Frei, Bruno
- Lebensdaten
- 1897–1988
- Geburtsort
- Preßburg (heute Bratislava, Slowakei)
- Sterbeort
- Klosterneuburg (Niederösterreich)
- Beruf/Funktion
- Journalist ; Publizist ; Herausgeber ; Redakteur
- Konfession
- jüdisch
- Normdaten
- GND: 11853517X | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Freistadt, Benedikt
- Freistadt, Benö
- Frei, Bruno
- Freistadt, Benedikt
- Freistadt, Benö
- Franz, Karl
- Frej, Bruno
- Freistadt, Bruno
- Frantz, Karl
- b8
- b9
- Franz, Carl
- Frantz, Carl
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Verknüpfungen
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Personen im NDB Artikel
- Abusch, Alexander
- Bernfeld, Siegfried
- Braun, Max
- Breitscheid, Rudolf
- Colbert, Carl
- Fischer, Ernst
- Freud, Sigmund
- Gomperz, Heinrich
- Hess, Moses
- Hitler, Adolf
- Katz, Leo
- Katz, Leo
- Mann, Heinrich
- Marx, Karl
- Münzenberg, Willi
- Ossietzky, Carl von
- Reinerová, Lenka
- Stöhr, Adolf
- Ulbricht, Walter
- Weiskopf, Franz C.
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Frei, Bruno (geborener Benedikt Freistadt, 1918 kurzzeitig Benö Freistadt)
Pseudonym: Karl Franz (1933)
1897 – 1988
Journalist, Publizist, Herausgeber
Bruno Frei profilierte sich seit 1918 unter dem prägenden Einfluss der Schriften von Karl Marx (1818–1883) als Journalist in Wien und Berlin. 1933 flüchtete er in das Exil und engagierte sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von Prag, Paris und Mexiko-Stadt aus gegen den Nationalsozialismus. 1947 kehrte Frei nach Wien zurück und wirkte bis zu seinem Tod als Publizist für die Kommunistische Partei Österreichs und die internationale Friedensbewegung.
Lebensdaten
Bruno Frei, DÖW (InC) = Bruno Frei als Häftling des Internierungslagers Le Vernet (Département Ariège, Frankreich), ca. 1940, Bildausschnitt, Quelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien, Foto 03655, Fotograf(in): unbekannt. -
Autor/in
→Gerhard Oberkofler (Innsbruck/Wien)
-
Zitierweise
Oberkofler, Gerhard, „Frei, Bruno“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11853517X.html#dbocontent
Frei wuchs in einer orthodox-jüdischen Familie in Preßburg (heute Bratislava, Slowakei) und Wien auf. Nach seiner Matura als Externer am Staatsgymnasium in Nikolsburg (Mähren, heute Mikulov, Tschechien) studierte er von 1915 bis 1920 Philosophie und Geschichtswissenschaft an der Universität Wien. Frei besuchte in dieser Zeit psychoanalytische Kurse Sigmund Freuds (1856–1939) und trat – u. a. als Mitarbeiter von Siegfried Bernfelds (1892–1953) Zeitschrift „Jerubbaal“ – für den Zionismus ein. Zu Freis akademischen Lehrern zählte neben Heinrich Gomperz (1873–1942) v. a. Adolf Stöhr (1855–1921), bei dem er 1920 mit der Studie „Die Ethik des Pirqué Awoth als Paradigma einer Ethik des Judentums“ zum Dr. phil. promoviert wurde.
Seit 1918 war Frei Mitarbeiter der sozialistisch-pazifistischen Tageszeitung „Der Abend“ des Herausgebers Carl Colbert (1855–1929), der seine journalistische Karriere förderte. In seiner mit Fotografien illustrierten Sozialreportage „Jüdisches Elend in Wien“ (1920) dokumentierte er das klägliche Dasein in den Notunterkünften der Stadt. 1923 übersiedelte Frei nach Berlin, wo er u. a. als Packer im Malik-Verlag tätig war. 1929 trat er der KPD bei und wurde Chefredakteur der von Willi Münzenberg (1889–1940) verlegten Tageszeitung „Berlin am Morgen“, die 1932 eine Auflage von ca. 80 000 Exemplaren erreichte. Unterstützt von Mitarbeitern wie Franz C. Weiskopf (1900–1955), der das Feuilleton leitete, widmete Frei das Blatt dem Kampf gegen die zur Macht strebende NSDAP.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme floh Frei Ende Februar 1933 nach Prag und redigierte bis 1936 mit Weiskopf die antifaschistische Zeitschrift „Der Gegen-Angriff“, zu deren Autorinnen und Autoren u. a. Alexander Abusch (1902–1982) und Lenka Reinerová (1916–2008) zählten. In der unter Pseudonym veröffentlichten Broschüre „Hitler über Deutschland. Und wie es kam“ (1933) machte Frei den Antikommunismus der Sozialdemokraten für den Aufstieg Adolf Hitlers (1889–1945) zum Reichskanzler mitverantwortlich. 1936 übersiedelte Frei nach Basel und von dort auf Wunsch Walter Ulbrichts (1893–1973) nach Paris, wo er als Mitherausgeber und Chefredakteur der Exilzeitschrift „Deutsche Informationen“ fungierte und u. a. Mitarbeiter der „Deutschen Volkszeitung“ wurde.
Von Oktober 1939 bis Januar 1941 war Frei im Lager Le Vernet (Département Ariège, Frankreich) interniert. Nachdem ihm die Einreise in die USA verwehrt worden war, lebte er seit Mitte 1941 in Mexiko-Stadt, wo er die Zeitschrift „Freies Deutschland/Alemania Libre“ mitgründete. Von 1943 bis 1946 leitete er als Chefredakteur die von ihm mitherausgegebene Zeitschrift „Austria Libre“, das Sprachrohr der von Frei und Leo Katz (1892–1954) gegründeten Acción Republicana Austriaca en México, die für die Wiedererrichtung eines unabhängigen Österreichs eintrat.
Von Juli 1947 bis zu seinem Tod verfasste Frei für Organe der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) Artikel, Essays und Erzählungen, in denen er Fragen der Zeit nicht nur aus parteipolitischer Perspektive, sondern auch nach den Maßstäben der humanistischen Ethik analysierte. 1955 erschien u. d. T. „Mit eigenen Augen“ eine Sammlung seiner seit 1932 verfassten Reportagen aus Österreich, Westdeutschland, Italien, Polen, der Tschechoslowakei, Mexiko, der Sowjetunion und Finnland. Von 1949 bis 1965 war er (Mit-)Herausgeber der KPÖ-Zeitschrift „Österreichisches Tagebuch“ (seit 1950 „Tagebuch“) und arbeitete hier u. a. mit Ernst Fischer (1899–1972) zusammen. Daneben engagierte sich Frei für die Weltfriedensbewegung, an deren Zusammenkünften er viele Jahre als Delegierter oder Berichterstatter teilgenommen hat.
1959 legte Frei Reiseberichte über das moderne China und Vietnam vor. Infolge seiner ersten Israelreise veröffentlichte er das Buch „Israel zwischen den Fronten“ (1965), in dem er sich als Verteidiger Israels positionierte. Frei lobte im Besonderen die Kibbuz-Bewegung als Mikromodell einer solidarischen Gesellschaft. 1966 gab er mit Hans Leonard (1902–1966) eine Ausgabe von Schriften Carl von Ossietzkys (1889–1938) heraus, den er im selben Jahr in einer in der DDR gedruckten und 1978 in der Bundesrepublik neu aufgelegten Biografie würdigte. Daneben beschäftigte sich Frei intensiv mit den Schriften des sozialistischen Philosophen Moses Hess (1812–1875), dem er 1977 eine Biografie widmete.
| 1943 | Vorstandsmitglied der Acción Republicana Austriaca de México, Mexiko-Stadt |
| 1966 | Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR |
| 1976 | Titularprofessor |
Teilnachlässe:
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien, Sammlung Bruno Frei. (weiterführende Informationen)
Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, 101/98. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Archiv der Kommunistischen Partei Österreichs, Wien. (Zeitungsartikel)
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Historische Wiener Meldeunterlagen.
Monografien:
Die Ethik des Pirqué Awoth als Paradigma einer Ethik des Judentums, 1920. (Diss. phil.)
Gespräch über das Glück, 1920.
Jüdisches Elend in Wien. Bilder und Daten, 1920. (Onlineressource)
Das Elend Wiens. Mit zahlreichen photographischen Aufnahmen, 1921.
Die roten Matrosen von Cattaro. Eine Episode aus dem Revolutionsjahr 1918, 1927, Nachdr. 1963 u. d. T. Die Matrosen von Cattaro.
Im Lande der fluchenden Rabbis und der hungernden Bauern. Ein illustrierter Reisebericht, 1927.
Hitler über Deutschland. Und wie es kam…, 1933. (unter dem Pseudonym Karl Franz)
Hanussen. Ein Bericht, 1934.
Was geht in Deutschland vor?, 1936.
Geistige Arbeiter – wohin, 1949.
Die Männer von Vernet. Ein Tatsachenbericht, 1950, 21951, Nachdr. 1980.
Mit eigenen Augen. Reportagen, 1955.
Die Stafette. Historische Miniaturen, 1959.
Der große Sprung. China heute. Mit Zeichnungen von José Venturelli, 1959.
Frühling in Vietnam. Bericht einer Reise, 1959.
Israel zwischen den Fronten. Utopie und Wirklichkeit, 1965.
Carl von Ossietzky. Ritter ohne Furcht und Tadel, 1966, 21978 u. d. T. Carl von Ossietzky. Eine politische Biographie.
Der Weg Ernst Fischers. Standpunkte und Dokumente. Typoskript, 1968.
Der Türmer, 1971.
Die Anarchistische Utopie. Freiheit und Ordnung, 1971, Taschenbuchausg. 1978.
Zur Kritik der Sozialutopie, 1973.
Im Schatten von Karl Marx. Moses Heß. Hundert Jahre nach seinem Tod, 1977.
Sozialismus und Antisemitismus, 1978.
Der kleine Widerstand, 1978.
Die Amos Legende. Eine Erzählung, 1980.
Die Heilige Utopie. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte des jüdischen Volkes, ca. 1981.
Autobiografische Schriften:
Der Papiersäbel. Autobiographie, 1972.
Der Strohhut. Kindheit und Jugend, 1983, Nachdr. hg. v. Evelyn Adunka, 2024.
Herausgeberschaften:
Bruno Frei/Hans Leonard (Hg.), Carl von Ossietzky, Schriften, 2 Bde., 1966.
Carl von Ossietzky, Rechenschaft. Publizistik aus den Jahren 1913–1933, 1970, Taschenbuchausg. 1972, Nachdr. 1984.
Eva-Maria Siegel, Art. „Frei, Bruno“, in: Simone Barck/Silvia Schlenstedt/Tanja Bürgel/Volker Giel/Dieter Schiller (Hg.), Lexikon sozialistischer Literatur, 1994, S. 145 f. (P)
Felix Czeike, Art. „Frei, Bruno“, in: ders., Historisches Lexikon Wien, Bd. 2, 2004, S. 388 f.
Gerhard Oberkofler, Mit dem österreichischen jüdischen Marxisten Bruno Frei unterwegs im 20. Jahrhundert, 2024.
Gerhard Oberkofler, „Schwert und Flamme“. Bruno Frei als Erbe von Heinrich Heine, in: ders., Geschichten zu Krieg und Frieden in unserer Welt, 2025, S. 303–318.
Bruno Frei, in: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938. (P)
Bruno Frei, in: Österreichische Nationalbibliothek, Literaturarchiv. (P)
Bruno Frei, in: Wien Geschichte Wiki.
Bruno Frei, in: Das rote Wien. Lexikon der Wiener Sozialdemokratie. (P)
Bruno Frei, in: Österreichische Literatur im Exil seit 1933.