Lebensdaten
1907 bis 1991
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Starnberg
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 120268930 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Hans Wolfgang
  • Müller, H. W.
  • Müller, Hans W.
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Zitierweise

Müller, Hans Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120268930.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1876–1921), Hauptpfarrer an St. Johannis in M., S d. Franz Christian Friedrich (1840–1911), Kanzleisekr. in M., u. d. Ida Wagner (1857–1944);
    M Maria Luise (1884–1966), T d. Julius Eduard Schröder (1854–1927), Landwirt in M., u. d. Auguste Bode (1856–1915) aus Beendorf b. Weferlingen (Prov. Sachsen);
    1) Berlin-Grunewald 1932 ( 1938) Elisabeth (1894–1984), Dr. phil., T d. Johannes Franck (1854–1914), Prof. d. dt., bes. niederländ. Philol. in Bonn (s. DBJ I, Tl.), u. d. Friederike Nelke (1864–1945); 2) München 1945 Eva Gisela Reinhardt (* 1920), aus Würzburg; 3) München 1969 Maleen (* 1937, s. W), T d. Hans Frhr. v. Saalfeld (* 1903) aus München, Dipl.-Ing., Architekt u. Bildhauer, u. d. Elisabeth Faust (* 1916) aus Cuxhaven;
    1 S aus 1) Peter J. (* 1936), Treasurer in London, 2 S aus 2), 1 S, 1 T aus 3), Enzio (* 1969), Immobilien-Kaufm., Clea (* 1973), Immobilienkauffrau, beide in München.

  • Leben

    M.s Interesse für Ägypten wurde durch Besuche des Vaters in Palästina und Ägypten (1913) geweckt; bereits als Schüler inventarisierte er eine Sammlung von Photographien aus Ägypten. Nach dem Besuch des Wilhelms-Gymnasiums in Magdeburg studierte M. zunächst in Göttingen Jura (1926). Im selben Jahr wechselte er auf Anraten des Pädagogen Hermann Nohl zur Ägyptologie, klassischen Archäologie und neueren Kunstgeschichte in Göttingen (1926–28), München (1928–30) und Berlin (1930/31). Während M. in Göttingen bei Hermann Kees besonders in die Religionsgeschichte eingeführt wurde, förderte Wilhelm Spiegelberg in München seine archäologisch-kunstgeschichtliche Ausrichtung. Nach Spiegelbergs Tod 1930 holte Heinrich Schäfer M. als „wissenschaftlichen Hilfsarbeiter“ an das Berliner Ägypt. Museum und führte ihn in die praktische Museumsarbeit ein, während er gleichzeitig bei Kurt Sethe eine strenge philologische Universitätsausbildung erhielt. Zur Promotion 1932 (Die Totendenksteine des Mittleren Reiches, ihre Genesis, ihre Darstellungen und ihre Komposition, 1933) kehrte M. nach München zurück, wohin inzwischen Alexander Scharff als Ordinarius für Ägyptologie berufen worden war. 1927-32 gehörte M. durch Nohls Vermittlung der Studienstiftung des Deutschen Volkes an, 1930-37 war er „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ bei der Ägypt. Abteilung der Staatl. Museen zu Berlin und erwarb sich auch eine genaue Kenntnis der ital. Kunstsammlungen. 1933-35 sammelte er als Stipendiat des Deutschen Instituts für ägypt. Altertumskunde in Kairo Material für seine Habilitation. 1937 begleitete er Richard Hamann bei einer Expedition des Kunstgeschichtlichen Seminars der Univ. Marburg/Lahn durch Ägypten und den Sudan. Hierbei entwickelte M. eine spezielle, durch ihr hohes Maß an Objekttreue als Standard geltende Methode zum Photographieren altägypt. Denkmäler. Weitere Studienreisen führten ihn 1932-39 nach Kopenhagen, Paris, Oxford und London.

    1937 wurde M. wegen „nichtarischer“ Abstammung seiner Ehefrau und mangelnder nationalsozialistischer Gesinnung fristlos|entlassen. Nach erfolglosen Versuchen, mit seiner Familie zu emigrieren, ging seine Frau mit dem Kind allein nach England. M. setzte seine ägyptologische Arbeit eigenständig fort und nahm Zeichenunterricht in der privaten Kunstschule von Else Marcks. Sein Freund Hellmut Mebes nahm ihn 1939 als Bauarbeiter, Zeichner und Vorarbeiter in sein Architekturbüro in Berlin-Zehlendorf auf und machte ihn auch mit Erich Heckel und Käthe Kollwitz bekannt. Im Oktober 1940 wurde M. als ital. und arab. Dolmetscher zur Wehrmacht eingezogen, 1941 war er in Libyen, 1942/43 in Tunesien, zwischenzeitlich in Neapel und Rom. Im Mai 1944 wurde er in der Schlacht um Monte Cassino verwundet. 1945 ging er aus kurzer amerikan. Kriegsgefangenschaft nach München und holte als Leiter des Studenten-Bautrupps die ausgelagerten Bestände der Ägypt. Sammlung zurück. 1946 habilitierte er sich aufgrund der Veröffentlichung „Die Felsengräber der Fürsten von Elephantine aus der Zeit des Mittleren Reiches“ (1940). 1947-52 war er Privatdozent, 1952-58 apl. Professor an der Münchener Universität. Nach dem Weggang von Hanns Stock erhielt M. 1958 dessen Lehrstuhl für Ägyptologie und wurde damit zugleich ehrenamtlicher Direktor der Münchener Ägypt. Sammlung. Er ließ deren Denkmäler inventarisieren, katalogisieren und restaurieren, vereinigte sie mit den Beständen der Glyptothek und präsentierte die neue Sammlung erstmals 1966 in einer Sonderausstellung. Für die Dauerpräsentation erhielt diese 1970 als Staatl. Sammlung Ägyptischer Kunst einen Teil der Räume in der Residenz. M. entwarf die Innenausstattung und veranlaßte auch die Aufstellung des einzigen ägypt. Obelisken in Deutschland. Mit seiner Vision eines Museums, in dem ausschließlich das originale Kunstwerk im Mittelpunkt steht, verwirklichte M. durch die konsequente Konzentration auf kunstwissenschaftliche Kriterien ein einzigartiges Konzept. 1971 beauftragte ihn das Metropolitan Museum in New York als „Consultative Chairman“ mit der Neuaufstellung der altägypt. Monumente. Durch wichtige Neuerwerbungen wie den Waffenfund aus dem antiken Sichem und dekorierte Fayence-Fliesen von der Verkleidung des Thronsaales von Ramses II. in Qantir konnte M. sein Konzept eines reinen Kunstmuseums in München ausbauen. Er war verantwortlich für die großen Sonderausstellungen „5000 Jahre ägypt. Kunst“ (1960/61) sowie „Nofretete – Echnaton“ (1976/77).

    Seit 1961 gab M. die „Ägyptologischen Forschungen“ heraus, 1962 begründete er die „Münchner Ägyptologischen Studien“. 1966 wandte er sich erneut der Feldforschung in Ägypten zu. Durch die Identifizierung eines prädynastischen Friedhofs im östlichen Nildelta bei Minshat Abu Omar erhielt die Delta-Archäologie einen entscheidenden Anstoß, die inzwischen zu völlig neuen Erkenntnissen über die Entstehung des ägypt. Staates in der Zeit um 3000 v. Chr. geführt hat. An den 1977 begonnenen Grabungsarbeiten nahm M., bereits emeritiert (1974) und als Museumsdirektor pensioniert (1975), anfangs noch selbst teil.

    Neben der Rundplastik, seinem bevorzugten Arbeitsgebiet, befaßte er sich zunächst mit der Malerei, vor allem mit den Grundlagen der altägypt. Zeichnung und des Proportionssystems. In der ikonographischen Studie „Isis mit dem Horuskinde“ (1963) beschäftigte er sich grundlegend mit der Tradierung altägypt. Motive in der hellenist. und röm. Zeit. Als „Augenöffner“ publizierte er nicht nur exemplarische Fachartikel zu einzelnen Kunstwerken, sondern weckte auch in allgemein verständlichen Büchern breiteres Interesse für die altägypt. Kunst. M.s Spezialgebiet war die Königsplastik: Hierfür hat er auch wesentliche Teile des von Bernard v. Bothmer und Herman de Meulenaere betreuten „Corpus of Late Egyptian Sculpture“ (1960) mitgestaltet. Für das Museo del Sannio in Benevent, wo sich zahlreiche Statuen und Reliefs des heute völlig zerstörten Isistempels befinden, veröffentlichte M. 1969 einen Gesamtkatalog. 1975 identifizierte er den Albani-Obelisken in München als eine Stiftung des Titus Sextius Africanus aus der Zeit des Kaisers Claudius. Neben mehr als 90 Monographien zur altägypt. Kunst, für deren Deskription M. auch eine spezielle Terminologie wie die „hieroglyphische Konzeption“ entwickelte, hinterließ M. eine mehrere tausend Einzelaufnahmen umfassende Sammlung von Photographien altägypt. Kunstwerke, die auch als Microfiche-Edition vorliegt. Durch M.s Forschungen wurde die altägypt. Kunstgeschichte als eigenständige Disziplin innerhalb der Ägyptologie etabliert.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Zentraldirektion d. Dt. Archäolog. Inst. (korr. 1953) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1963); Bayer. Verdienstorden (1973); Gr. BVK (1980).

  • Werke

    Weitere W u. a. Btrr. z. älteren Erwerbungsgesch. d. in d. Staatl. Slg. Ägypt. Kunst zu München befindl. Skulpturen u. Altertümer, in: Land u. Reich, Stamm u. Nation, Festgabe f. M. Spindler z. 90. Geb.tag, III, 1984, S. 101-55;
    Gedanken zur Entstehung, Interpretation u. Rekonstruktion ältester ägypt. Monumentalarchitektur, in: Ägypten, Dauer|u. Wandel, 1985, S. 7-33;
    Der Waffenfund v. Bâlata-Sichem u. Die Sichelschwerter, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., NF, H. 97, 1987;
    Der „Armreif“ d. Kg. Ahmose u. d. Handgelenkschutz des Bogenschützen im Alten Ägypten u. Vordêrasien, 1989;
    Eine ungewöhnl. Metallfigur e. blinden ägypt. Priesters, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., H. 5, 1989;
    Gedanken zu e. Köpfchen v. d. Figur e. gefesselten Libyers (?), in: Mitt. d. Dt. Archäolog. Inst. Abt. Kairo 48, 1992, S. 105-07;
    Göttl. Gold, Goldschmiedekunst im Reich d. Pharaonen, hrsg. v. Maleen Müller-v. Saalfeld (im Druck).

  • Literatur

    B. Geßler-Löhr, H. W. M., Verz. seiner Schrr. 1933–77, in: Stud. z. altägypt. Kultur 6, 1978, S. LX-XVI;
    Gespräch mit H. W. M., in: R. N. Ketterer, Dialoge, Stuttgarter Kunstkab., Moderne Kunst, 1988, S. 107-14;
    D. Schmidt, in: SZ Nr. 185, 14./16.8.1987, S. 15;
    dies., Ägyptologie als Kunstgesch., ebd. Nr. 34, 9./10.2.1991, S. 15;
    A. Grimm, S. Schoske, D. Wildung, in: Informationsbl. d. dt.sprachigen Ägyptologie 42, Juli 1991, S. 3;
    dies., Staatl. Slg. Ägypt. Kunst München, 1995;
    J. Leclant, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1992, S. 218-23 (P);
    P. Munro, in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 119, 1992, S. II-VII (P);
    D. Franke, Das Photoarchiv H. W. M. d. Univ.bibl. Heidelberg, in: Göttinger Miszellen 131, 1992, S. 33-53;
    ders., Photographs of Egyptian Art and of Egypt, The H. W. M. Archive, 1992. A. Grimm, S. Schoske, Wilhelm Spiegelberg als Sammler, 1995;
    R. A. Fazzini, Bernard V. Bothmer (1912–1993), in: Journal of the American Research Center in Egypt 32, 1995, S. I-III;
    W. R. Dawson, E. P. Uphill, M. L. Bierbrier, Who Was Who in Egyptology, 31995. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bayer. Staatsbibl., München.

  • Autor/in

    Alfred Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Alfred, "Müller, Hans Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 401-403 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120268930.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA