Kaul, Friedrich

Lebensdaten
1906 – 1981
Geburtsort
Posen (heute Poznań, Polen)
Sterbeort
Berlin-Ost
Beruf/Funktion
Rechtsanwalt ; Jurist ; Hochschullehrer ; Schriftsteller ; Schauspieler ; Drehbuchautor
Konfession
jüdisch, seit 1925 ohne Angabe der Religionszugehörigkeit, spätestens seit 1939 konfessionslos
Normdaten
GND: 104358491 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Kaul, Friedrich (Fritz) Karl
  • Friedrich Karl Hartmann / Pseudonym
  • Fritz Voss / Pseudonym
  • Kaul, Friedrich
  • Kaul, Friedrich (Fritz) Karl
  • kaul, friedrich karl
  • Friedrich Karl Hartmann / Pseudonym
  • Fritz Voss / Pseudonym
  • Kaul, Friedrich-Karl
  • Kaul, Friedrich K.
  • Kaul, F. K.
  • Kaul, F.K.
  • Kaul, Fritz
  • Kaul, Fritz Karl
  • Hartmann, Friedrich Karl
  • Kaul, Fridrich Karl
  • b12
  • Caul, Friedrich
  • Caul, Friedrich (Fritz) Carl
  • Friedrich Carl Hartmann / Pseudonym
  • Caul, Friedrich-Carl
  • Caul, Friedrich K.
  • Caul, F. K.
  • Caul, F.K.
  • Caul, Fritz
  • Caul, Fritz Carl
  • Hartmann, Friedrich Carl
  • Caul, Fridrich Carl

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Zitierweise

Kaul, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd104358491.html#indexcontent [01.07.2026].

CC0

  • Kaul, Friedrich (Fritz) Karl

    Pseudonyme: Friedrich Karl Hartmann; Fritz Voss

    1906 – 1981

    Rechtsanwalt

    Friedrich Kaul war seit 1948 Rechtsanwalt in Berlin-Ost. Er vertrat im Auftrag der SED in den 1960er und 1970er Jahren in NS-Prozessen Nebenkläger vor westdeutschen Gerichten und erwarb sich den Ruf eines scharfen und SED-treuen Rhetorikers. In seinen Büchern und Filmen griff er die Justiz der Weimarer Republik und Bundesrepublik an und klärte über die systematischen Verbrechen des Nationalsozialismus auf. Seine juristischen Ratgebersendungen machten ihn in der DDR populär.

    Lebensdaten

    Geboren am 21. Februar 1906 in Posen (heute Poznań, Polen)
    Gestorben am 16. April 1981 in Berlin-Ost
    Grabstätte Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin
    Konfession jüdisch, seit 1925 ohne Angabe der Religionszugehörigkeit, spätestens seit 1939 konfessionslos
    Friedrich Kaul, BArch / Bildarchiv (InC)
    Friedrich Kaul, BArch / Bildarchiv (InC)
  • 21. Februar 1906 - Posen (heute Poznań, Polen)

    1918 - 1925 - Posen (heute Poznań, Polen); Berlin; Berlin-Grunewald

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Friedrich-Wilhelm-Gymnasium; 1919 Fichte-Gymnasium; 1922 Reform-Gymnasium und Reform-Realgymnasium mit Oberrealschule

    1925 - 1928 - Heidelberg; 1926 Berlin

    Studium der Rechtswissenschaften (Abschluss: Erstes juristisches Staatsexamen)

    Universität

    1929 - 1933 - Berlin

    Referendar

    Kammergericht

    1929 - 1931 - Berlin

    Assistent für Strafrecht

    Universität

    1931 - Berlin

    Promotion (Dr. iur.)

    Universität

    1932 - 1933 - Berlin

    Syndikus

    Tonal-Film GmbH

    1935 - April 1937 - Berlin; KZ Lichtenburg; Dezember 1936 KZ Dachau

    Verhaftung durch die Gestapo; Haft

    Columbia-Haus

    Juni 1937 - Dezember 1941 - Kolumbien; Januar 1941 Panama; Honduras; Nicaragua

    Emigration

    1939

    Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft

    Dezember 1941 - September 1945 - Nicaragua; Mai 1942 Kenedy (Texas, USA); New Orleans (Louisiana, USA)

    Internierung

    Mai 1942 Camp Kenedy; Camp Algiers

    Dezember 1945 - Bremerhaven

    Rückkehr

    Dezember 1945 - April 1946 - Festung Hohenasperg bei Asperg (Württemberg)

    Internierung

    Internierungslager

    Mai 1946 - Berlin

    Freilassung; Rückkehr

    Mai 1946 - Berlin

    Mitglied

    SED

    1946 - Berlin

    Hilfsrichter

    Landgericht

    1946 - 1981 - Berlin

    Justiziar

    Berliner Rundfunk; Deutsche Verwaltung für Volksbildung

    November 1947 - Berlin

    Zweites juristisches Staatsexamen

    1948 - Berlin-Ost

    Zulassung als Rechtsanwalt

    Alliierte Kommandatura; Rechtsanwaltskammer

    1954 - 1956 - Karlsruhe

    Vertreter der KPD im Verbotsprozess

    Bundesverfassungsgericht

    1960 - Berlin-Ost

    Professor

    Universität

    1961 - Jerusalem

    Beobachter des Prozesses gegen Adolf Eichmann (1906–1962)

    Bezirksgericht

    1964 - 1965 - Frankfurt am Main

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im ersten Auschwitz-Prozess

    Landgericht

    September 1965 - November 1968 - Berlin-Ost

    nebenamtlicher Professor für zeitgenössische Rechtsgeschichte; Direktor (Entpflichtung)

    Institut für zeitgenössische Rechtsgeschichte an der Universität

    1965 - 1966 - Frankfurt am Main

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im zweiten Frankfurter Auschwitz-Prozess

    Landgericht

    1967 - 1970 - Essen

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im Mittelbau-Dora-Prozess

    Landgericht

    1967 - 1968 - Frankfurt am Main

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im zweiten Frankfurter „Euthanasie“-Prozess

    Landgericht

    1969 - 1970 - Köln

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im zweiten Kölner Sachsenhausen-Prozess

    Landgericht

    1970 - Düsseldorf

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im zweiten Düsseldorfer Treblinka-Prozess

    Landgericht

    Januar 1971 - September 1971 - Berlin-Ost

    Honorarprofessor für Rechtsgeschichte

    Universität

    1972 - 1975 - Hamburg

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im Prozess gegen Ludwig Hahn (1908–1986)

    Landgericht

    1976 - Frankfurt am Main

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im fünften Frankfurter Auschwitz-Prozess

    Landgericht

    1975 - 1977 - Gießen

    Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern im Gestapo-Prozess

    Landgericht

    1978 - 1980 - Köln

    Vertreter von Nebenklägern im Prozess gegen Kurt Lischka (1909–1989)

    Landgericht

    1978 - 1981 - Düsseldorf

    Vertreter eines Nebenklägers im Düsseldorfer Majdanek-Prozess

    Landgericht

    16. April 1981 - Berlin-Ost

    alternativer text
    Friedrich Kaul (rechts), BArch / Bildarchiv (InC)

    Herkunft, Ausbildung und Exil

    Kaul besuchte seit 1918 das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Posen (heute Poznań, Polen). Mit seiner deutsch-national orientierten Familie übersiedelte er 1919 nach Berlin, wo er 1925 am Reformgymnasium in Berlin-Grunewald das Abitur erhielt. Im selben Jahr begann er das Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und wechselte 1926 an die Universität Berlin, 1928 legte er hier das Erste juristische Staatsexamen ab. Von 1929 bis 1931 war er Assistent für Strafrecht an der Universität Berlin und wurde hier 1931 bei James Goldschmidt (1874–1940) zum Dr. iur. promoviert. Das Zweite juristische Staatsexamen konnte Kaul 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr ablegen. Er arbeitete als Rechtskonsulent und beriet kleine Gewerbebetriebe in Wirtschaftsfragen.

    Vor 1933 gehörte Kaul keiner politischen Partei an. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg teilte er deutsch-nationale Anschauungen, in den 1920er Jahren war er von dem sozialistischen Rechtsanwalt Paul Levi (1883–1930) fasziniert. Nach 1933 suchte er Anschluss an die Rote Hilfe Deutschlands. Im Oktober 1935 wegen „Rassenschande“ und „Heimtücke“ erstmals verhaftet, wurde er am 17. Juli 1936 aus der „Schutzhaft“ in das Konzentrationslager Lichtenburg verschleppt und im Dezember 1936 in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Am 10. April 1937 kam Kaul frei und musste innerhalb weniger Wochen Deutschland verlassen.

    Von Juli 1937 bis Januar 1941 hielt sich Kaul, 1939 aus dem Deutschen Reich ausgebürgert, in Kolumbien auf, wo er, in prekären Verhältnissen lebend, in einem Architekturbüro, auf dem Bau, in einem Hotel und einem Club sowie als Vertreter für eine chemische Fabrik arbeitete. In Panama und Honduras bekam er keine Aufenthaltserlaubnis, wurde Ende 1941 nach Nicaragua abgeschoben und interniert. Kurzzeitig hatte er Kontakt zum Free German Movement Otto Strassers (1897–1974). Im Mai 1942 wurde er in die USA deportiert und in verschiedenen Internierungslagern festgehalten, ehe er, nachdem er die Einbürgerung in die USA abgelehnt hatte, im September 1945 nach Deutschland zurückkehrte und erneut in einem US-amerikanischen Lager interniert wurde.

    Politischer und beruflicher Werdegang nach 1945

    Seit Mai 1946 wieder in Berlin, wurde Kaul Hilfsrichter am Landgericht Berlin-Moabit und wechselte im Juli 1946 als Justiziar in die Rechtsabteilung des Berliner Rundfunks, der der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) unterstellt war. 1947 vertrat er juristisch auch die von der SMAD eingerichtete Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung. Im Mai 1946 wurde Kaul Mitglied der SED, die er ebenfalls rechtlich vertrat. Im November 1947 absolvierte er sein Assessorexamen, erhielt im Mai 1948 die Zulassung als Rechtsanwalt durch die Alliierte Kommandatura und wurde in die Berliner Anwaltskammer aufgenommen, was die Rechtsgrundlage für seine Zulassung an den Gerichten in den westlichen Besatzungszonen und der späteren Bundesrepublik bildete.

    Von 1948 bis 1961 vertrat Kaul in zahlreichen Prozessen vor Westberliner und bundesrepublikanischen Gerichten Angehörige der KPD und ihrer Tochterorganisationen, z. B. Oskar Neumann (1917–1993), Josef Angenfort (1924–2010) und Walter Fisch (1910–1966). Seine publizistische Verarbeitung dieser Prozesse ließ ihn v. a. innerhalb der bundesrepublikanischen Justiz zum Feindbild werden. Im KPD-Verbotsverfahren von 1952 bis 1956 vor dem Bundesverfassungsgericht war er seit 1954 einer von acht Anwälten der KPD. Seit 1961 war er aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs von Staatsschutz-Verfahren ausgeschlossen, seiner Verfassungsbeschwerde dagegen wurde 1967 vom Bundesverfassungsgericht entsprochen. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde Kaul das Betreten von Berlin-West durch den Westberliner Senat verboten, was durch eine interalliierte Verfügung bestätigt und erst 1970 wieder aufgehoben wurde.

    Kaul bemühte sich 1961 im Prozess gegen Adolf Eichmann (1906–1962) vor dem Jerusalemer Bezirksgericht vergeblich um eine Zulassung für die Vertretung von Nebenklägerinnen und Nebenklägern aus der DDR und reiste als Prozessbeobachter nach Jerusalem. Er nutzte den Prozess für die von Albert Norden (1904–1982) gesteuerte Kampagnenpolitik der SED gegen Hans Globke (1898–1973) und verfasste das Buch „Der Fall Eichmann“ (1963), das weit über die Prozessbeschreibung hinaus eine politische Auseinandersetzung mit dem Zionismus und dem Staat Israel darstellte.

    Von 1960 bis 1965 war Kaul Verhandlungspartner zwischen DDR und Bundesrepublik bei Häftlingsaustauschen und -freikäufen sowie Sorgerechtsstreitigkeiten bei Minderjährigen. Hier arbeitete er eng mit Generalbundesanwalt Max Güde (1902–1984) und Rechtsanwalt Achim von Winterfeld (1914–1991) sowie dem Rechtsanwaltsbüro von Gustav Heinemann (1899–1976) und Diether Posser (1922–2010) zusammen. Kaul hatte enge Verbindungen zu höchsten politischen Funktionsträgern der DDR wie Walter Ulbricht (1893–1973), Paul Verner (1911–1986), Erich Mielke (1907–2000) und Norden.

    Rechtsanwalt in bundesdeutschen NSG-Prozessen

    Seit 1961 setzte sich Kaul beim Politbüro der SED dafür ein, in den Verfahren wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen (NSG-Prozesse) in der Bundesrepublik als Vertreter von Nebenklägerinnen und -klägern aus der DDR auftreten zu können. In 17 NSG-Verfahren brachte er die politische Linie der SED ein, trat als scharfer Widersacher gegen die Verteidiger, u. a. Hans Laternser (1908–1969), Fritz Steinacker (1921–2016) und Hermann Stolting II (1911–1988), auf und nahm die Zeuginnen und Zeugen, die Opfer des Nationalsozialismus waren, in Schutz. Auf seinen Antrag wurde der Wirtschaftshistoriker Jürgen Kuczynski (1904–1997) während des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses als Sachverständiger zur Verantwortung der I.G. Farben gehört. Mit der hessischen Staatsanwaltschaft unter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903–1968) arbeitete er phasenweise produktiv zusammen. Anlässlich der NSG-Prozesse veröffentlichte er in der DDR Bücher, Filme und Interviews, um über die nationalsozialistischen Verbrechen aufzuklären.

    Ende der 1960er Jahre nahm das Interesse der DDR an diesen Einsätzen in der Bundesrepublik ab. Kaul trat dennoch in weiteren NSG-Prozessen auf und erhielt dabei Unterstützung u. a. von dem Rechtsanwalt Joachim Noack (geb. 1931), der zwischen 1967 und 1972 auch als Beauftragter der SED seiner Kanzlei angehörte, dem Völkerrechtler Bernhard Graefrath (1928–2006) und seinem Angestellten Winfried Matthäus (geb. 1942). Kaul stützte sich auch auf die Recherchen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in der Bundesrepublik, v. a. auf ihren Vertreter Karl Sauer (1916–1977). Er war befreundet mit Ulrike Meinhof (1934–1976) bis zu deren Anschluss an den gewalttätigen Terrorismus.

    Medienpräsenz

    Kaul veröffentlichte seit 1947 Hörspiele im Berliner Rundfunk und hatte mit dem Format „Die juristische Viertelstunde“ eine eigene Sendereihe zu aktuellen Rechtsproblemen. Seit 1952 publizierte er Sachbücher und Dokumentationen über Strafprozesse aus seiner Anwaltstätigkeit vor westdeutschen Gerichten und die nationalsozialistische Rechtsprechung sowie über historische Prozesse als Lehrstücke für die Gegenwart (Pitavale) und hob die Vorzüge des sozialistischen Rechts hervor. Darüber hinaus schrieb er Romane, vorwiegend zu den Themen politischer Kriminalität der Weimarer Republik und der Bundesrepublik sowie einen autobiografischen Roman. Seine Bücher erschienen meist in einer Auflage von 10 000 Exemplaren, teilweise mehrfach aufgelegt. Insbesondere seine juristischen Fallgeschichten wurden in der DDR breit rezipiert. Von 1965 bis 1968 leitete Kaul das für ihn an der juristischen Fakultät der Humboldt-Universität gegründete Institut für zeitgenössische Rechtsgeschichte und setzte anschließend seine historischen Recherchen als Honorarprofessor fort.

    Für das DDR-Fernsehen schrieb Kaul zwischen 1958 und 1978 mit Walter Jupé (1916–1985) 42 Drehbücher des „Fernsehpitavals“, meist unter der Regie Wolfgang Luderers (1924–1995). Mit der DEFA realisierten Kaul und Luderer 1966 den Film „Lebende Ware“. Seit 1972 produzierte Kaul zudem 117 Folgen der Ratgebersendung „Fragen Sie Professor Kaul“ für das DDR-Fernsehen. Kaul starb wenige Wochen nach seinem Plädoyer als Vertreter des westdeutschen Nebenklägers Max Oppenheimer (1919–1994) im dritten Majdanekprozess vor dem Landgericht Düsseldorf.

    Kaul machte als Nebenklagevertreter in bundesdeutschen NSG-Prozessen nicht nur das Ausmaß der Verbrechen deutlich, sondern argumentierte auch rechtlich gegen die Anwendung des Mordparagrafen 211 StGB und für das Völkerrecht, wodurch die Systematik der Verbrechen u. a. gegenüber Jüdinnen und Juden vor Gericht dargestellt wurde. Er trug dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR in diesen Verfahren zu vereinfachen. Dessen ungeachtet teilte er die Geschichtsphilosophie der DDR, die im Nationalsozialismus die extreme Ausformung des deutschen Imperialismus und des „Monopolkapitalismus“ sah. Zugunsten einer größeren Wirkung in der Bundesrepublik brachte er die politische Argumentation zurückhaltend vor. In der DDR befürwortete er einen harten Kurs gegen Kritiker der SED, aber auch wirtschaftliche Reformen.

    1956 Vaterländischer Verdienstorden in Silber (1971 in Gold, 1976 Ehrenspange)
    1958 Medaille Kämpfer gegen den Faschismus
    1960 Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur
    1964 Deutsche Friedensmedaille
    1965 Orden Banner der Arbeit
    1970 Verdienstmedaille der NVA in Gold
    1981 Karl Marx Orden
    Mitglied in der Vereinigung Demokratischer Juristen
    Mitglied im Verband der Journalisten der DDR
    Mitglied im Schriftstellerverband der DDR (zwischen 1950 u. 1973 Deutscher Schriftstellerverband)
    Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft

    Nachlass:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, NY 4238, Laufzeit 1903–1981. (Schriftgut zu Strafprozessen gegen NS- und Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik im ehemaligen Zentralen Staatsarchiv der DDR)

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, N 2503, Laufzeit 1906–1981. (persönliches und biografisches Schriftgut, zur juristischen Tätigkeit, universitären Lehr- u. Leitungstätigkeit, zum Chile-Engagement, zur künstlerischen und publizistischen Tätigkeit, Presseausschnitte) (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, DP 3 Generalstaatsanwalt der DDR; DR 1 Ministerium für Kultur, Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel; DY 30 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, Büro Walter Ulbricht u. Albert Norden im ZK der SED; MfS HA IX/11 (Aufklärung von NS- und Kriegsverbrechen inkl. Internationale Rechtshilfeersuche); MfS HA XX, Hauptabteilung XX Staatsapparat (Blockparteien, Kirchen, Kultur); MfS SdM. (Sekretariat des Ministers)

    Bundesarchiv, Koblenz, B 209. (Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen)

    Deutsches Rundfunkarchiv, Babelsberg. (Juristische Viertelstunde, Dr. Kaul antwortet und weitere Beiträge)

    Ankläger auf der Anklagebank, 1952. (Dokumentation)

    Der Pitaval der Weimarer Republik, Bd. 1: Justiz wird zum Verbrechen, 1953, 31962, Bd. 2: Verdienen wird groß geschrieben, 1954, 21962, Bd. 3: Es knistert im Gebälk, 1961, 21962.

    Der Weg ins Nichts, 1955, 51960. (Roman)

    Kleiner Weimarer Pitaval, 1959.

    Es wird Zeit, daß du nach Hause kommst, 1959, 21961, tschech. 1961. (Roman)

    Der Fall Eichmann, 1963, 31967, ungar. 1965. (Dokumentation)

    Der Fall des Herschel Grynszpan, 1965. (Dokumentation)

    Von der Stadtvogtei bis Moabit. Ein Berliner Pitaval, 1965, 31985.

    Vornehme Leute. Der Bonner Pitaval, 1964, 21965, poln. 1970.

    So wahr mir Gott helfe. Der Pitaval der Kaiserzeit, 1968, 31970.

    Nazi-Mordaktion „T4“. Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes, 1973. (Dokumentation)

    Ärzte in Auschwitz, 1968, japan. 1993. (Roman)

    Geschichte des Reichsgerichts, Bd. 4, 1933–1945, 1971. (Dokumentation)

    Herausgeberschaft:

    Angeklagter Nr. 6 (Pery Broad). Eine Auschwitz-Dokumentation, 1966.

    Drehbuch:

    Walter Jupé/Friedrich Karl Kaul/Wolfgang Luderer, Lebende Ware, 1966, Regie: Wolfgang Luderer. (Spielfilm)

    Monografien:

    Karin Hartewig, Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR, 2000.

    Annette Roßkopf, Friedrich Karl Kaul. Anwalt im geteilten Deutschland (1906–1981), 2002.

    Ralph Dobrawa, Der Auschwitz-Prozess. Ein Lehrstück deutscher Geschichte, 2013.

    Aufsätze und Artikel:

    N. N., Einer stand noch, in: Der Spiegel, Nr. 14 v. 28.3.1961, S. 29–47.

    Horst Hoffmann, Artikelserie über Friedrich Karl Kaul anlässlich seines 65. Geburtstags, in: Die Wochenpost, Nr. 8–15 (1971).

    Jürgen Serke, Deutschland deine Strafverteidiger (IX). Der grobe Klotz aus der DDR, in: Stern, Nr. 18 v. 25.4.1974, S. 117–128.

    Ben Witter, „Sie als Staranwalt der DDR…“, in: Die Zeit, Nr. 45 v. 2.11.1979.

    Friedrich Karl Kaul. Ein offenes Gespräch mit dem DDR-Rechtsanwalt, der seit über 30 Jahren als einziger Ostjurist den Klassenkampf in bundesdeutschen Gerichtssälen austragen darf, in: Playboy (April 1981), S. 69–77.

    Annette Roßkopf, Zum Leben und Wirken des Rechtsanwalts Friedrich Karl Kaul (1906–1981), in: Klaus Bästlein/dies.,/Falco Werkentin (Hg.), Beiträge zur juristischen Zeitgeschichte der DDR, 2000, S. 4–31.

    Annette Weinke, „Verteidigen tue ich schon recht gern…“. Friedrich Karl Kaul und die westdeutschen NS-Prozesse, in: Schuldig, hg. v. d. KZ-Gedenkstätte Neuengamme, 2005, S. 44–57.

    Max Paul Friedman, The Cold War Politics of Exile, Return, and the Search for a usable Past in Friedrich Karl Kaul’s „Es wird Zeit, dass Du nach Hause kommst”, in: German Life and Letters 58 (2005), S. 306–325.

    Katharina Rauschenberger, Friedrich Karl Kaul. Ein DDR-Anwalt in westdeutschen „Euthanasie“-Prozessen, in: Jörg Osterloh/Jan-Erik Schulte (Hg.), „Euthanasie“ und Holocaust. Kontinuitäten, Kausalitäten, Parallelitäten, 2021, S. 385–406.

    Katharina Rauschenberger, Friedrich Karl Kaul in Jerusalem and after. Trials in the Anti-Fascist Campaigns, in: dies./Joachim von Puttkamer/Sybille Steinbacher (Hg.), Investigating, Punishing, Agitating. Nazi Perpetrator Trials in the Eastern Bloc, 2023, S. 114–133.

    Katharina Rauschenberger, Antifaschismus, Judenmord und Zionismus. Auf der Suche nach dem richtigen Klassenstandpunkt in Friedrich Karl Kauls „Der Fall Eichmann“, in: Patrick Eser/Christian Ernst (Hg.), Der Eichmann-Prozess in transmedialer Perspektive. Figuren der Erinnerung, des Rechts und der Gerechtigkeit in Literatur und Film, 2024, S. 67–83.

    Ralph Dobrawa, Peter Hacks und Friedrich Karl Kaul. Freunde auf Zeit?, in: Hacks Jahrbuch (2024), S. 81–109.

    Katharina Rauschenberger, Ein Mittel zur Bewältigung des Traumas. Friedrich Karl Kaul als Autor historischer Justizfälle, in: Sebastian Speth/Melanie Foik (Hg.), Pitaval im Sozialismus. Literarische Rechtsfallsammlungen in der DDR und der Volksrepublik Polen, 2025, S. 17–32.

    Tonträger:

    Judith Keilbach/Irmgard Zürndorf (Hg.), Eichmann im Kalten Krieg. Die deutsch-deutsche Berichterstattung über den Eichmann-Prozess, 2021. (DVD)

    Fotografien, 1964–1980, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

    Gemälde (Öl/Leinwand) v. Bert Heller (1912–1970), 1967, Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2007/198/1, Abb. in: Bildende Kunst 21 (1968), H. 3, Titelbild.

    Karikatur, Tuschzeichnung mit Pinsel und Feder v. Harald Kretzschmar (1931–2024), 1962, Abb. in: Harald Kretzschmar, Von Angesicht zu Angesicht. Porträtkarikaturen, 1988, S. 35.

  • Autor/in

    Katharina Rauschenberger (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Rauschenberger, Katharina, „Kaul, Friedrich“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd104358491.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA