Lebensdaten
1840 bis 1896
Geburtsort
Triest
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123091985 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hofmann, Julius
  • Hoffmann, Julius

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Hofmann, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123091985.html [14.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz, Goldarbeiter in T., Bildhauer;
    M N. N.; Verwandter Nikolaus (1845–1920), Architekt;
    - (Triest 1865 ?) Louise (1840-vor 1929), T d. Kaufm. Karl Mastaglio (1784–1876) aus Como u. d. Theresia Müller;
    2 S, u. a. Rudolf (1867–1951), Dr.-Ing., Architekt in M.

  • Leben

    Nach seiner Ausbildung in Wien arbeitete H. seit 1858 mit seinem Vater an der Ausstattung des für Erzherzog Maximilian erbauten Schlosses Miramare bei Triest. Während einer Unterbrechung der 1863 wiederaufgenommenen Arbeiten in Miramare zeichnete er in München Kartons für die Glasmalereianstalt Wladimir von Swertschkoffs. 1864 wurde er nach Mexiko gesandt, um für den zukünftigen Kaiser das Rathaus von Mexico City in eine Residenz zu verwandeln. Beim Tod des Kaisers 1867 war er bereits wieder in Europa, um das ehemalige Kloster Lacroma bei Ragusa für Maximilian zu restaurieren. Nach dem Verlust seiner Stellung als Hofarchitekt war er für ein Jahrzehnt technischer Leiter in F. X. Zettlers Münchner Hof-Glasanstalt, wo er unter anderem die Umrahmungen der Glasfenster für die Kapelle in Linderhof (1871) und die alte Hofkapelle der Münchner Residenz (1880/81) entwarf. G. von Dollmann, Architekt König Ludwigs II., zog H. auch für die Planung der Innendekorationen der Schlösser Neuschwanstein (Grundsteinlegung 1869) und Herrenchiemsee (Grundsteinlegung 1878) heran. Vor allem die seit 1879 in allen Details von H. entworfene Innenausstattung von Neuschwanstein läßt diesen in allen Stilen bewanderten, höchst virtuosen Entwurfskünstler heute als einen der bedeutendsten „Designer“ des Historismus erscheinen. 1884 übernahm H. unter Ernennung zum Hofbaurat als Nachfolger Dollmanns die Leitung sämtlicher Bauten Ludwigs II. – darunter neue Projekte wie den Umbau des Schlafzimmers von Linderhof (Planung seit 1884), den Hubertus-Pavillon bei Linderhof (nur im Rohbau ausgeführt), Schloß Falkenstein bei Pfronten (nicht ausgeführt) – und entwarf für den König ein byzantinisches Schloß (1885) und einen chinesischen Palast (1886). Nach dem Tod Ludwigs II. (1886) wurde H. unter Ernennung zum Oberhofbaurat von Prinzregent Luitpold die Leitung aller königlichen Bauten übertragen, und bis 1892 erzielte er durch die Errichtung der Kemenate einen gewissen Abschluß der Bauten von Neuschwanstein. Er entwarf auch den Zinnsarkophag für Ludwig II. in der Michaelskirche in München und die erst 1900 unter Leitung seines Sohnes Rudolf vollendete neuromanische Votivkirche an der Unglücksstätte am Starnberger See. Neben Bauten des Hofes wie der 1897 vollendeten neuen Schatzkammer in der Münchner Residenz erhielt H. verschiedene Privataufträge, darunter den Bau der „Seeburg“ am Starnberger See zwischen Leoni und Ammerland.

  • Literatur

    ADB 50 (L);
    J. C. Craemer, Königs-Historien, I. T., o. J. [v. 1894), S. XII-XIV (P);
    H. Kreisel, Herrenchiemsee, Neues Schloß u. Kg. Ludwig II.-Mus., Amtl. Führer, 1929;
    ders., Schloß Neuschwanstein, Amtl. Führer, 1933;
    ders., Die Schlösser Ludwigs II. v. Bayern, 1955;
    ders., Ludwig II. als Bauherr, in: Oberbayer. Archiv 87, 1965;
    M. Petzet, Kat. d. Ausstellung Kg. Ludwig II. u. d. Kunst (München), 1968 (hier u. a. d. wichtigsten Stücke a. d. umfangreichen Bestand v. Entwürfen H.s im Kg. Ludwig II.-Mus.);
    ders., Herrenchiemsee, Amtl. Führer, 1969;
    ders., Neuschwanstein, Amtl. Führer, 1970;
    ders. u. D. Petzet, Die Richard Wagner-Bühne Kg. Ludwigs II., 1970, S. 133 ff.;
    ThB (L).

  • Autor/in

    Michael Petzet
  • Empfohlene Zitierweise

    Petzet, Michael, "Hofmann, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 456 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123091985.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hofmann*)Zu S. 436.: Julius H., Baumeister, geboren am 20. Februar 1840 in Triest, am 5. August 1896 zu München als k. bair. Hof-Oberbaurath. Er erhielt bei seinem Vater, dem Bildhauer Franz H., und in der Realschule seiner Heimath die erste Anregung und gründlichste Schulung, welche während seines Aufenthaltes in Wien 1854—1857 die weiteste Ausbildung gewann, indeß H. das Geschäft seines Vaters zu Triest fortsetzte. Seine originellen Leistungen gewannen die Aufmerksamkeit des Erzherzogs Maximilian, welcher den vielbegabten jungen Meister 1857—1860 bei Ausschmückung des herrlichen bei Triest erbauten Schlosses Miramare vollauf in Anspruch nahm. Nach einer längeren, über München nach Paris und London unternommenen Studienreise sendete ihn sein edler, großsinniger Mäcen bei seiner Erhebung zum Kaiser von Mexiko in die neue Welt voraus, dort alles zum Empfang des Monarchen vorzubereiten und die von Maximilian geplanten baulichen Unternehmungen in Stand zu setzen. Als Hofarchitekt des mit großartigen Plänen|und Projecten vollauf beschäftigten Herrschers, wozu auch die Restaurationsarbeiten am ehemaligen Kloster zu Lacroma bei Ragusa gehörten, war H. gerade auf der Reise nach Europa, als die traurige Katastrophe in Mexiko erfolgte. Dadurch wieder genöthigt ins Privatleben zurückzutreten und eine neue Wirksamkeit zu suchen, begab sich H. nach München, zeichnete 1867 eine Zeitlang für Swertskoff's Glasmalerei in Schleißheim und die Mayer'sche Kunstanstalt in München und übernahm durch ein ganzes Decennium die Stelle eines technischen Leiters an der kgl. Hofglasmalerei von F. H. Zettler. Hierdurch kam er in Fühlung mit Hofbaudirector v. Dollmann (s. A. D. B. XLVIII, 70), der ein so vielseitiges Talent zu würdigen und vollauf bei Ausschmückung der königlichen Schloßbauten in Linderhof, in Neuschwanstein und auf Herrenchiemsee in Anspruch nahm. Nach Dollmann's Abgang trat H. an seine Stelle; ihm wurden nach dem Tode des Königs die Gebäude der kgl. Civilliste und die Privatschlösser Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein, woselbst noch ein kleiner Seitenflügel abgeschlossen wurde, unterstellt. Die nächsten Arbeiten waren dem Andenken des unglücklichen Monarchen gewidmet. H. lieferte die im edelsten Renaissancestile gehaltenen Entwürfe zu dem mit Emblemen und heraldischem Schmuck gezierten, zwanzig Centner schweren, durch Oxydation harmonisch abgetönten Zinn-Sarkophag in der Gruft der S. Michael-Hofkirche, ebenso die Zeichnungen zu jener an der Unglücksstelle bei Schloß Berg aufgestellten fünf Meter hohen, mit einer Laterne gekrönten Seesäule aus schwedischem Syenit (vgl. Nr. 10 Ueber Land und Meer 1889, S. 222), worüber sich später die im romanischen Stile erbaute mit Marmor, Mosaik- und Freskobildern reich geschmückte Votivkirche erhob, welche indessen erst nach Hofmann's Tod durch dessen Sohn Rudolf H. vollendet wurde (vgl. Nr. 38 Ueber Land und Meer 1899). Vorerst hatte Julius H. viele Restaurationen in der Residenz besorgt, darunter den Neubau der Schatzkammer. Gin entzückendes Werk der Kleinkunst leistete H. mit einer in Silber, Elfenbein und Email ausgestatteten Miniaturcopie des Latonabrunnens (auf Herrenchiemsee), welche der Prinzregent als Anerkennung für die Regelung der Nachlaßmasse weiland König Ludwig's dem Finanzminister Dr. Freiherrn v. Riedel widmete. Noch einmal ergab sich für H. die neidenswerthe Gelegenheit zu einem originellen Schloßbau mit der zwischen Leoni und Ammerland imposant gelegenen „Seeburg“, welche der mit den kühnsten Plänen sich tragende Gutsbesitzer Höch ( 8. April 1905) an der Ostseite des Starnbergersees unternahm: ein durchweg im nibelungenhaften Rundbogen gehaltenes Bauwerk, von überraschender Schönheit und Wirkung: Ein ausgedehntes Conglomerat von massiven Säulen und Gemächern, von Säulengängen, Terrassen und Thürmen, Pracht-, Zier- und Nutzbauten, ein hochherrschaftlicher Sommersitz (vgl. Nr. 195 d. Allg. Ztg., 15. Juli 1892). Als weitere Probe von Hofmann's Genialität in Beherrschung und Schöpfung neuer decorativer Stilformen erschien das Prachtwerk „Romanische Wandmalereien der kgl. bair. Burg Neuschwanstein“ (München 1896 bei Jos. Albert mit 30 Tafeln in Lichtdruck), als glänzendes Zeugniß, wie H. alte Vorbilder mustergültig neu zu beleben und effectvoll zu verarbeiten und ebenso neue Vorbilder zu schaffen im Stande war. Der vielseitigst mit ausgezeichneten Eigenschaften hochbegabte dabei höchst anspruchslose Mann, Charakter und Künstler harrt immer noch einer längst verdienten biographischen Würdigung.

    • Literatur

      Vgl. Nr. 363 d. Münchener Neuesten Nachrichten, 7. Aug. 1896 und Louise v. Kobell, König Ludwig II. und d. Kunst, 1898, S. 290 ff.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Hofmann, Julius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 771-772 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123091985.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA