Lebensdaten
1435 bis 1481
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Bürgermeister von Hamburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124828493 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Murmester, Heinrich (in der ADB)
  • Murmester, Hinrich
  • Murmester, Heinrich (in der ADB)
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Zitierweise

Murmester, Hinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124828493.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hinrich, Kaufm. in H.;
    M Hilleke, T d. Nikolaus Oldendorp, Bürger in H.;
    Stief-V (seit ca. 1445) Hinrich Frouwenengel, Bürger in H.;
    B Johannes ( 1465), Kaufm. in H., Mitgl. d. Flandernfahrerges.;
    Halb-B Jasper Frouwenengel, Mag. d. Theol.;
    1464 Elisabeth ( n. 7.3.1505), T d. Hamburger Bürgers Goswin Pott u. d. Anneke N. N.; kinderlos.

  • Leben

    M. nahm 1452 ein Studium in Erfurt auf, wurde 1458 Magister der Artistenfakultät und wandte sich danach juristischen Studien zu, die er 1461 in Padua fortsetzte. Hier wurde er 1462 und erneut 1463 zum (von den studentischen Nationen gestellten) Rektor der juristischen Fakultät gewählt, war demnach kompetent und wohlhabend. In seinem zweiten Amtsjahr führte er eine durchgreifende Revision der Universitätsstatuten durch, die alsbald vom Dogen Cristoforo Moro bestätigt wurde und noch für die im späten 16. Jh. gedruckten Statuten als Grundlage diente. Anfang 1464 zum Doktor des röm. Rechts promoviert, kehrte M. nach kurzem Aufenthalt in Rom nach Hamburg zurück. Dort wurde er – obgleich jahrelang abwesend – im Februar 1465 als erster promovierter Jurist in den durchweg aus Kaufleuten bestehenden Rat und schon 1467 zu einem der vier Bürgermeister gewählt. M., der sich vor allem der Außenpolitik widmete, vertrat in vielen Gesandtschaften Hamburgs Unabhängigkeitsinteresse gegenüber Kg. Christian I. v. Dänemark; im Auftrag des hamburg. Rates war er im jahrelangen Streit Christians mit dessen Bruder, Gf. Gerhard v. Oldenburg, um die Herrschaft in Schleswig und Holstein vermittelnd tätig und 1471 führend an der Niederschlagung einer Bauernerhebung und Behauptung der hamburg. Herrschaft in den Elbmarschen beteiligt. Daß M. im selben Jahr mit einem hamburg. Truppenkontingent zum Sieg Christians über die Eiderstedter Friesen beitrug, dankte ihm dieser mit einer Kornrente. Der König brachte dem Bürgermeister auch später Achtung und Vertrauen entgegen und nahm noch 1480 seine diplomatischen Vermittlungsdienste im Konflikt mit Dithmarschen in Anspruch. M., 1466-78 auf allen Hansetagen anwesend, bemühte sich während des hansisch-engl.englisch Krieges (1469–74) im Interesse des hamburg. Handels zunächst um einen Ausgleich, zog aus dem heftigen hansischen See- und Kaperkrieg dann auch persönlich Gewinn und war am Abschluß des günstigen Friedens zu Utrecht maßgeblich beteiligt. In den anschließenden Verhandlungen der Hanse mit den Niederlanden und Burgund konnte er den Stapelanspruch des Brügger Kontors für den niederländ. Handel nicht durchsetzen, eine hansische Gesamthaftung für Danziger Übergriffe jedoch abwehren. Er erreichte in der Folge die Zustimmung der Hansestädte zum Utrechter Friedensvertrag und bemühte sich um die innere Festigung der Hanse, so beim Schutz- und Trutzbündnis Hamburgs, Lübecks und Lüneburgs 1474 und bei der Aussöhnung mit Köln. Nachdem sich Hamburg Christian I. (seit 1460 auch Hzg. von Schleswig und Holstein) zuletzt mit seiner Hilfe gegen den aufsässigen holstein. Adel verpflichtet hatte, konnte M. 1480 ein (auf 1465 rückdatiertes) hzgl. Stapelprivileg aushandeln, dem 1482 ein kaiserliches folgte; beide ebneten Hamburg den Weg zur Beherrschung des Eibhandels. Besondere Bedeutung erlangte M.s|Testament vom 29.1.1481, in dem er aus seinem beachtlichen Vermögen mehrere Legate zu frommen Zwecken aussetzte; seine Büchersammlung übertrug er der Bibliothek, die 1479 wohl auf seine Initiative im Rathaus eingerichtet worden war und jedem interessierten Bürger offenstand.

  • Literatur

    ADB 23;
    O. Beneke, Hamburg. Geschichten u. Sagen, 41888, S. 150-53, 374;
    H. Nirrnheim, H. M., 1908 (Pfingstbll. d. Hans. Gesch.ver., Bl. 4);
    P. Gabrielsson, Die letztwillige Verfügung d. Hamburger Bgm. Dr. H. M., in: Zs. d. Ver. f. Hamburg. Gesch. 60, 1974, S. 35-57;
    E. Zimmermann, Die Bibl. in d. „neuen Schreiberei“, H. M. u. d. älteste Hamburger Stadtbibl. (1479/81), in: W. Kayser (Hrsg.), 500 J. wiss. Bibl. in Hamburg 1479-1979, 1979, S. 17-26;
    G. Theuerkauf, H. M. u. H. Langenbeck, Bgm. v. Hamburg (1467–1517), in: Akteure u. Gegner d. Hanse, Gedächtnisschr. f. K. Fritze, hrsg. v. H. Wernicke u. a., 1996 (im Druck).

  • Autor/in

    Rainer Postel
  • Empfohlene Zitierweise

    Postel, Rainer, "Murmester, Hinrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 614-615 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124828493.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Murmester: Heinrich M., Bürgermeister, war einer der bedeutendsten Staatsmänner Hamburgs im Mittelalter. Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt. Er studirte die Rechte zu Erfurt und wurde daselbst Magister artium. Dann vollendete er seine juristischen Studien in Padua, wo er 1463 Rector, d. i. Senior der dortigen Studirenden deutscher Nation war. Nach Hamburg zurückgekehrt, wurde er schon 1464 zum Rathsherrn und zwei Jahre später zum Bürgermeister erwählt. Im Interesse seiner Vaterstadt fungirte er dann wiederholt als außerordentlicher Gesandter, wobei er sich bald den Ruf eines umsichtigen und geschickten Diplomaten erwarb. Er vertrat Hamburg in den Jahren 1466—78 auf allen Hansetagen und war während dieser Zeit der angesehenste Stimmführer im hansischen Rathe. Besondere Verdienste erwarb er sich 1473 bei Abschluß des Utrechter Friedens, welcher den Krieg der Hansen gegen England beendete. Daneben zeigte er sich auch als tapferer Kriegsmann und besonnener Heerführer, indem er um 1472 mit einem in Hamburg ausgerüsteten starken Heer Fußvolk und Reiter dem König Christian von Dänemark gegen seinen rebellischen Bruder, den Grafen Gerhard von Oldenburg zu Hülfe kommend, ruhmvoll an der Spitze seiner Hamburger focht und dadurch wesentlich zur günstigen Entscheidung des Feldzuges beitrug. Zu erwähnen ist ferner, daß M. ein eifriger Beförderer der Wissenschaften war, daß er die Hamburger Stadtbibliothek mitbegründete und daß er die Armen und Bedürftigen eifrigst mit Rath und That unterstützte. Seiner vielfachen und vielseitigen Verdienste halber ist er von späteren Geschichtschreibern ein „vollkommener“ Bürgermeister genannt. Noch um 1566 war sein ehrenvolles Andenken dergestalt lebendig, daß die das Kämmereiwesen verwaltenden Bürger (die Achtmänner) dem Senate, mit dessen Verhalten sie nicht zufrieden waren, sehr demonstrativ das nachahmungswerthe Beispiel der musterhaften Amtsführung Murmester's vor Augen hielten und hinzufügten, deshalb werde sein Name in Hamburg auch unsterblich bleiben. Er starb am 9. April 1481.

    • Literatur

      Hamb. Schriftsteller-Lexicon, Bd. V S. 460 f., Hamb. 1870. Wilckens, Hamb. Ehrentempel, Hamb. 1770, S. 8. Dr. O. Beneke, Hamb. Geschichten u. Sagen, Hamb. 1854, S. 152 ff.

  • Autor/in

    W. v. Melle.
  • Empfohlene Zitierweise

    Melle, W. von, "Murmester, Hinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 66 unter Murmester, Heinrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124828493.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA