Lebensdaten
1894 bis 1944
Geburtsort
Graz
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Drehbuchautor
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118732277 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mayer, Karl
  • Mayer, Carl
  • Mayer, Karl

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Mayer, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732277.html [03.06.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Handelsagent.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt. Nach dem Freitod des Vaters, der sein Vermögen bei Spekulationen verloren hatte, arbeitete er als Statist in Bauerntheatern. In Berlin nahm er Schauspielunterricht. 1915-17 war er dramaturgischer Berater am Innsbrucker Stadttheater, inszenierte und entwarf Bühnenbilder. 1917 kam er nach München an das Residenztheater, gleichzeitig wurde er zum Direktor der Berliner Star-Film-Company ernannt. Seit 1919 schrieb M. hauptsächlich Drehbücher, die die „klassische Periode“ des deutschen Stummfilms prägten. Ihr Stil war von Theorie und Praxis des literarischen und malerischen Expressionismus bestimmt. „Das Kabinett des Dr. Caligari“, dessen Drehbuch M. 1920 gemeinsam mit Hans Janowitz schrieb, gilt als Vollendung des expressionistischen Films. M. sah in dieser Schauergeschichte im Geiste E. T. A. Hoffmanns eine Parabel auf soziale|Mechanismen. Er wollte die Allmacht der Staatsautorität anprangern, die leichthin über Leben und Tod der Untertanen verfügt, und mit der Figur des Direktors einer Irrenanstalt, der seine Patienten durch Hypnose zum Mord treibt, ein Bild des autoritären Tyrannen entwickeln. Dieser Film setzte Maßstäbe. Dennoch leitete M. durch filmische „Kammerspiele“ eine Abkehr vom Caligari-Stil ein. „Hintertreppe“ (1921, Regie: Leopold Jessner) und Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“ (1924) sind kleine Dramen im Milieu des unteren Mittelstandes. M. verzichtete fortan auf Zwischentitel. Die Geschichten wurden allein durch Bilder erzählt, wobei erstmals Geschehnisse des Alltags, symbolisch überhöht, die Handlung vorantrieben. Seine Drehbücher, teils schroff eruptiv, teils poetisch zurückhaltend, glichen präzisen Regie-Entwürfen. Zahlreiche Errungenschaften auf dem Gebiet der Kameraführung gingen auf Anregungen M.s zurück. Die Beweglichkeit der Kamera, die er forderte, übte großen Einfluß auf Hollywoods Filmtechnik aus. Mitte der zwanziger Jahre wandte sich M. schließlich dem dokumentarischen Film zu. Er vernachlässigte die raffinierten Kunstgriffe des Studios und übertrug das Montage-Prinzip russ. Filme auf dokumentarisches Material. Die Idee zu Walter Ruttmanns „Berlin, Symphonie einer Großstadt“ (1927) stammte von ihm, selbst wenn er an diesem Film nicht mitarbeitete und ihn später ablehnte. Alle folgenden „Großstadt“-Filme gehen auf M.s Konzept zurück. – 1932 emigrierte M. nach Frankreich und arbeitete dort mit Paul Czinner und Elisabeth Bergner. Seit 1935 lebte er in London, war dort dramaturgischer Berater in Paul Rothas Dokumentarfilmstudio und widmete sich daneben der Ausbildung von Filmautoren.

  • Werke

    Weitere W Der Bucklige u. d. Tänzerin, 1920 (Regie: F. W. Murnau);
    Genuine, 1920 (Regie: R. Wiene);
    Sylvester, 1923 (Regie: L. Pick);
    Sunrise, 1927 (Regie: F. W. Murnau);
    The Fourth Estate, 1939.

  • Literatur

    R. Kurz, Expressionismus u. Film, 1926;
    H. Fraenkel, Unsterbl. Film, Von d. Laterna Magica b. z. Tonfilm, 1956;
    S. Kracauer, Von Caligari bis Hitler, 1959;
    Filmkunst 39, 1963;
    R. Hempel, C. M., e. Autor schreibt mit d. Kamera, 1968;
    U. Gregor u. E. Patalas, Gesch. d. Films, 1973;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Manfred Kreckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreckel, Manfred, "Mayer, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 548-549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732277.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA