Lebensdaten
1898 bis 1984
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118767879 | OGND | VIAF: 110402771
Namensvarianten
  • Veit, Otto

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Veit, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767879.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1863–1931, 2] Senye, 1886–1973, T d. Zeki Pascha, 1862–1943, türk. Gen., Vertrauter d. Sultans), aus Berlin, Soldat, seit 1908 Mil.berater in d. Türkei, 1912 Offz. im Balkankrieg, im 1. Weltkrieg dt. Offz., zuletzt Gen., u. a. Kommandeur d. 2. Hann. Ulanen-Rgt.s Nr. 14, S d. Hermann (1828–|1910), aus Berlin, Bes. e. Steindruckerei ebd., u. d. Julie Bertha Naumann (1831–93), aus Berlin;
    M Marie (1875–1948), aus Berlin, T d. James Hardy (eigtl. Nathan) (1845–1913), aus Manchester u. Hamburg, Bankier, gründete 1881 d. Bank Hardy & Co. GmbH in Berlin, u. d. Helene Cahn (1854–1916), aus d. Rheinland;
    2 B Fritz (1897–1991, 1] Barbara Schulze, 1910–85, aus Jena, 2] Katharina Leissner, 1921–92), Dipl.-Landwirt, 1933–64 Bes. e. Kaffeeplantage (s. L), Walther (1900–18 ⚔), Soldat, Schw Nora (1903–76, ⚭ Fritz Schmieder, eigtl. Davidsohn, Bankier, Makler);
    1) Frankfurt /M. 1920 Marga (1899–1986), T d. Gottfried Kleinschmidt (1860–1931), Reeder, Kohlenhändler in F., 2) Garmisch-Partenkirchen 1935 Viktoria (1913–93), T d. Victor v. Leyden (1880–1963), Dr. iur., 1921–32 im preuß. Innenmin. tätig, zuletzt Min.dir., Leiter d. Kommerzabt., 1932–33 Senatspräs. am preuß. Oberverw.ger., emigrierte 1938 in d. Schweiz, 1939 n. Bombay (Indien), kehrte 1948 n. Dtld. zurück (s. BHdE I; NDB 14* u. 21*), u. d. Luise Reichenheim (1883–1976);
    Gvv d. 2. Ehefrau Ernst v. Leyden (1832–1910), Prof. d. Med. in Berlin (s. NDB 14), Gvm d. 2. Ehefrau Leonor Reichenheim (1814–68), Textilindustr., lib. Pol. (s. NDB 21);
    1 S aus 1) Peter (1923–2007, ⚭ Brigitte Kerp, * 1925, aus Wiesbaden), Techn. Kaufm., 1 S aus 2) Stefan (1949–2001), Arzt, 1 T aus 2) Flora V.-Wild (* 1947, Volker Wild, * 1944, Soziol.), Dr. phil., Prof. f. Literaturen u. Kulturen Afrikas an d. HU Berlin;
    E Wolfgang (* 1957), Dr. rer. pol., Prof. f. Volkswirtsch.lehre an d. FH Köln, Bettina (* 1960), Physiotherapeutin, Constanze (* 1964), Hannes (* 1979), Physiotherapeut, Georg (* 1982), Kaufm.

  • Leben

    V. wuchs in Berlin auf, trat 1914 in das von seinem Vater befehligte 14. Ulanen-Regiment ein, meldete sich im 1. Weltkrieg zu den Fliegern und wurde 1917 bei einem Flugzeugabsturz schwer verwundet. Nach dem Notabitur am humanistischen Wilhelms-Gymnasium in Berlin studierte er seit 1919, unterbrochen von kaufmännischen Tätigkeiten, Wirtschaftswissenschaften an der Univ. Frankfurt/M. u. a. bei Franz Oppenheimer (1864–1943) und Wilhelm Gerloff (1880–1954). Bei letzterem wurde er 1927/28 mit der Dissertation „Der Bergbau als staatliche Finanzquelle“ promoviert. Anschließend arbeitete V. in Berlin als Referent für Handels- und Wirtschaftspolitik beim „Verein Deutscher Maschinenbauanstalten“ und als Redakteur verschiedener Fachjournale. Seit 1931 leitete er eine Abteilung der „Reichsstelle für den Außenhandel“, bis er im Frühjahr 1934 aus rassischen Gründen entlassen und aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen wurde. V. verkehrte in Berlin seit 1930 im Haus Wilhelm Heinrich Solfs (1862–1936), wo regelmäßig Gegner des NS-Regimes zusammenkamen („Solf-Kreis“). Auch in V.s Wohnung trafen sich während des 2. Weltkriegs oppositionell Eingestellte, darunter der Jurist und spätere Bonner Diplomat Wilhelm Grewe (1911–2000) und Otto Pfleiderer (1904–89), 1948–72 Präsident der Landeszentralbank von Baden-Württemberg. V.s Vorhaben, sich bei Bernhard Harms (1876–1939) in Kiel oder Walter Eucken (1891–1950) in Freiburg (Br.) zu habilitieren, erwies sich nach 1933 als inopportun. Er publizierte stattdessen v. a. zu wirtschaftlichen Themen und beriet Kreditinstitute, u. a. die von seinem jüd. Großvater mütterlicherseits und dessen Bruder 1881 in Berlin gegründete Bank „Hardy & Co. GmbH“, deren Geschäfte er 1945 vorübergehend führte.

    1946–50 leitete V. die Generaldirektion der „Nassau. Landesbank“ in Wiesbaden und übernahm zugleich bei der „Frankfurter Bank“ ein Mandat im Aufsichtsrat, 1969–73 im Verwaltungsrat. Er war maßgeblich am Aufbau des westdt. Zentralbanksystems beteiligt. 1947–52 war er Präsident der hess. Landeszentralbank und gehörte damit dem für die Leitlinien der Geldpolitik verantwortlichen Zentralbankrat der „Bank Deutscher Länder“ bzw. dem der „Deutschen Bundesbank“ an, der er noch bis 1970 als Vorsitzender des Prüfungsamts für deren Höheren Dienst verbunden blieb.

    1947 an der Univ. Frankfurt/M. für Volkswirtschaftslehre habilitiert, wurde V. 1948 dort zum apl. Professor ernannt. 1952 übernahm er die Leitung des Instituts für das Kreditwesen sowie den 1951 eingerichteten Stiftungslehrstuhl für Volkswirtschaftslehre (später: Wirtschaftliche Staatswissenschaften), insbesondere Währungs- und Bankpolitik, den er, seit 1957 als o. Professor, bis zu seiner Emeritierung 1969 innehatte.

    V. trat als einflußreicher Geldtheoretiker und Währungspolitiker der frühen Bundesrepublik hervor. Nachdrücklich verfocht er eine „Reale Theorie des Geldes“ (1966), der zufolge Geld neben dem aus den Warenpreisen abgeleiteten Tauschwert einen „gütermäßigen Eigenwert“ besitze und im Unterschied zu allen anderen Gütern in höchstem Maße das menschliche Bedürfnis befriedige, liquide, d. h. tauschbereit zu sein (Volkswirtschaftl. Theorie d. Liquidität, 1948). In dieser Sondereigenschaft erkannte V. zugleich eine „lebensmäßige Bedeutung“ des Geldes, weshalb eine positive moralische Einstellung zu ihm geboten sei. Dieser Geldbegriff entsprach einer dt. Denktradition, die sich von der rein funktionalistischen Geldauffassung der angelsächs. und inzwischen auch der dt.sprachigen Fachwelt unterschied. Den „Wert unseres Geldes“ (Aufs.slg. 1958) wollte V. durch eine von unabhängigen Zentralbanken der beteiligten Länder „gesteuerte Gold(kern)währung“ (Die Zukunft d. Goldes, 1937) mit fester Goldparität und voller Konvertibilität garantiert sehen, womit er sich allerdings nicht durchsetzen konnte. Er forderte zudem, die Landeswährung durch eine Verfassungsnorm zu schützen, ergänzt durch strafrechtliche Sanktionen bei „Währungsgefährdung, -verrat oder -betrug“ (Pecunia in ordine rerum, in: Ordo 6, 1954, S. 39–77, erneut 1958), Gedanken, die in späteren Diskussionen, z. B. im Zusammenhang mit monetaristischen Geldmengenregeln, wieder aufkamen.

    V. publizierte auch zu philosophischen und soziologischen Fragen, gestützt v. a. auf Edmund Husserl, Max Scheler und Nicolai Hartmann. Er sah die Überwindung einer durch Industrialisierung und Rationalisierung (Die Tragik d. techn. Za., 1935, ital. 1937) begünstigten geistig-moralischen Krise (Ambivalenz v. Mensch u. Welt, 1981) und der Anfälligkeit für kollektivistische Heilsversprechen und staatlichen Dirigismus in „sinnstiftender Willensfreiheit“ und verantwortungsvollem Handeln nach aus „innerer Erfahrung“ gewonnenen ethischen Prinzipien (Die Flucht v. d. Freiheit, 1947, Soziol. d. Freiheit, 1957). Damit stand V. sowohl der kath. Soziallehre und dem Ordoliberalismus der Freiburger Schule um Eucken als auch den sozial- und kulturwissenschaftlichen Analysen Wilhelm Röpkes (Ges.krisis d. Gegenwart, 1942–48) und Alexander Rüstows (Ortsbestimmung d. Gegenwart, 1950–63) nahe und galt als engagierter Repräsentant dieser Denkrichtung.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Ges. f. Wirtsch.- u. Soz.wiss. (Ver. f. Soc. pol.), d. Wiss. Beirats d. Verw. f. Wirtsch. d. Vereinigten Wirtsch.gebietes (1948), d. Wiss. Beirats b. Bundeswirtsch.min. (1949), d. Mont Pelerin Soc. (1949); Vorstandsmitgl. d. Allg. Ges. f. Philos. in Dtld. (1956–62); Gr. BVK (1954).

  • Werke

    Weitere W Grundlagen d. Steuermoral, Eine finanzsoziol. Stud., in: ZstW 83, 1927, S. 317–49;
    Gefühl u. Vernunft in d. Wirtsch., 1932;
    Wirtsch.ausblick, Vj.h. d. Bankhauses Hardy & Co., 1937–43;
    Die Entwicklung d. Technik als Grenzproblem d. Nat.ök., in: Zs. f. Nat.ök. 9, 1938/39, S. 31–53;
    Der Einfluß d. Geldes auf d. Güterkreislauf, in: Weltwirtschaftl. Archiv 59, 1944, S. 211–27;
    Geldreform u. Geldvfg., 1948;
    Dt. Geldpol., 1950 (Slg. v. Aufss. u. Vortrr.);
    ORDO u. Ordnung, Versuch e. Synthese, in: Ordo 5, 1953, S. 3–47;
    Die veränderte Währungspol. u. ihre Folgen, 1957, engl. 1957;
    Hemmnisse freier Währungspol., in: Wirtsch.fragen d. freien Welt, FS f. L. Erhard, hg. v. E. v. Beckerath u. a., 1957, S. 383–94;
    Les enseignements de la politique monétaire en Allemagne fédérale, in: La Restauration des Monnaies Européennes, Numéro spécial de la Revue d’Economie politique 70, 1960, S. 158–72;
    Grundriß d. Währungspol., 1961, 31969;
    Zentralbankpol., in: Hdwb. d. Soz.wiss., Bd. 12, 1965, S. 423–34;
    Christl.-jüd. Koexistenz, 1965, 21971; Die Qu. d. inneren Erfahrung, in: Die Philos. u. d. Wiss., FS f. S. Moser, hg. v. E. Oldemeyer, 1967, S. 193–205; Liquidität, in: Enzyklopäd. Lex. f. d. Geld-, Bank- u. Börsenwesen, 31967/68, Bd. 2, S. 1146–51; Währungspol. als Kunst d. Unmöglichen, 12 Vortrr., 1968 (P); The Utopian Element in Monetary Policy, in: German Economic Review 8, 1970, S. 1–9; Die Natur d. Sache jenseits d. Juristischen, in: Wirtsch.ordnung u. Staatsvfg., FS f. F. Böhm, hg. v. H. Sauermann u. E.-J. Mestmäcker, 1975, S. 615–23; Währungstheorie u. -pol. an d. Univ. u. d. Bundesbank, in: Wirtsch.- u. Soz.wiss. in Frankfurt a. M., hg. v. B. Schefold, ²2004, S. 167–72 (P).

  • Literatur

    L Notgemeinschaft dt. Wiss. im Ausland, List of Displaced German Scholars, 1936, Nachdr. in: Emigration, Dt. Wiss. n. 1933, Entlassung u. Vertreibung, hg. v. H. A. Strauss u. a., 1987, S. 34;
    E. Forstmann, Geld u. Kredit, 1952, S. 151, 776 f. u. passim;
    A. Amonn, Volkswirtschaftl. Theorie d. Liquidiät, in: Ordo 8, 1956, S. 289–306;
    Die Hochschullehrer d. Wirtsch. wiss., 2 1966, S. 757–59 (W-Verz.);
    V. Muthesius (Hg.), Eine Geb.tagsgabe f. O. V., 1958;
    G. Schmölders, Geldpol., 21968, S. 97 f., 246 ff. u. passim;
    G. Stavenhagen, Gesch. d. Wirtsch.theorie, 41969, S. 426 ff. u. passim;
    Währungsstabilität in e. integrierten Welt, Festgabe f. O. V., 1974 (P);
    Fritz Veit, Vom Pariser Platz z. Kilimandscharo, 1971 (P);
    W. Hankel, Währungspol., 21972, S. 98–109 u. passim;
    K. Häuser, Prof. Dr. O. V., in: Uni-Report, Univ. Frankfurt a. M., April 1984, S. 4 (P);
    H. Solf, O. V., e. Ordoliberaler, 1988 (W-Verz., P);
    R. Richter, Dt. Geldpol. 1948–1998, 1999, S. 14 u. 44–46;
    Wirtsch.- u. Soz.wiss. in Frankfurt a. M., hg. v. B. Schefold, 2 2004, S. 468 f., 482 f. u. 668;
    H. Rieter, Die währungspol. Maxime d. Dt. Bundesbank aus ideengeschichtl. Sicht, in: Jb. f. Wirtsch.gesch. 1, 2009, S. 151–76; J.-O. Hesse, Wirtsch. als Wiss., Die Volkswirtsch.lehre in d. frühen Bundesrep., 2010, S. 236 f. u. passim

  • Autor/in

    Heinz Rieter
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieter, Heinz, "Veit, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 736-738 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118767879.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA