Lebensdaten
1869 bis 1946
Geburtsort
München
Sterbeort
Hartschimmelhof bei Pähl (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Geograph ; bayerischer General ; Geopolitiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118547119 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haushofer, Karl Ernst

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Zitierweise

Haushofer, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118547119.html [22.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Max (1840–1907), Prof. d. Staatsökonomie a. d. TH München (s. A. Dreyer, in: BJ XII, S. 75-80, W, u. Tl. 1907, L), S d. Max (1811–66), Kunstmaler, Prof. d. Ak. in Prag (s. L), u. d. Anna Dumser;
    M Adele (1844–72), T d. Prof. d. Landwirts. Karl Fraas ( 1875, s. NDB V);
    Ov Karl Rr. v. H. (bayer. Personaladel 1891, 1839-95), Prof. d. Geol., Chemie u. Mineral, a. d. TH München (s. Pogg. III, IV);
    B Alfred (1872–1943), Landschaftsmaler;
    Schw Marie (1871–1940), Kunstmalern; Cousine Henriette ( Ferd. Jodl, 1861–1941, bayer. Gen.-Lt.);
    - Partenkirchen 1896 Martha (1877–1946), T d. Gutsbes. Gg. Ludw. Mayer-Doß u. d. Christine v. Doß; Gvm d. Ehefrau Adam v. Doß (1820–73), Schüler Schopenhauers (s. 15. Jb. d. Schopenhauer-Ges., 1928); Om d. Ehefrau Adolf v. Doß (1825–86), Jesuit (s. LThK);
    2 S Albrecht (s. 1), Heinz (1906-88), Dr., Dipl.-Landwirt, Agrarhistoriker.

  • Leben

    H. trat 1887 in das bayerische 1. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ ein und verließ die bayerische Kriegsschule, die Artillerieschule und die bayerische Kriegsakademie mit hervorragender Beurteilung. 1899 erhielt er die Qualifikation zum Generalstab und wurde 1903 als Lehrer für Kriegsgeschichte an die bayerische Kriegsakademie berufen. 1908 wurde H. zum Studium der japanischen Armee abkommandiert, bereiste zuvor Vorder- und Hinterindien, später Japan, Korea, die Mandschurei und Nordchina. Er kehrte 1910 zurück. Zu dieser Zeit gab er dem mitreisenden Stefan Zweig „die erste Einsicht in die außerordentlichen Qualitäten und die innere Zucht eines deutschen Generalstabsoffiziers“ (Die Welt von Gestern). Im 1. Weltkrieg war H. in Lothringen, der Picardie, Polen, an der Somme, in den Karpathen und Vogesen in höheren Stäben, dann als Regiments-, zuletzt als Artilleriekommandeur verwendet worden und führte 1918 die bayerische 30. Reserve-Division in die Heimat zurück. 1919 nahm er den Abschied mit dem Charakter als Generalmajor.

    H. hatte schon 1913, also als aktiver Offizier, an der Universität München mit einer Arbeit „Der deutsche Anteil an der geographischen Erschließung Japans und des subjapanischen Erdraums und deren Förderung durch den Einfluß von Krieg und Wehrpolitik“ bei E. von Drygalski promoviert. 1919 habilitierte er sich dort für Geographie, wurde 1921 Honorarprofessor und erhielt 1933 Titel und Rang eines ordentlichen Professors. Volkspolitische Tätigkeit und Beschäftigung mit dem Grenz- und Auslandsdeutschtum brachten H. das Präsidium der Deutschen Akademie (1934–37) und des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland (1938–41).

    H.s wissenschaftliche Arbeit galt zunächst der Fernostkunde, vor allem Japan und dem Pazifik. Seine Länderkunde „Japan und die Japaner“ (1923) und die „Geopolitik des Pazifischen Ozeans“ (1925, zuletzt 1938) galten als Standardwerke. Sein Rang als Fernostkenner blieb unbestritten, nicht jedoch seine Stellung als Begründer der deutschen Geopolitik. Die Geopolitik sollte „Rüstzeug zum politischen Handeln liefern und Wegweiser im politischen Leben sein“. Innerhalb dieser Lehre kam der Vorstellung vom deutschen „Lebensraum“ eine besondere Bedeutung zu. Sie fußte auf Friedrich Ratzel und diente ursprünglich mehr der Abwehr fremder Ansprüche auf unbestreitbaren Wohn- und Wirtschaftsbereich des deutschen Volkes. Die begriffliche Unklarheit der Lebensraumtheorie machte es den Nationalsozialisten leicht, sie in einem rein aggressiven und imperialistischen Sinn umzudeuten und auszuwerten. H.s Einfluß auf die NSDAP nahm seit 1938 ständig ab, besonders nach der Flucht seines Schülers Rudolf Heß, der ihm persönlich ergeben war. Die Geopolitik entartete, trotz ständiger Zusammenstöße H.s mit der Zensur, zu einem Propagandawerkzeug. 1944 kam H., mit mehreren Familienmitgliedern, in Lagerhaft (H. nach Dachau). 1946 wählte er, in voller stoischer Verantwortung für sein Leben, zusammen mit seiner Frau den Freitod.

  • Werke

    Weitere W Südostasiens Wiederaufstieg z. Selbstbestimmung, 1923;
    Das Japan. Reich in s. geogr. Entwicklung, 1924;
    Grenzen in ihrer geogr. u.|pol. Bedeutung, 1927, 1939;
    Geopol. d. Panideen, 1931;
    Weltpol. v. heute, 1934;
    Weltmeere u. Weltmächte, 1937;
    Dt. Kulturpol. im Indo-Pazif. Raum, 1939;
    Japan baut s. Reich, 1941. - Ferner zahlr. Broschüren, Art. in Zss. u. Ztgg., Btrr. in Sammelwerken, Festschrr., Wörterbüchern u. Lexika. - Hrsg.: Zs. f. Geopol., 1924-44;
    Der Rhein, 1928 ff.;
    Bausteine z. Geopol., 1928;
    Schrr.reihe Macht u. Erde, 1932-34.

  • Literatur

    Heinz Haushofer u. A. Roth, Der Haushof u. d. Haushofer, = Schrr. d. Bayer. Landesver. f. Fam.kde., H. 8, 1939 (P);
    Zs. f. Geopol., Sonderh. K. H. z. 60. Geb.tag, 1929, S. 8, z. 70. Geb.tag, 1939, S. 8 f. (P);
    E. A. Walsh, Total Power, Garden City, N. Y. 1948, S. 3-67;
    G. Heyden, Kritik d. dt. Geopol., 1958, S. 110 ff.;
    K.-H. Harbeck, Die „Zs. f. Geopol.“ 1924-44, Diss. Kiel 1963;
    Yung-Hwan Jo, Japanese Geopolitics and the Greater East Asia Co-Prosperity, Diss. Univ. Washington 1964 (behandelt Auswirkung H.s in Japan, W, auch d. in Japan ersch. Ausgg.). - Zu Gvv Max: ADB XI;
    Wurzbach VIII;
    H. Veverková, M. H., Diss. Prag 1966 (ungedr.);
    ThB.

  • Portraits

    Porträtmedaille v. P. v. d. Hude (München, Staatl. Münzslg.).

  • Autor

    Josef März
  • Empfohlene Zitierweise

    März, Josef, "Haushofer, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 121 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118547119.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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