Lebensdaten
1751 bis 1820
Geburtsort
Taßwitz bei Znaim (Südmähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Redemptorist ; Heiliger ; Schriftsteller ; Förderer der Romantik in Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118552317 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hofbauer, Johannes (Taufname)
  • Hoffbauer, Johannes (Taufname)
  • Hoffbauer, Klemens Maria
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hofbauer, Klemens Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118552317.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul ( 1758), Metzger;
    M Maria Steer; 11 Geschw.;
    Vt Joh. Jahn (1750-1813 oder 1816), Exeget u. Orientalist, entwickelte e. beachtete Bibelkritik u. Hermeneutik im Sinne d. kath. Aufklärung (s. ADB 13; LThK).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs H. in der Obhut und unter dem Einfluß der Mutter auf. 1767-69 war er Bäckerlehrling in Znaim, anschließend Geselle in der Bäckerei des Prämonstratenserstiftes Klosterbruck. Durch Fürsprache seines Vetters Jahn wurde H. mit 21 Jahren in das dortige Gymnasium aufgenommen. 1777 beendete er seine Gymnasialstudien, 1778 legte er als Eremit in Tivoli seine Profeß ab und nahm den Eremitennamen Klemens an. Das Eremitendasein von Tivoli fand eine Zeitlang seine Fortsetzung in Mühlfraun, einem Dorf zwischen Taßwitz und Znaim, wo sich H. eine Einsiedelei erbaute. 1779 kam er nach Wien und verdiente sich hier seinen Lebensunterhalt als Bäckergeselle, bevor er durch Unterstützung der Familie Maul Philosophie und Theologie studieren konnte. 1784 trat er in Rom in den Redemptoristenorden ein, 1785 legte er die Ordensgelübde ab und wurde zum Priester geweiht. 1787 wurde H. auf einer Reise nach Rußland in Warschau durch äußere Umstände festgehalten und übernahm dort, da es gerade an Seelsorgern fehlte, die Betreuung der deutschen Nationalkirche Sankt Benno. Aus dem Provisorium wurde eine sich über 2 Jahrzehnte erstreckende vielfältige seelsorgliche und soziale Tätigkeit, die H. später den Namen eines „Apostels von Warschau“ eintrug. Nach der Besetzung Polens durch die Franzosen kehrte er 1808 nach Wien zurück. Hier wirkte er zunächst an der Minoritenkirche. 1813 bestellte ihn der Erzbischof zum Kirchendirektor von Sankt Ursula. Sankt Ursula wurde in den folgenden Jahren der Mittelpunkt seiner von zahlreichen Schikanen der Polizei und mancher übergeordneter Stellen behinderten pastoralen Arbeit. H. wurde unter anderem zum Reformator der vormärzlichen Predigt in Wien. Aus seiner Schule sind Kanzelredner wie Madlener und Veith hervorgegangen. Der Kampf gegen die Auswüchse des josephinischen Staatskirchensystems trug ihm viele Feindschaften ein. Nicht zuletzt deshalb gelang es ihm erst 1819/20, die Zulassung des Redemptoristenordens in Österreich durchzusetzen. Seine Bemühungen um Ordensniederlassungen in den Warschauer Jahren, die von Missionsplänen, betreffend den Raum der Schweiz, Österreichs, Deutschlands und des Baltikums, getragen wurden, scheiterten allesamt.

    Ohne sich selbst literarisch betätigt zu haben, nimmt H. durch seine Beziehungen zu den in den Jahren nach 1808 in Wien weilenden Romantikern in der deutschen Literaturgeschichte einen wichtigen Platz ein. Er war häufiger Gast im Hause Friedrich Schlegels und in der sogenannten „Stroblkopfgesellschaft“. Zu seiner näheren Umgebung gehörten neben Friedrich Schlegel, dessen Gattin Dorothea und deren Söhne aus erster Ehe, Johann und Philipp Veit, Clemens Brentano, Eichendorff, Adam Müller, Zacharias Werner, ferner der Maler Friedrich Klinckowström und Metternichs Sekretär Josef Pilat. Auf jeden der Genannten übte er als geistlicher Berater wenigstens für einige Zeit einen bedeutsamen Einfluß aus. In engere Berührung kam H. auch mit dem Philosophen Anton Günther und dem damaligen Studenten der Rechte Othmar Rauscher, denen er beiden die Wahl des Priesterberufes nahelegte. Zu H.s mittelbarer literarischer Wirksamkeit kann man ferner die Anregung einiger Zeitschriften des Vormärz rechnen, so der „Ölzweige“.|

  • Auszeichnungen

    1888 wurde H. selig-, 1909 heiliggesprochen. 1909 hat ihn Papst Pius X. zum Apostel Wiens erklärt. Stadtpatron von Wien (1914).

  • Literatur

    Mon. Hofbaueriana, 1915 ff.;
    F. Pösl, C. M. H., 1844;
    S. Brunner, C. M. H. u. s. Zeit, 1858;
    J. Hofer, Der hl. K. M. H., 1921, 21923;
    R. Till, H. u. s. Kreis, in: Btrr. z. neueren Gesch. d. christl. Österreich 1, 1951;
    K. Schedl, Ein Heiliger steht auf, K. M. H., 1951;
    E. Hosp, Der hl. K. M. H. (1751-1820), 1951;
    ders., Sebastian Franz Job, Ein Karitasapostel d. K.-H.-Kreises, 1952;
    R. Till, in: NÖB 16, 1965 (L, P);
    Kosch, Lit.-Lex.;
    ADB XII, S. 565.

  • Portraits

    Lith. v. L. Schnorr v. Carolsfeld (Wien, Nat.-bibl.);
    Stich v. A. Petrak (ebd.);
    Denkmal a. d. Minoritenkirche in Wien.

  • Autor/in

    Werner Welzig
  • Empfohlene Zitierweise

    Welzig, Werner, "Hofbauer, Klemens Maria" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 376 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118552317.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hoffbauer: Clemens Maria H., der erste deutsche Redemtorist, geb. am 26. December 1751 zu Taßwitz in Mähren, am 15. März 1820 zu Wien.|H. wünschte schon als Knabe Geistlicher zu werden. Da aber die Mittel der früh verwittweten Mutter ihm das Studium nicht erlaubten, erlernte er 1767 in Znaim das Bäckerhandwerk. Als Bäckergeselle kam er in das Prämonstratenserstist Brück; der Abt ließ ihn, da er von seinem Wunsche, Geistlicher zu werden, Kenntniß erhielt, in der Klosterschule unterrichten. Im J. 1776 wollte er Einsiedler werden; er lebte beinahe zwei Jahre in einer von ihm selbst gezimmerten Holzhütte bei dem Wallfahrtsorte Mühlfrauen in der Nähe von Znaim. Da er von der Regierung nicht die Erlaubniß erhielt, sein Einsiedlerleben fortzusetzen, ging er nach Wien und arbeitete dort wieder als Bäcker. Mit einem anderen Bäckergesellen, Emmanuel Kunzmann, pilgerte er zweimal nach Rom. Das zweite Mal erhielten sie von dem Bischof von Tivoli, Cardinal Chiaramonti (der 1800 als Pius VII. Papst wurde), die Erlaubniß, in einem Walde bei Tivoli als Einsiedler zu leben. Nach einem halben Jahre kehrte aber H. nach Wien zurück und setzte, von einer frommen Wittwe unterstützt, seine Studien fort. Nach Beendigung der philosophischen Studien pilgerte er mit einem anderen armen Studenten aus Böhmen, Thaddäus Hübl, 1784 wieder nach Rom. Beide traten dort in die von dem damals noch lebenden Alphons Liguori gestiftete „Congregation des allerheiligsten Erlösers“ (Redemtoristen), legten 1785 die Gelübde ab und machten zu Frosinone die theologischen Studien. Nachdem sie 1787 die Priesterweihe empfangen, wurden sie nach Warschau gesandt, um von dem dortigen Nuntius Saluzzo als Missionare in Kurland verwendet zu werden (Kunzmann schloß sich ihnen in Wien als Laienbruder an). Der Nuntius behielt sie in Warschau, wo ihnen die Kirche des heiligen Benno angewiesen wurde, weshalb sie in Warschau gewöhnlich Bennonilen genannt wurden. Die Zahl der Mitglieder der Redemtoristen-Congregation nahm in Polen allmählich zu. 1792 wurde H. zum Generalvicar der Congregation jenseit der Alpen ernannt. In den Jahren 1803—6 gründete er Niederlassungen in Süddeutschland und der Schweiz, die indeß keinen Bestand hatten. Im Juni 1808 wurden unter der französisch—sächsischen Herrschaft die Redemtoristen aus Polen ausgewiesen. H. (Hübl war 1807 gestorben) kam nach Wien und blieb dort, wiederholte Reisen nach Rom abgerechnet, bis zu seinem Tode. Der Erzbischof Sigismund von Hohenwart ernannte ihn 1809 provisorisch zum Director der italienischen Kirche, 1813 zum Beichtvater der Ursulinerinnen und Director ihrer Klosterkirche. Es wurde auch für die Redemtoristen ein Haus angekauft, in welchem H. mit dem Convertiten F. A. v. Klinkowström eine Erziehungsanstalt eröffnete. Nach einigen Jahren wurde H. in Untersuchung gezogen, weil er nicht nur einer in Oesterreich nicht anerkannten Congregation angehöre, sondern auch deren Generalvicar sei; man stellte ihm die Alternative, aus der Congregation auszutreten oder Wien zu verlassen. Der Erzbischof verwendete sich aber für ihn bei dem Kaiser Franz, der ihm denn auch gestattete, in Wien zu bleiben. Sein im October 1819 eingereichtes Gesuch um förmliche Genehmigung der Gründung von Collegien der Redemtoristen in Oesterreich wurde erst unter dem 22. April 1820, kurz nach seinem Tode, bewilligt. — H. wirkte in Wien eifrig als Prediger und Beichtvater; er übte einen großen Einfluß auch auf eine Reihe von hervorragenden Männern, Clemens Brentano, Friedrich v. Schlegel, Adam Müller, Zacharias Werner (dieser dichtete 1820 „zwei Gesänge auf den ersten deutschen Redemtoristen"), Philipp Veit, F. A. v. Klinkowström, Karl Ernst Jarcke, Joh. Emmanuel Veith, Anton Günther, Joh. Friedr. Heinr. Schlosser, den er 1815 in die katholische Kirche aufnahm. Werner und Veith traten nach seinem Tode in die Congregation der Redemtoristen (Veith trat später wieder aus). — Friedrich Perthes, der H. im September 1816 besuchte, theilt von ihm die merkwürdige Aeußerung mit: „Seitdem ich in Polen die religiösen Zustände der Katholiken|und in Deutschland die der Protestanten habe vergleichen können, ist es mir gewiß geworden, daß der Abfall von der Kirche eingetreten ist, weil die Deutschen das Bedürfniß hatten und haben, fromm zu sein. Nicht durch Ketzer und Philosophen, sondern durch Menschen, die wirklich nach einer Religion für das Herz verlangten, ist die Reformation verbreitet und erhalten. Ich habe das in Rom dem Papste und den Cardinälen gesagt, aber sie haben mir nicht geglaubt und halten fest daran, daß Feindschaft gegen die Religion es war, was die Reformation bewirkt habe“ (Leben II. 124). Im J. 1864 wurde in Rom die Seligsprechung Hoffbauer's beantragt und 1867 der Beatificationsproceß eingeleitet der noch nicht beendigt ist.

    • Literatur

      Wurzbach, Biogr. Lex., IX. 154. Fr. Pösl, Cl. M. Hoffbauer, der erste deutsche Redemtorist in seinem Leben u. Wirken, 1844. Seb. Brunner, Cl. M. H. u. seine Zeit, 1850. Katholik, 1876, II. 288.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunner, Sebastian, "Hofbauer, Klemens Maria" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 565-567 unter Hoffbauer, Clemens Maria [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118552317.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA