Lebensdaten
1888 bis 1931
Geburtsort
Bielefeld
Sterbeort
Santa Barbara (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Filmregisseur ; Schauspieler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118585878 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Murnau, F. W.
  • Plumpe, Friedrich Wilhelm (eigentlich)
  • Murnau, Friedrich Wilhelm
  • mehr

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Zitierweise

Murnau, Friedrich Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118585878.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Plumpe (1847–1914) aus Gartnich b. Halle, Tuchfabr. in Bielefeld, dann in Kassel, S d. Wilhelm (1804–75) aus Bielefeld, Steuereinnehmer in Lübbecke (Westfalen), u. d. Elisabeth Spiekerkötter (1813–51) aus Steinhagen (Westfalen);
    M Ottilie (1863–1944) aus Bünde (Westfalen), T d. Robert Volbracht (1837–1909) aus Niedermarsberg, Brauereibes. in Vlotho/Weser, u. d. Auguste Bellmann (1839–93) aus Vlotho;
    Halb-B Heinrich Plumpe (1880–1945), Dipl.-Ing., Dir. b. d. Hanomag AG;
    B Robert Plumpe (1887–1961), Filmkaufm. in Bielefeld, Bernhard Joachim Plumpe (1893–1932), Photograph in Berlin; – ledig.

  • Leben

    M. wuchs in begüterten bürgerlichen Verhältnissen auf; 1892 zog die Familie nach Kassel, 1902 nach Wilhelmshöhe bei Kassel. In seinen künstlerischen und literarischen Interessen von der Mutter gefördert, besuchte M. eine Oberrealschule, die er 1907 mit dem Abitur abschloß. Ein Studium in Berlin (Philologie) und Heidelberg (Kunstgeschichte und Literatur) beendete er vermutlich ohne Examen. Max Reinhardt entdeckte ihn als Schauspieler einer Heidelberger Studentenbühne und ermutigte ihn, sich an einer Berliner Schauspielschule ausbilden zu lassen. Wahrscheinlich seit 1909 benutzte M. das Pseudonym „Murnau“, vielleicht angeregt durch eine Reise, die auch nach Murnau in Oberbayern führte, oder nach einem Gastspiel der Reinhardt-Truppe an diesem Ort. Über seinen Freund, den Dichter Hans Ehrenbaum-Degele, erhielt M. Zugang zur Kunstszene Berlins. 1913 trat M. in Nebenrollen am Deutschen Theater auf, in Inszenierungen von Emil Milan, Felix Hollaender und Max Reinhardt. Tourneen führten ihn u. a. nach Wien und Prag. 1914 meldete sich M. als Kriegsfreiwilliger; zunächst an der Ostfront eingesetzt, leistete er seit 1917 Dienst bei der Fliegertruppe. Bei einem Aufklärungsflug mußte er in der Schweiz notlanden und wurde in Andermatt und Luzern interniert. Im Juni 1918 wurde sein patriotisches Volksschauspiel „Marignano“ in Luzern uraufgeführt.

    Nach Kriegsende kehrte M. nach Berlin zurück. 1919 entstand – mit Ernst Hofmann als Produzenten und Hauptdarsteller – sein erster Spielfilm „Der Knabe in Blau“, wesentlich inspiriert von Wildes „The Picture of Dorian Gray“ und Gainsboroughs Gemälde „Blue Boy“. Nach den Filmen „Satanas“ (1919) und „Sehnsucht“ (1919/20), bei denen er den im Gestus expressionistisch geprägten Conrad Veidt als Schauspieler einsetzte, begann 1920 mit „Der Bucklige und die Tänzerin“ seine kongeniale Zusammenarbeit mit Carl Mayer (1894–1944), der für sieben seiner Filme die Drehbücher schrieb. In diesen und den folgenden Filmen ging M. von trivialen Sujets mit komödiantischen und kriminalistischen Elementen aus, um sie in eine eigene, dramaturgisch stilisierte und pointierte Bildsprache zu übersetzen. In „Schloß Vogelöd“, dem ersten Film für den Produzenten Erich Pommer und dessen Firma Decla-Bioscop AG, gelang es M. (1921), vor allem mit Lichtschattierungen eine Atmosphäre zu erreichen, die die Kolportage zum Seelenkammerspiel überhöhte und gleichzeitig spielerisch ironisierte. In „Nosferatu, Eine Symphonie des Grauens“ (1921/22) verbinden sich Stilelemente der Gothic novel mit der Ästhetik des expressionistischen Films. Das virtuose Spiel von Licht und Schatten, die Erweiterung der Mise en scène zur Mise en ombres et lumières zeichnen diesen Film aus, der das Grauen nicht als Selbstzweck vorführt, sondern als Folge einer bedrängenden psychologischen Situation. Um 1920 begann auch M.s Zusammenarbeit mit Thea v. Harbou, die ihm vier Drehbücher lieferte, darunter „Phantom“ (1922), eine Adaption von Gerhart Hauptmanns gleichnamiger Erzählung. Als erste Ufa-Produktion drehte M. 1924 „Der letzte Mann“, die tragikomische Geschichte eines Hotelportiers, der zum Toilettenmann degradiert wird, nach einem Drehbuch von Carl Mayer und mit Emil Jannings in der Hauptrolle.|Architektur und Ausstattung, die von jeder Statik gelöste, „entfesselte Kamera“ und die dramaturgisch geschickte Erzählweise, die mit nur einem erläuternden Zwischentitel auskommt, machen den Film zu einem herausragenden Beispiel der Modernität des Kinos in der Weimarer Zeit. Seinen Ruf als einer der bedeutendsten Filmregisseure festigte M. mit den beiden Ufa-Produktionen „Herr Tartüff/Tartüff“ (1925) und vor allem „Faust“ (1925/26), in dem er den filmischen Raum über Kamera- und Montagearbeit erweiterte und neu definierte. Architektur und Landschaft, Körper und Gegenstände sind nicht mehr statisch, sondern in ständiger Bewegung zu einem virtuellen Raum-Bild zusammengefügt – ein Bilderreservoir, flüchtig und der Realität enthoben.

    1926 schloß M. einen Vier-Jahres-Vertrag mit dem amerikan. Produzenten William Fox, für den er in Hollywood drei Filme realisierte, darunter „Sunrise – A Song of Two Humans“ (1926/27) nach der Erzählung „Die Reise nach Tilsit“ von Hermann Sudermann. Noch einmal umkreiste M. darin die erzählerischen Pole seines Schaffens, idyllisches Land und pulsierende Großstadt. 1929 begann er, nach dem Bruch mit seinem amerikan. Studio und zunächst zusammen mit dem Dokumentarfilmregisseur Robert J. Flaherty, mit den Vorbereitungen zu „Tabu“, einem semidokumentarischen Liebesfilm über Insulaner in der Südsee, den er schließlich 1930/31 allein fertigstellte. Auf der Fahrt zur New Yorker Premiere des Films verunglückte M. mit dem Auto zwischen Hollywood und Monterey; er starb an seinen Verletzungen in einer Klinik in Santa Barbara.

  • Werke

    Weitere W Der Januskopf, 1920;
    Abend – Nacht – Morgen, 1920;
    Der Gang in d. Nacht, 1920;
    Marizza, gen. d. Schmugglermadonna, 1920/21;
    Der brennende Acker, 1921/22;
    Die Austreibung, 1923;
    Die Finanzen d. Ghzg., 1923;
    Komödie d. Herzens, 1924 (Regie Rochus Gliese, Drehbuch M. unter d. Ps. Peter Murglie zusammen mit Gliese);
    Four Devils, 1928;
    City Girl (Unser täglich Brot/Die Frau aus Chikago), 1929/30. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. Stiftung Dt. Kinemathek, Berlin; Fam.bes.

  • Literatur

    L. H. Eisner, F. W. M., 1964 (franz.), gekürzte dt. Ausg. u. d. T.: Murnau, Der Klassiker d. dt. Films, 1967, erg. Neuausg. u. d.: T. Murnau, 1979 (W, L);
    Ch. Jameux, F. W. M., 1965;
    P. G. Tone, F. W. M., 1976;
    Klaus Becker, F. W. M., e. großer Filmregisseur d. 20er J., 1981;
    K. Kreimeier (Red.), F. W. M. 1888-1988, Ausst.kat. Bielefeld/Düsseldorf 1988 (P);
    J. Nagel, in: FAZ v. 8.11.1988 (P);
    F. Gehler u. U. Kasten, F. W. M., 1990;
    P. W. Jansen u. W. Schütte (Hrsg.), F. W. M., 1990 (Filmo- u. Bibliogr.);
    L. Berriatúa, Los proverbios chinos de F. W. M., 2 Bde., 1990 (Filmo- u. Bibliogr.);
    U. v. Keitz, Die sichtbare Stadt, in: Kino Movie Cinema, hrsg. v. W. Jacobsen, H. H. Prinzler, W. Sudendorf, 1995, S. 44-48;
    Ch. v. Wahlert, Kamera im Kopf, F. W. M. als Fotograf, in: FAZ v. 7.10.1995 d;
    CineGraph.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Murnau, Friedrich Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 615-616 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118585878.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA