Lebensdaten
1845 bis 1934
Geburtsort
Isny (Allgäu)
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Jesuit ; Kardinal ; Philosoph ; Historiker ; Bibliothekar ; Philosophiehistoriker ; Präfekt der Bibliotheca Apostolica Vaticana
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116408510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ehrle, Franz

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Zitierweise

Ehrle, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116408510.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Allgäuer Fam.;
    V Franz Eduard (1812–78), Dr. med., Amtsarzt, S des Amtspflegers u. Landschaftskassiers Franz Jos. Anton in Wangen u. der Stiftungspflegerstochter Cäcilia Cath. Dortemann aus Tettnang;
    M Bertha Ludovica (1818–89), T des Aloys v. Frölich ( 1841), Botaniker u. Entomologe.

  • Leben

    Als 16jähriger in den Jesuitenorden eingetreten, erhielt E. in verschiedenen Häusern des Ordens in Deutschland und England eine sehr gründliche philologisch-philosophische Ausbildung, die 1878 mit der Priesterweihe abgeschlossen wurde. Zu wissenschaftlicher Tätigkeit bestimmt und zunächst in der Redaktion der „Stimmen aus Maria Laach“, damals in Tervueren bei Brüssel, beschäftigt, plante er eine Geschichte der Scholastik. Ausgedehnte Forschungsreisen verschafften E. rasch den Eindruck von der Fülle der noch ungedruckten Werke, deren historische Einordnung, vor allem wenn sie anonym auftraten, nur auf Grund genauester Kenntnis der Bibliotheksgeschichte möglich war. Hieraus ergaben sich zwei Forschungsgebiete: 1. Einzelstudien über wenig oder gar nicht bekannte Philosophen und Gelehrte des 13. und 14. Jahrhunderts, besonders der avignonesischen Epoche des Papsttums, erschienen ab 1885 im Archiv für Literatur und Kirchengeschichte (7 Bände bis 1900), das E. mit H. Denifle zusammen herausgab und größerenteils selbst bestritt, und 2. Arbeiten über Bibliotheksgeschichte, aufs Glänzendste eröffnet durch den ersten Band der Historia bibliothecae Romanorum pontificum (1890), zugleich Geschichte und Inventar der Bibliotheken Bonifaz' VIII. und der avignonesischen Päpste bis 1400. Der Band hatte zur Folge, daß E. 1890 in den Verwaltungsrat der Vatikanischen Bibliothek berufen wurde, zur Mitarbeit an den von Leo XIII. gewünschten Reformen. E., seit 1895 (bis 1914) Präfekt der Vatikanischen Bibliothek, hat dem Institut seinen heutigen Charakter gegeben. Er schuf vor allem die Konsultationsbibliothek, die in unmittelbarer räumlicher Verbindung mit den Lesesälen|von Bibliothek und Archiv steht, richtete für die Konservierung der Handschriften ein vorbildliches Laboratorium ein, begründete neue Publikationsserien, arbeitete für die Katalogisierung der Handschriften genaue Vorschriften aus und vermehrte die Handschriftenbestände durch wichtige Erwerbungen (Borghese 1892, Barberini 1902, Chigi 1923). Nach vorübergehendem Aufenthalt in München während des 1. Weltkrieges (1916–18) wurde E. von seinem Nachfolger im Amte der Bibliotheksleitung, Papst Pius XI., zum Kardinal (Diakon von S. Cesario) erhoben und 1929 zum Kardinalarchivar und -bibliothekar der Römischen Kirche ernannt. Daß die Bibliotheca Vaticana die modernsten Einrichtungen besitzt und die bequemsten Arbeitsmöglichkeiten bietet, ist Kardinal E.s Werk.

  • Werke

    Verz. in: Miscellanea F. E., = Studi e testi 28, Rom 1924, u. Sankt Wiborada, Biblioph. Jb. f. kath. Geistesleben I, 1933, S. 145-49; weitere u. a. I più antichi statuti della facoltà teologica dell' università di Bologna, Bologna 1932; Der vatikan. Palast in s. Entwicklung bis z. Mitte d. 15. Jh., 1935 (mit H. Egger).

  • Literatur

    M. Grabmann, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1933/34, S. 27-40;
    ders., in: Stimmen d. Zeit 127, 1934, S. 217-25;
    H. Finke, in: HJb. 54, 1934, S. 289 ff.;
    E. Hauler, in: Alm. d. Wiener Ak. 84, 1934, S. 272-80 (P);
    F. Pelster, in: Civiltà Cattolica 85, Rom 1934, II u. III;
    R. M. Huber, in: The Catholic hist. Review 20, Washington 1934/35, S. 175-84;
    K. Christ, in: Zbl. f. Bibl.wesen 52, 1935;
    Karl Otto Müller, Ahnentafeln d. Kardinals F. E., 1929, = Ahnentafeln berühmter Deutscher I.

  • Portraits

    in d. Vatikan. Bibl.

  • Autor/in

    Walther Holtzmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Holtzmann, Walther, "Ehrle, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 360-361 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116408510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA