Lebensdaten
1858 bis 1925
Geburtsort
Tapiau
Sterbeort
Zandvoort (Holland)
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118522140 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Corinth, Franz Heinrich Louis
  • Corinth, Lovis
  • Corinth, Franz Heinrich Louis
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Zitierweise

Corinth, Lovis, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118522140.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Heinr. (1829–89), Gerber u. Ratsherr in Tapiau, S des Krügers u. Landwirts Dan. Frdr. in Lindenau u. der Pächters-T Doroth. Stiemer aus Rudlack;
    M Amalia Wilh. (1816–73), Wwe des Lohgerbermeisters Frdr. Wilh. Opitz, T des Schuhmachermeisters Joh. Christoph Buttcher u. der Wilhelmina Charl. Corinth (Schw des Dan. Frdr.);
    Berlin 1904 Charl. (* 1880), Malerin u. Schriftst. (s. ThB), T des Kaufm. Ernst Berend u. der Hedw. Grumpert;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    C. besuchte die Akademien in Königsberg und München. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Antwerpen ging er im Herbst 1884 für drei Jahre nach Paris an die Académie Julian. 1887 kam er in Berlin in Verbindung mit Stauffer-Bern und mit M. Klinger. 1888-91 lebte C. in Königsberg und siedelte dann nach München über. Hier wurde er Mitglied der neugegründeten Sezession, mit der er jedoch|nach einiger Zeit brach. C. schloß Freundschaft mit O. Eckmann und kam in Berührung mit den führenden dortigen Männern des künstlerischen und literarischen Aufbruches (Jugendstil). Unter dem Einfluß von W. Leistikow entschloß sich C. 1900, endgültig nach Berlin überzusiedeln, das ihm als aufstrebende Reichshauptstadt bessere Zukunftsaussichten zu bieten schien. Er gründete eine private Malschule, die bis 1914 bestanden hat. Regelmäßige Sommerreisen führten C. in den kommenden Jahren nach Dänemark, Pommern und in den Harz, an die Ostsee, nach Holland und Florenz. 1911 lähmte ihn ein Schlaganfall für längere Zeit, und es gelang ihm nur langsam und unter großer Willensanstrengung, sich wieder davon zu erholen. Die nächsten Sommer verbrachte er an der Riviera, in Italien, Tirol und Mecklenburg, seit 1918 alljährlich in Urfeld/Walchensee, in den letzten Lebensjahren auch in der Schweiz.

    Um die Jahrhundertwende erreicht C. seine Meisterschaft. In den fruchtbaren Schaffensjahren des ersten Berliner Jahrzehnts gilt er mit Liebermann und Slevogt als Führer des verspäteten, sogenannten deutschen Impressionismus. Oft derb zugreifend hat C. - ohne Rücksicht auf äußere Schönheit - alles gemalt, was sich seinem Auge als malerisches Objekt darbot: Porträts, Akte, Stilleben, Landschaften. Seine biblischen und religiösen (Simsons Blendung, Triptychon der Kreuzabnahme, Versuchung des Heiligen Antonius), seine mythologischen (Töchter des Zeus) und symbolischen (Lebensalter, Totenklage) Darstellungen erscheinen als sinnenfrohe theatralische Impressionen, wobei sich der Inhalt in einer wahren Fülle des Augenfälligen ausspricht. C. verband mit dieser bisweilen bis zur Respektlosigkeit gehenden Sinnenfreude Behutsamkeit und Nuancierung in den malerischen Mitteln. In seinen Bildnissen hat er eine überzeugende, manchmal geradezu erschütternde Aussage über die individuelle Persönlichkeit zu bannen vermocht (Graf Keyserling, Eduard Meyer, Reichspräsident Ebert).

    Wenn in der Frühzeit manches noch allzu materiegebunden ist, hat das Spätwerk - wohl auch unter dem Eindruck der schweren Krankheit - Nebensächlichkeiten und strotzende Fülle ausgeschieden. Die Walchenseelandschaften der 20er Jahre leben aus einer visionären, leuchtenden Farbigkeit. Je mehr hier das Dargestellte nur farbig angedeutet ist und die gegenständliche Plastizität zurücktritt, um so stärker wirkt das Bildganze als farbige Erscheinung. Weil hier der späte C. mit einer verinnerlichten, rein malerischen Gestaltung zu einer entdinglichenden Ausdruckskunst gelangt ist, hat man das Werk seiner letzten Jahre dem deutschen Expressionismus zugerechnet, wobei aber die Voraussetzungen ganz andere geblieben sind. - C. hat auch eine Anzahl von radierten und lithographierten Folgen geschaffen. - Dr. phil. honoris causa.

  • Werke

    Das Erlernen d. Malerei, 1908;
    Das Leben Walter Leistikows, 1910;
    Ges.Schrr., 1920;
    Selbstbiogr., 1926.

  • Literatur

    K. Schwartz, Das graph. Werk v. L. C., 1917;
    H. W. Singer, Zeichnungen v. L. C., 1921;
    A. Kuhn, L. C., 1924;
    Kat. d. Gedächtnisausstellung, Berlin 1926;
    P. Fechter, Der Landschafter L. C., in: Cicerone 18, 1926, S. 621-31;
    E. Grigoleit, Die Ahnen des Malers L. C., in: Archiv f. Sippenforschung 16, 1939, S. 115-18;
    Ch. Berend-Corinth, Mein Leben mit L. C., 1947;
    G. v. d. Osten, L. C., 1955;
    ThB (L);
    Vollmer I, 1953, S. 475.

  • Portraits

    Selbst-P (mit Totenkopf), 1896 Städt. Gal. München. (mit Hut), 1923 Kunstmus. Bern, ehem. Nat. Gal. Berlin, in: Verz., 1926. S. 21, Nr. 1453. u. in: Gr. Deutsche im Bild, 1934, S. 453.

  • Autor/in

    Leonie von Wilckens
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilckens, Leonie von, "Corinth, Lovis" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 360-361 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118522140.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA