Lebensdaten
1799 bis 1856
Geburtsort
Waldenburg
Sterbeort
Königshütte
Beruf/Funktion
Geologe ; Mineraloge ; Hüttenbeamter
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 137041284 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mentzel, Rudolph
  • Mentzel, Rudolf

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Zitierweise

Mentzel, Rudolph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137041284.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Oswald (s. 1), Wolfgang Menzel (s. 3);
    1834 Aurelie (1813–59). T d. Jan Räschke, Rittergutsbes. zu Sulencice, u. d. Charlotte Julie Schlesien 3 S, 3 T.

  • Leben

    M. verlor als Dreijähriger den Vater. 1810 zog die Mutter mit ihren vier Kindern auf das von ihr erworbene Gut Ober-Arnsdorf Kr. Schweidnitz und heiratete den Hauslehrer ihrer Kinder. Da M. das Wesen des Stiefvaters|nicht zusagte, kehrte er nach Waidenburg zurück, wo er bei der Großmutter väterlicherseits lebte. 1772 hatte diese in zweiter Ehe den Kaufmann Carl Abraham Treutler geheiratet, der ein bedeutendes Waldenburger Handelshaus für Webwaren leitete. M. arbeitete zunächst auf der Fuchsgrube, einer der größten Steinkohlengruben des Waldenburger Reviers, wandte sich dann aber dem Hüttenfach zu. 1816 war er als Hütteneleve in Breslau tätig. Anschließend widmete er sich einem fachwissenschaftlichen Studium an der Univ. Breslau, das durch praktische hüttenmännische Arbeit in Oberschlesien unterbrochen wurde. 1817-21 arbeitete M. als Hütteneleve in Malapane; während des Wintersemesters 1818/19 studierte er an der Univ. Breslau und besuchte Vorlesungen des Philosophen und Naturforschers Henrik Steffens über experimentelle Physik. Von Malapane ging M. nach Gleiwitz, um sich mit der Technik des Eisengusses vertraut zu machen, und besuchte dann die Bergakademie Freiberg in Sachsen, wo er ein Examen ablegte.

    Nunmehr setzte M. seine Ausbildung auf Hüttenwerken im Unterharz fort sowie zu Hettstedt im Mansfelder Kupferbergbau, um sich dort mit der Kupfer-, Silber- und Vitriolgewinnung bekannt zu machen. 1824 erhielt er eine Anstellung beim Bergamt in Tarnowitz; gleichzeitig wurde er zum Obermeister und damit zum Departementsbeamten für sämtliche unter „landesherrlicher Administration“ stehenden privaten Zinkhütten Oberschlesiens bestellt. Diese Tätigkeit war mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden, dem die dafür verfügbaren Mittel nicht entsprachen. Daher sah sich M. gezwungen, nicht nur das väterliche Erbe zu opfern, sondern sich auch noch zu verschulden. 1830 wurde er mit der Leitung des staatlichen Hüttenwerks zu Friedenshütte bei Tarnowitz. einer Blei- und Silberhütte, betraut. 14 Jahre lang wirkte er hier und war gleichzeitig auch um die Förderung der Eisenindustrie bemüht. 1842 inspizierte M. die durch Zar Alexander I. in Russ.-Polen errichteten Hüttenwerke und machte Verbesserungsvorschläge.

    1844 übernahm M. die Leitung der Königshütte, des damals bedeutendsten staatlichen Hüttenwerks in Preußen; damit war die Ernennung zum Oberhütteninspektor und Dirigenten des Hüttenamtes in Königshütte verbunden. Erwartet wurde von M. die Entwicklung der Königshütte zu einem leistungsfähigen, selbständigen Hochofen- und Walzwerk, eine Aufgabe, die er mustergültig erfüllte. Im September 1846 wurden die ersten Eisenbahnschienen in der von M. erbauten Alvenshütte ausgewalzt. Er erwarb auch bedeutende Eisenerzlager in Noclo und bei Tarnowitz sowie im Königshütter Stadtteil Klimsawiese und ließ Arbeiterwohnungen errichten. Für Oberberghauptmann Gf. Beust war M. „der geschickteste und redlichste unter allen meinen Beamten, in seinem Fach der verständigste, den der König in seinem Staate hat“.

    M. war auch ein ausgezeichneter Theoretiker. Seine hüttenkundlichen Untersuchungen fanden große Beachtung. Ihm gelang die Herstellung von metallischem Cadmium aus dem Zinkerz Galmei, das häufig Cadmiumverbindungen enthält, und er entdeckte die Eignung des Cadmiumsulfids als Malerfarbe. Außerdem entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von Bleiweiß und Zinkweiß. Erfolgreich war er auch bei der Gewinnung von Gold aus Reichensteiner Arsenikschlacken sowie der Verarbeitung von Hochofenschlacke zu Schmucksteinen, die dem Malachit ähnelten. Keine seiner Erfindungen fand jedoch gewinnbringende Anwendung. Auch als Geologe machte sich M. einen Namen. Eine von ihm 1842 gefundene Versteinerung erhielt die wissenschaftliche Bezeichnung „Rhynochella Mentzelii“. Die von ihm zusammengetragene (verschollene) Gesteinssammlung genoß in Fachkreisen hohe Wertschätzung.

  • Werke

    Beschreibung d. Kadmium-Bereitung auf d. Zinkhütte Lydognia in Oberschlesien, 1829;
    Über d. Benutzung d. rohen Steinkohlen b. allen Bleihüttenpressen in Schachtöfen, 1835;
    Über d. auf. d. Friedenshütte b. Tarnowitz angestellten Versuche, d. Glätte unmittelbar vor d. Teilofen zu reducieren, 1836;
    Einl. zu d. v. H. v. Meyer gelieferten Übersicht d. im Muschelkalke Oberschlesiens vorhandenen Tiere, 1847;
    Über eine b. d. Zinkdestillationsöfen auf d. Lydogniahütte in Oberschlesien eingeführte Vorrichtung z. vollständigen Benutzung d. Brennmaterials, 1848;
    Über d. auf d. Lydogniahütte eingeführte Verfahren z. Benutzung d. Gas-Flammofens beim Zinkdestillationsprozeß, 1850;
    Zus.stellung d. in Oberschlesien vorkommenden Eisenerze u. Eisensteine, 1855 (ungedr.).

  • Literatur

    R. v. Carnall, Bergmänn. Kalender 2, 1845, 3, 1846;
    M. Kleinwächter, R. M., e. Bahnbrecher im schles. Hüttenwesen, in: Schles. Bergland-Kalendor 1940, 1940, S. 64-67;
    A. Perlick (Hrsg.), Landeskde. d. oberschles. Industriegebietes, 1943, S. 388 f.;
    ders., Oberschles. Berg- u. Hüttenleute, 1953, S. 127 f.

  • Autor/in

    Konrad Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Konrad, "Mentzel, Rudolph" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 91-92 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137041284.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA