Lebensdaten
1878 bis 1964
Geburtsort
Burgsteinfurt (Westfalen)
Sterbeort
Farchant (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Anglist ; Literatursoziologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117124931 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schücking, Levin Ludwig
  • Schücking, Levin
  • Schücking, Levin Ludwig
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Zitierweise

Schücking, Levin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117124931.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Lothar (1844–1901), Landger.rat in Münster, S d. Levin (s. 1);
    M Luise Beitzke;
    B Lothar (1873–1943), Dr. iur., Bgm. in Husum (s. Einl.; L), Walther (s. 2);
    Erfurt 1912 Elisabeth Gerke (1885–1981);
    1 S Adrian (1919–56), Dr. med., Assistent am pathol. Seminar d. Univ. Leipzig, 3 T Ursula (1913–87, ⚭ Gerhard Mende, 1912–45, Dr. rer. nat., Physiker, Assistent an d. Univ. Leipzig), Dr. iur., Leiterin d. dt. Zweiges u. Mitgl. d. Executive Committee d. Internat. Social Service in Frankfurt/M., Beate (1915–2004), Dr. med., Ärztin in F., Luise (* 1919, Franz Lechtken, Oberster Bundesbahnarzt in Bayern), Volksbibliothekarin;
    E Bernhard Mende, Dipl.-Physiker.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasium Paulinum in Münster studierte S. seit 1897 Neuphilologie, v. a. Anglistik und Kunstgeschichte (u. a. bei Robert Vischer) in Freiburg (Br.), Berlin, München und Göttingen. Nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1901 bei Lorenz Morsbach (1850–1945) mit „Studien über die stofflichen Beziehungen der engl. Komödie zur ital. bis Lilly“ (gedr. 1901) ging S. für ein Jahr nach England. 1904 habilitierte er sich ebenfalls in Göttingen bei Morsbach mit der Arbeit „Grundzüge der Satzverknüpfung im Beowulf“ (gedr. 1904) und wurde 1910 zum ao. Professor für Anglistik in Jena, 1916 zum o. Professor in Breslau berufen. Im 1. Weltkrieg protestierte S. als einer von wenigen gegen die Kriegspropaganda der Professorenschaft und engagierte sich 1918-25 als Vorsitzender der „Schles. Abteilung der Dt. Friedensgesellschaft“ sowie 1919-30 als Mitglied der DDP. Nachdem er Rufe nach Halle 1919, Bern 1923, Basel 1924 und Köln 1925 abgelehnt hatte, wurde S. 1925 Ordinarius in Leipzig. 1933 zunächst wegen seiner pazifistischen Tätigkeit von der Entlassung bedroht, wurde er aufgrund seines wissenschaftlichen Ansehens und nach Widerspruch der Fakultät im Amt belassen, jedoch entfernte man ihn aus allen Fakultätskommissionen und entzog ihm die Prüfberechtigung. 1942 wurde ihm zudem das Gehalt gestrichen, so daß er seinen Lebensunterhalt durch Hörgelder, seine Herausgeber- und Übersetzertätigkeit sowie Nachhilfeunterricht sichern mußte. S., der sich nach seiner Emeritierung 1944/45 in sein Sommerhaus nach Farchant zurückgezogen hatte, wurde 1946 von der amerik. Militärregierung zum kommissarischen Lehrstuhlvertreter in Erlangen ernannt, und hier – nach Ablehnung von Rufen nach München, Leipzig und Berlin – 1951 abermals zum Ordinarius berufen. Nach seiner zweiten Emeritierung 1952 war S. bis 1957 als Lehrbeauftragter für Anglistik an der Univ. München tätig.

    Internationale wissenschaftliche Anerkennung erlangte S. mit seinen Studien zum Beowulf, in denen er die rein philologischhistorische Erklärung von Einzelstellen überwand und das „germanische“ Epos in seinen literaturgeschichtlichen Kontext einreihte, was zu neuen Aufschlüssen über die Datierung des Beowulf führte. Renommee erwarb|sich S. auch mit Arbeiten über Shakespeares Werke, die er in die Dramenkonvention der elisabethan. Zeit einordnete, womit er der älteren Auffassung von der genialischen Einmaligkeit Shakespeares widersprach. Die von ihm mitherausgegebenen engl.-dt. Shakespeare-Ausgaben wurden mehrfach aufgelegt und erlangten große Popularität. Mit seinen literatursoziologischen Arbeiten begründete S. die Geschmackssoziologie in Deutschland (Die Soziol. d. literar. Geschmacksbildung, 1923, 21931, 31961, russ., slowak., engl., span. Übers.). Auch als Präsident der „Modern Humanities Research Association“ (London 1929), als Mitherausgeber der German.-Roman. Monatszeitschrift (1949–64) und als Universitätslehrer übte S., der selbst Gedichte verfaßte (Göttinger Almanach, seit 1900; Lieder u. Balladen, 1909) und mit seiner Frau 1932 ein „Dt. Lesebuch“ veröffentlichte, nachhaltigen Einfluß auf sein Fach aus. Zu seinen Schülern zählen u. a. Ludwig Borinski, Ilse Hecht, Heinz Reinhold und Else v. Schaubert.

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Lund; Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (o. 1927. korr. 1946); o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1949); Ehrenmitgl. d. Modern Language Association of America (1949), d. American Ac. of Arts and Sciences (Boston, 1949) u. d. Internat. Association of Univ. Professors of English; Mitgl. d. Dt. Friedensges. (1. Vors. d. Schles. Abt., Breslau 1919–25).

  • Werke

    Beowulfs Rückkehr, 1905, Nachdr. 1973;
    Shakespeare im literar. Urteil seiner Zeit, 1908;
    (Bearb.) M. Heyne, Beowulf, 8-141908-31;
    Unterss. z. Bedeutungslehre d. angelsächs. Dichtersprache, 1915;
    Die Charakterprobleme b. Shakespeare, 1919, 31932;
    Kl. angelsächs. Dichterbuch, 1919, 21933;
    Die engl. Lit. im MA, 1927 (mit H. Hecht);
    Die Fam. im Puritanismus, 1929, überarb. Neuausg. 1964;
    Zum Problem d. Überlfg. d. Hamlet-Textes, 1931;
    A Shakespeare Bibliography, 1931 (mit W. Ebisch);
    Der Sinn d. Hamlet, 1935, engl. Übers. 1937;
    Die Zusätze z. Spanish Tragedy, 1938;
    Annette v. Droste, 1942;
    Essays über Shakespeare, Pepys, Rossetti, Shaw u. anderes, 1948;
    Annette v. Droste in ihren Briefen, 1949;
    Engl. Gedichte aus sieben Jhh., Engl.-Dt., 1956;
    Beate E. Schücking (Hg.), Deine Augen über jedem Verse, d. ich schrieb, Börries v. Münchhausen – L. L. S., Briefwechsel 1897-1945, 2001 (P);
    – Autobiogrr.: Memorabilia, in: Anglia 76, 1958, S. 1-26;
    Plaudereien mit Lothar Engelbrecht (B), 1948;
    Hg.:
    Shakespeares Werke, 1919 (mit E. Wolff, M. Meyerfeld u. E. v. Schaubert);
    Shakespeare, Sämtl. Werke, 10 Bde. 1925-29 (mit E. v. Schaubert);
    Shakespeares Werke, Engl. u. Dt., 6 Bde., 1955 (zahlr. Nachdrr.);
    Bibliogr.:
    W. Ebisch, Bibliogr. d. wiss. Arbeiten v. L. L. S., 1938;
    Ch. Ehrl, in: Anglia 76, 1958, S. 217-26;
    Nacblaß:
    B. Mende, Murnau;
    Engl. Seminar d. Univ. Leipzig;
    A. Schücking-Homeyer, Detmold;
    BA Koblenz (Nachlaß Lothar Schücking);
    Archiv Prof. Th. Finkenstaedt, Wildsteig.

  • Literatur

    B. v. Münchhausen, Mein Jugend- u. Altersfreund L. S., in: Anglia 62, 1938, S. 1-6;
    W. Clemen, Gedanken zu L. L. S.s Lebenswerk, ebd. 76, 1958, S. 28-40, 217-26 (W);
    M. Lehrter, in: Shakespeare-Jb. 102, 1966, S. 308-14;
    G. Seehase, Humanist. Tradition in d. Shakespeare-Forsch., Zum Erbe L. L. S.s, in: Zs. f. Anglistik u. Amerikanistik 25, 1977, S. 36-45;
    E. Brüning, Die Ak.mitgll. Richard Wülker, Max Förster u. L. L. S. u. ihr Btr. z. Entwicklung d. dt. Anglistik, in: Wege u. Fortschritte d. Wiss., Btrr. v. Mitgll. d. Ak. z. 150. J.tag ihrer Gründung, hg. v. G. Haase, 1996, S. 573-89;
    F.-R. Hausmann, Anglistik u. Amerikanistik im Dritten Reich, 2003, S. 506 f.;
    International Soziologenlex.;
    Anglistenlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy.

  • Portraits

    Ölgem. v. B. Pankok, 1901 (Privatbes. Dr. A. Lechtken, Dittelbrunn b. Schweinfurt) u. W. Tiemann (Engl. Seminar d. Univ. Leipzig), Abb. in: G. Wiemers u. E. Fischer, Sächs. Ak. d. Wiss. zu Leipzig, Die Mitgll. v. 1846 bis 1996, 1996, S. 198.

  • Autor/in

    Gunta Haenicke
  • Empfohlene Zitierweise

    Haenicke, Gunta, "Schücking, Levin" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 633-634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117124931.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA