Lebensdaten
1882 bis 1963
Geburtsort
Rüdershausen (Eichsfeld)
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
katholischer Kirchenhistoriker ; Kulturpolitiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118761676 | OGND | VIAF: 24757588
Namensvarianten
  • Schreiber, Georg

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Zitierweise

Schreiber, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761676.html [20.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus Eichsfelder Fam.;
    V Franz Ignaz (1835–87), Förster, S d. Ignaz Fromm (1760–1846), Fabr., u. d. Franziska Schreiber (1793–1871);
    M Marie (1860–1942), T d. Andreas Freckmann (1809–84), Ger.aktuar, u. d. Therese Dreykluft (1831–99).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1901 in Hildesheim begann S. ein philosophisch-theologisches Studium in Münster, setzte es in Hildesheim fort und wurde dort 1905 zum Priester geweiht. Anschließend studierte er Geschichte und Germanistik in Münster und seit 1906 in Berlin, wo er gleichzeitig als Hausgeistlicher wirkte. 1909 Dr. phil., wechselte er in die juristische Fakultät. Nachdem S. 1913 in Freiburg (Br.) den Dr. theol. erworben hatte, habilitierte er sich in Münster für Kirchengeschichte. 1915 wurde er ao. Professor für Kirchenrecht sowie bayer. Staats- und Verwaltungsrecht in Regensburg, wo sein Interesse für die Religiöse Volkskunde, die er später systematisch erforschte, geweckt wurde. 1917 wurde er als Ordinarius für Kirchengeschichte und historische Caritaswissenschaft nach Münster berufen. 1920-33 für die Zentrumspartei im Reichstag einflußreicher Abgeordneter im Haushaltsausschuß und bald führendes Mitglied in zentralen Wissenschaftsorganisationen, verfolgte er das Ziel, das durch die Niederlage geschwächte und innerlich zerklüftete Reich als „Großmacht des Geistes und des Wissens“ (1922) zu erhalten. Gleichzeitig suchte er dessen Isolierung zu überwinden, die Notlage der „geistigen Arbeiter“ (1923) zu verbessern sowie Geist und Republik, aber auch Katholizismus und Republik zu versöhnen. Der „Reichsprälat“ war an der „Rückkehr des dt. Katholizismus aus dem Exil“ beteiligt. Neben gezielter politischer Publizistik entfaltetet der „Nothelfer der dt. Wissenschaft“ eine umfangreiche wissenschaftliche Herausgebertätigkeit und engagierte sich für eine Auslandskulturpolitik zugunsten dt. Minderheiten.

    Seit 1933 drängte die NSDAP auf seine Entlassung und erreichte 1935 seine Zwangsversetzung an die Staatl. Akademie in Braunsberg (Ostpreußen). S., der sich zunächst beurlauben ließ, konnte die Versetzung jedoch mit Hilfe von Karl Haushofer und Ferdinand Sauerbruch abwenden und sich 1936 emeritieren lassen. Er blieb von der Gestapo überwacht. 1939 wurden die von ihm geleiteten Institute für Auslandskunde und für Volkskunde in Münster beschlagnahmt. Nach dem Attentat vom 20.7.1944 entzog sich S. der befürchteten Verhaftung durch Flucht nach Niederbayern und in die Abtei Ottobeuren. Seit Juli 1945 wieder in Münster, erhielt er seinen Lehrstuhl zurück (1945/46 Rektor, 1951 em.). Mit großem Einsatz begann er den Wiederaufbau der Universität und konzentrierte sich, nachdem 1947 eine CDU-Kandidatur zum Landtag von Nordrhein-Westfalen gescheitert war, wieder auf die Wissenschaft und deren Organisationen.

    Ziel seines Engagements war eine Rangordnung des Geistigen in der modernen Gesellschaft, die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche, die geistige Fundierung der Weimarer Republik und die internationale Wissenschaftspflege. Sein Werk, das von der kirchlichen Rechtsgeschichte des Mittelalters ausging, verknüpfte historische, volkskundliche, theologie- und liturgiewissenschaftliche Disziplinen. Der mit höchsten kirchlichen, staatlichen und wissenschaftlichen Ehrungen ausgezeichnete Gelehrte verlieh einer eigenen (Auslands-)Kulturpolitik entscheidende Impulse.

  • Auszeichnungen

    päpstl. Hausprälat (1924);
    Ehrenring d. Dt. Mus. (1927);
    Goethe-Medaille (1932);
    Gr. BVK (1954, mit Stern 1962);
    Goldenes Ehrenzeichen d. Kep. Österr. (1957);
    Apostol. Protonotar (1958);
    Harnack-Medaille d. MPG (1962);
    Dr.-Ing. E. h. (Aachen 1924);
    Dr. rer. pol. h. c. (Münster 1926);
    Dr. med. h. c. (München 1926);
    Dr. iur. h. c. (Heidelberg 1928);
    Dr. theol. h. c. (Salzburg 1952);
    Dr. phil. h. c. (Löwen 1960);
    Dr. rer. oec. h. c. (Innsbruck 1961);
    Ehrenmitgl. d. Univ. Innsbruck u. d. DAI;
    Senator d. KWG (1926–33) u. d. MPG (1946–60, dann Ehrensenator);
    korr. Mitgl. d. Real Ac. de Buenas Letras (Barcelona 1952);
    Vors. A. Hist. Komm. Westfalen (1946–62);
    Vorstandsmitgl. d. Görres-Ges. (1924–41, 1948-61);
    Mitgl. d. Arbeitsgemeinschaft f. Forschung d. Landes NRW (1952–63).

  • Werke

    Kurie u. Kloster im 12. Jh., 2 Bde, 1910, Neudr. 1965;
    Unterss. z. Sprachgebrauch d. ma. Oblationswesens, 1913;
    Mutter u. Kind in d. Kultur d. Kirche, 1918;
    Dt. Kulturpol. u. d. Katholizismus, 1922;
    Die Not d. dt. Wiss. u. d. geistigen Arbeiter, 1923;
    Zentrum u. dt. Pol., 1924;
    Dt. Reich u. dt. Med., 1926;
    Auslandsdt.tum u. Katholizismus, 1927, 4+51930;
    Zentrum u. Reichspol., 1930;
    Nat. u. internat. Volkskunde, 1930;
    Das dt. Volkstum u. d. Kirche, 1932;
    Brüning – Hitler – Schleicher, 1-161932;
    Dtld. u. Spanien, 1936;
    Dt. Bauernfrömmigkeit in volkskundl. Sicht, 1937;
    Hochschule u. Volkstum in d. neuen Zeit, 1945, 2-31946;
    Gemeinschaften d. MA, 1948;
    Zw. Demokratie u. Diktatur, 1949;
    Dt. Wiss.pol. v. Bismarck bis z. Atomwiss. Otto Hahn, 1954;
    Dtld. u. Österr., 1956;
    Irland im dt. u. abendländ. Sakralraum, 1956;
    Die vierzehn Nothelfer in Volksfrömmigkeit u. Sakralkultur, 1959;
    Der Bergbau in Gesch., Ethos u. Sakralkultur, 1962;
    Dt. Weingesch., 1980;
    – Schrr.verz. G. S., bearb. v. R. Morsey, in: HJb. 83, 1963, S. 1*ff.;
    Hg.:
    Schrr. z. dt. Pol., 32 Hh., 1922-32;
    Pol. Jb. 1925-27/28, 1925-28;
    Dt.tum u. Ausland, 65 Hh., 1926-38;
    Forsch. z. Volkskunde, 38 Hh., 1930-55;
    Volk u. Volkstum, 3 Bde., 1936-38;
    Das Weltkonzil v. Trient, 2 Bde., 1951.

  • Literatur

    FS Volk u. Volkstum, hg. v. J. P. Steffes u. H. Konen, 1932;
    Zw. Wiss. u. Pol. (zugl. HJb. 83), hg. v. J. Spörl, 1953;
    Dona Westfalica, dargebracht v. d. Hist. Komm. Westfalens, 1963;
    – R. Morsey, Landschaftliches u. Universales im Lebenswerk v. G. S., in: Westfäl. Forsch. 10, 1957, S. 6-25;
    ders., in: Staatslex. XI, 61970, Sp. 149-51;
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. II, 1975, S. 177-85;
    ders., in: Westfäl. Zs. 131/132, 1981/82, S. 121-59;
    ders., G. S. u. d. Görres-Ges., in: HJb. 103, 1983, S. 329-46;
    ders., in: Berlin. Lb. III, 1987, S. 269-84;
    ders., in: Staatslex. IV, 71988;
    ders., in: Lex. d. Christl. Demokratie, 2002;
    ders., Machtkampf um e. Bibl. in Münster 1939-1942, Himmlers u. Rosenbergs Interesse an d. beschlagnahmten Instituten v. G. S., in: Kirchl. Zeitgesch. 18, 2005, S. 68-120;
    ders., in: Le milieu intellectuel catholique en Allemagne, sa presse et ses résaux 1871-1963/Das kath. Intellektuellenmilieu in Dtld., seine Presse u. seine Netzwerke 1871-1963, hg. v. M. Grunewald u. U. Puschner, 2006, S. 211-30;
    N. Grass, G. S. †. Begegnung d. Kanonisten mit Ulrich Stutz, in: ZSRGK 80, 1963, S. 600-27;
    J. Spörl, in: HJb. 83, 1963, S. 246-52;
    E. Hegel, G. S.s Wiss.weg u. wiss. Werk, ebd., S. 253-70;
    ders., in: LThK2;
    W. Damberg, KGesch. zw. Demokratie u. Diktatur, G. S. u. Joseph Lortz in Münster 1933-1945, in: Theol. Fakultäten im NS, hg. v. L. Siegele-Wenschkewitz u. N. Nicolaisen, 1993, S. 145-67;
    W. Jacobeit, H. Lixfeld u. O. Bockhorn (Hg.), Völk. Wiss., Gestalten u. Tendenzen d. dt. u. österr. Volkskunde in d. ersten Hälfte d. 20. Jh., 1994;
    Rhdb. (P);
    Schumacher, M. d. R.;
    D. Grothmann, in: BBKL IX;
    RT-Abg. Zentrum;
    H. J. Münk, in: LThK3;
    Munzinger;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Nordrhein-Westfalen.

  • Autor/in

    Rudolf Morsey
  • Empfohlene Zitierweise

    Morsey, Rudolf, "Schreiber, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 529-530 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761676.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA