Lebensdaten
1901 bis 1967
Geburtsort
Bochum
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Journalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119038382 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sethe, Paul

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Zitierweise

Sethe, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119038382.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Gastwirt in B.;
    M Emma Staupe;
    ⚭ Elfriede Wiebel;
    2 T u. a. Barbara ( Bodo, * 1939, Dr. iur., Filmproduzent in H., 1974–85 Geschäftsführer d. Medienuntern. v. Leo Kirch, seit 1989 Mitinh. d. Kinountern. Cinemaxx, s. Der Spiegel, 24, 1993, S d. Karl Scriba, 1907–78, Dr. med., Prof. f. Pathol. in H., Dir. d. Patholog. Inst. d. Städt. Krankenanstalten Bremen, s. Kürschner, Gel.-Kal. 1961), Schriftst. in München.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1920 in Bochum studierte S. in Bonn und Münster mittelalterliche und neuere Geschichte, Deutsch und Kunstgeschichte. Seit 1923 war er in Ohligs b. Solingen Redakteur beim „Ohligser Anzeiger“, nahm 1930 nebenher sein Studium wieder auf und wurde 1932 promoviert. Im Jan. 1934 wechselte S. zur „Frankfurter Zeitung“ (FZ). Während einige seiner Artikel zwischen den Zeilen Distanz zum Nationalsozialismus erkennen lassen, ist in anderen Artikeln Begeisterung für die Erfolge der Wehrmacht zu spüren. Nach dem Verbot der FZ im Aug. 1943 wurden S. und andere FZ-Redakteure von der Reichspressekammer angewiesen, für den „Völkischen Beobachter“ zu arbeiten. Erst nach Kriegsende erfuhr S., daß Carl Goerdeler ihn für die Zeit nach einem Sturz Hitlers als Chefredakteur eines Regierungsorgans vorgesehen hatte, sozialdemokratische Widerstandskämpfer ihn aber als zu konservativ abgelehnt hatten.

    Nach kurzer Tätigkeit für die „Rheinische Post“ (Düsseldorf) arbeitete S. seit 1946 für die „Badische Zeitung“ (Freiburg). Seit 1948 war er Politikchef der „Allgemeinen Zeitung“ (Mainz), seit dem 1.11.1949 neben Erich Welter (1900–82, ebenfalls ehem. Redakteur der FZ), Erich Dombrowski (1882–1972), Hans Baumgarten (1900–68) und Karl Korn (1908–91) Herausgeber der neu gegründeten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Da S. seit 1951 in seinen Leitartikeln Kritik an der Weigerung der Bundesregierung übte, eine Wiedervereinigung Deutschlands auch unter Hinnahme einer militärischen Neutralität anzustreben, stand er im Gegensatz zu Baumgarten, der Adenauers Politik unterstützte, sowie zur CDU und einigen Geldgebern der FAZ. Auf einer Herausgeberkonferenz am 14.9.1955 wurde S. trotz der Unterstützung durch Korn das Mißtrauen ausgesprochen, worauf er als Herausgeber und Politikchef zurücktrat. Chefredakteur Hans Zehrer (1899–1966) holte S. zur „Welt“, wo Verleger Axel C. Springer (1912–85) nach seiner Moskau-Reise 1958 immer stärker Einfluß auf den Inhalt des Blattes nahm. Als Rudolf Augstein (1923–2002) im Sommer 1960 die Gründung einer „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ plante, wechselten nahezu alle politischen Redakteure der „Welt“ geschlossen zu Augstein, doch letztlich erwies sich das Projekt als nicht finanzierbar. Seit 1960 war S. Leiter des Ressorts „Politisches Buch“ bei der „Zeit“, daneben schrieb er für den „Stern“, die „Allgemeine Zeitung“ und zeitweise wieder für die „Welt“. Seit den 1930er Jahren verfaßte S. eine Reihe populärer Bücher zu geschichtlichen Themen.

    Entgegen dem bei Gegnern wie Bewunderern aufgekommenen Mißverständnis war S. nicht zum Linken geworden, sondern ein Nationalliberaler geblieben, der die im Grundgesetz garantierte Meinungs- und Pressefreiheit durch die „ökonomische Wirklichkeit“ gefährdet sah.

  • Auszeichnungen

    S.-Weg in Berlin-Kladow.

  • Werke

    Die ausgebliebene Seeschlacht, Eine Betrachtung d. engl. Flottenführung 1911–15, 1933 (zugl. Diss. Bonn 1932);
    Im Banne d. grauen Eminenz, 91936;
    Schicksalstunden d. Weltgesch., 1952;
    Zw. Bonn u. Moskau, 1956;
    Die gr. Entscheidungen, 1958;
    Gesch. der Deutschen, 1962;
    Die CDU/CSU, in: Was steht zur Wahl?, 1965, S. 13–23 (P);
    Ins Wasser geschrieben (ges. Art. d. J. 1946–67), hg. v. K.-H. Janßen, 1968;
    Brief an G. Ritter v. 22. 3. 1952, in: Gerhard Ritter, Ein pol. Hist. in seinen Briefen, hg. v. K. Schwabe u. R. Reichardt, 1984, S. 491 f.;
    Brief an G. Ritter v. 18. 10. 1961, in: B. F. Schulte, Die Verfälschung d. Riezler Tagebücher, 1985, S. 220;
    Nachlaß:
    BA Koblenz u. Privatbes.

  • Literatur

    Der Spiegel, 40, 1955 (P);
    G. Gaus, P. S. u. d. dt. Ostpol., in: SZ v. 12. 5. 1962, S. 73 f.;
    St. Fischer, Der Seher, ebd. v. 29. 9. 2003 (P);
    R. Werber, Die „Frankfurter Ztg.“ u. ihr Verhältnis z. NS, Diss. Bonn 1965, S. 91 ff.;
    Heinz-Dietrich Fischer, Die gr. Zeitungen, 1966;
    The New York Times v. 23. 6. 1967, S. 31;
    R. Augstein, K. Becker u. J. Müller-Marein, in: Die Zeit v. 30. 6. 1967, S. 2;
    K. Korn, in: FAZ v. 23. 6. 1967;
    H. Köpke u. W. Bartsch, Der Fall P. S., in: Frankfurter Rdsch. v. 31. 8. 1968, Beil. „Zeit u. Bild“, S. VI;
    H. D. Müller, Der Springer-Konzern, 1968;
    A. Baring, Außenpol. in Adenauers Kanzlerdemokratie, 1969 (zugl. Habil.schr. FU Berlin 1968);
    E. Demant, Von Schleicher zu Springer, Hans Zehrer als pol. Publ., 1971;
    H. Soell, Zum|Problem d. Freiheit d. Journ., in: VfZ 23, 1975, 91–116;
    R. M. Korda, Für Bürgertum u. Business, in: Porträts d. dt. Presse, hg. v. M. W. Thomas, 1980;
    K. Moersch, Autor u. Verleger, in: Einem Verleger ins Stammbuch, FS f. Heinrich Scheffler, 1980, S. 51–60;
    D. Beck, Julius Leber, 1983 (teilw. zugl. Diss. Bochum 1981), S. 193;
    G. Gillessen, Auf verlorenem Posten, 1986 (P);
    Ch. Gotthardt, Was Leitartikler nicht dürfen, in: Die FAZ, Nachforsch. über e. Zentralorgan, hg. v. H. Pfeiffer, 1988;
    P. Noack, Publizist. Opposition gegen Adenauer, in: Adenauer u. d. dt. Frage, hg. v. J. Foschepoth, 1988;
    Die Protokolle d. CDU-Bundesvorstands 1953–1957, bearb. v. G. Buchstab, 1990;
    R. Zitelmann, Adenauers Gegner, 1991 (P);
    A. Riedl, Lib. Publizistik f. soz. Marktwirtsch., 1992 (zugl. Diss. Erlangen-Nürnberg 1992);
    A. v. Pufendorf, Otto Klepper (1888–1957), 1997;
    A. Gallus, Die Neutralisten, 2001 (teilw. zugl. Diss. TU Chemnitz 1998/99);
    F. Siering, Ztg. f. Dtld., in: Die Herren Journalisten, hg. v. L. Hachmeister u. F. Siering, 2002;
    D. Schröder, Augstein, 2004, S. 144–48;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Frankfurter Biogr. (P);
    Wi. 1967;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Martin Jung
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Martin, "Sethe, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 276-277 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119038382.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA