Lebensdaten
1897 bis 1974
Geburtsort
Windsheim (Mittelfranken)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
NS-Politiker ; Publizist
Konfession
-
Normdaten
GND: 118755749 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strasser, Otto
  • Straßer, Otto Johann Maximilian
  • Hutten, Ulrich von (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Straßer, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755749.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Gregor (s. 1);
    1) Maria N. N., 2) 1924 ⚮ Ella Young geb. Fassbender, 3) 1929 ⚮ Gertrud Schütz (1905–78), emigrierte 1934 (?) in d. Schweiz, 4) 1973 Hilde-Renate Möller (* 1939), Sekr., 1971–78 Angest. d. Inst. f. Zeitgesch. in M.; ⚯1940/41 Margarita (Margarete) Senger de Planelles (* 1905, Juan Planelles, Dr., span. Gesundheitsmin. in d. Reg. Juan Negrin), Übers., in d. Flüchtlingshilfe aktiv, emigrierte 1940 über Portugal, d. Bermudas u. Kanada in d. Schweiz;
    1 S aus 1) Paul (* 1924), 1 S aus 3) Gregor (* 1935), 1962–77 Dir. d. wiss. Abt. Geodäsie d. Wild Heerbrugg AG (s. NZZ v. 8. 11. 2008), 1 T aus 3) Hannelore Neukom (* 1931).

  • Leben

    S. studierte nach dem Kriegsdienst (Lt. d. Reserve) seit 1919 Nationalökonomie in Berlin,|u. a. bei Werner Sombart. Im selben Jahr trat er der SPD bei, gründete deren Akademischen Kriegsteilnehmerverband und arbeitete mit am Parteiorgan „Vorwärts“. Während des Kapp-Putsches 1920 kommandierte er regierungstreue Milizeinheiten und unterstützte den „Ruhrkampf“ der Roten Ruhrarmee. Nachdem die SPD das „Bielefelder Abkommen“ mit den Aufständischen unter dem Druck der Reichswehr gebrochen hatte, trat S. aus der Partei aus. 1921 in Würzburg mit einer Studie über Zuckerrübensamen zum Dr. rer. pol. promoviert (1938 wg. Strafausbürgerung aberkannt, 1947 wieder zuerkannt), war er danach Hilfsreferent im Reichsernährungsministerium unter Andreas Hermes (Zentrum). 1922 wechselte S. in die Privatwirtschaft und beriet ein Berliner Spirituosenunternehmen. S. reihte sich nach dem Einzug seines Bruders Gregor in den bayer. Landtag im Frühjahr 1924 in die „völkische“ Rechte ein. Seit Nov. 1924 verfaßte er 23 Artikel mit „völkischem“ Gedankengut unter dem Pseudonym Ulrich v. Hutten für den „Kurier für Niederbayern“. Am 20. 11. 1925 trat S. unter der Nr. 23.918 in die NSDAP ein. Seit 1925/26 unterstützte er seinen Bruder Gregor publizistisch bei dessen Bemühungen, die NSDAP in Nord- und Westdeutschland aufzubauen. Ihre an Rudolf Jung (1882–1945) angelehnten Ideen eines „nationalen Sozialismus“ oder „National-Sozialismus“ wurden über den 1926 von beiden gegründeten „Kampf-Verlag“ in Berlin verbreitet, der die Wochenzeitungen „Der nationale Sozialist“ und „Berliner Arbeiterzeitung“ mit Regionalausgaben in einer Auflage von 25 000 Exemplaren herausgab, außerdem über die in 1000 Exemplaren gedruckten „Nationalsozialistischen Briefe“. 1929 erwarb der „Kampf-Verlag“ die in der Pfalz erscheinende Tageszeitung „Die Faust“, die 1930 in der „Rhein.-Westfäl. Arbeiterzeitung“ aufging. Seit 1929/30 wurden „Der nationale Sozialist“ und die „Berliner Arbeiterzeitung“ in Tageszeitungen umgewandelt; gemeinsam mit „Die Faust“ erreichten sie eine Auflage von fast 100 000. S. hatte faktisch die Schriftleitung des Verlags. Sein am 1. 8. 1929 in den „Nationalsozialistischen Briefen“ erschienener Artikel „Die 14 Thesen der Dt. Revolution“ formulierte einen radikalen Antisemitismus. Seit 1929/30 gerieten S. und der „Kampf-Verlag“ zunehmend in Gegensatz zum Berliner Gauleiter Joseph Goebbels (1897–1945), der diese Ausführungen als „Salonbolschewismus“ und realitätsfremden „Radikalismus am Schreibtisch“ sah. 1930 kam S. dem Parteiausschluß zuvor und trat unter dem Schlagwort „Die Sozialisten verlassen die NSDAP“ mit zwei Dutzend Mitstreitern aus der Partei aus.

    Mit diesen, darunter Bruno Ernst Buchrucker (1878–1966), gründete S. wenige Wochen später die „Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten“ als Sammelbecken für die von Hitlers und Gregor Straßers Legalitätskurs enttäuschten SA- und NSDAP-Angehörigen und abtrünnige Kommunisten (1931 knapp 6000 Mitglieder). Im Sept. 1931 gründete S. die „Schwarze Front“, finanziert von dem ehemaligen Freikorps-Führer Hermann Ehrhardt (1881–1971), die am 15. 2. 1933 von den NS-Behörden verboten wurde. 1934 ausgebürgert, emigrierte S. über Wien nach Prag, von wo aus er die 500 im Dt. Reich verbliebenen Anhänger der Schwarzen Front zu einer Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime zu vereinigen versuchte. Der Geheimen Staatspolizei galt S. als Kopf eines weitreichenden konspirativen Netzes im In- und Ausland. Diese Überschätzung beruht vermutlich auf S.s publizistischen Aktivitäten aus dem Exil, deren reale Wirkung jedoch gering blieb. Im Okt. 1938 floh S. über Frankreich, die Schweiz, Spanien, Portugal, die Bermuda-Inseln nach Kanada (1941). Hier initiierte er das „Free German Movement“ für den bewaffneten Kampf gegen das NS-Regime, das sich aus Exilanten und im Ausland ansässigen Deutschen rekrutierte, jedoch programmatisch an antisemitischen Forderungen festhielt und auch deshalb von den alliierten Regierungen nicht anerkannt wurde. Nach 1945 löste S. das „Free German Movement“ auf und gründete 1948 den „Bund für Deutschlands Erneuerung“, mit dem er eine Rückkehr zu christlichen Werten und ein berufsständisches Parlament propagierte. 1954 erhielt S. durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wieder die dt. Staatsbürgerschaft. 1955 kehrte er in die Bundesrepublik zurück, wo er 1956 die rechtsradikale und antiparlamentarische „Deutsch Soziale Union“ gründete. Bis zu seinem Tod war S. als rechtskonservativer bis rechtsradikaler Publizist tätig.

  • Werke

    Die Entwicklung u. Bedeutung d. dt. Zuckerrübensamenzucht, Diss. Würzburg 1922;
    Der Sowjetstern geht unter, 1929;
    Min.sessel oder Rev.?, 1930;
    Aufbau d. dt. Sozialismus, 1932, 21936;
    Gregor Straßer, 1933 (Ps. M. Geismaier);
    Die dt. Bartholomäusnacht, 1934, 71938;
    Wohin treibt Hitler?, 1937;
    Europa v. morgen, Das Ziel Masaryks, 1939;
    Hitler u. ich, 1940;
    Dtld.s Erneuerung, 1946, 21946;
    Exil, 1958;
    Der Faschismus, Gesch. u. Gefahr, 1965;
    Hitler II ante portas, 1967;
    Mein Kampf, 1969.

  • Literatur

    R. Kühnl, Die nat.soz. Linke 1925–1930, 1966;
    U. Wörtz, Programmatik u. Führerprinzip, Diss. Erlangen-Nürnberg, 1966;
    K. F. Schmidt, Die . Briefe“ (1925–30), in: Paul Kluke z. 60. Geb.tage, dargebracht v. Frankfurter Schülern u. Mitarbeitern, 1968, S. 111–26;
    D. Bankier, O. S. u. d. Judenfrage, in: Bull. d. Leo Baeck Inst. 60, 1981, S. 3–20;
    P. Moreau, Nat.soz. v. links, Die „Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nat.sozialisten“ u. d. „Schwarze Front“ O. S.s 1930–1935, 1984;
    L. Dupeux, „Nat.bolschewismus“ in Dtld. 1919–1933, 1985;
    P. Stein, Die NS-Gaupresse 1925–1933, 1987;
    R. G. Reuth, Goebbels, 1990;
    U. Höver, Joseph Goebbels, e. nat. Sozialist, 1992;
    R. Eckert, Emigrationspublizistik u. Judenverfolgung, 2000;
    B. Petzinna, Erziehung z. dt. Lebensstil, 2000;
    B. Schilmar, Der Europadiskurs im dt. Exil 1933–1945, 2004;
    M. Wladika, Hitlers Vätergeneration, 2005;
    O. Plöckinger, Gesch. e. Buches, Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922–1945, 2006;
    R. Meindl, Ostpreußens Gauleiter, Erich Koch, e. pol. Biogr., 2007;
    K. Pätzold u. M. Weißbecker, Gesch. d. NSDAP 1920 bis 1945, 32009;
    BHdE I.

  • Autor/in

    Armin Nolzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Nolzen, Armin, "Straßer, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 479-481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755749.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA