Lebensdaten
1870 bis 1960
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119050072 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klimsch, Fritz

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Zitierweise

Klimsch, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119050072.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Eugen (s. Einl.), S d. Ferdinand (s. Einl.) u. d. Margarete Henriette Schulz (Bgm.-T aus Dillenburg);
    M Helene (1840–1917), T d. Justizrats Dr. Anton Burkard in Frankfurt u. d. Caroline Wähler;
    Ov Karl (s. Einl.), Louis (1852–74), Maler (bes. Kopist);
    B Karl (1867–1936), Bildnis- u. Figurenmaler, Graphiker, Prof. a. d. Reimann-Schule in Berlin, Paul (1868–1917), Landschafts- u. Tiermaler, Illustrator in München, seit 1900 in Frankfurt;
    Vt Hermann (1867–1960), Maler, Graphiker u. Illustrator in München, malte Landschaften. Interieurs, Genrebilder u. dekorative Wandgem., seit 1919 vor allem Porträts;
    - 1894 Irma (1872–1948), T d. Wilhelm Lauter (1847–1917), Dr.-Ing. E. h., Ing. f. Brücken- u. Bahnbau in Frankfurt (s. DBJ II, Tl.), u. d. Josephine Pfeiffer;
    3 S (1 ⚔), 1 T, u. a. Uli (1895–1967), Schriftsteller, Florentin (* 1908), Dipl.-Ing., Architekt.

  • Leben

    K. erhielt seine erste künstlerische Ausbildung durch seinen Vater sowie durch seinen Patenonkel, den Bildhauer Fritz Schierholz. Ostern 1886 brach er die Schulausbildung an einem Frankfurter Realgymnasium ab und begann an der Akademie in Berlin zu studieren; 1886-94 war er dort Schüler von Albert Wolf, Woldemar Friedrich und Fritz Schaper. Durch das Künstlerheim des Architekten Bernhard Sehring lernte er die Vertreter der Berliner Kunstszene kennen. 1892 beteiligte sich K. mit der Figur eines „Gefesselten“ an der Großen Berliner Kunstausstellung, und schon 1894 wurde er mit dem großen Staatspreis ausgezeichnet, der es ihm finanziell ermöglichte, Studienreisen nach Paris und nach Italien zu unternehmen, wo er Mitglied des Deutschen Künstler-Vereins wurde. Nach seiner Rückkehr wurde er in Berlin-Charlottenburg ansässig. 1898 gründete er mit Liebermann und Leistikow die Berliner Sezession und 1904 den Deutschen Künstlerbund in Weimar. Im gleichen Jahre unternahm er eine zweite Italienreise; weitere Studienreisen führten ihn nach Griechenland (1909), England (1912) und nochmals nach Italien (1913). Der 1906 gewonnene Wettbewerb um das Denkmal für Rudolf Virchow (Berlin, Karlsplatz) bedeutete für K. den Durchbruch. 1910 wurde er zum Professor, 1912 zum ordentlichen Mitglied und 1916 zum Senator der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ernannt; 1921 erfolgte die Berufung auf den Lehrstuhl für Bildhauerei an der Hochschule für freie und angewandte Kunst in Berlin. Auszeichnungen und Ehrungen erhielt K. in allen Schaffensperioden; so wurde er bereits in jungen Jahren auf nationalen und internationalen Ausstellungen mit goldenen Medaillen ausgezeichnet und bei Ankäufen berücksichtigt, zum Beispiel in Amsterdam, Abo (Finnland), Dresden, Berlin und München. Auf zwei Weltausstellungen in Paris wurde K. mit der „Mention honorable“ und dem „Diplôme d'honneur“ geehrt. 1943 in Berlin ausgebombt, siedelte er nach Salzburg über, wo er 1946 ausgewiesen wurde. Bis zu seinem Tode lebte er dann auf dem Hierahof bei Saig im Hochschwarzwald.

    K. gehört zusammen mit Kolbe und Scheibe zu der Generation, die als Vermittler einer an der Tradition orientierten Bildhauerkunst vom 19. in das 20. Jahrhunderts fungierte. Angeregt durch seinen Lehrer Schaper, setzte sich K. – der Berliner Schadow- und Rauch-Tradition folgend – mit der Wiederaufnahme der antiken Bildhauerkunst auseinander. Spürbar wird dies vor allem bei seinen frühen Werken, wie dem „Gefesselten“ (1892) oder bei dem Grabmal für Emilie Loeffler (1904) auf dem Dorotheenfriedhof in Berlin, das die Anordnung eines attischen Grabreliefs übernimmt. Neben einer Orientierung an der griechischen Antike finden sich aber, etwa mit der „Tänzerin“ (1898, Nationalgalerie Berlin), auch Anklänge an römische Arbeiten oder, mit seinem „David“ (1901, Frankfurt, Städel), Bezugspunkte zur Bildhauerkunst der Renaissance. Antike und florentinische Renaissance gaben diesen Werken zwar das exemplum – eine konkrete Übernahme der Formensprache findet sich aber keinesfalls. Hierfür ließe sich auch ein Einfluß Hildebrands und des Marées-Kreises geltend machen, als deren Erbe sich K. – nicht ganz zu Unrecht – verstanden wissen wollte. Daneben blieb für ihn der Eindruck seiner Reise nach Paris bestimmend, wo er in den Bannkreis von Rodin und Maillol geriet. Ist anfänglich noch, vor allem bei der Oberflächenbehandlung, der Einfluß Rodins spürbar, so wendet sich K. später immer stärker dem klassizistischen Habitus Maillols zu. Deutlich wird dies bei der Darstellung des weiblichen Aktes, ein Thema mit dem sich K. schon in jungen Jahren auseinandersetzte und das ihm später zwelfelhaften Ruhm erbrachte. Kann man bei der „Salome“ (1902/04) oder bei dem „Mädchen beim Ankleiden“ (1905, Frankfurt, Städel) noch rein klassische Kompositionsschemata erkennen, so erfolgt, etwa bei der|„Badenden“ (1918) oder dem „Frühlingsahnen“ (1923), durch einen strengen stereometrischen Aufbau der Figuren eine Umsetzung antiken Gedankengutes in zeitgenössische Form. Dabei entsteht ein eigenartiger Kontrast zwischen abstrakt gesehener Körperhaltung und naturalistisch wiedergegebener Körperform.

    Die latente Klassizität, die dem Oeuvre stets zu eigen ist, tritt in den 20er Jahren zurück und wird in den Jahren nach 1930 – in gleichem Maße wie K. als „Klassiker des Übergangs“ vom Nationalsozialismus akzeptiert und in Anspruch genommen wird – durch einen glatten, peinlichen Naturalismus ersetzt. Seine weiblichen Aktfiguren folgen nunmehr dem Typus der BDM- und Sportschönheit und werden zu Tausenden in Porzellan oder Ton als Kommoden-Nippes und Vitrinenstücke produziert. K. verfällt zwar nicht der damals üblichen Gigantomanie, dennoch erhalten seine Figuren einen zeittypischen, gewollt innigen und beseelten Ausdruck. Im Oeuvre K.s kommt den Bildnissen die größte Bedeutung zu. Seine Porträts von Karl Binding (1904, Universität Leipzig), Graf Schlieffen (1908, Nationalgalerie Berlin), Lovis Corinth (1907), Max Liebermann (1912, Städtische Galerie Nürnberg), Wilhelm von Bode (1924, Kaiser-Friedrich-Museum Berlin), Max Slevogt (1928) und Max Planck (1931, Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Berlin) gehören zu den ausdrucksstärksten Werken ihrer Zeit.|

  • Auszeichnungen

    Goethe- Medaille, 1940; Gr. Bundesverdienstkreuz (1960).

  • Werke

    Weitere W u. a. Denkmäler u. Grabmalplastik: Grabmal Behrens, Düsseldorf, 1912/13;
    Kriegerdenkmal in Wiesdorf, 1916/17;
    Grabmal Emil Fischer, Berlin-Wannsee, 1920;
    Denkmal f. dens., 1921 (Berlin, Univ., Chem. Inst.);
    Kriegerdenkmal in Prenzlau, 1925;
    Borsig-Denkmal, 1925 (Berlin, Borsig-Werke);
    Ehrenmal in Quedlinburg, 1927;
    Brunnenanlage „Am Wasser“, 1929 (Frankfurt, I. G. Farben);
    Projekt zu e. Beethoven-Denkmal, 1930;
    Grabmal Carl Duisberg, 1936;
    Siegesdenkmal f. 1870/71 in Saarbrücken;
    Caritasbrunnen in Wiesdorf;
    Projekte zu e. Denkmal f. d. Röchling-Werke, zu e. Schillerdenkmal f. Posen u. zu e. Mozartdenkmal für Salzburg. -
    Einzelfiguren u. Gruppen: Der Kuß, 1900;
    Ruhender Jüngling u. Ruhendes Mädchen, 1908/10 (Kassel, Mus.);
    Der Sämann, 1909 (Aachen, Mus.);
    Reckende, 1913 (Göteborg, Mus.);
    Liegende, 1921;
    Hallelujah, 1929;
    Der Frühling, 1932;
    Eva, 1933;
    Nereide, 1937 (Berlin, Propagandamin.);
    Brunnenmädchen u. Brunnenjunge, 1940 (Berlin, Auswärt. Amt);
    Woge, 1942. -
    Porträts: Otto v. Gierke, 1905 (Berlin, Univ.);
    Alexander Conze, 1913 (Berlin, Altes Mus.);
    Ludendorff, 1916 (Elberfeld, Städt. Mus.);
    Hindenburg, 1916 (ebd.);
    Gerhart Hauptmann, 1923;
    Marga v. Bonin, 1928;
    Ernst Kunst, 1930;
    Ludwig Cauer, 1933;
    Theodor Wiegand, 1935 (Berlin, Nat.gal.);
    Der Führer, 1936;
    Selbstbildnis, 1937 (Florenz, Uffizien). - Erinnerungen u. Gedanken e. Bildhauers, o. J. (ca. 1955) (Autobiogr., P) - H. Braun, F. K., Werke, 1980.

  • Literatur

    W. v. Bode, F. K. -
    Eine Ausw. s. Werke, 1924 (P);
    Uli Klimsch (S), F. K. -
    Die Welt d. Bildhauers, 1938 (P);
    ders., F. K., Freie Schöpfungen, 1949 (P, Abb.);
    Die Weltkunst 25, 1955, Nr. 5, S. 10, 28, 1958, Nr. 5, S. 6, 30, 1960, S. 13;
    F. Wilkendorf, Bei F. K. im Hierahof, in: Ekkart, Jb. f. d. Badner Land, 1958, S. 47 (P);
    Jb. d. Hamburger Kunstslgg. V, 1960, S. 110 (P);
    R. Müller-Mehlis, Die Kunst im Dritten Reich, 1976 (P); Ausstellungskat.: Sonderausstellung F. K. Plastik - Willy ter Hell Gem., Berlin, 1938 (P)
    ;
    F. K., Gal. Abels, Köln, 1958 (P);
    F. K., ebd., 1963 (P);
    F. K., ebd., 1970 (P);
    F. K.-Plastiken, Otto Fischer, Kunstsalon, Bielefeld, 1958 (P);
    -Kunst im 3. Reich, Frankfurter Kunstver., 1974 (P)
    ;
    ThB;
    Vollmer. - Zur Fam.:
    H. Weizsäcker u. A. Dessoff, Kunst u. Künstler in Frankfurt a. M. II, 1909;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1937, Abb. b. Uli Klimsch, s. L.

  • Autor/in

    Florian Hufnagl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hufnagl, Florian, "Klimsch, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 69 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119050072.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA