Lebensdaten
1832 bis 1867
Geburtsort
Schönbrunn bei Wien
Sterbeort
Querétaro (Mexiko)
Beruf/Funktion
Kaiser von Mexiko ; Erzherzog von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118579363 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ferdinand Maximilian (als Erzherzog)
  • Maximilian von Österreich
  • Maximilian I. (als Kaiser von Mexiko)
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Objekt/Werk(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Maximilian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579363.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Habsburg-Lothringen;
    V Erzhzg. Franz Karl (1807–78, s. ÖBL), S d. Kaisers Franz I. v. Österreich ( 1835, s. NDB V) u. d. Maria Theresia v. Neapel-Sizilien (1772–1807);
    M Sophie (1805–72), T d. Kg. Maximilian I. v. Bayern ( 1825, s. NDB 16) u. d. Karoline v. Baden (1776–1841);
    Ov Kaiser Ferdinand I. v. Österreich ( 1875, s. NDB V);
    Om Kg. Ludwig I. v. Bayern ( 1868, s. NDB 15);
    B Kaiser Franz Joseph I. v. Österreich ( 1916, s. NDB V). Erzhzg. Karl Ludwig (1833–96, s. ADB 51), Erzhzg. Ludwig Victor (1842–1919);
    Vt Kg. Maximilian II. v. Bayern ( 1864, s. NDB 16), Kg. Otto v. Griechenland (1815–67); Schwager Leopold II., Kg. d. Belgier (1835–1909);
    Brüssel 1857 Maria Charlotte (1840–1927, s. ÖBL), T d. belg. Kg. Leopold I. ( 1865, s. NDB 14) u. d. Louise v. Orléans (1812–50); kinderlos.

  • Leben

    Als zweiter Sohn des präsumtiven Thronfolgers wurde M. nach demselben vielseitigen Lehrplan unterrichtet wie der spätere Kaiser Franz Joseph. Doch obwohl nach dessen Herrschaftsantritt (Dezember 1848) M. nächster und nach der Geburt von Kronprinz Rudolf (August 1858) zweiter Thronanwärter war, wurde er – entsprechend der neoabsolutistischen, allein auf den regierenden Monarchen hin ausgerichteten Herrschaftspraxis – von jeder politischen Tätigkeit ferngehalten. Daher wuchs in ihm die Überzeugung, nur der Zufall der Geburt verschließe ihm einen seinen Fähigkeiten entsprechenden dynastischen Wirkungskreis.

    Der vielfältig interessierte und auch künstlerisch begabte Erzherzog war geistig beweglicher und im Umgang mit Menschen gewinnender als Franz Joseph, aber unsteter, leicht beeinflußbar und kein guter Menschenkenner. Er verfügte kaum über klare, wohlbegründete Einsichten in die Bedingungen der politischen, sozialen und kulturellen Situation seiner Zeit, und die ihm schon bald nachgesagte liberale Gesinnung war nicht sosehr das Ergebnis des staatskundlichen Unterrichts bei Joh. v. Perthaler (1816–62), sondern entsprang vielmehr seinem Bemühen, solche Eigenheiten hervorzukehren, durch die er sich von seinem kaiserlichen Bruder unterschied. Allerdings war M.s Weltbild weitgehend von idealistischen Erwartungen bestimmt und nicht frei von utopischen, ja sogar phantastischen Zügen.

    1851 trat M. im untersten Offiziersdienstgrad (als Fregattenleutnant) in die österr. Kriegsmarine ein. Dieser Entschluß wurzelte in|doppelter Hinsicht in der Hoffnung, hier noch am ehesten in der von ihm sonst vermißten Unabhängigkeit leben zu können. Er zog das Meer mit dessen scheinbarer Unbegrenztheit dem Festland vor; zudem befand sich die Flotte noch im Aufbau (erst 1815 waren die Küstengebiete an der nördlichen und östlichen Adria endgültig habsburgisch geworden) und der Dienst in ihr konnte, auch wegen ihrer technischen Besonderheiten, unkonventioneller geführt werden. Nach raschem Durchlaufen von Ausbildung und Rängen wurde M. im September 1854 unter Beförderung zum Konteradmiral (seit Dezember 1856 Vizeadmiral) zum Marineoberkommandanten ernannt; er behielt diese Funktion bis zu seiner Abreise nach Mexiko. Während dieser Zeit wurde die Flotte vergrößert und modernisiert, wohl auch aufgrund der Vorschläge seiner Berater, namentlich Wilhelm v. Tegetthoffs (1827–71). So wurde die ital. Dienstsprache durch die deutsche ersetzt, das militärische Seewesen institutionell verselbständigt und beim Schiffsbau immer mehr die neueste Technik berücksichtigt (Schraubenantrieb, Panzerung, Verbesserung der Geschütze). M. verwandte sich auch u. a. für die Verwirklichung des wissenschaftlich bedeutsamen Plans einer Weltumsegelung durch die Fregatte „Novara“ (April 1857 – August 1859).

    Im Februar 1857 wurde M. mit dem Titel eines Generalgouverneurs zum Chef der Zivilverwaltung des lombardo-venezian. Königreichs ernannt, wo seit der Märzrevolution die gesamte Administration militärischer Kontrolle untergeordnet war. Um eine Aussöhnung der Bevölkerung, vor allem der sozial und ökonomisch führenden Schichten, mit der habsburg. Herrschaft zu erreichen, verfügte Franz Joseph damals die Wiederherstellung der üblichen Trennung von militärischer und nichtmilitärischer Exekutive. Auch sollten seine ital. Untertanen davon überzeugt werden, daß ihre Zugehörigkeit zur Habsburgermonarchie für sie in jeder Hinsicht vorteilhafter sei als das Leben in einem ital. Nationalstaat. Daß M.s Bemühungen erfolglos blieben, lag nicht sosehr an dem bloß dekorativen Charakter seines Amtes – an der Zuständigkeit der Zentralbehörden für diese Provinzen wurde nichts geändert – oder an dem Umstand, daß es nach nur zwei Jahren im April 1859 aufgehoben wurde, weil der Kaiser unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges das gesamte öffentliche Leben in Lombardo-Venetien wieder dem Militärkommandanten unterstellte. Entscheidender für das Mißlingen war, daß im damaligen Stadium der ital. Frage alles, was den Einwohnern dieses Königreichs zugute kam, die habsburg. Position nahezu zwangsläufig schwächte. Zwar bedeutete vieles von dem, was M. damals in Angriff genommen hat (der beschleunigte Ausbau des Eisenbahnnetzes, Verbesserungen im Kreditwesen, Meliorationen, die endgültige Ablösung von Feudallasten), einen echten Fortschritt. Doch weil dadurch Lombardo-Venetien an das außerital. Österreich, aber auch an das benachbarte Sardinien-Piemont bloß angeglichen wurde, wurde der Anspruch unglaubwürdig, die habsburgische Herrschaft über Oberitalien sei die notwendige Voraussetzung für solche materiellen Verbesserungen. Zudem mußten die von M. befürworteten kulturellen Vorhaben (Unterrichtsreform, Denkmalpflege, Edition literarisch und historisch bedeutsamer Quellentexte) bei den habsburg. Italienern die Kenntnis von der großen Vergangenheit ihres Volkes nur noch vertiefen und dadurch erst recht das Nationalbewußtsein stärken.

    Bereits in den 50er Jahren hat M. im Verfolgen seiner historischen, naturwissenschaftlichen – namentlich botanischen – und kunsthistorischen Interessen, gewiß aber auch schon aus Enttäuschung darüber, daß ihm, wie er meinte, eine seinen Fähigkeiten angemessene politische Betätigung vorenthalten blieb, Seereisen zu fast allen Mittelmeerländern sowie nach England unternommen. Hatte er sich aber dabei noch im wesentlichen von kultivierter Neugier bestimmen lassen, so zeigen die Überquerung des Atlantiks und der Besuch von Brasilien bis in den Urwald landeinwärts von Ilhéus (Winter 1859/60) bereits Züge einer Flucht. Sein Scheitern in Oberitalien, mehr aber noch die durch den Krieg sichtbar gewordene Schwäche der Habsburgermonarchie und eine dadurch ausgelöste Zukunftsangst haben M. in seiner schon früh vorhandenen kulturpessimistischen, aber auch abenteuerfreudigen Haltung bestärkt, nur außerhalb von Europa, in einer vom Menschen noch kaum erschlossenen Natur und weithin frei von den sozialen Systemen der Alten Welt, habe er ihn befriedigende Lebensbedingungen zu erwarten.

    In der negativen Einschätzung seiner Situation sah er sich durch seine Erfolglosigkeit als Marineoberkommandant noch bestätigt, als es ihm wegen der durch den Krieg erheblich verschlechterten finanziellen Lage des Reiches nicht gelang, die Vergrößerung und Verbesserung der Flotte in dem Maß durchzusetzen, das er zur Vorbereitung auf den bevorstehenden neuen Kampf um Italien – M. erwartete ihn für 1862 – für nötig hielt. Also mußte er sich damit begnügen, den 1856 begonnenen Ausbau der Park- und Schloßanlage Miramar in der Bucht von Triest fortzuführen. Auch Maria Charlotte, die mit Takt und Würde die Pflichten der Gemahlin des lombardo-venezian. Generalgouverneurs erfüllt hatte, litt darunter, daß es für M. anscheinend keine sinnvolle Aufgabe gab. Dies alles macht verständlich, weshalb das im Sommer 1861 entstandene Projekt, die Herrschaft über ein wieder als Kaiserreich einzurichtendes Mexiko M. anzubieten, sogleich das Interesse des nur widerwillig privatisierenden erzhzgl. Paares gefunden hat.

    In Europa lebende mexikan. Konservative und Klerikale hatten damals damit begonnen, eine solche Änderung in ihrer Heimat in die Wege zu leiten, um die dort regierenden Liberalen unter dem Präsidenten Benito Juárez García aus der Staatsführung zu verdrängen und die Ergebnisse der Reformpolitik, von der im besonderen die soziale und ökonomische Stellung der kath. Kirche betroffen war. wieder rückgängig zu machen. Diesen Emigranten war es gelungen, den außenpolitische Erfolge suchenden franz. Kaiser für die Unterstützung ihres Vorhabens zu gewinnen (Festigung der „lateinischen“ Position in der Neuen Welt; handelspolitische Vorteile). Zudem glaubte Napoleon III., wegen des Sezessionskriegs die Monroedoktrin unbeachtet lassen zu können. Seit April 1862 führte die franz. Interventionsarmee Krieg gegen die Republik Mexiko. Ein europ. Prinz als über den Parteien stehendes Staatsoberhaupt sollte innenpolitisch beruhigen, vor allem aber das neue Regime international respektabel machen und dadurch das Auflegen neuer Anleihen ermöglichen, deren Erträge man freilich in erster Linie zur Deckung früherer Anleiheschulden verwenden wollte, die nach einem mexikan. Moratorium nicht mehr bedient wurden. M. schien dafür ein besonders geeigneter Kandidat zu sein. Deshalb ließ im Juli 1863, sogleich nach der Eroberung der Hauptstadt, der Zivilberater der franz. Truppen von einer ernannten Notabelnversammlung instruktionsgemäß Mexiko zum Kaiserreich erklären und M. zum Kaiser wählen.

    Dieser hatte bereits zahlreiche Warnungen aus Washington, London und Wien erhalten. Bald ließ auch Juárez durch seinen nach Europa entsandten ehemaligen Justizminister Jesús Terán Pereda M. über die tatsächliche Situation im Land unterrichten: Die meisten Mexikaner seien nicht monarchisch gesinnt – das erste Kaiserreich war 1823 nach nur einem Jahr beseitigt worden – und die republikanische Regierung werde nicht abdanken, so daß M. nur unter dem Schutz europ. Truppen und selbst dann stets nur über einen Teil von Staat und Volk werde herrschen können. Doch M. hat, darin wohl von Maria Charlotte bestärkt, das mexikan. Angebot vermutlich so sehr als Ausweg aus seiner Lebenskrise empfunden, daß er keine dieser Warnungen ernst nahm. Er ließ sich auch durch die Tatsache nicht abschrecken, daß entgegen seinen ursprünglichen Erwartungen von den Seemächten nur Frankreich durch die Bereitschaft, die Interventionsarmee vorläufig in Mexiko zu belassen, eine Art machtpolitische Garantie für sein Kaisertum übernahm (Konvention von Miramar, April 1864). Die franz. Truppen waren allerdings ebensowenig wie die namentlich in der Habsburgermonarchie und in Belgien anzuwerbenden Freiwilligen und die im Land selbst erst noch aufzustellenden kaiserlichen Einheiten zur Verteidigung gegen Angriffe von außen vorgesehen, sondern ausschließlich zur „Pazifikation“. also zum Kampf gegen das republikanische Militär und die mit diesem sympathisierenden Verbände von Guerilleros. Selbst der von Franz Joseph verlangte unwiderrufliche Verzicht M.s auf jede Thronanwartschaft in der Habsburgermonarchie konnte diesen nicht davon abhalten, am 10. April 1864 die Wahl anzunehmen und wenige Tage später, gemeinsam mit seiner Gemahlin, die Heimat zu verlassen.

    Wie wenig M. Staatsmann war, zeigt sich allein schon darin, daß er nicht nur diese Entscheidung überwiegend aus persönlichen Gründen traf, sondern auch die besonders vom brit. Premier Lord Palmerston befürwortete Möglichkeit, als Nachfolger Ottos von Wittelsbach König von Griechenland zu werden, im wesentlichen deshalb zurückwies, weil er auf seinen Reisen die Zustände in diesem Land als wenig günstig kennengelernt hatte. Die Herrschaft über einen ihm völlig unbekannten Staat aber trat er an, obwohl er sich in Lateinamerika als Exponent eines neokolonialistischen Unternehmens gänzlich außerhalb der systempolitisch geregelten europ. Konvenienz befand; in Griechenland wäre er immerhin unter dem Schutz der europ. Mächte geblieben. Von seinen zunächst gestellten Bedingungen war lediglich die nach Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Mexikaner erfüllt worden („Adhäsionsakten“), freilich nur durch franz. Manipulationen.

    Nichts von dem, was M. in Mexiko erwartet hatte, ist eingetroffen. Zwar gewann er als gewählter, vorerst aber notgedrungen absolutistisch verfahrender Monarch nicht wenige seiner Untertanen durch die von Anfang an deutlich bekundete Absicht, nicht als Fremder aufzutreten, sondern die Interessen seiner neuen Heimat ganz zu seinen eigenen zu machen und sie gegen ausländische Ansprüche, vor allem franz., entschieden zu verteidigen. Auch die Bereitschaft, gemäßigte Liberale in die von ihm zu bestellende Staatsführung aufzunehmen, fand Zustimmung. Doch schon dieser Versuch, durch die Berücksichtigung von Gegnern seiner ursprünglichen Parteigänger eine innenpolitische Aussöhnung anzubahnen, entfremdete ihm diejenigen, die ihn hierher geholt hatten, ohne daß es ihm gelungen wäre, den Gegensatz zur republikanischen Regierung und zu deren Anhängern zu überbrücken. Auch die von M. ausgesprochene Bestandsgarantie für die Reformgesetze stieß auf den entschlossenen Widerstand der Kaiserlichen. Niemals herrschte M. über das ganze Land, sondern stets nur über die Gebiete, die von den Freiwilligenverbänden, dem kaiserl. Militär und den hier stationierten, aber keineswegs seinem Kommando unterstehenden franz. Truppen kontrolliert wurden. Dieser Raum wurde immer kleiner, bis es zuletzt kaum noch möglich war, die Verbindung zwischen der Hauptstadt und Veracruz am Golf aufrechtzuerhalten. Von keinem amerikan. Staat war M.s Herrschaft je anerkannt, und die von ihm geplanten großen zivilisatorischen Vorhaben, namentlich kulturpolitischer Art (Nationalakademie, Nationaltheater sowie Ausbau von Städten, Schlössern und Parks) blieben wegen der immer desolater werdenden Situation der Staatsfinanzen in ersten Ansätzen stecken, so daß es auch die vom kaiserl. Paar gewünschte glanzvolle Hofhaltung nicht geben konnte.

    Der nach dem Sezessionskrieg immer stärker gewordene Druck der US-Regierung zwang Napoleon im Sommer 1866, das Ende seines in Frankreich nie populär gewesenen mexikan. Engagements vorzubereiten. Das fiel ihm um so leichter, als er inzwischen eingesehen hatte, hier einen Fehlschlag erlitten zu haben. Darüber hinaus hielt er es für nötig, wegen der Fortschritte in der staatlichen Einigung Deutschlands und Italiens sein machtpolitisches Interesse wieder ganz auf den eigenen Kontinent zu konzentrieren. Bis zum März 1867 hat die Interventionsarmee das Land verlassen. – Im Herbst 1866 wollte M. abdanken und nach Europa zurückkehren. Er entschloß sich aber doch zum Bleiben, wohl in der Absicht, das Unternehmen, in dem er letztlich nur Instrument war, mit ritterlichem Anstand – und nicht durch Flucht – zu Ende zu führen. Der Eindruck des Scheiterns wurde durch die Nachrichten von der schweren Erkrankung seiner Gemahlin gewiß noch vertieft. Maria Charlotte hatte im Sommer 1866 durch persönliche Interventionen Napoleon und den Papst um Hilfe gebeten. Nach Mißlingen ihrer Bemühungen war sie Ende September in Rom in geistige Umnachtung gefallen. In den nächsten Monaten lebte sie, völlig isoliert und von keinem ihrer habsburg. Verwandten besucht, in Miramar und wurde im Juli 1867 in ihre Heimat gebracht. – Im Mai 1867 wurde M.s Reduit, Querétaro, vermutlich durch Verrat, von den belagernden republikanischen Truppen besetzt, M. in Anwendung eines Gesetzes von 1862, durch das jede Unterstützung der europ. Intervention unter schärfste Strafsanktion gestellt worden war, von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und füsiliert. Sein Leichnam wurde im Januar 1868 in Wien beigesetzt.

    M.s Schicksal war und ist Gegenstand vor allem der historischen Belletristik, aber auch anspruchsvoller Literatur (Franz Werfel, Juarez und M., Dramatische Historie, 1924) und der bildenden Kunst (Edouard Manet). In der Historiographie werden heute vor allem die kulturgeschichtlich erheblichen Einzelheiten von M.s Leben untersucht. Dabei findet namentlich die Tatsache Beachtung, daß der von ihm bevorzugte Baumeister Julius Hofmann später in ähnlich herausgehobener Funktion für den bayer. König Ludwig II. tätig war.

  • Werke

    Aus meinem Leben, Reiseskizzen, Aphorismen, Gedichte, 7 Bde., 1867;
    Mein erster Ausflug, Wanderungen in Griechenland, 1868.

  • Literatur

    ADB 21;
    E. C. Conte Corti, M. u. Charlotte v. Mexiko, 2 Bde., 1924 (P);
    L. Gasparini, Massimiliano d'Austria, ultimo governatore del Lombardo-Veneto, nei suoi ricordi, in: Nuova Antologia 229, 1935, S. 249-78, 353-87, 550-79, 300, 1935, S. 105-31;
    M. Rivera Cambas, Hist. de la intervención europea y norteamericana en México y del imperio de Maximiliano de Hapsburgo, 5 Bde., 1962;
    J. Kühn (Hrsg.), Das Ende d. maximilian. Kaiserreichs in Mexico, Berr. d. kgl. preuß. Ministerresidenten A. v. Magnus an Bismarck, 1866–67, 1965 (P);
    M. Quirarte, Historiografía sobre el imperio de Maximiliano, 1970;
    J. Haslip, M. Kaiser v. Mexiko, 1972 (P);
    M. v. Mexiko 1832–67, Ausst. auf Burg Hardegg, 1974 (P);
    F. Anders, Erzhzg. Ferdinand Maximilian u. d. Segundo Imperio Mexicano, Wiss., Münzen & Medaillen, Ordenswesen, Philatelie, 1974;
    B. Mazohl-Wallnig, Gli ultimi anni del dominio austriaco|nella Lombardia (1857–59), in: Il Lombardo-Veneto (1815–66), 1977, S. 77-87;
    F. Valsecchi u. A. Wandruszka (Hrsg.), Austria e province italiane 1815-1918, Potere centrale e amministrazioni locali, 1981;
    W. Middendorff, M., Kaiser v. Mexiko, Sein Leben u. s. Prozeß in hist. u. psycholog. Sicht, 1982;
    F. Anders u. K. Eggert, M. v. Mexiko, Erzhzg. u. Kaiser, 1982 (P);
    J. Lubienski, Der Maximilianeische Staat, Mexiko 1861–67, Voraussetzungen, Phasen, Programme, Ideen, Diss. Graz 1983 (ungedr.);
    B. Hamann, Mit Kaiser Max in Mexiko, Aus d. Tagebuch d. Fürsten Carl Khevenhüller 1864–67, 1983 (P);
    dies. (Hrsg.), Die Habsburger, Ein biogr. Lex., 1988, S. 372-75 (P);
    K. Ratz, Das Mil.gerichtsverfahren gegen M. v. Mexiko 1867, Vorgesch., Prozeßanalyse u. -
    kritik, Prozeßakten, Rechtsgrundlagen, 1985 (P);
    L. Ruaro Loseri (Hrsg.), Massimiliano, Von Triest nach Mexiko, Ausst.kat. Triest 1986;
    J. Lubienski, Der maximilianeische Staat, Mexiko 1861–67, Vfg., Verwaltung u. Ideengesch., 1988;
    Wurzbach VI (Art. Habsburg Nr. 89);
    ÖBL.

  • Portraits

    Denkmäler in Wien-Hietzing, v. Joh. Meixner (1871), in Triest, heute Miramar, v. Johs. Schilling (1875). – Gemälde: Edouard Manet, Die Erschießung Kaiser M.s v. Mexiko, 1867/68, vier Fassungen: Boston, Kopenhagen (Ny Carlsberg Glyptothek), London (Nat. Gallery), Mannheim (Kunsthalle).

  • Autor/in

    Peter Burian
  • Empfohlene Zitierweise

    Burian, Peter, "Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 507-511 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maximilian I., Kaiser von Mexico, als Erzherzog von Oesterreich: „Ferdinand Maximilian“, in der Familie jedoch „Max“ genannt, war der am 6. Juli 1832 in Schönbrunn geborene zweite Sohn des damaligen präsumtiven Thronfolgers, Erzherzogs Franz Karl und seiner Gemahlin Sophie, geb. königl. Prinzessin von Baiern. Die früh zu Tage getretene geistige Lebendigkeit des Prinzen machte ihn zum besonderen Liebling seiner ebenso geistvollen als energischen Mutter, welche seine Erziehung leitete, sorgfältig bemüht, dabei die in fürstlichen Kreisen gewöhnlichen pädagogischen Irrthümer zu vermeiden. Der Knabe lernte gern und leicht, zeigte auch dichterische und manche andere künstlerische Begabung, wodurch, sowie durch seinen scharfen treffenden Witz er bald die Bewunderung vieler, freilich aber in letzterer Beziehung auch die Abneigung so, manches davon Verletzten erntete. Mit Vorliebe befaßte er sich mit den Naturwissenschaften und galt, namentlich im botanischen Fache, schon in sehr jungen Jahren als Fachmann. Aber auch Geschichte, besonders die seines Hauses, fesselte ihn und führte ihn zu politischen Studien; namentlich die ritterliche Gestalt seines großen Ahnherrn Maximilian 1. und die Staatsklugheit des fünften Karl, „in dessen Reiche die Sonne nicht unterging“, zog ihn mächtig an und erfüllte seine üppige Phantasie mit Bildern neuer Grüße, als deren Vorbedingung er eine kluge, nach allen Seiten ausblickende staatsmännische Thätigkeit erkannte und daher auch anstrebte. Mit diesen Reminiscenzen und Idealen hängt auch wohl zusammen, daß er zunächst das Seewesen als seinen besonderen Beruf wählte; es war als wollte er seinem Vaterlande den jeder Großmacht unentbehrlichen Antheil an der Herrschaft über das Meer sichern. In der That wurde er durch seine diesbezügliche Thätigkeit der eigentliche Schöpfer der österreichischen Marine; die Siege Tegetthoff's, eines seiner liebsten und jedenfalls des genialsten seiner Offiziere, bei Helgoland und Lissa, wurden nur durch Maximilian's Vorarbeiten möglich. Als im Jahre 1857 die Zeit gekommen schien, im lombardisch-venetianischen Königreich die Ausnahmszustände zu beseitigen und zur Civilverwaltung zurückzukehren, ernannte der Kaiser seinen Bruder M., dessen Thatendurst ihm wohl bekannt war, zum General-Gouverneur dieses Landes; wenn er als solcher nicht Erfolg hatte und die Katastrophe von 1859 nicht abzuwenden vermochte, so dürfte dies weniger den von ihm begangenen Mißgriffen, zu denen besonders die Abschwächung der behördlichen Autorität durch einen, in Thatsachen nicht ausreichend begründeten, tadelnden und, in der irrigen Meinung damit Unbefangenheit zu beweisen, veröffentlichten Erlaß an die Beamten zu rechnen ist, als vielmehr der Kürze der ihm gegönnten Zeit, auswärtigen Einflüssen und namentlich dem Umstande zugeschrieben werden, daß von Anfang an, wie auch der gewesene Minister Graf Hartig (Bd. X, 655 f.) in seiner Denkschrift über die künftige Organisation des Königreichs offen eingesteht, die Wiener Regierung auch hier das Centralisationssystem auf die Spitze getrieben hatte und davon auch 1857 nicht abwich, ja zu dieser Zeit ohne wirkliche momentane Gefahr kaum mehr wesentlich abweichen konnte. Als nun der bekannte Neujahrsgruß die Pandorabüchse geöffnet und damit die bald darauf eingetretene Katastrophe herbeigeführt hatte, zog sich der Erzherzog, der durch die, im vergeblichen Bemühen damit den Italienern zu imponiren, in Mailand geführte luxuriöse Hofhaltung auch in seinem Vermögen wesentlich gelitten hatte, mißmuthig und hoffnungsarm in sein feenhaftes Schloß Miramare und auf seine Marinegeschäfte zurück. Diese allein konnten jedoch seinem|rastlosen Thatentrieb und seiner Phantasie nicht genügen; vergebens suchte er sich in Begleitung seiner ebenso ehrgeizigen Gemahlin, der reichgebildeten Prinzessin Charlotte von Belgien, durch neue Reisen, die er, nachdem er sich auf den canarischen Inseln von der Prinzessin getrennt hatte, diesmal bis in die südamerikanische Tropenwelt ausdehnte, zu zerstreuen; er fühlte sich unglücklich. Diese Stimmung machte sich Napoleon III., welcher in Mexico französische Geldsorderungen betrieb und zugleich durch „Reorganisirung der lateinischen Race“ einen neuen Nimbus anstrebte, dabei aber nach und nach in die Enge gerathen war, zu nutze; kannte er doch des Erzherzogs Empfänglichkeit für ihm dargebrachte Bewunderung, sowie seine Schwärmerei für Karl V. und für den fernen Westen nur zu gut! Nun hatte er den Mann gefunden, der statt seiner die gefährliche Action fortführen sollte! Napoleon spiegelte dem Prinzen vor, dort öffne sich ihm ein neuer Wirkungskreis; gerade er, der Nachkomme Karl's, könne dem von Bürgerkrieg zerfleischten Lande Retter und Regenerator werden! M. ging begeistert auf den Gedanken ein, vorausgesetzt, daß ihn das mexicanische Volk selbst berufen werde, eine Bedingung, deren Erfüllung dem Taschenspieler des allgemeinen Stimmrechtes nicht schwer fallen konnte. Eine Deputation von Notabeln überbrachte dem Erzherzog das Plebiscit und schon im April 1864 verließ dieser — gegen den Rath seiner Familie und seiner Freunde — nachdem er all seinen Rechten in Oesterreich entsagt hatte, mit seiner Gemahlin das Vaterland. Die Enttäuschung erfolgte bereits bei seiner Ankunft in Veracruz am 28. Mai 1864; der neue Kaiser aber, seines edlen Willens sich vollbewußt, hoffte durch rastlose Bethätigung desselben das Volk doch zu gewinnen. Allein gerade die Schritte, die dazu führen konnten und sollten: die Emancipation von französischem Einfluß, die Opposition gegen die übermäßigen Ansprüche der Franzosen und die Zurückweisung des herrschsüchtigen mexicanischen Clerus, beraubten ihn der Unterstützung derer, die ihn gerufen hatten, während zur erfolgreichen Durchführung seiner Reformpläne ein Menschenalter erforderlich gewesen wäre. So vereinsamte das edle Fürstenpaar immer mehr. Das Ende des nordamerikanischen Bürgerkrieges verschlimmerte Napoleon's bedenkliche Lage, aus der er sich durch Preisgebung Maximilian's zu retten suchte. Vergeblich ging die Kaiserin selbst nach Europa, den Verführer ihres Gemahls an sein Wort zu mahnen; mit der dem Neffen nach seinem Vorbilde eignen Kälte wies er sie von sich ab und stieß sie in die Nacht des Wahnsinns. M. aber mußte inzwischen seine Stellung mit Waffengewalt zu retten suchen, er und die immer kleiner werdende Schaar seiner Getreuen wehrten sich heldenmüthig wider die für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Republikaner; allein noch ehe deren Uebermacht den Kaiser erdrückt hatte, fiel derselbe durch Verrath in die Hände seiner Feinde. Präsident Juarez stellte ihn vor ein Kriegsgericht, welches — nur den strengen nationalen Standpunkt sich vor Augen haltend — ihn als Usurpator zum Tode verurtheilte. Am 19. Juni 1867 hauchte M. auf der Höhe von Queretaro von mehreren Kugeln des Executionspelotons durchbohrt, seine edle Seele aus, noch im Tode ein Held, weil seine Schuld: das Verlassen des Vaterlandes um einer ihm nicht gebührenden Krone willen, auf einem edlen Irrthum beruhte und er sie mit dem Tode büßte.

    • Literatur

      S. des Erzherzogs eigene Schriften: „Mein erster Ausflug. Wanderungen in Griechenland“ Leipzig 1868, dann „Aus meinem Leben. Reiseskizzen, Aphorismen, Gedichte“ 7 Bände, Leipzig 1867, beide Werke für den Handel bestimmte Wiederabdrücke der von dem Verfasser seinerzeit nur als Manuscript für Freunde veranstalteten 1. Auflage, aus welcher nur einige scharfe Ausfälle auf hohe Zeitgenossen weggelassen wurden; ferner: Gräfin Paula Kollonitz, eine Reise nach Mexico im Jahre 1864. 2. Auflage, Wien|1867. — Felix Prz. zu Salm-Salm, Queretaro, 2 Bände, Stuttgart 1869. —
      Prinzessin Fel. zu Salm-Salm, Zehn Jahre aus meinem Leben, 2. Bd. „Mexico“, Stuttgart 1875. —
      Dr. Basch: Erinnerungen aus Mexico. Geschichte der letzten 10 Monate des Kaiserreiches. 2 Bände, Leipzig 1868.— v. Montlong, Authentische Enthüllungen über die letzten Ereignisse in Mexico. Aus Befehl weiland S. M. des Kaisers Max. nach Documenten, Stuttgart 1868. — M. R. Palacio u. R. M. de la Torre, Denkschrift über den Proceß des Erzh. Ferdin. Maximilian von Oestr., deutsch von C. G. Paschen, Hamburg 1868. —
      E. Grf. Keratry, Kaiser Max' Erhebung und Fall, Leipzig 1867. —
      Clem. Duvernois, über die franz. Intervention in Mexico, Stuttgart 1870. — Oesterr. Ehrenhalle V. Separat-Abdruck aus dem „östr. Volks- und Wirthschaftskalender für 1869“, Wien 1868.

  • Autor/in

    v. Hoffinger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffinger, von, "Maximilian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 70-72 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579363.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA