Lebensdaten
erwähnt 1496 oder 1520 , gestorben nach 1520
Beruf/Funktion
Maler ; Gießer ; Unternehmer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117470457 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sesslschreiber, Ägidius
  • Sesslschreiber, Gilg
  • Sesselschreiber, Gilg
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Sesselschreiber, Gilg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117470457.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbekannt;
    N. N.;
    S Christoph (erw. 1516–24), Maler, Erzgießer in Mühlau b. Innsbruck, 1516–18 mit d. Vollendung v. S.s Arbeiten am Grabmal Ks. Maximilians I. in Innsbruck betraut, 1519–21 Glockengießer in Salzburg, 1521–24 hzgl. Büchsenmeister in München, verfaßte e. Werk über Gußtechnik, Geschütze, Feuerwerk u. Brunnenkunst (s. W, L), T N. N. ( Sebastian Heuserer [Häuserer, Häusserer], Maler [?], 1516–18 mit d. Vollendung v. S.s Arbeiten am Grabmal Ks. Maximilians I. in Innsbruck beschäftigt), Stief-S Wolfgang Teininger (Taiminger, Teiminger), Maler, Mitarb. v. S.

  • Leben

    S., der in München seit 1496 bezeugt ist, wurde 1502 von Ks. Maximilian I. zum Hofmaler berufen. Seither war er wohl zuständig für die künstlerische Ausführung des für die Hofkirche in Innsbruck geplanten Grabmalprojekts, das den Kaiser seit 1502 beschäftigte. 1508 in Innsbruck nachgewiesen, war S. seit 1510 Inhaber einer der drei Gießereien in Mühlau bei Innsbruck. In dieser Werkstatt waren ein Maler, zwei Schnitzer, ein Ausbereiter und ein Schmied angestellt, zudem 1516/17 Sohn und Schwiegersohn als Gießer. Inventare der Gießhütte von 1513 und 1516 hängen mit Streitigkeiten über den langsamen Fortgang der Arbeit zusammen; S. war aus diesem Grund 1516 auch kurzzeitig gefangengesetzt. 1518 wurde er von seiner Tätigkeit entbunden und 1520 letztmalig genannt. Malereien von S. sind nicht bekannt. Die einzige archivalisch bezeugte künstlerische Tätigkeit bezieht sich auf die Visierungen eines Teils der großen Statuen am Grab Maximilians und auf die Verantwortung für die Ausführung. Die Zeichnungen in den Handschriften Wien (Österr. Nationalbibliothek, Cod. 8239) und Innsbruck (Schloß Ambras, Inv.nr. 5333) stammen von Jörg Kölderer, die dieser z. T. nach den ausgeführten Figuren S.s anfertigte. Ob S. auch die Modelle herstellte, ist unklar; daß er Wachsschnittstücke ausführte, bezeugt eine Äußerung des Gießers Peter Löffler 1509. Aus der Hütte von S. stammen die Statuen: Ferdinand von Portugal, Maria von Burgund, Philipp der Kühne, Ernst der Eiserne, Elisabeth von Görz, Kunigunde von Österreich, Cimburgis von Masowien und Ks. Rudolf I. sowie Teile weiterer Figuren. Die Qualität ist künstlerisch und technisch unterschiedlich; die Arbeiten reichen von Teilgüssen aus Messing bis zum für die Zeit erstaunlich großformatigen Kupferguß (Kunigunde). S.s Statuen sind in der ersten Phase der Arbeiten für das Grabdenkmal des Kaisers die nach Zahl und Gestaltung entscheidenden.

  • Quellen

    Qu D. Schönherr, Urkk. u. Regg. aus d. k. k. Statthalterei-Archiv in Innsbruck, in: Jb. d. Kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Ks.hauses 2, 1884, S. I–CLXXXVIII, Reg. Nr. 949, 1035, 1101, 1137, 1243, 1245, 1250, 1256, 1263, 1322, 1326 u. 1375.

  • Werke

    W zu Christoph: Von Glocken- u. Stuckgießerei, 1524, ill. Ms. (Bayer. Staatsbibl., München, Cgm 973).

  • Literatur

    ADB 34, S. 44 f.;
    O. Hartig, Münchner Künstler u. Kunstsachen I, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst, NF III, 1923, S. 273–370, bes. Nr. 354, 368, 377, 388 u. 394;
    V. Oberhammer, Die Bronzestandbilder d. Maximiliangrabmales in d. Hofkirche zu Innsbruck, 1935;
    K. Oettinger, Die Bildhauer Maximilians am Innsbrucker Kaisergrab, 1966;
    O. Knitel, Die Gießer z. Maximiliangrab, Handwerk u. Technik [1987];
    ThB;
    J. Oberhaidacher, in: Dict. of Art (L);
    zu Christoph:
    Kulturkosmos d. Renaissance, Die Gründung d. Bayer. Staatsbibl., Ausst.kat. 2008, S. 51, Nr. 6;
    ThB.

  • Autor/in

    Friedrich Kobler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kobler, Friedrich, "Sesselschreiber, Gilg" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 273-274 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117470457.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sesslschreiber: Gilg S., Maler aus München, der laut erhaltener Urkunde (Statthaltereiarchiv Innsbruck) am 7. März 1502 in den Dienst des Kaisers Maximilian trat, mit der Verpflichtung für ihn allein zu arbeiten. Er erhielt den Auftrag, nach den Angaben des Kaisers die Zeichnungen zu dem Grabmal herzustellen, welches dieser sich selbst setzen wollte, sowie auch die Modellirung und den Guß der dazu gehörigen Statuen zu leiten. Erst 1508 siedelte S. nach Innsbruck über, um hier nach seinen Zeichnungen, die er 1504 begonnen hatte, die Ausführung des Grabmonuments in Angriff zu nehmen. Im Jahre 1511 hatte er erst eine Statue fertig, welche durch Peter Löffler gegossen war. Es ist die Statue des Königs Ferdinand, die später auf Theodebert umgetauft wurde. Als er, trotz fortwährender Ansprüche auf Zahlungen und Materiallieferungen bis Ende 1515 noch keine weitere Statue fertig gestellt hatte und die Räthe des Regiments zu Innsbruck auf Befehl des Kaisers ihn deßhalb zu Rede stellen wollten, machte er sich aus dem Staube, worauf sein Sohn Christoph S. sich anbot und auch den Auftrag erhielt, die von seinem Vater theils nahezu fertig gestellten, theils begonnenen Arbeiten zu vollenden. (15. Februar 1516.)

    Diese Statuen sind, nach einem am 3. Juni 1516 von den Räthen des Kaisers aufgenommenen Inventar, folgende: 1. Nahezu fertig gegossen, abgesehen von einzelnen zugehörigen Bestandtheilen an Schmuck, Sockeln etc. Frau Maria von Burgund, König Philipp, Herzog Ernst von Oestreich, Margarethe Maultasch, Theodebert. 2. Geformt und „in Formen stehend": Limburgis von Massovien, Eleonora von Portugal, König Rudolf von Habsburg, Kaiser Maximilian (Letzterer nicht zum Grabmonument gehörig). 3. Geschnitten. Kaiser Friedrich, Frau Kunigunde, Schwester des Kaisers, König Ladislaus.

    Christoph S. und Gilg's Schwiegersohn, Sebastian Häusserer, die mit der Vollendung dieser Arbeiten betraut wurden, zeigten sich jedoch an Saumseligkeit ihres Vaters und Schwiegervaters durchaus würdig. Mittlerweile war auf Befehl des Kaisers Meister Gilg in Augsburg, wohin er sich zurückgezogen hatte, aufgegriffen und am 22. Juni 1516 nach Innsbruck geführt worden, wo er in den „Kräuterthurm“, das Untersuchungsgefängniß gesperrt wurde. Am 27. Juli wurde er wieder „ausgelassen“, jedoch in dem Dorf Natters oberhalb Innsbruck internirt, welches er nur von Zeit zu Zeit verlassen durfte, um die Arbeit an seinen Statuen zu beaufsichtigen. Vater, Sohn und Schwiegersohn legten wieder ein feierliches Gelöbniß ab, die Arbeiten bis Weihnachten fertig zu stellen, trotzdem waren sie im folgenden Frühjahr 1517 noch nicht fertig. Auch ritt Meister Gilg eines Tages wieder auf und davon und besuchte den Kaiser in Mecheln, wo er ihm klagte, daß die Regierung von Innsbruck nicht mit ihm und seinen Söhnen abrechnen wolle, ehe die 12 Statuen fertig seien, er aber von Gläubigern verfolgt sei etc. Kaiser Max trug der Regierung auf, ihn für ein Jahr vor seinen Gläubigern zu schützen, damit er die Arbeit ohne Sorgen vollenden könne. Im November 1518 entschloß sich endlich der Kaiser, Gilg sammt Sippe zu entlassen und die Fortsetzung der Arbeiten anderen zu übertragen. Er war noch so großmüthig, ihn bis zu Beendigung der Abrechnung vor seinen Gläubigern schützen und ihm dann sicheres Geleite nach seiner Heimath, München, geben zu lassen. Vom Jahre 1520 datirt noch eine Urkunde, in welcher Gilg erklärt, auf alle Ansprüche zu Gunsten seiner Söhne zu verzichten und sich mit der Abfindungssumme von fl. 350 zufrieden zu geben. Von Christoph S. findet sich ein 1524 datirtes handschriftliches Werk in der k. bair. Staatsbibliothek, worin unter Beigabe von Zeichnungen die Kunst des Gießens von Glocken und Geschützen, die Kunstfeuerwerkerei, verschiedene Maschinen und Werkzeuge und zum Schluß Wasserkünste und Brunnen beschrieben werden. Die Zeichnungen Gilg Sesslschreiber's zu den Erzstatuen des Grabmonumentes sind im Cod. 8329 der k. k. Hofbibliothek in Wien erhalten. Es geht daraus hervor, daß die Mehrzahl der ausgeführten Statuen eine freie Wiedergabe dieser Entwürfe darstellt. Was nun den künstlerischen Werth der von S. selbst ausgeführten Statuen betrifft, welche zum Theil in dem unfertigen Zustand aufgestellt wurden, wie er sie verlassen (theils nicht ciselirt, theils ohne Sockel, theils mit fehlenden Schmucktheilen), so gelangt man durch Vergleichung derselben (es sind die oben im Inventar genannten) mit denjenigen, welche nach ihm der Maler Jörg Kölderer, mit dem Bildschnitzer Leonhard Mayr und dem Gießer Stephan Godl ausführte, zu dem Resultat, daß Gilg oder sein Schnitzer doch an künstlerischem Talente seinen Nachfolger bedeutend überragte. Die besten Statuen sind freilich diejenigen, welche Peter Vischer im Jahre 1513 (die Könige Theoderich und Arthur) sowie Gregor Löffler, nach einer Zeichnung des Malers Christoph Amberger und mit Hülfe des Modelleurs Veit Arnberger von Brixen (König Chlodwig) im Jahre 1550 gossen.

    D. Schönherr, Geschichte des Grabmals Kaiser Maximilian's I und der Hofkirche zu Innsbruck, im Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerh. östr. Kaiserhauses XI.

  • Autor/in

    H. G.
  • Empfohlene Zitierweise

    S., H., "Sesselschreiber, Gilg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 44-45 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117470457.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA