Lebensdaten
1832 bis 1910
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
Charlottenburg bei Berlin
Beruf/Funktion
Mediziner ; Professor in Berlin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116978775 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leyden, Ernst (bis 1896)
  • Leyden, Ernst Victor von
  • Leyden, Ernst von
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Zitierweise

Leyden, Ernst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116978775.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand L. (1781-1844), Reg.rat., Stempelfiskal b. d. Steuerbehörde d. Prov. Westpreußen, S d. Ernst, Akziseinspektor u. Zollrat in Heilsberg;
    M Mathilde (1801–84), T d. Schiffsreeders Hein in D.;
    Schw Clarissa L. (1836-1915, Schriftstellerin ( 2] Ludwig Lohde, 1875, Prof., Architekt, 3] 1877 Karl Bötticher, 1899, Architekt u. Altertumsforscher, s. NDB II);
    - 1) Gumbinnen 1863 Jenny ( 1864), T d. Stadtrichters Schröder in Gumbinnen, 2) Königsberg 1868 Marie (1844- n.1923), T d. Rudolf Oppenheim, Großkaufm., Bankier u. belg. Konsul in Königsberg, u. d. Dorothea Heimann;
    1 T aus 1), 1 S aus 2) Viktor (1880- n.1933), Dr. iur., Ministerialdir. u. Leiter d. Kommerzabt. im Reichsmin. d. Innern.

  • Leben

    Mach humanistischer Schulbildung in Danzig und Marienwerder trat L. 1849 als Eleve in das Medicinisch-Chirurgische Friedrich-Wilhelms-Institut ein und studierte Medizin in Berlin, wo ihn besonders der Begründer der neuen deutschen Klinik Johann Lukas Schönlein und dessen Assistent Ludwig Traube beeindruckten. 1851 legte er das „Tentamen philosophicum“ ab, gewann für seine wissenschaftliche Arbeit eine Goldprämie und wurde nach Staatsexamen und Promotion – die Dissertation handelte von akutem Rheumatismus – 1853 Militärarzt an der Charité. Es folgten Tätigkeiten als Assistenzarzt in Düsseldorf, Königsberg und Gumbinnen und 1859 nach Ernennung zum Oberarzt eine Rückkommandierung nach Berlin an die Pepinière und an die propädeutische Klinik Traubes. Dort verfaßte er 1863 seine erste bedeutsame Arbeit über die Rückenmarkskrankheiten, womit er sich ein Jahr später als Privatdozent in Berlin habilitierte. Im Herbst 1864 erreichte L. nach Teilnahme an dem deutsch-dän. Feldzug eine Berufung an die Innere Klinik in Königsberg, der er 1865 nachkam, womit er seine militärärztliche Laufbahn als Stabsarzt aufgab. Im Feldzug 1870/71 war er Führer eines Sanitätszugs des Johanniterordens. Sehr schnell hatte L. aus der veralteten Klinik einen Mittelpunkt neuer deutscher medizinischer Forschung gemacht, so daß ihm 1872 an der neuen Reichsuniversität in Straßburg der Lehrstuhl für Innere Medizin angeboten wurde und er 1876 für die propädeutische Innere Medizin nach Berlin berufen wurde, wo ihm 1885 die Leitung der Ersten Medizinischen Klinik übertragen wurde, die er bis 1907 innehatte.

    L. hat auf vielen Gebieten der inneren Medizin Bahnbrechendes geleistet, und er hat vor allem die von Johannes Müller und Schönlein begründete Verbindung von klinischer Beobachtung mit naturwissenschaftlichen diagnostischen Methoden eingeführt, wobei L. niemals die Bedeutung des einzelnen Kranken vergaß. Die zu seiner Zeit stark vernachlässigte Therapie führte er einer neuen Blüte entgegen, indem er neben den Medikamenten auch den diätetisch-physikalischen Heilverfahren in der Klinik Geltung verschuf. Seine Bemühungen um eine adäquate Ernährung der Kranken schlug sich in seinen mehr als 700 Veröffentlichungen ebenso nieder, wie seine Beschäftigung mit Herz- und Lungenerkrankungen – nach ihm sind die von ihm 1869 gefundenen „Leydenschen Asthmakristalle“ benannt – und der Nierenkrankheiten. Besonderes Interesse bewies er für die Prophylaxe und Therapie der Tuberkulose. Unter dem Stichwort des „Krankenkomforts“ versuchte er auch die Situation der Unbemittelten durch Errichtung von Lungenheilstätten und adäquaten Kliniken zu bessern, was 1895 zur Begründung des „Zentralkomitees zur Errichtung von Lungenheilstätten in Deutschland“ führte und 1900 zu einem sog. „Krebskomitee“. Drei Jahre später konnte er eine erste Krebsabteilung in der Charité einrichten.

    L. ist 1881 die Gründung des „Vereins für innere Medizin“ zu verdanken, aus dem die neben der „Gesellschaft für Chirurgie“ zweite bedeutende deutsche medizinische Vereinigung hervorging. Er galt unbestritten als bedeutendster Internist seiner Epoche.

  • Werke

    u. a. Die graue Degeneration d. hinteren Rückenmarksstränge, 1863;
    Btrr. z. Pathol. d. Icterus. 1866;
    Die Klinik d. Rückenmarkskrankheiten, 1874 f.;
    Zur Kenntnis d. Asthma bronchiale, in: Archiv f. pathol. Anatomie 54, 1872, S. 324-44, 346-52 (L.sche Kristalle);
    Über Bronchialasthma, 1886;
    Über Fettherz, in: Zs. f. klin. Med. 5, 1682, S. 1-25;
    Ueber acute Ataxie, ebd. 18, 1891, S. 576-87;
    Über d. Ziele u. Aufgaben d. Ver. f. innere Med., in: Dt. med. Wschr. 7, 1881, S. 131 f.;
    7 med. Abhh., 1895;
    Die Bekämpfung d. Schwindsucht, 1895;
    Über d. gegenwärtigen Stand d. Behandlung Tuberkulöser u. d. staatl. Fürsorge f. dieselben, 1898;
    Über d. Ziele d. modernen Klinik, in: Berliner klin. Wschr. 36, 1899, S. 1049;
    Verhütung d. Tuberkulose, 1902. -
    Lebenserinnerungen, hrsg. v. C. Lohde-Boetticher (Schw), 1910 (P). - Hrsg.: Hdb. d. Ernährungstherapie, 2 Bde., 1897 f., 21903 f. -
    Mithrsg.: Zs. f. klin. Med., 1880 ff. (mit Th. Frerichs);
    Verhh. d. Congresses f. Innere Med., 1882 ff.;
    Zs. f. physikal. u. diätet. Therapie, 1898 ff. (mit A. Goldscheider);
    Die Dt. Klinik am Eingange d. 20. Jh., 1900 ff. (mit F. Klemperer);
    Zs. f. Tuberkulose u. Heilstättenwesen, 1900 ff. (mit C. Gerhardt u. B. Fraenkel).

  • Literatur

    H. Nothnagel, in: Internat. Btrr. z. inneren Med. … I, 1902, S. 4 (Festschr. z. 70. Geb.tag);
    F. Kraus, Gedächtnisrede, in: Dt. med. Wschr. 36, 1910, S. 2055-61 (P);
    L. Krehl, in: Dt. Archiv f. klin. Med. 101, 1911, S. I-VII;
    L. Bassenge, in: Gedenkfeier f. E. v. L. in d. Kaiser-Wilhelms-Ak. am 20.4.1911, 1911;
    E. Winter, Der Btr. E. v. L.s z. Entwicklung d. Soz.med., in: Acta congressus internationalis XXIV Historiae artis medicinae, Budapest, 1976, S. 465-69;
    BJ 15 (L);
    Pagel (P);
    Fischer (P). - Zu Schw Clarissa: DBJ I (Tl.).

  • Portraits

    Ölgem. v. J. Israel, 1902, Abb. in Lebenserinnerungen, s. W.

  • Autor/in

    Hans Schadewaldt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schadewaldt, Hans, "Leyden, Ernst von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 428-429 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116978775.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA