Nell, Bernarda von

Lebensdaten
1862 – 1933
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Bad Godesberg (heute Bonn)
Beruf/Funktion
Publizistin
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 1073891550 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Nell, Bernarda Clara Hermine von
  • Breuning, Bernarda Freiin von / geborene
  • Nell, Bernarda von
  • Nell, Bernarda Clara Hermine von
  • Breuning, Bernarda Freiin von / geborene
  • Breuning, Bernarda Clara von

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Zitierweise

Nell, Bernarda von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1073891550.html#indexcontent [09.10.2026].

CC0

  • Nell, Bernarda Clara Hermine von (geborene Bernarda Freiin von Breuning)

    1862 – 1933

    Publizistin

    Bernarda von Nell publizierte seit 1901 v. a. in den „Preußischen Jahrbüchern“ und in der katholischen Monatsschrift „Hochland“, zunächst zum Verhältnis von Weltanschauung, Literatur und Bildender Kunst, seit 1911 schwerpunktmäßig zu frauenrechtlichen Themen. Politisch liberalkonservativ orientiert, war sie bis 1918 eine profilierte Gegnerin des Frauenwahlrechts, konnte sich mit ihren Alternativvorschlägen zugunsten einer Mitwirkung von Frauen an staatlichen und kommunalen Aufgaben allerdings nicht durchsetzen.

    Lebensdaten

    Geboren am 11. Oktober 1862 in Koblenz
    Gestorben am 16. Mai 1933 in Bad Godesberg (heute Bonn)
    Grabstätte Alter Bergfriedhof (Grabstätte der Familie Carl Philipp von Breuning) in Bad Neuenahr (heute Bad Neuenahr-Ahrweiler)
    Konfession römisch-katholisch
    Bernarda von Nell, Archiv der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten (InC) = Bernarda von Nell, ca. 1901, Bildausschnitt, Quelle: Archiv der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten, München, Abt. 800, Nr. 7474, Fotograf(in): unbekannt.
    Bernarda von Nell, Archiv der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten (InC) = Bernarda von Nell, ca. 1901, Bildausschnitt, Quelle: Archiv der Zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten, München, Abt. 800, Nr. 7474, Fotograf(in): unbekannt.
  • Nell wuchs in einem katholischen, sich zur preußischen Monarchie bekennenden Elternhaus in Koblenz auf. Über ihre Mutter bestanden Kontakte zum Hof der Prinzessin und späteren deutschen Kaiserin Augusta (1811–1890). Über die Ausbildung Nells, die sich ihre Kenntnisse über Literatur, Kultur und Politik weitgehend autodidaktisch aneignete, liegen kaum gesicherte Informationen vor; aufgrund des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 ist es unwahrscheinlich, dass sie – so wie ihre Mutter und ihre ältere Schwester – das Institut der Sacré Cœur-Schwestern in Paris besuchte.

    Seit 1901 veröffentlichte Nell Beiträge in Hans Delbrücks (1848–1929) liberal-protestantischen „Preußischen Jahrbüchern“ und seit 1909 in der von Carl Muth (1867–1944) herausgegebenen katholischen Monatsschrift „Hochland“. Hinzu kamen Artikel in konfessionellen Frauenzeitschriften („Die christliche Frau“, „Evangelische Frauenzeitung“) und in der Tagespresse („Der Tag“, „Kölnische Volkszeitung“). Bis 1907 beschäftigte sich Nell in ihren Veröffentlichungen v. a. mit dem Zusammenhang von Weltanschauung und Bildender Kunst bzw. Literatur sowie mit dem Verhältnis der frühen christlichen Kirche zum Hellenismus. Ihre Texte wurden u. a. von dem liberalen Theologen Adolf Harnack (1851–1930) zur Kenntnis genommen, mit dem Nell 1908 eine publizistische Kontroverse über das Verständnis der gegen den philosophisch-theologischen „Modernismus“ gerichteten Enzyklika Pascendi Dominici gregis (1907) von Papst Pius X. (1835–1914) führte.

    Nachdem Nell sich im Anschluss an Ferdinand Jakob Schmidt (1860–1939) öffentlich dafür ausgesprochen hatte, den höheren Mädchenschulen die „Bildungsschätze des klassischen Altertums“ zu erschließen, wandte sie sich seit 1911 schwerpunktmäßig frauenrechtlichen Themen zu und wurde zu einer profilierten Vertreterin liberalkonservativer Positionen. Überzeugt von der durchschnittlichen geistigen (nicht moralischen) Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau, lehnte Nell das kommunale und parlamentarische Frauenwahlrecht ab und warnte im Falle von dessen Einführung vor innerfamiliären Konflikten und einer das gesamte Volk erfassenden „parteipolitischen Zersplitterung“.

    In einer Auseinandersetzung mit Elisabeth Gnauck-Kühne (1850–1917), die das Frauenstimmrecht aus natur- und verfassungsrechtlichen Gründen forderte, propagierte Nell die Einführung des Doppelstimmrechts für verheiratete Männer sowie – zunächst für Preußen – die Verpflichtung aller Gemeindeverwaltungen, parlamentarischen Kommissionen und Ministerialinstanzen, vor Entscheidungen zu Frauen- und Familienfragen Vertreterinnen von Frauenvereinigungen als Gutachterinnen zu hören. Nells Ablehnung des Frauenstimmrechts wurde v. a. von dem Vorsitzenden des Bunds zur Bekämpfung der Frauenemanzipation, Ludwig Langemann (1859–1921), begrüßt, gegen dessen Vereinnahmungsversuche Nell allerdings mehrfach protestierte. Der Vorschlag des Doppelstimmrechts für Ehemänner fand keine Resonanz, wohingegen Nells Idee der verpflichtenden Anhörung von Gutachterinnen zu Frauen- und Familienfragen außer von Delbrück und Muth u. a. von den Politikern Franz Kaufmann (1862–1920), Felix Porsch (1853–1930) und Eugen Schiffer (1860–1954) sowie von der ersten Vorsitzenden des Deutsch-Evangelischen Frauenbunds, Paula Müller(-Otfried) (1865–1946), positiv aufgenommen wurde.

    Nach der Einführung des Frauenwahlrechts im November 1918, das sie nun befürwortete, hielt Nell in modifizierter Form an ihrer Forderung der verpflichtenden Einführung „weiblicher Gutachten“ im Gesetzgebungsverfahren fest, stellte ihre publizistische Tätigkeit seit 1919 aber ein. Neben Delbrück, Gnauck-Kühne, Müller(-Otfried), Muth sowie Hedwig Dransfeld (1871–1925), mit denen sie umfangreiche Korrespondenzen führte, zählten zu Nells Briefpartnern u. a. der Zentrumspolitiker und Philosoph Georg von Hertling (1843–1919), die Bischöfe Michael Faulhaber (1869–1952) und Felix Korum (1840–1921) sowie der Philologe Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848–1931).

    Nachlass:

    Privatbesitz, im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört.

    Weitere Archivmaterialien:

    Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz. (Korrespondenz mit Emil Daniels u. Hans Delbrück)

    Archiv des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Köln. (Korrespondenz mit Hedwig Dransfeld u. Elisabeth Gnauck-Kühne)

    Archiv des Erzbistums München und Freising, München. (Korrespondenz mit Michael Faulhaber)

    Archiv der Görres-Gesellschaft im Historischen Archiv des Erzbistums Köln. (Korrespondenz mit Georg von Hertling)

    Diözesanarchiv Trier. (Korrespondenz mit Michael Felix Korum)

    Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. (Korrespondenz mit Paula Müller-Otfried)

    Bayerische Staatsbibliothek, München. (Korrespondenz mit Carl Muth)

    Bundesarchiv, Koblenz. (Korrespondenz mit Eugen Schiffer)

    Landeshauptarchiv Koblenz. (Memoiren der Fanny von Breuning, geb. Simons, teilw. Abdr. in: Hermann van Ham, Erinnerungen an den preußischen Hof in Koblenz. Nach Aufzeichnungen der Frau von Breuning (1850–1871), in: Deutsche Rundschau 252, 1937, S. 97–105)

    Gedruckte Quellen:

    Helene Simon, Elisabeth Gnauck-Kühne, 2 Bde., 1928/29, Bd. 2, S. 116–118. (Auszüge aus Briefen Nells an Hedwig Dransfeld v. September und November 1914 sowie an Elisabeth Gnauck-Kühne vom 24.10. und 5.11.1914)

    Johannes Arnold (Hg.), Oswald von Nell-Breuning. Erste Veröffentlichungen, 2008, S. 10–12. (Briefe Nells an Hans Delbrück v. 6.5.1909 u. an Carl Muth v. 21.2.1909)

    Johannes Arnold (Hg.), Oswald von Nell-Breuning. Anekdoten – Erinnerungen – Originaltexte, 22010, S. 256 f. (Brief Nells an Carl Muth v. 21.10.1908)

    Vier Briefe Bernarda von Nells, geb. von Breuning (Mutter Oswald von Nell-Breunings), aus Trier an [Ulrich von] Wilamowitz, hg. u. komm. v. Paul Dräger, in: Kurtrierisches Jahrbuch 53 (2013), S. 275–307. (Briefe v. 1.10.1901, 21.11.1902, 14.3.1903 u. 6.8.1905)

    Griechische Tragödie und modernes Drama, in: Preußische Jahrbücher 105 (1901), S. 427–467.

    Klassisches Alterthum und höhere Mädchenschule, in: Preußische Jahrbücher 110 (1902), S. 224–263.

    Wie denkt Professor Harnack über die Enzyklika Pascendi?, in: Preußische Jahrbücher 134 (1908), S. 385–396.

    Frauenstimmrecht? Erwägungen zu Frau E. Gnauck-Kühnes Essay „Staat und Frau“, in: Hochland 8 (1911), S. 583–601.

    Preußen und die preußischen Frauen, in: Preußische Jahrbücher 147 (1912), S. 292–298.

    Frauenstimmrecht und weibliche Gutachten in öffentlichen Angelegenheiten, in: Preußische Jahrbücher 150 (1912), S. 414–438.

    Die Frauen im Staatsleben, in: Die Christliche Frau 17 (1919), S. 55–59.

    Helene Simon, Elisabeth Gnauck-Kühne, 2 Bde., 1928/29, S. 95–97 u. 116–120.

    [Hermann van Ham], in: Trierische Landeszeitung v. 23.5.1933. (Nachruf)

    Elisabeth Prégardier/Anne Mohr, Politik als Aufgabe. Engagement christlicher Frauen in der Weimarer Republik. Aufsätze, Dokumente, Notizen, Bilder, 1990, S. 48.

    Ute Planert, Antifeminismus im Kaiserreich. Diskurs, soziale Formation und politische Mentalität, 1998, S. 194. (Onlineressource)

    Janet M. C. Walmsley, The Political Role of Catholic Women During the Weimar Republic. 1918–1933, 2000, S. 180 u. 183.

    Andrea Süchting-Hänger, Das „Gewissen der Nation“. Nationales Engagement und politisches Handeln konservativer Frauenorganisationen 1900 bis 1937, 2002, S. 119.

    Diane J. Guido, The German League for the Prevention of Women’s Emancipation. Antifeminism in Germany 1912–1920, 2010, S. 117 u. 153.

    Kirsten Heinsohn, Konservative Parteien in Deutschland 1912 bis 1933. Demokratisierung und Partizipation in geschlechterhistorischer Perspektive, 2010, S. 36 f. u. 40.

    Johannes Arnold, „Für eine Dame unerhört“. Bernarda von Nell diskutiert mit Adolf Harnack, in: Theologie und Philosophie 85 (2010), S. 65–80.

    Nikola Becker, Die Frauenfrage als soziales Problem. Das frauenpolitische Wirken von Elisabeth Gnauck-Kühne aus christlicher Überzeugung, in: Markus Raasch/Andreas Linsenmann (Hg.), Die Frauen und der politische Katholizismus. Akteurinnen, Themen, Strategien, 2018, S. 151–176.

    Jonas Klein, „Der Prophet des Staatsgedankens“. Hans Delbrück und die „Preußischen Jahrbücher“ (1883–1919), 22025, S. 16 f., 51, 71 f., 112, 115 f., 220–223, 229 f., 232–241 u. 400–404.

  • Autor/in

    →Johannes Arnold (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Arnold, Johannes, „Nell, Bernarda von“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1073891550.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA