Lebensdaten
1897 bis 1971
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
bei Innsbruck
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 118759167 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schott, Siegfried Hugo Erdmann
  • Schott, Siegfried
  • Schott, Siegfried Hugo Erdmann

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schott, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759167.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V evtl. Walther (1870–1930), aus Postelwitz, Premierlt., zuletzt in Zermatt (Schweiz);
    M Elli Blank;
    1) N. N. Glasenapp, 2) 1952 Erika Fischmeister;
    1 T aus 1) Inge.

  • Leben

    S. besuchte Schulen in Koblenz, Karlsruhe und Berlin. 1915 verließ er das Hohenzollern-Realgymnasium (Oberprimarreife 1918), um im 1. Weltkrieg freiwillig als Fahnenjunker (1916 Lt.) zu dienen. Nach Kriegsgefangenschaft in Frankreich 1916-20 beteiligte sich S. mit Holzschnitten und einem Gedicht an der Hamburger expressionistischen Zeitschrift „Kündung“ (1921). Er studierte in Freiburg (Br.) und Marburg Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie. Vorlesungen von Martin Heidegger machten ihn v. a. mit der Philosophie des dt. Idealismus vertraut. Dieser phil. Tradition, besonders F. W. J. v. Schellings „Einleitung in die Philosophie der Mythologie“ (1856), sind S.s spätere Arbeiten zur Mythenbildung im Alten Ägypten verpflichtet. Seit 1924 studierte er Ägyptologie in Heidelberg bei Hermann Ranke (1875–1953), bei dem er 1926 mit „Untersuchungen zur Schriftgeschichte der Pyramidentexte“ promoviert wurde. Mittels Stipendien der Notgemeinschaft der Dt. Wissenschaft setzte S. seine Ausbildung bei Hermann Junker (1877–1962) in Wien und bei Kurt Sethe (1869–1934) in Berlin fort. Die von S. in den Museen in Paris, London und Leiden angefertigten hieroglyphischen Transkriptionen zahlreicher in hieratischer Schrift geschriebener Papyri mythologischen Inhalts bildeten die Grundlage seiner späteren Editionsarbeit. Nach einem Jahr als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Ägypt. Abteilung der Staatlichen Museen in Berlin bearbeitete S. 1930/31 als wissenschaftlicher Referent des Dt. Instituts für Ägypt. Altertumskunde in Kairo u. a. die von der Dt. Ostdelta-Expedition gefundenen Inschriften. 1931-37 war S. als Epigraphiker im Chicago House in Luxor an den Unternehmungen des Oriental Institut der Univ. Chicago beteiligt und begann sich mit den ägypt., insbesondere mit den theban. Festen zu beschäftigen. Seine Erkundungen zu den Inschriften im Totentempel der Kgn. Hatschepsut in Deir el-Bahari hatten maßgeblichen Einfluß auf Sethes Studie „Das Hatschepsut-Problem noch einmal untersucht“ (1932). In Ägypten fertigte S. tausende exzellenter Photographien ägypt. Denkmäler, u. a. der theban. Privatgräber, an, deren Negative er bereits zu Lebzeiten dem Griffith Institute in Oxford übergab. 1937 wurde S. in Göttingen habilitiert und vertrat 1938 in Heidelberg die Ägyptologie, nachdem H. Ranke nach Amerika emigriert war. Während des 2. Weltkriegs wurde S.s Lehrtätigkeit durch Teilnahme am Frankreich- und Afrikafeldzug (Entlassung aus d. Heeresdienst 1943 als Major) unterbrochen. 1943 erfolgte S.s Ernennung zum apl. Professor in Heidelberg. 1950 berief ihn die Oriental. Kommission der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur als Mitarbeiter, 1952 wurde S. als Nachfolger von H. Kees als Ordinarius für Ägyptologie in Göttingen und Direktor des Ägyptologischen Seminars (em. 1966).

    S.s bevorzugte Forschungsgebiete, zu denen er bahnbrechende Arbeiten vorlegte, waren Mythen, Grundlagen und Anfänge der altägypt. Kultur- und Geistesgeschichte, Rituale und Zauberpraktiken, die altägypt. Wissenschaft, insbesondere die Astronomie, altägypt. Feste und Festdaten sowie altägypt. Bücher und Buchtitel. In „Mythe und Mythenbildung im Alten Ägypten“ (1945) konnte S. die Genese literarisch geformter altägypt. Göttergeschichten aufzeigen. In seinen „Bemerkungen zum Pyramidenkult“ (1950) versuchte er, die Ritualhaltigkeit der Pyramidentexte im Kontext des kgl. Bestattungsrituals nachzuweisen. Die „Altägypt. Festdaten“ (1950) sind die bis heute umfassendste Sammlung zu diesem Thema. Für die Kenntnis der Entwicklung der Schrift war „Hieroglyphen, Untersuchungen zum Ursprung der Schrift“ (1951) seinerzeit das grundlegende|Werk. „Die Schrift der verborgenen Kammer in Königsgräbern der 18. Dynastie“ (1958) ist eine innovative Arbeit zu den kgl. Jenseitsführern des Neuen Reiches. S.s Annahme, daß sich aus den relevanten altägypt. Texten die Funktion architektonischer Einheiten und Gebäudekomplexe erschließen läßt, hatte maßgeblichen Einfluß auf die Forschungen des mit S. eng befreundeten Herbert Rikke (1901–76). Eine im Auftrag der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur erstellte umfassende summa wurde postum von S.s Ehefrau aus dem Nachlaß herausgegeben (Bücher u. Bibliotheken im Alten Ägypten, Verz. d. Buch- u. Spruchtitel u. d. Termini technici, mit e. Wortindex v. A. Grimm, 1990). Einem breiteren Leserkreis wurde S. durch seine „Altägypt. Liebeslieder, Mit Märchen und Liebesgeschichten“ (1950, franz. Übers. 1955) bekannt, das wegen seiner meisterhaften, einfühlsamen Übertragungen bis heute konkurrenzlos geblieben ist. S. war in seinem wissenschaftlichen Bestreben zur Deutung der altägypt. Kultur aus ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit heraus gleichzeitig Gelehrter und nachschaffender Künstler. Zusammen mit anderen führenden dt. Ägyptologen wie Wolfgang Helck (1914–93) und Elmar Edel (1914–97) gehörte S. zum internen Zirkel des „Bodenheimer Kreises“, einer alljährlichen Zusammenkunft zur Erörterung von Problemen und Perspektiven der dt.sprachigen Ägyptologie, aus der die bis heute jährlich stattfindende „Ständige Ägyptologen-Konferenz“ hervorging'

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Dt. Archäol. Inst. (1953) u. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen (1955); ausw. Mitgl. d. Ac. des Inscriptions et Belles-Lettres de l'Institut de France (1968).

  • Werke

    u. a. Die Zeremonie d. „Zerbrechens d. roten Töpfe“, 1928;
    Bücher u. Sprüche gegen den Gott Seth, 1929;
    Drei Sprüche gegen Feinde, 1930;
    Inschrr. u. Darstellungen aus hist. Zeit, Ber. über d. v. Dt. Inst. f. ägypt. Altertumskunde nach d. Ostdelta-Rand unternommene Erkundungsfahrt, 1930;
    Der Teil von Thmuis, 1930;
    Inschrr. aus geschichtl. Zeit, Ber. über d. zweite v. Dt. Inst. f. ägypt. Altertumskunde nach d., Ostdelta-Rand u. in das Wâdi Tumilât unternommene Erkundungsfahrt, 1931;
    Ein Amulett gegen d. bösen Blick, 1931;
    The Feasts of Thebes, Work in Western Thebes 1931-1933, 1934;
    Die altägypt. Dekane, 1936, 21969;
    Das Löschen v. Fackeln in Milch, 1937;
    Urkk. mythol. Inhalts, 1939;
    Das myth. Reich v. Heliopolis, 1940;
    Spuren d. Mythenbildung, 1942;
    Die Vertreibung d. Libyer u. d. Ursprung d. ägypt. Kultur, 1950;
    Vorgeschichtl. Handelswege in Ägypten, 1950;
    Voraussetzung u. Gegenstand altägypt. Wiss., 1951;
    Astronomie u. Math., 1952, 21970;
    Kulturprobleme d. Frühzeit Ägyptens, 1952;
    Mythen in d. Pyramidentexten, 1952;
    Bücher u. Buchtitel, 1952, 21970;
    Symbol u. Zauber als Grundform altägypt. Denkens, 1953;
    Das schöne Fest v. Wüstentale, Festbräuche einer Totenstadt, 1953;
    Die Deutung d. Geheimnisse d. Rituals f. d. Abwehr des Bösen, Eine altägypt. Übers., 1954;
    Mythe u. Gesch., 1955;
    Ritual u. Mythe im altägypt. Kult, 1955;
    Totenbuchspruch 175 in e. Ritual z. Vernichtung v. Feinden, 1956;
    Die Erfindung d. ägypt. Schrift, 1959;
    Die Opferliste als Schrift des Thoth, 1963;
    Le temple du Sphinx à Giza et les deux axes du monde égyptien, 1969;
    Der Kult der Göttin Neith, 1969;
    Ägypt. Quellen z. Plan d. Sphinxtempels, 1970;
    Die älteren Göttermythen, 1970;
    Thoth als Vf. hl. Schriften, 1972;
    W-Verz.:
    Erika Schott u. A. Grimm, S. S. (1897-1971), Verz. seiner Schrr., in: Göttinger Miszellen 57, 1982, S. 79-87;
    – Sämtl. Negative v. S.s Photogrr. theban. Gräber im Griffith Inst., Oxford (Negatives of Theban tombs), Originalabzüge im Ägyptol. Inst. d. Univ. Trier, erschlossen durch: B. Porter, R. L. B. Moss u. E. W. Burney, Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings, I: The Theban Necropolis, 1. Private Tombs, 21960.

  • Literatur

    Ph. Derchain, in: Chronique d'Egypte 46, No 91, 1971, S. 310-12;
    W. Westendorf, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 122, 1972, S. 19-21 (P);
    H. Brunner, in: Archiv f. Orientforsch. 24, 1973, Sp. 249 f. (P);
    W. Helck, in: Zs. f. ägvpt. Sprache u. Altertumskunde 100, 1974, S. V (P);
    W. R. Dawson, E. P. Uphill u. M. L. Bierbrier, Who was Who in Egyptology, 31995.

  • Autor/in

    Alfred Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Alfred, "Schott, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 496-497 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759167.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA