels gemalt zu haben, welches ihm die Mitgliedschaft der Pariser Akademie eintrug. In London, wo sich P. nur kurze Zeit aufhielt, malte er die mit geringem Beifall aufgenommenen Bildnisse einiger Mitglieder des königlichen Hauses.

    P. war in erster Linie Bildnißmaler: die königliche Familie, die Hofgesellschaft und sonstige hervorragende Persönlichkeiten Berlins sind durch ihn dargestellt worden. In den königlichen Schlössern zu Berlin, Potsdam und Charlottenburg befinden sich zahlreiche Oelbilder seiner Hand, in letzterem Schlosse das bekannte Bild Pesne's, welches uns Friedrich den Großen als dreijähriges Kind mit einer Trommel neben seiner Schwester Wilhelmine zeigt (gest. von D. Cunego und F. Eichens). Die königliche Gemäldegalerie in Berlin bewahrt drei Bilder des Meisters: neben der Oelskizze zu dem sehr gerühmten, jetzt verschollenen Bilde des Herrn von Erlach mit seiner Familie, das interessante Bildniß Friedrichs des Großen aus dem Jahre 1739, und ferner das trefflich durchgeführte Gemälde, welches den Kupferstecher G. F. Schmidt nebst Gattin darstellt. Die Dresdener Galerie weist sieben Gemälde von P. auf, unter diesen das Selbstbildniß des Künstlers v. J. 1728 (gest. von G. F. Schmidt 1752). Die Mehrzahl seiner Bildnisse ist von verschiedenen gleichzeitigen und späteren Kupferstechern wiedergegeben worden (vgl. A. Apell, Handbuch für Kupferstichsammler). Auch als Historienmaler war P. mit Erfolg thätig. In den genannten Schlössern, sowie im Schlosse zu Rheinsberg befinden sich von ihm mehrere Wand- und Deckengemälde mit allegorischen und mythologischen Darstellungen. Sein letztes unvollendetes Werk ist das im Marmorsaal des Neuen Palais bei Potsdam aufgestellte, den Raub der Helena darstellende große Oelgemälde. Der bedeutendste unter seinen zahlreichen Schülern, Bernhard Rode, führte dasselbe nach dem Tode des Meisters zu Ende.

    Von seinen Zeitgenossen in Deutschland ist P. als einer der größten Künstler gepriesen worden. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatte Berlin keinen Maler aufzuweisen, der ihm, zumal im Porträtfach, gleich zu schätzen war. Die meisten Maler, welche nach ihm dort thätig waren, sind seine Schüler gewesen und lassen seinen Einfluß erkennen. Die Kraft seiner Farbengebung, in welcher seine Bewunderer die venetianische Farbenpracht wiedererkennen wollten, trug ihm zu seiner Zeit allgemeine Anerkennung ein. Hieraus erklärt sich, daß Friedrich der Große als Kronprinz P. in einem begeisterten Gedichte mit Lob überhäufte (Oeuvres de Frédéric le Grand T. XIV). Die künstlerische Bedeutung der großen französischen Bildnißmaler unter König Ludwig XIV. erreicht P. indessen nicht. Seinen Gemälden ist aber schon durch die dargestellten Persönlichkeiten ein bleibender geschichtlicher Werth gesichert. P. starb als Director der königlichen Akademie der Künste am 5. August 1757 zu Berlin.

    • Literatur

      Vgl. Nachrichten von Künstlern und Kunst-Sachen. Leipzig 1768. — F. Nicolai, Beschreibung der Kgl. Residenzstädte Berlin u. Potsdam .... Berlin 1786. — F. Nicolai, Nachrichten von den Baumeistern ... Berlin 1786. —
      Fiorillo, Geschichte der zeichnenden Künste, Göttingen 1805. —
      Füßli, Allg. Künstler-Lexicon. —
      Nagler, Neues Allg. Künstler-Lexicon. —
      Dussieux, Les artistes français à l'étranger. Paris 1856. —
      A. Jal, Dict. critique de Biographie et d'Histoire. Paris 1872. —
      Kgl. Museen zu|Berlin. Beschreib. Verzeichniß d. Gemälde 1883. — E. Bellier de la Chavignerie und L. Auvray, Dict. général des artistes de l'école française. Paris 1885.

  • Autor/in

    Weinitz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weinitz, "Pesne, Antoine" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 430-432 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592904.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA