Lebensdaten
1855 bis 1933
Geburtsort
Ratibor
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118580728 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mendelssohn, Ludwig Arnold
  • Mendelssohn, Arnold
  • Mendelssohn, Ludwig Arnold
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Mendelssohn, Arnold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580728.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1821–66), Maschinenmeister b. d. preuß. Wilhelmsbahn, S d. Nathan (1782–1852), Mechaniker u. Techniker, Steuerbeamter (s. Einl.), u. d. Henriette Itzig (1781–1845);
    M Louisa Aimée (1826–94), T d. Ludwig Cauer (1792–1834), Dr. phil., Gründer u. Dir. d. Erziehungsanstalt in Charlottenburg (s. NDB III*), u. d. Marianne Itzig (1794–1869); Onkel väterlicherseits Arnold (1817–54?), Arzt (s. Einl.);
    Kreuznach 1885 Maria (1861–1928), Graphikerin, T d. Carl Ludwig Cauer (1828–85), Bildhauer u. Maler (s. NDB III*; ADB 47; ThB); kinderlos.

  • Leben

    M. erhielt seine musikalische Ausbildung in Berlin bei Carl August Haupt und Eduard Wilsing, anschließend studierte er am Kgl. Institut für Kirchenmusik (1876–78) und an der Akademischen Hochschule für Musik (1876–80) bei August Eduard Grell, Friedrich Kiel, Carl Albert Loeschhorn und Wilhelm Taubert. 1880 wurde er als Organist und Chordirigent an die Neue Evangelische Kirche (heutige Kreuzkirche am Kaiserplatz) nach Bonn berufen und erteilte an der Universität Unterricht in Orgel und Harmonielehre. In Zusammenarbeit mit Friedrich Spitta und Julius Smend gab M. in seiner Bonner Zeit entscheidende Anstöße zur Wiederbelebung der Orgel- und Chormusik alter Meister, vor allem der Passionsvertonungen von Heinrich Schütz. 1883 wurde er Dirigent des Bielefelder Musikvereins und Künstlerischer Leiter der Abonnementskonzerte der Stadt Bielefeld. 1886 ging er als Lehrer für Orgelspiel und Komposition an das Kölner Konservatorium, wo er intensiven Kontakt mit Engelbert Humperdinck, dessen Schwager Hermann Wette und Hugo Wolf pflegte. 1891 übernahm er in Darmstadt das Amt eines Kirchenmusikmeisters, das von der ev. Kirche in Hessen und Nassau neu eingerichtet worden war, um das kirchliche Musikwesen einer fachgemäßen Aufsicht und Beratung zu unterstellen. Dieses überregionale Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte, bot ihm die Grundlage für eine reiche kompositorische und künstlerische Tätigkeit, die ihn vor allem im Bereich der Kirchenmusik weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte und zu einer der bedeutendsten und angesehensten Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit werden ließ.

    In den 20er und 30er Jahren kam M. eine Schlüsselposition hinsichtlich der Entstehung und Stilentwicklung der kirchenmusikalischen Erneuerungsbewegung zu. Zu seinem großen Schülerkreis zählen u. a. Kurt Thomas, Günter Raphael, Heinrich Spitta, Günther Ramin und im weiteren Sinne Hugo Distler, ebenso wie Paul Hindemith, der 1912 Kompositionsunterricht bei M. erhielt und nach eigenem Zeugnis in seinem musikalischen Denken von ihm nachhaltig beeinflußt wurde. M.s umfangreiches kompositorisches Œuvre umfaßt alle Gattungen. Er schrieb vier Sinfonien, je ein Violin- und Cellokonzert, zahlreiche Kammermusikstücke, drei Opern, eine Vielzahl geistlicher und weltlicher Kantaten und Oratorien, ca. 170 Lieder sowie Klavier- und Orgelmusik. Schwerpunkt seines Schaffens wurde jedoch die Kirchenmusik, in der vor allem seine „Geistliche Chormusik“ op. 90 als die zentrale Motettensammlung innerhalb seines geistlichen A-cappella-Werkes gilt. Seine Vokalkompositionen zeigen besonders im Frühwerk Einflüsse des herrschenden A-cappella-Ideals seiner Zeit und orientieren sich stilistisch an den Formund Klangvorstellungen des Barock, die er vor allem hinsichtlich Harmonik und Dissonanzbehandlung modifizierte und nach der Jahrhundertwende mit zeitgenössischen Stilelementen der einsetzenden atonalen Musikentwicklung in Verbindung brachte, wie etwa in der Adventsmotette op. 90 Nr. 5. Sein reiches Instrumentalschaffen ist bis ins Spätwerk hinein geprägt von der ständigen Auseinandersetzung mit der klassischen Sonatenform, deren ästhetische Bedeutung er als etwas Ewiges und allgemein Gültiges erkannt zu haben glaubte. Diese „Objektivität“ suchte er in seinen Kompositionen ständig neu zu formulieren. M., der sich selbst als „Anti-Romantiker“ verstand, näherte sich am weitesten der Musiksprache des ausgehenden 19. Jh. mit der Vertonung des 137. Psalms und der geistlichen Kantate op. 54|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (1899); D. theol. (Gießen 1917), Dr. phil. h. c. (Tübingen 1919); Büchner-Preis (1923); Ehrenbürger v. Leipzig (1925); Beethovenpreis (1928); Ehrenbürger v. Darmstadt (1930).

  • Werke

    Weitere W Vokal-Werke: Abendkantate, 1881;
    Die Frühlingsfeier, 1891;
    Der Schneider in d. Hölle, 1895;
    Paria, 1905;
    Pandora, 1908;
    Aus tiefer Not (Kantate), 1912;
    Zagen u. Zuversicht (Kantate), 1917;
    Dt. Messe, 1923;
    Geistl. Chormusik, 1925;
    Jonas (Oratorium), 1933;
    Die Seligpreisungen, 1933;
    zahlr. weitere geistl. Motetten, Kantaten u. Chorsätze in versch. Besetzung;
    ca. 170 Lieder f. Singstimme u. Klavier. – Klaviermusik: „ Federzeichnungen“, 1901;
    Sonaten e-Moll, 1914, u. c-Moll, 1900, Neufassung 1932;
    Sonatine c-Moll, 1889, Neufassung 1932;
    Suite, 1918. – Orgelwerke: Choralvorspiele, 1928. – Kammermusik: G. D. A. E., 1900;
    Streichquartette D-Dur, 1915, u. B-Dur, 1918;
    Sonate f. Violoncello u. Klavier, 1917;
    Sonate f. Violine u. Klavier, 1917;
    Trio f. 2 Violinen u. Klavier, 1917;
    Suite f. Oboe u. Klavier, 1917. – Orchesterwerke: Suite f. Blas- u. Schlaginstrumente, 1916;
    Sinfonie Nr. 1, Es-Dur, 1920;
    Nr. 2, C-Dur, 1922;
    Nr. 3, F-Dur, 1923;
    Violinkonzert, 1921;
    Cellokonzert g-Moll, 1932. – Opern: Elsi, d. seltsame Magd (Uraufführung Köln 1896);
    Der Bärenhäuter (Uraufführung Berlin 1900);
    Die Minneburg, 1907. – Schrr: Allerlei, in: Die Musik 7, 1907, S. 214-28;
    Ev. Kirchenmusik vor 50 J. u. heute, in: Musik u. Kirche 1, 1929, S. 111-15;
    Gott, Welt u. Kunst, hrsg. v. W. Ewald, 1949.

  • Literatur

    E. O. Nodnagel, Jenseits v. Wagner u. Liszt, Profile u. Perspektiven, 1902;
    W. Nagel, in: Die Musik 7, 1907, S. 199-213;
    H. Hering, A. M., Diss. 1930;
    K. Holzmann, in: Musik im Unterricht 43, 1952, S. 112-14;
    W. Timm, Die Nachfahren v. C. L. Cauer u. Aimée Eleonore, geb. Bassenge, 1959;
    H. J. Irmen, Hugo Wolf u. seine rhein. Freunde E. Humperdinck, H. Wette u. A. M., 1974;
    A. Werner-Jensen, A. M. als Liederkomp., Diss. 1976 (P);
    H. M. Balz, in: Musik in Darmstadt zw. d. beiden Weltkriegen, hrsg. v. H. Unverricht u. K. Oehl, 1980 (P);
    U. Hertin, Der Nachlaß A. M.s im Mendelssohn-Archiv, 1982;
    I. Rabien, in: Mitt. d. Arb.gemeinschaft f. mittelrhein. Musikgesch. 51, 1987, 52/53, 1988;
    J. Böhme, A. M. u. seine Klavier- u. Kammermusik, Diss. 1987;
    ders., Form als ästhet. Kategorie, Ein Btr. z. musiktheoret. u. theosoph. Schrifttum A. M.s, 1990;
    M. Pape, A. M., Motetten u. geistl. Liedsätze z. Kirchenjahr, 1991;
    MGG VIII (P);
    Riemann.

  • Autor/in

    Jürgen Böhme
  • Empfohlene Zitierweise

    Böhme, Jürgen, "Mendelssohn, Arnold" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 60-61 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580728.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA