Lebensdaten
1900 bis 1987
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Museumsdirektor
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119335603 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reidemeister, Leopold

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Zitierweise

Reidemeister, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119335603.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Kurt (s. 1);
    1931 Ursula, T d. Otto Nordmann (1878–1946), aus Bad Harzburg, Prof., Dr. med., Chefarzt d. chirurg. Abt. d. Martin-Luther-Krankenhauses in Berlin-Grunewald (s. Fischer; Rhdb.; Wi. 1935), u. d. Elisabeth Molsen;
    3 S Jürgen Christoph (* 1934), o. Prof. d. Chirurgie in Essen (s. Chirurgen-Verz., 51969; Kürschner, Gel.-Kal. 2001), Andreas (* 1937), Dipl.-Ing., Peter (* 1942), Dr. phil.

  • Leben

    R. besuchte das Hzg.-Wilhelm-Gymnasium in seiner Heimatstadt. Seit Aug. 1918 in Elsaß-Lothringen zum Füsilier ausgebildet, begann er nach seiner Rückkehr im Nov. 1918 an der TH Braunschweig Architektur zu studieren. 1919 ging R. nach Berlin, um bei Adolf Goldschmidt Kunstgeschichte zu hören, danach nach München und nach Wien, wo er zusätzlich ein Studium ostasiat. Sprachen aufnahm. Zurück in Berlin, arbeitete er zunächst als Werkstudent in der Galerie van|Diemen, Unter den Linden, bevor er 1924 promoviert wurde. Im Okt. 1924 „freiwilliger Hilfsarbeiter“, dann Assistent, schließlich Kustos bei Otto Kümmel an der Ostasiat. Kunstabteilung der Staatl. Museen in Berlin, initiierte R. 1929 eine bedeutende Ausstellung chines. Kunst in der Akademie der Künste. 1935/36 unternahm er eine achtmonatige Ankaufsreise nach China, Korea und Japan, 1938 folgte die Ernennung zum Direktor der Ostasiat. Abteilung. Als Soldat 1939-45 übernahm er während der letzten Kriegsjahre eine leitende Tätigkeit beim „Dt. Militärischen Kunstschutz“ in Italien.

    Seit 1945 amtierte R. als kommissarischer Leiter, seit 1954 als Generaldirektor der Städtischen Museen und Direktor des Wallraf-Richartz-Museums in Köln. In erster Linie mit dem Wiederaufbau und der von den Nationalsozialisten zerstörten Abteilung moderner Kunst befaßt, stellten der Erwerb der Sammlung Haubrich und die Einweihung des neuen Wallraf-Richartz-Museums 1957 Höhepunkte seiner Amtszeit dar.

    1957 wurde R. Generaldirektor der ehem. Staatlichen Museen (seit 1962 Stiftung Preuß. Kulturbesitz) und zugleich Direktor der Nationalgalerie in Berlin. Hier widmete er sich der Rückführung und Unterbringung der Sammlungen, dem Aufbau der Museen in Berlin-Dahlem sowie dem Neubau (wozu 1962 der Auftrag des Berliner Senats an Mies van der Rohe erging) und der Erweiterung der Sammlung der Nationalgalerie durch bedeutende Neuerwerbungen. Vor allem aber trat er als Initiator und Organisator wichtiger Themenausstellungen hervor: „Lovis Corinth“ (1958), „Triumph der Farbe“ (1959), „Berlin, Ort der Freiheit für die Kunst“ (1960), „Die Nationalgalerie und ihre Stifter“ (1961), „Der Sturm.Herwarth Walden und die europ. Avantgarde 1910-1932“ (1961), „Die Ile de France und ihre Maler“ (1963), „Das Ursprüngliche und die Moderne“ (1964), „Japonismus in der Malerei des 19. Jh.“ (1965). Nach der Grundsteinlegung für das Brücke-Museum 1964 schied R. vorzeitig aus dem Dienst, da der Berliner Senat keine Verlängerung seines Arbeitsvertrages über das reguläre Pensionsalter bewilligte.

    Die Eröffnung des Brücke-Museums 1967, ermöglicht durch die langjährige Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel, bildete die Krönung von R.s Lebenswerk. Zwischen 1968 und 1987 organisierte R. etwa zwei Dutzend Ausstellungen; zugleich fungierte er bis 1984 als Herausgeber der Zeitschrift „Brücke-Archiv“. – R., für den das Wirken Wilhelm v. Bodes (1845–1929) wahrscheinlich eine große Herausforderung darstellte, wurde außergewöhnlich hoch geehrt. – Officier Ordre des Arts et des Lettres (1964); Gr. BVK (1965, mit Stern 1977); Ernst-Reuter-Plakette in Silber (1974); Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1980).

  • Werke

    u. a. Anna Dorothea Therbusch, 1924;
    Die Porzellankabinette d. Brandenburgisch-Preuß. Schlösser, in: Jb. d. Preuß. Kunstslgg. 54, 1933, 1, S. 262 ff., Forts., ebd. 55, 1934, 1, S. 44 ff.;
    Philipp Hainhofer u. d. ostasiat. Kunst, in: FS f. Adolf Goldschmidt, 1935, S. 109 ff.;
    Die Kölner Museen nach d. Kriege u. d. Wiederaufbau d. Wallraf-Richartz-Mus. (Vortrag, gehalten auf d. 6. Dt. Kunsthist.tag, Essen, 1.-4.8.1956), Resumé in: Kunstchronik 9, 1956, H. 10, S. 306 f.;
    Mus. u. Öffentlichkeit, in: Jb. d. Stiftung Preuß. Kulturbes., II, 1963, S. 55-58;
    Wiederaufbau – Wiedergutmachung, Ein Ber., in: W. Haftmann, Verfemte Kunst, 1986, S. 367-74;
    Das Brücke-Mus., 1984. – Ausst.kat. u. a. Der franz. Fauvismus u. d. dt. Frühexpressionismus, Musée d'Art Moderne Paris u. Haus d. Kunst München, 1966;
    Erich Heckel 1883-1970, Die frühen Holzschnitte, Berlin, Brücke-Mus., 1983;
    Karl Schmidt-Rottluff, Ausst. z. 100. Geb.tag d. Künstlers, ebd. 1984. – Hg.: Künstlergruppe »Brücke«, Fragment e. Stammbuches, 1975.

  • Literatur

    R. Steimel, Kölner Köpfe, 1958, Sp. 336;
    D. Honisch, Die Nat.gal. Berlin, 1979, S. 61 f.;
    L. R. [Rückblick z. 80. Geb.tag], in: Jb. d. Stiftung Preuß. Kulturbes. 17, 1980, S. 27-31;
    W. Knopp, ebd. 24, 1987, S. 27-29;
    L. R., Saatkörner, die nicht verwehten, Kindheit u. Jugend im Hzgt. Braunschweig, in: R. Portner (Hg.), Kindheit im Kaiserreich, 1987, S. 115-20;
    E. Roters, in: Der Tagesspiegel, 12.6.1987, S. 5 (P);
    W. W., in: FAZ v. 13.6.1987, S. 25;
    P. H. Göpfert, in: Weltkunst 57, H. 13, 1.7.1987, S. 1848 (P);
    L. R. zum Gedenken, Brücke-Archiv, H. 15/16, 1988 (unvolht. Schrr- u. Ausst.verz., P);
    Braunschweigisches Biographisches Lexikon;
    Metzler Kunsthist. Lex. |

  • Quellen

    Qu: Denkschr. f. d. Wiederaufbau d. Kölner Museen u. Briefe im Hist. Archiv d. Stadt Köln.

  • Portraits

    „L. R. als Student“, Ölgem. v. M. Kaus, 1923 (Berlin, Nat.gal.);
    „Bildnis L. R.“, Federzeichnung v. L. Meidner, 1931 (Berlin, Privatbes.);
    zahlr. Fotos in: Brücke-Archiv, H. 15/16, 1988.

  • Autor/in

    Peter Springer
  • Empfohlene Zitierweise

    Springer, Peter, "Reidemeister, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 325-326 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119335603.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA