Lebensdaten
1865 bis 1946
Geburtsort
Hoya/Weser
Sterbeort
Einbeck
Beruf/Funktion
Sozialpolitikerin
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 115875999 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Paula (bis 1920)
  • Müller-Otfried, Paula
  • Müller, Paula (bis 1920)
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Zitierweise

Müller-Otfried, Paula, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115875999.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Hugo M. (1830-1908), Jurist, seit 1895 Landesdir. d. Prov. Hannover (s. BJ 13, Tl.), S d. Otfried (s. 1);
    M Emma Henriette Sophie (1828–91), T d. Weinhändlers Johann Heinrich Leonhard Bauer (1796–1842) u. d. Sophie Katharina Ahlers (1802–49);
    Gr-Ov Julius (s. 2); Vt 2. Grades Otto Mueller (s. 4); – ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Höheren Töchterschule in Hannover und einem einjährigen Aufenthalt in einem Pensionat in Lausanne widmete sich M. kunstgeschichtlichen Studien und unternahm zahlreiche Reisen im In- und Ausland. Später sammelte sie als kirchliche Armenpflegerin Erfahrungen auf dem Gebiet der Sozialarbeit. 1899 engagierte sich M. beim Aufbau der Ortsgruppe des Deutsch-Ev. Frauenbundes; bereits 1901 wurde ihr der Bundesvorsitz übertragen, den sie bis 1934 innehatte. Zusammen mit Selma v. der Groeben, Adelheid v. Bennigsen und anderen organisierte M. die soziale Arbeit des Deutsch-Ev. Frauenbundes (u. a. Gründung des „Christlich-Sozialen Frauenseminars“ in Hannover), wobei sie betonte, daß praktische Hilfsarbeit kein Ersatz für soziale Reformen sei. Überzeugt von dem Recht der Frauen auf Entwicklung ihrer Persönlichkeit und der Notwendigkeit ihrer verantwortlichen Mitarbeit in kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde, sah sie deshalb ihre Aufgabe in der Auseinandersetzung mit der Frauenfrage. In der von ihr herausgegebenen „Ev. Frauenzeitung“ (1900-04 u. d. T. „Mitteilungen des Deutsch-Ev. Frauenbundes“) und zahlreichen Broschüren formulierte sie die theoretischen Grundlagen, Ziele und Forderungen der ev. Frauenbewegung. 1903 forderte M. als eine der ersten Frauen in Deutschland die Einführung des kirchlichen Frauenstimmrechts. Daneben galt ihr besonderer Einsatz der Sittlichkeitsbewegung. 1913 war M. Mitbegründerin der „Vereinigung konservativer Frauen“; im 1. Weltkrieg leitete sie den „Nationalen Frauendienst“ in Hannover. Nach der Trennung des Deutsch-Ev. Frauenbundes vom Bund Deutscher Frauen beteiligte sie sich 1918 an der Gründung der „Vereinigung Ev. Frauenverbände Deutschlands“ und war deren zweite Vorsitzende.

    M. hatte zwar das politische Frauenstimmrecht abgelehnt, zögerte aber nicht, dieses Recht nach seiner Einführung 1918 zu nutzen. Als eine der ersten konservativen Politikerinnen war sie Abgeordnete der DNVP im Reichstag. Hier war sie sozialpolitisch tätig und vertrat vor allem die Interessen der Kleinrentner; die parlamentarische Staatsform der Weimarer Republik lehnte sie ab. Tatkräftig nahm M., die seit 1919 dem Vorstand der DNVP angehörte, die neuen Rechte der Frauen in der Kirche wahr. Sie war Mitglied zahlreicher kirchlicher Institutionen und Gremien, z. B. der Verfassungsgebenden Hannoverschen Landessynode, des Deutschen Ev. Kirchentages und des Deutschen Ev. Kirchenausschusses.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Göttingen 1930).

  • Werke

    u. a. Rechte u. Pflichten d. Frau in d. kirchl. u. bürgerl. Gemeinde, 1903;
    Wir Frauen u. d. Krieg, 1915;
    Volkswohl u. Sittlichkeit, 1916;
    Die Mitarbeit d. Frau b. d. Erneuerung unseres Volkes, 1921;
    Der|Deutsch-Ev. Frauenbund im Kampf d. Zeiten, 1925;
    Kleinrentnernot, 1927.– Hrsg.: Hdb. z. Frauenfrage, 1908;
    Die „Neue Ethik“ u. ihre Gefahr, 1908.

  • Literatur

    S. v. d. Groeben, P. M.-O., Ihr Leben u. ihr Werk, in: Ev. Frauenztg. 26, 1925, H. 7, S. 2-6;
    M. v. Tiling, P. M.-O. z. 70. Geb.tag, in: Aufgaben u. Ziele, 2 (15), 1935, H. 6, S. 81-84;
    L. Berger, P. M.-O. (1865–1946), in: R. Hellwig (Hrsg.), Unterwegs z. Partnerschaft, 1985, S. 88-99 (P);
    J.-Ch. Kaiser, Frauen in d. Kirche, 1985 (P);
    D. Kaufmann, Frauen zw. Aufbruch u. Reaktion, 1988;
    BBKL;
    Schumacher. – Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Archiv d. Dt. Ev. Frauenbundes, Hannover.

  • Autor/in

    Michaela Fenske
  • Empfohlene Zitierweise

    Fenske, Michaela, "Müller-Otfried, Paula" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 327 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115875999.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA