Lebensdaten
1869 bis 1934
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 117470538 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sethe, Kurt Heinrich
  • Sethe, Kurt
  • Sethe, Kurt Heinrich

Orte

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Zitierweise

Sethe, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117470538.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus preuß. Juristenfam.;
    V Heinrich, Amtsger.rat, S d. Julius, Oberstaatsanwalt, Eisenbahndir. in B., u. d. Adelheid Reimer (1809–66);
    M Gertrud N. N.;
    N. N. ( vor 1929);
    Ur-Gvv Christoph (1767–1855), Präs. d. Rhein. Revisions- u. Kassationshofs in B., preuß. WGR (s. ADB 34), Georg Andreas Reimer (1776–1842), Gründer d. Reimerschen Buchhandlung (s. NDB 21);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Der philologisch außerordentlich begabte S. begeisterte sich schon als Gymnasiast für die Kultur und Sprache Altägyptens und wandte sich an Adolf Erman (1854–1937), dessen bedeutendster Mitarbeiter er später wurde. S. studierte, fast ausschließlich in Berlin, Ägyptologie und wurde 1892 bei Erman mit einer philologischen Dissertation („De Aleph prosthetico in lingua aegyptiaca verbi formis praeposito“) promoviert. 1895 in Berlin habilitiert, wurde S. 1900 als ao. Professor (1907–23 o. Prof.) nach Göttingen berufen. 1923 folgte S. seinem Lehrer Erman als Nachfolger auf den Berliner Lehrstuhl, den er bis zu seinem Tod innehatte.

    Mit seiner Dissertation eröffnete S. die Reihe seiner zahlreichen bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der ägypt. Philologie. Anhand einer Fülle von Beispielen aus allen Sprachstufen bis zum Koptischen leistete S. in seinem Standardwerk „Das ägypt. Verbum im Altägyptischen, Neuägyptischen und Koptischen“ (3 Bde., 1899–1902) die grundlegende Forschung für dieses Hauptelement der ägypt. Sprache. In seiner Abhandlung „Der Nominalsatz im Ägyptischen und Koptischen“ (1916) schuf er die erste verläßliche Basis für das Verständnis des schwierigsten Teils der ägypt. Satzlehre. Gemeinsam mit seinem Göttinger Kollegen, dem befreundeten Juristen Josef Partsch (1882–1925), lieferte S. in der Arbeit „Demotische Urkunden zum ägypt. Bürgschaftsrechte, vorzüglich der Ptolemäerzeit“ (1920) wertvolle Spezialbeiträge zu dieser Phase des Ägyptischen. Mit dem Pionier auf demotischem Gebiet, Wilhelm Spiegelberg (1870–1930), schrieb S. über „Bruchstücke einer ägypt. Zivilprozessordnung in demotischer Schrift“ (Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1930). S. hatte durch seine philologischen Arbeiten maßgeblichen Anteil am Gelingen des von Erman und Herman Grapow (1885–1967) herausgegebenen mehrbändigen Monumentalwerkes „Wörterbuch der ägypt. Sprache“ (1926–63, 41982). Seit Beginn dieses von den dt. Akademien betreuten Unternehmens 1897 bearbeitete und verzettelte S. hierfür zahlreiche Textgruppen, als wichtigste die Pyramidentexte und die theban. Tempelinschriften der griech.-röm. Zeit. S.s Bearbeitung der von Gaston Maspero (1846–1916) edierten religiösen Texte für das Wörterbuch führte zu der bis heute grundlegenden handschriftlichen Textausgabe „Die ägypt. Pyramidentexte“ (2 Bde., 1908/10), denen er einen umfangreichen kritischen Apparat (2 Bde., 1922) folgen ließ; die postume Herausgabe von S.s „Übersetzung und Kommentar zu den altägypt. Pyramidentexten“ (1935–62) erfolgte durch den dän. Ägyptologen Constantin Emil Sander-Hansen (1905–63). In seiner Abhandlung „Amun und die acht Urgötter von Hermopolis, Eine Untersuchung über Ursprung und Wesen des ägypt. Götterkönigs“ (1929) zeigt sich S.s allgemeine Tendenz, die Entstehung bestimmter Kulte, insbesondere desjenigen des Osiris, in vorgeschichtliche Zeiten zu verlegen. Mit solchen spekulativen Kombinationen wurde das altägypt. Quellenmaterial u. a. in zwei Arbeiten zum sog. Hatschepsut-Problem überstrapaziert. Neben seinen philologischen und religionsgeschichtlichen Arbeiten machte sich S., seit ihm zusammen mit Edouard Naville (1844–1926) die Bearbeitung der Textbände (1897/1904) zur Erschließung von Karl Richard Lepsius' (1810–84) Denkmälerexpedition übertragen worden war, besonders um die Edition historischer Texte verdient. Daneben legte der mit den semit. Sprachen bestens vertraute S. vergleichende Spezialstudien vor. In der von ihm 1896 begründeten und herausgegebenen Reihe „Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Ägyptens“ veröffentlichte S. selbst eine Reihe wichtiger Arbeiten. S. bereiste Ägypten nur zweimal (1904/05 u. 1925): Die von seinem ersten Aufenthalt mitgebrachten Abschriften von Texten in theban. Gräbern und Tempeln bildeten die Basis zur Auswertung dieses Materialkomplexes für das Wörterbuch der ägypt. Sprache; ein Ergebnis der zweiten, zusammen mit Heinrich Schäfer (1868–1957) und Ludwig Borchardt (1863–1938) unternommenen Reise, war seine Abhandlung über „Die Ächtung feindlicher Fürsten, Völker und Dinge auf altägypt. Tongefäßscherben des mittleren Reiches“ (1926).

    Neben Erman war S. der bedeutendste Gelehrte des 20. Jh. auf dem Gebiet der ägypt. Philologie, nur vergleichbar mit Heinrich Brugsch oder Jean-François Champollion; doch auch zur Geschichte, Geographie, Religion, Mathematik und Chronologie Altägyptens sind ihm grundlegende Arbeiten zu verdanken. Seine auf enormem Fachwissen basierenden Entdeckungen und Forschungen umfassen den gesamten Zeitraum von der frühdynastischen bis zur koptischen Epoche.

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1919) u. d. Dän. Ak. d. Wiss.; o. Mitgl. d.. Göttinger Ges. d. Wiss. (1914, ausw. 1924) u. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1931); Mitgl. d. Dt. Archäol. Inst.; Ehrenmitgl. d. American Oriental Soc.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Thronwirren unter d. Nachfolgern Kg. Thutmosis' I., ihr Verlauf u. ihre Bedeutung, 1896;
    Dodekaschoinos, das Zwölfmeilenland an d. Grenze v. Ägypten u. Nubien, 1901;
    Imhotep, der Asklepios d. Ägypter, 1902;
    Urkk. d. Alten Reiches, 1903;
    Hieroglyph. Urkk. d. griech.-röm. Zeit, 1904;
    Btrr. z. ältesten Gesch. Ägyptens, 1905;
    Urkk. d. 18. Dynastie, 1906;
    Die Einsetzung des Veziers unter der 18. Dynastie, 1909;
    Zur altägypt. Sage vom Sonnenauge, das in d. Fremde war, 1912;
    Von Zahlen u. Zahlworten b. d. alten Ägyptern ( . . . ), 1916;
    Der Ursprung d. Alphabets, Die neuentdeckte Sinaischrift u. d. Entstehung d. semit. Alphabets, 1917;
    Die Zeitrechnung d. alten Ägypter im Verhältnis zu der der anderen Völker, 1919/20;
    Die Ägyptologie, 1921;
    Die Vokalisation des Ägyptischen, 1923;
    Die Sprüche f. d. Kennen d. Seelen d. hl. Orte, 1923/1924;
    Egyptian Letters to the Dead mainly from the Old and Middle Kingdoms, 1928 (mit A. H. Gardiner);
    Dramat. Texte zu altägypt. Mysterienspielen, 1929;
    Urgesch. u. älteste Rel. d. Ägypter, 1930;
    Das Hatschepsut-Problem, noch einmal unters., 1932;
    Die Bau- u. Denkmalsteine d. alten Ägypter u. ihre Namen, 1933;
    Das hieroglyph. Schriftsystem, 1935 (postum);
    Hist.biogr. Urkk. d. Mittleren Reiches, 1935 (postum);
    Vom Bilde zum Buchstaben, 1939 (postum);
    Theban. Tempelinschrr. aus griech.-röm. Zeit, 1957 (postum);
    Nachlaß:
    Privatbes. (unveröff. wiss. Materialien u. Tagebuch d. Ägyptenreise 1925).

  • Literatur

    A. Erman, Mein Werden u. mein Wirken, 1929, S. 263;
    Journal of Egyptian Archaeology 20, 1934, S. 213 f.;
    [G. Steindorff], in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 70, 1934, S. 132–34;
    E. Zyhlarz, in: Zs. f. Eingeborenen-Sprachen 25, 1934, S. 78;
    A.|Scharff, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1934/35, S. 32–39;
    ders., in: Egyptian Rel. 3, 1935, S. 116–18;
    H. A. J. Kees, in: Jb. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen 1934/35, S. 66–74;
    J. Capart, in: Chronique d'Égypte 10, 1935, S. 77 f.;
    A. Gardiner, My Working Years, o. J., S. 34–36;
    H. Grapow, Meine Begegnung mit einigen Ägyptologen, o. J., S. 36–42;
    A. Biedenkopf-Ziehner, in: Enchoria 5, 1975, S. 135–50 (Bibliogr.);
    Rhdb. (P);
    W. R. Dawson, E. P. Uphill u. M. L. Bierbrier, Who Was Who in Egyptology, 31995.

  • Autor/in

    Alfred Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Alfred, "Sethe, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 274-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117470538.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA