Lebensdaten
1903 bis 1960
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Herford
Beruf/Funktion
Musiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118749137 | OGND | VIAF: 42106851
Namensvarianten
  • Raphael, Günter
  • Raphael, Günter
  • Raphael, G.
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Zitierweise

Raphael, Günter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749137.html [26.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1865–1904, jüd., später ev.), Komp., seit 1892 Organist d. Lutherkirche in B., seit 1901 Organist u. Chordirigent d. Matthäikirche ebd.;
    M Maria (1878–1952, ev.), Geigerin, T d. Albert Becker (1834–99), Komp., Lehrer am Wandeltschen Inst. u. am Scharwenka-Konservatorium in B., seit 1891 Leiter d. Berliner Domchors;
    Pauline Jessen (* 1910), Absolventin d. Leipziger Konservatoriums, Pianistin, Klavierpäd.;
    2 T u. a. Christine (* 1943), Violinistin (s. W).

  • Leben

    Erste musikalische Erfahrungen verdankte R. seiner Mutter, der umfangreichen Bibliothek im Elternhaus, Eindrücken des Berliner Musiklebens und dem Unterricht bei Arnold Ebel. 1922-25 studierte er an der Berliner Musikhochschule (bei Robert Kahn, Max Trapp, Walter Fischer, Rudolf Krasselt, Julius Prüwer) sowie im Sommer 1925 bei Arnold Mendelssohn in Darmstadt. Besonderen Einfluß übte Karl Straube (1873–1950) aus, der Kontakte vermittelte und R. veranlaßte, sich in Leipzig eine berufliche Existenz aufzubauen. 1926 wurde R. Theorielehrer am Leipziger Konservatorium. Gleichzeitig fand er als Komponist große Beachtung, namhafte Künstler und Ensembles führten seine Werke auf (UA der 1. Sinfonie in a-moll 1926 durch W. Furtwängler). Außerdem trat R. als Pianist hervor. 1933 noch von vielen Musikern und Kritikern als „seltene Hoffnung für die Zukunft der dt. Musik“ gewürdigt, wurde ihm bereits ein Jahr später als „Halbarier“ seine Lehrposition gekündigt. R. siedelte nach Meiningen über, unterrichtete aber mehrere seiner Studenten in Privatwohnungen weiter. Mit der Aufnahme in die Reichsmusikkammer 1935 (Mitgl. bis 1939) war keine Rehabilitation verbunden. Die wenigen Konzerte, in denen er mitwirkte, wurden immer wieder zum Kräftemessen mit intervenierenden NS-Funktionären. Aufführungen, Übertragungen und Veröffentlichungen seiner Werke nahmen spürbar ab. 1939 erhielt R. absolutes Berufsverbot. Der Versuch, ins Exil zu gehen, scheiterte wiederholt; schwere Krankheit erschwerte die Situation zusätzlich. Nach dem 2. Weltkrieg lebte R. zunächst ohne feste Anstellung in Laubach (Hessen). 1949-53 übernahm er eine Dozentur am Städt. Konservatorium in Duisburg und leitete daneben vorübergehend die Paulus-Kantorei in Duisburg-Hochfeld. 1956-58 lehrte er am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz, seit 1957 an der Staatl. Hochschule für Musik in Köln, wo er 1958 zum Professor berufen wurde.

    R. war ein produktiver und vielseitiger Musiker. Als Komponist orientierte er sich, abseits der zeitgenössischen Avantgarde, an traditionellen Form- und Sprachmodellen, die er v. a. in den Jahren der Ausgrenzung mit wachsender Individualität zu entwickeln suchte. Später griff er, auf Intensität des Ausdrucks bedacht, auch Einflüsse des 20. Jh. auf, aber ohne sich den Ideen der Nachkriegsavantgardisten anzuschließen. Zu den Schlüsselwerken R.s zählt das „Glaubensbekenntnis“ (1948), in dessen Mittelpunkt die Idee der Annäherung und Zusammenführung der christl. Religionen steht.

  • Werke

    Kompositionen: Geistl. Chorwerke u. a.: Requiem op. 20;
    Te Deum op. 26;
    Psalm 104 op. 29;
    „Vom jüngsten Gericht“ op. 30 Nr. 1;
    Aus d. Klageliedern Jeremiae op. 56 Nr. 2;
    „Das Glaubensbekenntnis“ op. 64;
    - Weltl. Chorwerke u. a.: Kantate n. Texten v. Goethe;
    6 Galgenlieder op. 75;
    „Von d. gr. Weisheit“ op. 81 [Laotse];
    „Sechsmal Ringelnatz im Drei-Stimmen-Satz“ op. 85;
    zahlr. Volksliedbearb. u. -
    sätze;
    – Werke f. Sologesang, Orchesterwerke u. a.: mehrere Sinfonien;
    Ballettsuite „Jabonah“ n. mongol. Weisen op. 66;
    Violinkonzerte op. 21 u. op. 87;
    Konzert f. Orgel, drei Trompeten, Pauken u. Streichorchester op. 57;
    zahlr. kammermusikal. Werke, Solowerke, Klavier- u. Orgelwerke u. a.: Choralvorspiele op. 1;
    12 Orgelchoräle op. 37;
    Kompositionen üb. finn. Choräle;
    Sonate f. Orgel op. 68;
    Choralvorspiele u. Intonationen z. ev. Kirchengesangbuch. – Schrr.: Neuere dt. Musik, in: Musikvärlden 5/1947 (schwed.);
    Über mein Glaubensbekenntnis, in: Musikvärlden 1/1949;
    Dt. Musik u. Weltmusik, Zur Gesch. d. europ. Wechselspiels, in: Musica 1952, S. 10 ff.;
    Die Vormachtstellung d. dt. Musik u. ihre Krise, in: Musikrevy 5/1952, S. 178 ff. (schwed.);
    Selbstportrait (Självporträtt, Schwed. Fassung von In me ipsum), in: Musiklivet 6/1953;
    Wie die Schaffenden es sehen, in: Zs. f. Musik 1953, S. 78 f.;
    In me ipsum, in: Kulturbl. d. Städt. Bühnen Duisburg 8/1953, S. 13 ff.;
    Rudolf Mauersberger z. 29. Jan. 1959, in: H. Böhm (Hg.), Kirchenmusik heute, Berlin 1959, S. 12 ff.;
    Reger u. seine Stellung in d. ev. Kirchenmusik, in: Mitt. d. Max-Reger-Inst. Bonn, 1961, S. 9 ff. – Nachlaß: zahlr. ungedr. W, Mss. (Christine Raphael, Bonn).

  • Literatur

    H.-H. Albrecht, in: U. v. Brück (Hg.), Credo musicale, 1969, S. 135 ff.;
    M. Herrmann, „G. R. ist Halbjude u. hat als solcher keinen Platz im dt. Musikleben“, Bemerkungen üb. d. Komp. zw. 1933 u. 1945, in: Die Musik d. osteurop. Judentums, 1997, S. 115-21;
    D. Hoßfeld. G. R. (1903-1960), Leben u.|Werk eines humanist. Künstlers u. Hochschulpädagogen, Diss. Halle/S. 1982 (W-Verz.);
    ders., in: Zur Musikentwicklung Meiningens Ende d. 19./Anfang d. 20. Jh., Kolloquium, Suhl o. J. [1987], S. 89 ff.;
    M. Mezger, Ein Erneuerer ev. Kirchenmusik, Zum 70. Geb.tag v. G. R, in: Musik u. Kirche 1973, S. 140;
    Herta Müller, G. R. in Meiningen, Über e. trag. Musikerschicksal u. treue Freunde, 1992 (Typoskript b. Vf., Meiningen);
    O. Riemer, Prophet. Musik, Zur geistl. Chormusik G. R.s, in: Musica 1947, S. 280 ff.;
    Th. Schinköth, Musik – das Ende aller Illusionen?, G. R. im NS-Staat, 1996 (P);
    E. Schmiedeke, G. R.s Chormusik, Versuch e. krit. Wertung, 1985 (W-Verz. d. Chormusik);
    Rhein. Musiker VI, 1969;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG (P) mit Suppl.bd.;
    New Grove;
    New Grove2.

  • Autor/in

    Thomas Schinköth
  • Empfohlene Zitierweise

    Schinköth, Thomas, "Raphael, Günter" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 149-150 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749137.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA