Lebensdaten
1854 bis 1926
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Valkenburg (Niederlande)
Beruf/Funktion
Jesuit ; Sozialphilosoph ; Nationalökonom
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118592874 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pesch, Heinrich
  • Heinrich, P.
  • Heinrich, Pater

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Pesch, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592874.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes, Schneider;
    M Annemaria Stüttgen;
    B Tilman (1836–99), Jesuit, Philosoph, Schriftleiter d. „Stimmen aus Maria Laach“ (s. BJ IV, S. 304).

  • Leben

    P. studierte 1872-75 Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn. 1876 wurde er Jesuit. Sein Interesse an Fragen der gesellschaftlichen Ordnung verstärkte sich unter dem Einfluß seines Ordensbruders Theodor Meyer (1821–1913). Die theologischen Studien erfolgten in Ditton Hall bei Liverpool (England). In dem Industriegebiet lernte er das Elend der Arbeiter kennen und beschloß, sein Leben der Verbesserung ihrer Lage zu widmen. 1888 empfing er die Priesterweihe; 1892-1900 war er Spiritual am Priesterseminar in Mainz. In dem von Bischof Wilhelm Emmanuel v. Ketteler und seinem Nachfolger Paul Leopold Haffner geprägten sozialen Klima entstanden die beiden Bände „Liberalismus, Sozialismus und christliche Gesellschaftsordnung“ (1896, 21900). P. knüpfte Kontakte zu den führenden Männern des sozialen und politischen Katholizismus. 1901-03 unterzog er sich erneut Universitätsstudien in Berlin. Um der Sozialphilosophie und der Wirtschaftsethik die erforderliche Grundlage zu geben, wollte er mit den gesicherten Erkenntnissen und Methoden der Nationalökonomie vertraut werden. Zu seinen Lehrern gehörten Adolph Wagner (1835–1917), mit dem er freundschaftlich verbunden blieb, Gustav v. Schmoller (1838–1917) und Max Sering (1857–1939). P. fühlte sich nun gerüstet, um sein Lebenswerk, das „Lehrbuch der Nationalökonomie“ (5 Bde., 1905–23, mehrere Aufl.) zu schaffen, das u. a. von Werner Sombart, Joseph A. Schumpeter und Bernard W. Dempsey hoch geschätzt wurde.

    P. wirkte bahnbrechend durch die Herausarbeitung der anthropologischen und sozialen Fundamente der Volkswirtschaftslehre. Im Gegensatz zu den klassischen Nationalökonomen erblickte er in der Wirtschaft nicht ein Gütergeschehen, sondern einen von den Menschen getragenen gesellschaftlichen Lebensprozeß, der die Bedarfsdeckung des Volkes sichern soll: „Der Mensch ist Herr der Welt, und zwar der arbeitende Mensch, und wiederum der Mensch inmitten der Gesellschaft“. P. lehnte die individualistische und die sozialistische Gesellschaftserklärung gleichermaßen ab. Er setzte sich für die wechselseitige sittliche Verbundenheit und Verpflichtung des Einzelnen und der Gesellschaft ein. Nach P. kann die Wirtschaft das Ziel, den „Volkswohlstand“ zu schaffen, nur auf der Grundlage des „Sozialen Arbeitssystems“ erreichen. Dieser „Solidarismus“, wie P. seine Gesellschaftsauffassung nannte, ist über Gustav Gundlach (1892–1963) in der Soziallehre der Kirche und über Oswald v. Nell-Breuning (1890–1991) in der Wirtschaftsethik und in der Sozialpolitik wirksam geworden.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Köln 1923); Dr. theol. h. c. (Münster 1925).

  • Werke

    Weitere W u. a. Ein Wort z. Frieden in d. Gewerkschaftsfrage, 1908;
    Die soz. Befähigung d. Kirche, 1911;
    Ethik u. Volkswirtsch., 1918;
    Die Volkswirtsch.lehre d. Gegenwart in Selbstdarst., hg. v. F. Meiner, I, 1924, 191 ff. (Autobiogr.).

  • Literatur

    H. Lechtape, Der christl. Solidarismus, Dargest. nach H. P., 1919, 31922;
    ders., in: Stimmen aus Maria Laach 4, 1931 (P);
    G. Gundlach, in: Mitt. aus d. dt. Ordensprovinzen 11, 1927, S. 3 ff.;
    O. Weinberger, in: ZStW 82, 1927, S. 512 ff.;
    Franz H. Müller, H. P. and his Theory of Christian Solidarism, 1941;
    G. Briefs, P. and his Contemporaries, 1951;
    R. E. Mulcahy, The Economics of H. P., 1952;
    H. P. on Solidarist Economics, Excerpts from the „Lehrb. d. Nat.ök.“, translated by R. J. Ederer, 1998;
    25 J. Heinrich Pesch Haus, in: An unsere Freunde, Informationen d. Süddt. Jesuiten, Sept. 1999 (P);
    A. Rauscher, in: Zeitgesch. in Lb., III, 1979, S. 136-48 (P);
    BBKL.

  • Autor/in

    Anton Rauscher SJ
  • Empfohlene Zitierweise

    Rauscher SJ, Anton, "Pesch, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 209 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118592874.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA