Lebensdaten
1798 bis 1873
Geburtsort
Waldenburg
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Philosoph ; politischer und literaturhistorischer Publizist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118580949 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mentzel, Wolfgang
  • Menzel, Wolfgang
  • Mentzel, Wolfgang
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Zitierweise

Menzel, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580949.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Oswald (s. 1), Rudolph (s. 2);– Stuttgart 1825 Johanna (1806–75), T d. Pfarrers Christian Wendel|Bilfinger in Oppelsbohm u. d. Rosine Catherine Klett;
    6 S, 2 T, u. a. Rudolph (1826–67), Dr. phil., Gymnasial-Prof. in Dresden, Ludwig v. M. (württ. Personaladel, 1830–79), Oberstlt., Konrad (1834–90), Pfarrer, Otto (1839–96), Kaufm. in Antwerpen, Adolf v. M. (württ. Personaladel, 1841–1902), Oberst.

  • Leben

    M. besuchte seit 1814 das Elisabethen-Gymnasium zu Breslau und schloß sich 1817 den Turnern an. 1818 begann er das Studium der Philosophie und der Geschichte an der Univ. Jena und wurde Burschenschafter. Nach der Ermordung Kotzebues durch Sand wechselte M. an die preuß. Univ. Bonn über und wurde in den Vorstand der Burschenschaft gewählt. Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse und der anschließenden „Demagogenverfolgung“ sah sich M. im März 1820 zur Emigration in die Schweiz gezwungen; in Aarau fand er eine Anstellung als Lehrer für Griechisch, Latein und Turnen. Seit 1822 war M. als freier Schriftsteller tätig. 1823 publizierte er die Aphorismensammlung „Streckverse“, seit 1824 gab er mit Friedrich List, Wilhelm Bernhard Mönnich und Ignaz Paul Vitalis Troxler die „Europäischen Blätter“ heraus. Nach einem Studienaufenthalt in Heidelberg übernahm M. 1825 in Stuttgart die Redaktion des „Literaturblatts“ zu Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“. 1831 begann mit der Wahl in die württ. Zweite Kammer seine Laufbahn als Politiker. 1835 erfolgte M.s publizistischer Angriff auf das „Junge Deutschland“. 1836-46 war er Mitherausgeber der „Deutschen Vierteljahresschrift“. 1848 fand sich M. erneut als Mitglied in der württ. Kammer; bei seiner Bewerbung für das Paulskirchenparlament unterlag er dem Kandidaten der Linken. Seit 1850 wirkte M. als freier Schriftsteller in Stuttgart.

    M. wurde geprägt durch die Bewegungen der Turner und der „Altdeutschen“, die aus dem Widerstand gegen Napoleon hervorgingen. In seinem Weltbild verband sich das bürgerliche Anliegen einer konstitutionellen nationalstaatlichen Ordnung Deutschlands mit Elementen des romantischen Volkstumsmythos. Einerseits stand M. in Opposition zum restaurativen Absolutismus, andererseits wandte er sich von einem vitalistischen Standpunkt aus gegen den Rationalismus der traditionellen bürgerlichen Aufklärung (Voß und die Symbolik, 1825). Ebenso lehnte er das weltbürgerliche, humanistische und idealistische Menschenbild des 18. Jh. ab und verfocht stattdessen die völkerpsychologische Auffassung einer eigentümlichen germanisch-deutschen Frömmigkeit, Sittlichkeit und Gemütstiefe. Mit der Tätigkeit für Cottas „Literaturblatt“ erwarb sich M. den Ruf eines „Stuttgarter Literaturpapstes“. Sein kritisch-polemisches Verfahren schob ästhetische Urteilskriterien beiseite und verfuhr nach Maximen nationaler Politik und Tugendhaftigkeit. M.s Abfertigung Goethes als eines aristokratischen, vaterlandsvergessenen, unsittlichen und areligiösen Dichters (zusammenfassend in „Die Deutsche Literatur“, 1828) wirkte nachhaltig auf das Goethe-Bild im Vormärz. Mit der Differenzierung der bürgerlichen Opposition nach der franz. Julirevolution trat M.s praktisch-politischer Standort im Parteienstreit hervor. Zugunsten eines moderaten Nationalliberalismus grenzte er sich gegen demokratische, sozial- und religionskritische Tendenzen ab und brach 1835 öffentlich mit dem radikalen Flügel der vormärzlichen Publizistik. Er griff rücksichtslos die „jungdeutsche Literatur“ und ihren vorgeblichen Urheber, Heinrich Heine, an. Seine Polemik stützte sich vor allem auf den Vorwurf adelig-pöbelhafter Unsittlichkeit, die franz. Ursprungs sei und die Lebensgrundlagen des deutschen Volkes untergrabe. M.s Vorstoß bereitete mit der zeitgleichen Kampagne in der „Evangelischen Kirchenzeitung“ Hengstenbergs das Feld für das Verbot des „Jungen Deutschland“ durch den Bundestag. Seit dieser Zeit trat in M.s Weltanschauung der deutschtümelnde, franzosen- und judenhasserische Affekt immer weiter in den Vordergrund; seine Trennung vom bürgerlichen Liberalismus wurde unverkennbar. Vom Gefühlsideal eines deutsch-sittlichen Staatswesens aus gesehen, schien M. die reale wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auf ein Chaos zuzulaufen (Vom Geist der Geschichte, 1835). Um diesem Prozeß des „Materialismus“ und der Entsittlichung Einhalt zu gebieten, bedurfte es einerseits der Anlehnung an die alten politischen Machthaber, andererseits der Benennung der für die Destruktion verantwortlichen Kräfte. M. erblickte diese Kräfte außenpolitisch in Frankreich, innenpolitisch im Judentum. In der Zeit des Nachmärz setzte M. auf die preuß. Realpolitik. Seine Idee eines mächtigen germanisch-deutschen Reiches sah er durch die Kriege von 1866 und 1870 verwirklicht. Gleichwohl wies seine weitergehende Geschichtsspekulation stark pessimistische Züge auf; mit dem „rothen Gespenst“ des Sozialismus und dem jüdisch-heidnischen „Antichrist“ malte er apokalyptische Zukunftsvisionen (Kritik des modernen Zeitbewußtseyns, 1869). Dem nüchternen Biographen in der ADB von 1887 galt M.s literarisches und politisches Wirken als geschichtlich abgetan. Erst in den folgenden Jahrzehnten kam M. zu neuer Geltung: die Ideologen des germanischen Volkstums, der Gallophobie und des Antisemitismus entdeckten ihn zu Recht als bedeutenden Vorläufer.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Gesch. d. Deutschen, 3 Bde., 1824 f.;
    Rübezahl, Ein dramat. Mährchen, 1829;
    Narcissus, Ein dramat. Mährchen, 1830;
    Reise nach Italien im Frühjahr 1835, 1835;
    Europa im J. 1840, 1839;
    Mytholog. Forschungen u. Slgg., 1842;
    Dtld.s auswärtige Pol., 1849;
    Furore, Gesch. e. Mönchs u. e. Nonne aus d. Dreißigj. Kriege, Ein Roman, 2 Bde., 1851;
    Gesch. Europas v. Beginn d. franz. Rev. bis z. Wiener Congreß (1789–1815), 2 Bde., 1854;
    Christl. Symbolik, 2 Bde., 1854;
    Zur dt. Mythol., 1855;
    Die Naturkde. in christl. Geist aufgefaßt, 3 Bde., 1856;
    Gesch. Europas v. Sturz Napoleons bis an d. Gegenwart (1816–56), 2 Bde., 1857-60;
    Dt. Dichtung v. d. ältesten Zeit bis auf d. neueste Zeit, 3 Bde., 1858 f.;
    Die letzten 120 J. d. Weltgesch. (1740–1860), 6 Bde., 1860;
    Allg. Weltgesch. v. Anfang bis jetzt, 12 Bde., 1862 f.;
    Der dt. Krieg im J. 1866, in seinen Ursachen, seinem Verlauf u. seinen nächsten Folgen, 2 Bde., 1867;
    Die vorchristl. Unsterblichkeitslehre, 1870;
    Gesch. d. franz. Krieges v. 1870/71, 2 Bde., 1871;
    Roms Unrecht, 1871;
    Denkwürdigkeiten, hrsg. v. seinem Sohn Konrad Menzel, 1877;
    Nachgelassene Novellen, hrsg. v. dems., 1885. – Hrsg: Moosrosen, Taschenbuch f. 1826, 1826;
    Taschenbuch d. neuesten Gesch., 5 Bde., 1830–34. – Mithrsg.: Jahreshh. d. Ver. f. vaterländ. Naturkde. in Württemberg, 19 Jgg., 1845-63. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Marbach, Dt. Lit.archiv; Stuttgart, Landesbibl.; Berlin, Dt. Ak. d. Wiss., Lit.archiv.

  • Literatur

    ADB 21;
    L. Börne, M., d. Franzosenfresser, 1837;
    H. Heine, Über d. Denunzianten, 1837;
    E. Harsing, M. u. d. Junge Dtld., Diss. Münster 1909;
    F. Jahn, M. als pol. Charakter, 1929;
    C. O. Coldtiz, M. als Lit.kritiker, Diss. Chicago 1934;
    E. Jenal, M. als Dichter, Lit.historiker u. Kritiker, 1937;
    E. Schuppe, Der Burschenschafter M., Eine Qu. z. Verständnis d. Nationalsozialismus, Diss. Göttingen 1952;
    W. Dietze, Der Anstoß d. jungdt. Klassiker-Diskussion, M., in: ders., Junges Dtld. u. dt. Klassik, 1958;
    K. Briegleb, Der „Geist d. Gewalthaber“, üb. W. M., in: G. Mattenklott u. K. Scherpe, Demokrat.-revolutionäre Lit. in Dtld., Vormärz, 1975;
    I. Oesterle u. G. Oesterle, Der literar. Bürgerkrieg, Gutzkow, Heine, Börne wider M., ebd.;
    D. Heald, W. M. – the „Denunziant“ Revalued, in: New German Studies 5, 1977;
    E. Becker, Nachwort zu: W. M., Die dt. Lit., Nachdr. 1981;
    Goedeke 13, S. 13-21, 307;
    Albrecht-Dahlke, Bd. 2/I;
    Rößler-Franz2;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Killy.

  • Portraits

    in: LIZ, Bd. 60, Nr. 1561, 1873.

  • Autor/in

    Johannes Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Johannes, "Menzel, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 92-94 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580949.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Menzel: Wolfgang M., Schriftsteller, geb. zu Waldenburg in Schlesien den 21. Juni 1798, zu Stuttgart den 23. April 1873. — M. war der Sohn eines schlesischen Arztes, aus wohlhabender Familie. Er verbrachte seine Kindheit in seiner Geburtsstadt, vom Mai 1810 an auf dem von seiner früh verwittweten Mutter erworbenen Rittergut Ober-Arnsdorf zwischen Strehlen und Neiße. Bis zum 16. Jahr von einem Hofmeister unterrichtet, bezog er an Ostern 1814 das Elisabethen-Gymnasium in Breslau, in das er. nachdem er sich, ohne aber den Auszug mitmachen zu können, für den Krieg von 1815 in die Reihen des preußischen Heeres gestellt hatte, noch im nämlichen Sommer zurückkehrte, um nunmehr an den Bestrebungen der Turner hervorragenden Antheil zu nehmen. Ebenso war er, nachdem er 1818 die Jenaer Hochschule bezogen hatte, einer von den Gründern und eifrigsten Theilnehmern der deutschen Burschenschaft. M. studirte Geschichte und Philosophie, mußte aber, als nach Sand's Attentat den preußischen Studenten der Aufenthalt auf nichtpreußischen Hochschulen verboten wurde, Jena verlassen und ging nach Bonn. Dort mit der Behörde in Conflict gerathen, entzog er sich den gegen die Mitglieder der Burschenschaft gerichteten Verfolgungen, indem er sich im Frühjahr 1820 nach der Schweiz wandte. Da seine Familie durch den Krieg verarmt war, mußte er selbst für sein Weiterkommen sorgen. Er ließ sich noch im selben Jahre in Aarau als Turnlehrer — neben anderen Lehraufträgen anstellen. Schon nach zwei Jahren gab er diese Stellung auf, um von den Erträgnissen seiner Feder zu leben. Mit Troxler, Friedrich List, L. A. Follen und Mönnich gab er die „Europäischen Blätter“ heraus (Zürich, 1824 f.), zog aber selbst schon 1824 nach Heidelberg, weil ihm in Aarau die litterarischen Hilfsmittel fehlten. In Heidelberg griff er in die Händel zwischen Paulus, Voß und Creuzer ein ("Voß und die Symbolik"). Mit Maßmann wollte er nach München gehen und verließ Heidelberg am 21. März 1825, blieb aber in Stuttgart, wo ihm Cotta die Redaction seines Litteraturblattes anbot. Menzel hat Stuttgart nur für kürzere Reisen wieder verlassen, deren zwei, die österreichische von 1831 und die italienische von 1835, er in eigenen Schriften geschildert hat. Er verheirathete sich schon ein Jahr nach seiner Ankunft mit einer Schwäbin und verwuchs auch durch seine starke Familie immer mehr mit Schwaben. Außerdem wurde er 1831 in die württembergische Kammer gewählt und wiederum 1848, während er für das Frankfurter Parlament dem Candidaten der Linken weichen mußte. Zuerst der liberalen Opposition ungehörig, stellte sich M. in den Revolutionsjahren auf die Seite der conservativeren Parteien. Der Mann, der in allem ein leidenschaftlicher und heutiger Verfechter seiner Meinungen war, hat auch darüber Manches hören müssen; es ist aber hier nicht der Ort darauf einzugehen. Seit dem Eingehen des Cotta'schen Litteraturblattes, dem er 1852 bis 1869 ein selbständiges in anderem Verlage folgen ließ, blieb M. ohne feste Stellung, von dem Ertrag seiner überaus fleißigen Feder lebend, auch an mehreren wissenschaftlichen Vereinen betheiligt — es sei hier nur der litterarische Verein in seinen Anfängen genannt —, bis zu seinem Tode in Stuttgart. — Seiner Schriftstellern, die zwölf Jahre nach seinem Tode schon recht sehr vergessen ist, gerecht zu werden, ist nicht leicht; schon deshalb, weil der Jüngere die mannigfachen Händel, in die der streitlustige Mann verwickelt war, gar nicht recht mehr begreift und sie, von irgend einem Standpunkte der Gegenwart aus betrachtet, mitunter fast gegenstandslos erscheinen müssen. M. war ein sehr fleißiger und vielseitiger, wohl aber auch ein gar zu fleißiger und vielseitiger Schriftsteller. Auf den Erwerb durch Schriftstellerei angewiesen, durch ein ungestümes Naturell zur lebhaften und eifrigen Geltendmachung seiner Empfindungen getrieben, hat M. sich nicht so recht die Zeit zur gänzlichen Ausreifung|seiner Ideen gelassen. Was er in Theologie, Sagenkunde und Naturwissenschaft geleistet hat ("Mythologische Forschungen und Sammlungen", „Odin", „Die vorchristliche Unsterblichkeitslehre“, „Christliche Symbolik“, „Naturkunde im christlichen Geiste"), das darf wol am ehesten, als allzusehr den Dilettanten und Freund phantastischer Einseitigkeiten verrathend, bei Seite gelassen werden. Daß M. seine poetischen Versuche nicht fortgesetzt hat, kann bedauert werden; denn er zeigt in ihnen viel Frische und Geist. Ausgedehnt ist seine Thätigkeit im Gebiete der Litteratur. Er stellte sich schon in seinen ersten Schriften ("Streckverse“, 1823) auf den Boden der Romantik, kämpfte für specifisch germanische und christliche Auffassung und Pflege der Dichtung, bekämpfte den Rationalismus, so namentlich Paulus und Voß, aber auch die Hegel'sche Philosophie, der er die Schellings gegenüber stellte, vor allem aber Goethe als den Urverderber der Zeit. Man kann diese ganze Richtung aus Menzel's Jugendleben begreifen. In ländlicher Umgebung hatte er vier Jahre seiner Jugend zugebracht, die Gesellschaft war ihm in seiner Vaterstadt nur in der Gestalt eines wenig geistvollen Protzenthums vor Augen gekommen; in seine Gymnasiasten- und Studentenzeit fielen die Befreiungskriege. So konnte sich leicht eine Verachtung der ruhigemessenen Weltbildung, eine Ueberspannung der Ideen, die ohnehin in der gährenden Zeit lagen, in ihm ausbilden. Unermüdlich eifernd und polternd hat M. diese Ansichten in seinem Litteraturblatt und in dem 1828 zuerst erschienenen Werke „Die deutsche Litteratur“ entwickelt; vieles, vielleicht das meiste von dem, was er dort mit dem unermüdlichen Eifer eines Adepten immer wieder predigte, ist jetzt, unter ganz anderen Verhältnissen, ohne alles Interesse; mitunter möchte man ihm gern beifallen, aber er ist zu einseitig, zu blind in seinem Eifer, und namentlich seine Opposition gegen Goethe (man darf da freilich nicht vergessen, daß die schönsten Zeugnisse für Goethes Persönlichkeit erst später an den Tag getreten sind) ist so maßlos, daß man unwillkürlich selbst gegen das Wahre, was er da etwa gesagt hat, unwillig sich verschließt. Diese Kundgebungen brachten M. in Conflicte verschiedener Art. in denen er nur immer mehr sich in seine Ideen verbohrte, und gipfelten in den Händeln mit dem jungen Deutschland, von dessen Vertretern er sich die schlimmsten Dinge sagen lassen mußte (Kottenkamp, Anti-Menzel, Stuttgart 1835; Börne, Menzel der Franzoseilfresser, Schriften (1862), Bd. VI; Heine, Ueber den Denuncianten, Werke, Bd. XIV; vgl. auch Gutzkow's „Rückblicke“ und Strauß, Streitschriften. Heft II), auf die er die Antwort nicht schuldig blieb. Seine Ansichten hatten sich schon früh so petrificirt, daß er sie umzubilden nicht im Stande war; daher hat er nach jener Zeit ebenso sehr jede größere Bedeutung für die Litteratur verloren, wie seit 1848 für die Politik. — Wohl am wichtigsten sind Menzel's historische Werke, jedenfalls füllen sie in der Sammlung seiner Schriften den größten Raum aus. Aber seine „Geschichte der Deutschen“ (1824 ff.) hat sich auch in der Thai Freunde gewonnen und den patriotischen Sinn bei Vielen genährt, während die zusammenfassenden Geschichtsübersichten seiner späteren Jahre keine bleibende Bedeutung beanspruchen können.

    • Literatur

      Für Menzel's Biographie s. seine, von seinem Sohn Konrad herausgegebenen Denkwürdigkeiten (Bielefeld und Leipzig 1877), die leider in ihrer etwas senilen und selbstgefälligen Redseligkeit mehr Anekdotenkram als wirklich Werthvolles enthalten. Sein Bild findet sich ebendaselbst. — Menzel's Werke sind aufgezählt bei Goedeke, Grundriß, III. 1021—1024; einige Fehler des btr. Artikels sind oben berichtigt, und ich trage noch die bei G. fehlenden Werke Menzel's nach: „Deutsche Dichtung von der ältesten bis auf die neueste Zeit“, 3 Bde., Stuttg. 1858 f., ein Werk, das sich vor anderen Behandlungen des Gegenstandes durch die Mitberücksichtigung der in lateinischer|Sprache gehaltenen Litteratur auszeichnet; „Kritik des modernen Zeitbewußtseins“, Franks. a. M. 1869, 2. Aufl. 1873; „Die vorchristliche Unsterblichkeitslehre“, 2 Bde., Leipz. 1870; „Geschichte der neuesten Jesuitenumtriebe in Deutschland", Stuttg. 1873. Auch muß ich nachtragen, daß von Menzel's „Mythologischen Forschungen und Sammlungen“ (Goedeke Nr. 17) nur ein Händchen erschienen ist, und daß seine zeitgeschichtlichen Uebersichten nach seinem Tode zusammengefaßt wurden als „Geschichte der Neuzeit 1789—1871“, 13 Bde., Stuttg. 1877/78.

  • Autor/in

    Hermann Fischer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Menzel, Wolfgang" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 382-384 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580949.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA