Lebensdaten
1902 bis 1971
Geburtsort
Hofgeismar (Hessen)
Sterbeort
Garnpoint bei Rimsting am Chiemsee
Beruf/Funktion
Garten- und Landschaftsarchitekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118578952 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mattern, Hermann

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Zitierweise

Mattern, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578952.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1866–1957), Waffenmeister, aus Rastatt;
    M Marie Weistoff (1870–1941). Bauern-T aus Ampen b. Soest;
    1) 1928 ( 1935) Herta (1900–85), Gartenarchitektin, T d. Dipl.-Ing. Wilhelm Hammerbacher u. d. Louise v. Feilitzsch, 2) 1935 Beate (* 1911), Photographin (Veröff. üb. Gartenkunst), T d. Dipl. Ing. Franz zur Nedden u. d. Emmy Rösicke;
    1 T aus 1) Merete (* 1930), Architektin.

  • Leben

    M., der seit 1912 zur Bewegung des Wandervogels gehörte, wurde 1921 Gärtnergehilfe und war 1924-26 Student der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem. Danach arbeitete er beim Stadterweiterungsamt Magdeburg und bei dem Gartenarchitekten Leberecht Migge, der der Reformbewegung angehörte. 1927 übernahm M. in Potsdam die Leitung des Entwurfsbüros des Gärtners und Naturphilosophen Karl Foerster, dessen Arbeiten Grundlage für eine neue Gartenkunst wurden. M. entwickelte dort u. a. mit Herta Hammerbacher, Hermann Göritz, Adolf Haag, Gottfried Kühn und Alfred Reich sowie im Austausch mit bedeutenden Künstlern und Wissenschaftlern, die sich im Bornimer Kreis um Karl Foerster sammelten, einen neuen liberalen Gartenstil, der im Gegensatz zum herrschenden konservativen Jugendstil-Klassizismus stand. Unter Beachtung der neuen pflanzensoziologischen und -ökologischen Erkenntnisse wurde damit wieder an den Engl. Garten der Lenné-Meyerschen Schule angeknüpft. Anfangs verwendete M. noch geometrische, vor allem kubistische Formen (Garten Bergius, Heidelberg 1927), die aber bereits überspielt wurden durch neuartige Pflanzungen aus von Foerster gartenfähig gemachten Wildstauden, Gräsern und Farnen sowie farblich verbesserten, klimatisch angepaßten und standfest gezüchteten traditionellen Gartenstauden. Er gestaltete seine Gärten bald immer naturnäher, ohne auf kunstvolle architektonische Details zu verzichten. Räume wurden organisch aus Bodenmodellierungen und Pflanzungen gebildet, die die umgebende Landschaft intensiver mit Garten und Haus verbanden. Als politischer Opponent erhielt M. während des „Dritten Reiches“ öffentliche Aufträge nur mit Sondergenehmigung. Er schuf die Reichsgartenschau in Stuttgart-Killesberg 1939. Alwin Seifert zog ihn dazu heran, den Berliner Ring der Autobahn topographisch und pflanzensoziologisch in die Landschaft einzubinden. Nach 1945 entwarf M. Gärten, Parks, Friedhöfe, Kleingartenanlagen und Wohnbauten, außerdem widmete er sich siedlungs- und städtebaulichen Planungen. Aus Flurbereinigungsmaßnahmen entstanden Idee und Methode der „Landschaftsaufbauplanung“ zur umfassenden Entwicklung einer menschen- und umweltgerechten “Wohn- und Gartenlandschaft“. M. war Mitbegründer der „Documenta“ in Kassel, Mitglied der Akademie der Künste Berlin, Gründer der Karl-Foerster-Stiftung für angewandte Vegetationskunde (1965), Initiator des Peter-Joseph-Lenné-Preises für junge Landschaftsarchitekten (1966). Vor allem seine Gartenschauen beeinflußten die moderne Gartenkunst, seine vorausschauenden Schriften sind Klassiker der Umweltschutzliteratur. Durch seine Lehrtätigkeit in Kassel (1948 Mitbegründer der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, heute Gesamthochschule) und Berlin (1961–70 Ordinarius an der Technischen Universität) prägte er eine Generation von Garten- und Landschaftsarchitekten. Selbst mit bedeutenden Architekten und Künstlern (u. a. Hans Poelzig, Hans Scharoun, Oskar Schlemmer, Gerhard Marcks) befreundet, ermunterte er seine Studenten zum Studium generale und zur interdisziplinären Teamarbeit. In England spricht man von der Foerster-Matternschen Schule, die im liberalen, weltoffenen, unorthodoxen Geist der Berliner zwanziger Jahre weitergeführt wurde.

  • Werke

    Weitere W Sommerblumenschau am Funkturm Berlin, 1935;
    Dt. Gartenschau 1950 auf d. Killesberg in Stuttgart;
    Wiederherstellung d. Karlsaue-Parks in Kassel unter Einbeziehung d. Trümmerschutts d. Stadt zur Bundesgartenschau 1955;
    Nebenerwerbssiedlung Hinrichssegen in Oberbayern f. Flüchtlinge, 1945-53;
    Mitsprache bei d. Planung Bonns zum provisor. Regierungssitz, 1949;
    Aussiedlung v. Bauernhöfen aus beengten Dorflagen in Bayern, Baden-Württemberg u. Hessen einschließl. Entwicklung d. Gebäudetypen, 1956–58. – Schrr.: Freiheit in Grenzen, 1937;
    Gärten u. Gartenlandschaften, 1960 (mit B. Mattern);
    Gras darf nicht mehr wachsen, 1964. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Planslg. d. TU Berlin.

  • Literatur

    Ausst.kat. H. M. 1902-71, Gärten Gartenlandschaften Häuser, Berlin 1982 (W-Verz., L, P);
    The Oxford Companion to Gardens, 1986.

  • Autor/in

    Vroni Hampf-Heinrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Hampf-Heinrich, Vroni, "Mattern, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 389-390 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118578952.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA