Lebensdaten
1785 bis 1862
Geburtsort
Traben-Trarbach
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Industrieller ; Hüttenbesitzer ; Politiker ; Oberbürgermeister von Saarbrücken ; Oberbergrat ; Kommerzienrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 102534020 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Böcking, Heinrich

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Zitierweise

Böcking, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102534020.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf s. (1);
    1809 Charlotte Stumm (1795–1832, Tante des Großindustriellen und Politikers Karl Freiherr von Stumm-Halberg, 1901), T des Eisenindustriellen Friedrich Stumm (1751–1835) in Abentheuerhütte (Hunsrück), Mitbegründer der Firma Gebrüder Stumm auf dem Neunkircher Eisenwerk 1806, und der Elisabeth Geib aus Lambsheim (Pfalz);
    3 S, 1 T;
    E Eduard s. (2), Rudolf s. (5), Ida Charlotte (1839–1918, ⚭ Karl Freiherr von Stumm-Halberg, 1901, N von Böckings Frau);
    N Bertha Eichhoff (1831–88, ⚭ Alfred Krupp, 1887, Großindustrieller).

  • Leben

    Nach kaufmännischer Ausbildung in Iserlohn und Tätigkeit als selbständiger Kaufmann in Amsterdam ließ sich B. 1811 in Saarbrücken nieder. Durch die Verbindung mit der Familie Stumm wurde er für die Hüttenindustrie tätig, betrieb daneben volkswirtschaftliche, mineralogische und archäologische Studien. 1814 war er vorübergehend erstmals Oberbürgermeister von Saarbrücken und mit der Verwaltung der Saarkohlengruben beauftragt, 1815 war er der Führer der nationalen Bewegung im Saarrevier, die - abweichend vom ersten Pariser Frieden - die Rüdegabe von Saarbrücken und Saarlouis an Deutschland und den Anschluß an Preußen verlangte. B. gewann hierfür die Unterstützung von Görres und Hardenberg.

    Als Leiter der Abordnung der Saarstädte zu den Pariser Verhandlungen betrieb er mit Erfolg die Wiedervereinigung des Saarreviers mit Deutschland und den Erwerb der Saarkohlengruben durch Preußen. Er wurde Generalbergkassierer und Mitglied des Saarbrücker Bergamtes (1816), 1838 Bergrat und schied 1844 als Oberbergrat aus dem Staatsdienst aus. 1832-38 war er Bürgermeister von Saarbrücken. Seit dem Tode seines|Schwiegervaters wurde er 1839 stärker für die Eisenhüttenindustrie tätig, da seine Söhne Erben der Stummschen Hunsrückwerke waren. Zur Abwehr der belgischen und englischen Konkurrenz setzte er sich in Wort und Schrift für einen Schutzzoll auf Roheisen ein. Als Bevollmächtigter der Hunsrück-Hütten berief er 1842 Konferenzen der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie und begründete 1843 eine allerdings nur kurzlebige Gesamtvereinigung der deutschen Eisenindustrie. In enger Verbindung mit Friedrich List vertrat er die Zollschutzbewegung der Eisenindustrie und versuchte 1844 zusammen mit sächsischen Industriellen einen „Allgemeinen deutschen Industrieverein“ zu gründen. 1848/49 wirkte er als Bevollmächtigter der rheinisch-westfälischen Eisenhütten“ in Frankfurt bei der Beratung des Zolltarifs im Reichshandelsministerium. Seit 1836 war er wesentlich beteiligt an den Bemühungen zur Erschließung des Saarreviers durch Eisenbahnen, die 1851 mit der Bahnlinie Metz - Saarbrücken - Neunkirchen - Ludwigshafen hergestellt wurde. - Als Liebhaber für die heimische Archäologie hat er eine hervorragende Sammlung rheinischer Altertümer begründet, die nach seinem Tode in die Berliner Museen gelangte.

    Ohne als selbständiger Unternehmer tätig zu sein, hat B. auf Grund seiner umfassenden volkswirtschaftlichen Studien, seiner Kenntnis von Steinkohlenbergbau und Eisenhüttenindustrie und seiner politischen Einsicht ausschlaggebend in wichtigen Entwicklungsstadien der westdeutschen Montanindustrie gewirkt: bei der Begründung des preußischen Staatsbergbaus im Saarkohlenrevier und bei dem Übergang des Zollvereins zu einer gemäßigten Schutzzollpolitik zugunsten der deutschen Eisenhüttenindustrie. Als erfolgreicher Führer der nationalen Bewegung von 1814/15 im Saarrevier ist er einer der ersten, die im 19. Jahrhundert das nationale Selbstbestimmungsrecht der Völker praktisch vertreten und zur Anerkennung gebracht haben.

  • Werke

    Denkschrr. z. Eisenzollfrage, 1843, 1849 (Bücherei d. Ver. dt. Eisenhüttenleute in Düsseldorf);
    Briefe an F. List, 1843/44, hrsg. v. F. Hellwig, in: Westmärk. Abhh. z. Landes- u. Volks-F, Bd. 5, 1941/42, S. 225-46 (L);
    Erinnerungen aus meinem Leben (Fragment, als Ms. gedr., b. d. Familienpapieren in Abentheuerhütte, Birkenfeld);
    Papiere aus d. Nachlaß, betr. 1814/15, hrsg. v. A. Krohn, in: Mitt. d. Hist. Ver. f. d. Saargegend, H. 8, 1901.

  • Literatur

    J. J. Noeggerath, Nekrolog H. B. (geschrieben 1862), in: Mitt. d. Hist. Ver. f. d. Saargegend, H. 8, 1901;
    W. Schmitz, Polit. Zustände u. Personen in Saarbrücken in d. J. 1813, 1814 u. 1815 (geschr. 1865), ebenda;
    H. B., Ein Gedenkbl., o. J.;
    A. Ruppersberg, Gesch. d. Stadt Saarbrücken, 2 Bde., 21913 (P);
    F. List, Schrr., Reden, Briefe, Bd. 8, 1933;
    F. Hellwig, H. B. 1785-1862, in: Dt. Westen - Dt. Reich, Saarpfälz. Lb., Bd. 1, 1937 (P);
    C. Brinkmann, Frdr. List, 1949.

  • Portraits

    Altersbild in Öl, Kopie v. Nathanael Schmitt nach verlorengegangenem Original v. Begas, Berlin; F. Kloevekorn, Saarbrückens Vergangenheit im Bild, 1933, S. 136.

  • Autor/in

    Fritz Hellwig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hellwig, Fritz, "Böcking, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 369-370 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102534020.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA