Lebensdaten
1900 – 1945
Geburtsort
Lugano (Kanton Tessin)
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Arzt ; Reichsgesundheitsführer ; Politiker
Konfession
katholisch, seit 1904 evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 122087976 | OGND | VIAF: 72266503
Namensvarianten
  • Conti, Leonardo Ambrogio Giorgio Giovanni
  • Conti, Leonardo
  • Conti, Leonardo Ambrogio Giorgio Giovanni
  • mehr

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Zitierweise

Conti, Leonardo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122087976.html [12.04.2024].

CC0

  • Der deutsch-schweizerische Arzt Leonardo Conti stieg während des Nationalsozialismus an die Spitze der parteiamtlichen Gesundheitsführung und des öffentlichen Gesundheitsdienstes auf; von 1939 bis 1944 trug er den Titel „Reichsgesundheitsführer“. Conti war in mehrere Medizinverbrechen involviert. Nach Kriegsende verhaftet, beging er am 6. Oktober 1945 im Militärgefängnis Nürnberg Suizid.

    Lebensdaten

    Geboren am 24. August 1900 in Lugano (Kanton Tessin)
    Gestorben am 06. Oktober 1945 (Suizid) in Nürnberg
    Grabstätte Südfriedhof (unbeschriftet) in Nürnberg
    Kenotaph Senne-Friedhof in Bielefeld
    Kenotaph ehemaliger Familiensitz in Monteggio (Kanton Tessin)
    Konfession katholisch, seit 1904 evangelisch-lutherisch
    Leonardo Conti, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Leonardo Conti, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebenslauf

    24. August 1900 - Lugano (Kanton Tessin)

    1902 - Leipzig

    Übersiedlung

    1903 - München

    Übersiedlung

    1904 - Berlin

    Übersiedlung

    1911 - 1918 - Berlin

    Schulbesuch (Abschluss: Notabitur)

    Mommsen-Gymnasium; Friedrich-Wilhelm-Gymnasium

    1914 - 1915

    preußischer Staatsbürger

    1918 - 1918 - Küstrin (heute Kostrzyn nad Odrą, Polen)

    freiwilliger Kriegsdienst

    (Neumärkisches) Feldartillerie Regiment Nr.54

    1919 - 1923 - Berlin; Erlangen

    Studium der Humanmedizin (Abschluss: medizinisches Staatsexamen)

    Universität

    1919 - 1922

    Mitglied

    Deutschnationale Volkspartei

    1919 - 1920 - v. a. Berlin

    Mitglied; Spitzeltätigkeit; Niederschlagung des Spartakus-Aufstands

    Garde-Kavallerie-Schützen-Division

    1921 - 1923

    Freikorps-Angehöriger; Mitglied

    Marine-Brigade Erhardt; Organisation Consul

    1923 - 1923

    Mitglied

    SA

    1923 - 1926

    Mitglied

    Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP)

    1924 - 1926 - Berlin

    Ortsgruppenführer

    DVFP; Nationalsozialistische Freiheitsbewegung

    1924 - Berlin

    Promotion (Dr. med.)

    Universität

    1925 - München

    Approbation

    1925 - 1925 - Berlin

    Volontärarzt

    verschiedene Kinderkrankenhäuser

    1925 - Berlin

    niedergelassener Kinderarzt

    1927 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1927 - 1930

    Mitglied

    SA

    1927 - 1930 - Berlin

    Assistenzarzt

    Säuglings- und Kinderfürsorgestelle Dennewitzstraße

    1929

    Sportarztlehrgang

    1929 - Nürnberg

    Leiter

    Sanitätsdienst der SA beim Reichsparteitag

    1929 - Nürnberg

    Mitgründer

    Nationalsozialistischer Deutscher Ärztebund (NSDÄB)

    1930 - 1945

    Mitglied (1933 kurzzeitig ausgeschlossen, 1944 Obergruppenführer)

    SS

    1932 - 1933 - Berlin

    Abgeordneter der NSDAP

    Preußischer Landtag

    1933 - 1933 - Berlin

    Staatskommissar zur besonderen Verwendung

    Preußisches Ministerium des Innern

    1933 - 1934 - Berlin

    ordentlicher Ministerialrat

    Preußisches Ministerium des Innern

    1934 - 1945 - Berlin

    Gauamtsleiter für Volksgesundheit; Gauobmann des NSDÄB

    1935 - 1937 - Berlin

    Referatsleiter für Sport- und Jugendfragen

    Reichs- und Preußisches Ministerium des Inneren

    1935 - 1945

    SS-Führer zur besonderen Verwendung

    Stab des Reichsführers SS

    1936 - 1936 - Berlin

    Leiter des Gesundheitsdienstes

    Olympische Spiele

    1936 - 1939 - Berlin

    Beigeordneter; Stadtmedizinalrat

    Stadt Berlin

    1937 - 1939

    Präsident

    Fédération Internationale de Médecine du Sport

    1939 - 1944

    Reichsärzteführer; Reichsgesundheitsführer

    NSDAP

    1939 - 1944 - Berlin

    Staatssekretär

    Reichs- und Preußisches Ministerium des Innern

    1941 - 1945 - Berlin

    Mitglied

    Reichstag

    1945 - 1945 - Berlin

    Honorarprofessor

    Universität

    1945 - Flensburg; Nürnberg

    Verhaftung; Haft

    06. Oktober 1945 (Suizid) - Nürnberg
  • Genealogie

    Vater Silvio Francesco Conti 1872–1964 aus Monteggio bei Lugano (Kanton Tessin); Posthalter; in 2. Ehe verh. mit Nerina Capelli (geb. 1872)
    Großvater väterlicherseits Ambrogio Angelo Conti geb. 1843 aus Monteggio
    Großmutter väterlicherseits Maria Conti, geb. Provini geb. 1842
    Mutter Nanna Laura Helene Conti , geb. Pauli 1881–1951 Nationalsozialistische Politikerin; Reichshebammenführerin
    Großvater mütterlicherseits Carl Eugen Pauli 1849–1901 aus Barth (Vorpommern); Dr. phil.; Gymnasiallehrer und -rektor, Dozent; Sprachwissenschaftler, Erforscher der etruskischen Sprache, Herausgeber des Corpus Inscriptionum Etruscarum
    Großmutter mütterlicherseits Anna Friederike Aurelie Pauli, geb. Isecke geb. 1850
    Bruder Silvio Carlo Paolo Clemente Conti 1899–1938 Dr. iur.; Syndikus, Rechtsanwalt; Landrat in Prenzlau (Uckermark); Suizid; verh. mit Luise Conti, geb. Britz (1904–1945)
    Schwester Anna Flora Maria Camilla Nissen, geb. Conti 1902–1993 Sekretärin, Bibliotheksangestellte; verh. mit Robert Nissen (1875–1969), Dr. phil., Kunsthistoriker, Museumsdirektor¸ nach 1945 Geschäftsführer der Vereinigung westfälischer Museen
    Heirat 22.8.1925
    Ehefrau Elfriede Luise Gerdrud Marie Conti, geb. Freiin von Meerscheidt-Hüllessem 1902–2002 Trägerin des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP
    Schwiegervater Friedrich Wilhelm Tassilo Freiherr von Meerscheidt-Hüllessem 1877–1945 Ingenieur
    Schwiegermutter Frieda Freiin von Meerscheidt-Hüllessem, geb. von Knorr 1878–1945
    Sohn Friedrich Wilhelm Georg Silvio Conti geb. 1926
    Tochter Gisela Melitta Nanna Elfriede Conti geb. 1928
    Tochter Irmgard Margarete Johanna Walburga Powell, geb. Conti 1932–2017 Autorin des Buches „Don’t Let Them See You Cry. Overcoming a Nazi Childhood“, 2008
    Kind eine weitere Tochter geb. 1935 verst. im Kindesalter
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Conti, Leonardo (1900 – 1945)

    • Vater

      Silvio Conti

      1872–1964

      aus Monteggio bei Lugano (Kanton Tessin); Posthalter; in 2.·Ehe verh. mit Nerina Capelli (geb. 1872)

      • Großvater väterlicherseits

        Ambrogio Conti

        geb. 1843

        aus Monteggio

      • Großmutter väterlicherseits

        Maria Conti

        geb. 1842

    • Mutter

      Nanna Laura Helene Conti

      1881–1951

      Nationalsozialistische Politikerin; Reichshebammenführerin

      • Großvater mütterlicherseits

        Carl Eugen Pauli

        1849–1901

        aus Barth (Vorpommern); Dr.·phil.; Gymnasiallehrer und -rektor, Dozent; Sprachwissenschaftler, Erforscher der etruskischen Sprache, Herausgeber des Corpus Inscriptionum Etruscarum

      • Großmutter mütterlicherseits

        Anna Pauli

        geb. 1850

    • Bruder

      Silvio Conti

      1899–1938

      Dr.·iur.; Syndikus, Rechtsanwalt; Landrat in Prenzlau (Uckermark); Suizid; verh. mit Luise Conti, geb. Britz (1904–1945)

    • Schwester

      Camilla Nissen

      1902–1993

      Sekretärin, Bibliotheksangestellte; verh. mit Robert Nissen (1875–1969), Dr.·phil., Kunsthistoriker, Museumsdirektor¸ nach 1945 Geschäftsführer der Vereinigung westfälischer Museen

    • Heirat

      • Ehefrau

        Elfriede Conti

        1902–2002

        Trägerin des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP

  • Biografie

    alternativer text
    Leonardo Conti (links), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)

    Kindheit und Jugend

    Der in der Schweiz geborene Conti zog 1902 nach der Trennung seiner Eltern mit seiner deutschen Mutter Nanna Conti (1881–1951) und den zwei Geschwistern nach Leipzig, lebte 1903 bei Bekannten der Mutter, während diese sich zur Hebamme ausbilden ließ, und übersiedelte 1904 mit seiner Familie nach Berlin, wo die Mutter als Hebamme arbeitete. Conti, seit 1915 auch preußischer Staatsbürger, meldete sich nach seinem Notabitur 1918 in Berlin freiwillig zum Militär, wurde jedoch im Ersten Weltkrieg nicht mehr eingesetzt.

    Parallele Karrieren

    Conti verfolgte anschließend drei parallele Karrieren: die medizinische Ausbildung, das Engagement in verschiedenen völkischen Parteien und die Mitgliedschaft in unterschiedlichen Freikorps und illegalen Organisationen. Er studierte seit 1918 an den Universitäten in Berlin und Erlangen Medizin, wurde 1924 in Berlin zum Dr. med. promoviert und 1925 in München approbiert. Anschließend arbeitete er als Volontärarzt an verschiedenen Kinderkrankenhäusern in Berlin. Da ihm aufgrund seines politischen Engagements eine Festanstellung verwehrt blieb, ließ er sich 1925 als Kinderarzt nieder. 1930 beendete Conti seine ärztliche Arbeit weitgehend, um sich auf seine politische Karriere zu konzentrieren.

    Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schloss sich Conti 1919 der Garde-Kavallerie-Schützen-Division an, zu diesem Zeitpunkt eine Mischung aus regulärem Truppenteil und Freikorps, und war an der Niederschlagung des Berliner Spartakusaufstands beteiligt, sowie am Versuch der „Technischen Nothilfe“, die aus der „Technischen Abteilung“ des Freikorps hervorgegangen war, den Generalstreik gegen den Kapp-Putsch zu unterlaufen. Conti war weiterhin bis 1923 in der rechtsterroristischen „Organisation Consul“ aktiv.

    Kurz nach Ende des Weltkriegs begann Contis Weg durch die Landschaft deutschnationaler und völkischer Parteien: Von 1919 bis 1922 war er Mitglied der DNVP, die ihm jedoch nicht antisemitisch genug war. 1923 kurzzeitig Mitglied der SA, schloss er sich der Deutschvölkischen Freiheitspartei an, die während des Verbots der NSDAP eng mit deren Ersatzorganisationen kooperierte. 1924 wurde er deren Berliner Ortsgruppenführer. Nach deren Bruch mit den Nationalsozialisten 1926 verließ er die Partei und wurde im folgenden Jahr Mitglied der NSDAP.

    1927 trat Conti wieder der SA bei und nun mehr als Arzt in Erscheinung; bis 1929 baute er in Berlin das Sanitätswesen der SA auf und leitete auf dem Reichsparteitag 1929 den Sanitätsdienst. Bei dieser Gelegenheit beteiligte er sich an der Gründung des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebunds (NSDÄB). Im Zuge von Auseinandersetzungen innerhalb der NSDAP, verließ Conti 1930 die SA zugunsten einer Mitgliedschaft in der SS, in der er bis 1944 zum Obergruppenführer aufstieg. Seit 1935 war er SS-Führer zur besonderen Verwendung im Stab Heinrich Himmlers (1900–1945).

    In diese Zeit fiel Contis Hochzeit mit Elfriede von Meerscheidt-Hüllessem (1902–2002). Sie entstammte einer gut vernetzten Familie, aus der eine Reihe preußischer Generäle hervorgegangen war, und stand ihrem Ehemann in ihrer nationalsozialistischen Überzeugung in nichts nach. Beide Eheleute waren Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP. Die Ehe trug maßgeblich zu Contis Aufstieg bei.

    Politische Karriere

    Im Februar 1933 von Hermann Göring (1893–1946) zum Staatskommissar zur besonderen Verwendung im Preußischen Ministerium des Innern berufen, avancierte Conti am 1. April 1933 zum ordentlicher Ministerialrat in der Medizinalabteilung. 1935 übernahm er das Referat für Sport- und Jugendfragen im Reichministerium des Innern und im November 1936 zusätzlich das Amt des Stadtmedizinalrats von Berlin, womit er dem Gesundheitswesen der Reichshauptstadt vorstand.

    Parallel verfolgte Conti seine Parteikarriere weiter. Er wurde im Februar 1934 Gauamtsleiter für Volksgesundheit und Gauobmann des NSDÄB in Berlin und nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der mächtigen NS-Ärzteorganisation 1939 Nachfolger des verstorbenen NSDÄB-Chefs Gerhard Wagner (1888–1939). Conti war nun Leiter des Hauptamts für Volksgesundheit der NSDAP, leitender Funktionär des NSDÄB, der Reichsärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung. Nach dem Aufstieg an die Spitze der parteiamtlichen „Gesundheitsführung“ ernannte ihn Adolf Hitler (1889–1945) zum Staatssekretär im Reichministerium des Innern, womit „Reichsgesundheitsführer“ Conti in Personalunion ranghöchster Mediziner in Staat und Partei war. Allerdings konnte er diese Position im polykratischen Machtgerangel nicht halten. Spiegelbildlich zum Aufstieg von Hitlers Begleitarzt Karl Brandt (1904–1948), seit 1944 Reichskommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen, nahm Contis Einfluss ab.

    Beteiligung an Medizinverbrechen

    Im Rahmen seiner zahlreichen Ämter war Conti an verschiedenen Medizinverbrechen beteiligt und wirkte an vielen Entwicklungen im nationalsozialistischen Gesundheitswesen mit: Bereits 1932 hatte er an einem preußischen Gesetzesentwurf zur freiwilligen Sterilisation mitgearbeitet, der später die Grundlage für das Zwangssterilisationsgesetz wurde. 1933 beteiligte er sich als Staatskommissar im preußischen Innenministerium an der Entrechtung jüdischer Ärztinnen und Ärzte. 1940 setzte er sich für die Zwangssterilisation von „Zigeunern“ ein, gegen die kriegsbedingte Begrenzung des Sterilisationsprogramms auf Personen mit großer „Fortpflanzungsgefahr“ und für Zwangsabtreibungen bei Zwangsarbeiterinnen aus den östlichen Besatzungsgebieten. Weiterhin arbeitete er mit seiner Mutter, inzwischen „Reichshebammenführerin“, am Hebammengesetz von 1938.

    Conti war auch in die „Euthanasie“ verstrickt. Laut Nachkriegsaussagen hatte zunächst er in einer Besprechung mit Hitler, Hans Lammers (1879–1962), Chef der Reichskanzlei, und Martin Bormann (1900–1945), Leiter der Parteikanzlei, den Auftrag für die spätere „Aktion T4“ erhalten, doch wurde ihm dieser kurz darauf wieder entzogen. Stattdessen wurden Brandt und Philipp Bouhler (1899–1945), der Chef der Kanzlei des Führers, „Euthanasiebevollmächtigte“. Ob Conti als zu zögerlich erschien oder Bedenken geäußert hatte, bleibt ungewiss; sicher ist, dass Konkurrenz zwischen den Kanzleien eine Rolle spielte. Trotz des entzogenen Auftrags war Conti bei der Probevergasung im Zuchthaus Brandenburg anwesend. Auch wirkte Contis Abteilung im Reichsinnenministerium an der bürokratischen Abwicklung der „Aktion T4“ mit. Er war in verbrecherische Forschung am Menschen involviert, u. a. war er Initiator der Fleckfieberimpfversuche der SS im Konzentrationslager Buchenwald. Nach seiner Verhaftung am 19. Mai 1945 in Flensburg sollte Conti im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt werden; er entzog sich seiner Verurteilung durch Suizid.

  • Auszeichnungen

    1933 Robert-Koch-Plakette der Stadt Berlin
    1936 Olympia-Ehrenzeichen 1. Klasse
    1937 Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes 1. Klasse
    1937 Danziger Rot-Kreuz-Ehrenzeichen 1. Klasse
    Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
    Treuering und Ehrendegen der SS
  • Quellen

    Nachlass:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, N 2377. (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Koblenz, All. Proz. 2/FC 6 155 P. (Vernehmungsprotokoll)

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 1501/2957, 3781–3783, 3785–3789, 3791–3796, 3798, 3800, 1802–3818, 20 261, 20 262, 20 740, 126 270, 126 476–126 486 u. 212 663. (Bestände „Büro des Reichsgesundheitsführers Staatssekretär Dr. Conti“)

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Filmarchiv/VK 5 0651. (Rede Contis 1943)

  • Werke

    Über Weichteilplastik im Gesicht, 1925. (Diss. med.)

    Ärztliches Ehrengericht verbietet die nationalsozialistische Weltanschauung, in: Völkischer Beobachter, Nr. 52 v. 21.2.1932, Sonderblatt.

    Rassenhygiene und soziale Fürsorge, in: Allgemeine Deutsche Hebammen-Zeitung 47 (1932), S. 394 f.

    Braunschweiger Vorträge. Bevölkerungspolitik, in: Ziel und Weg (1933), H. 7/8, S. 160–166 u. 190–196.

    Aufruf des Reichsgesundheitsführers Staatssekretär Dr. Conti an die Mitglieder der in der Bekämpfung der Alkohol- und Tabakgefahren eingesetzten Berufe, in: Die Deutsche Hebamme 54 (1939), S. 427.

    Die Grundgedanken des neuen Hebammengesetzes, in: Deutsches Ärzteblatt 69 (1939), Nr. 3, S. 44–47.

    Der Arzt im Kampf um das deutsche Volksschicksal. Rede des Reichsgesundheitsführers auf der gemeinsamen Sitzung des NS-Ärztebundes im Gau Berlin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft am 24.4.1942, in: Deutsches Ärzteblatt 42 (1942), S. 200–206.

    Die Bedeutung der Wissenschaft, insbesondere der kinderärztlichen, in der Gesundheitsführung, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 68 (1942), H. 3, S. 53–59.

    Zur Neuordnung des Gesundheitswesens nach dem Siege. Denkschrift, 1943. (unveröff., Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 1501/3793)

    Gerhard Wagner. Reden und Aufrufe, 1943. (Hg.)

    Leonardo Conti/Nanna Conti, Deutsche Hebammen!, in: Die Deutsche Hebamme 59 (1944), S. 3.

  • Literatur

    Monografien:

    Alfons Labisch/Florian Tennstedt, Der Weg zum „Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens“ vom 3. Juli 1934. Entwicklungslinien und -momente des staatlichen und kommunalen Gesundheitswesens in Deutschland, 2 Bde., 1985, Bd. 2, S. 345–349 u. 393–395.

    Gisela Bock, Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassenpolitik und Frauenpolitik, 1986.

    Ernst-Alfred Leyh, „Gesundheitsführung“, „Volksschicksal“, „Wehrkraft“. Leonardo Conti (1900–1945) und die Ideologisierung der Medizin in der NS-Diktatur, 2002.

    Winfried Süß, Der Volkskörper im Krieg. Gesundheitspolitik, medizinische Versorgung und Krankenmord im nationalsozialistischen Deutschland 1939–1945, 2003.

    Anja Peters, Der Geist von Alt-Rehse. Die Hebammenschule an der Reichsärzteschule 1935–1941, 2005.

    Hans-Walter Schmuhl, Grenzüberschreitungen. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik 1927–1945, 2005.

    Wolfgang Uwe Eckart, Medizin in der NS-Diktatur, 2012.

    Anja Peters, Nanna Conti (1881–1951). Eine Biografie der Reichshebammenführerin, 2018.

    Aufsätze:

    Michael Kater, Doctor Leonardo Conti and his Nemesis. The Failure of Centralized Medicine in the Third Reich, in: Central European History 18 (1985), H. 3/4, S. 299–325.

    Winfried Süß, Der beinahe unaufhaltsame Aufstieg des Karl Brandt. Zur Stellung des „Reichskommissars für das Sanitäts- und Gesundheitswesen“ im gesundheitspolitischen Machtgefüge des „Dritten Reiches“, in: Wolfgang Woelk/Jörg Vögele (Hg.), Geschichte der Gesundheitspolitik in Deutschland. Von der Weimarer Republik bis in die Frühgeschichte der „doppelten Staatsgründung“, 2002, S. 197–223.

    Anja Peters, Mutter und Sohn. Die Contis und ihre Nachkommen, in: Viola Schubert-Lehnhardt (Hg.), „In meiner Familie war niemand Nazi! – oder etwa doch?”, Bd. 2, 2008, S. 18–29.

    Hans-Walter Schmuhl, Die biopolitische Entwicklungsdiktatur des Nationalsozialismus und der „Reichsgesundheitsführer“ Leonardo Conti, in: Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Tödliche Medizin im Nationalsozialismus. Von der Rassenhygiene zum Massenmord, 2008, S. 101–117.

    Lexikonartikel:

    Matthias Meusch, Art. „Conti, Leonardo“, in: Werner E. Gerabek/Bernhard D. Haage/Gundolf Keil/Wolfgang Wegner (Hg.), Enzyklopädie Medizingeschichte, 2007, Bd. 1, S. 270.

    Ansgar Fabri/Jessica Thönnissen, Art. „Conti, Leonardo“, in: Biographisches Archiv der Psychiatrie, 2017. (P) (Onlineressource)

    Film:

    Dokumentarfilm v. Michele Andreoli, 2009. (weiterführende Informationen)

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografien, ca. 1939–1943, Bundesarchiv, Digitales Bildarchiv.

    Fotografien, ca. 1933–1945, Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv.

    Fotografien, um 1939, Abbildung, in: Deutsches Ärzteblatt 69 (1939), S. 69 u. 342 f.

  • Autor/in

    Maike Rotzoll (Marburg); Christoph Beckmann (Marburg)

  • Zitierweise

    Rotzoll, Maike / Beckmann, Christoph, „Conti, Leonardo“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/122087976.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA