Buback, Siegfried

Lebensdaten
1920 – 1977
Geburtsort
Wilsdruff bei Meißen
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Generalbundesanwalt ; Jurist ; Bundesanwalt
Konfession
unbekannt
Normdaten
GND: 118667823 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Buback, Siegfried
  • Buback

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Zitierweise

Buback, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118667823.html#indexcontent [03.10.2026].

CC0

  • Buback, Siegfried

    1920 – 1977

    Generalbundesanwalt

    Siegfried Buback wurde bekannt durch seine Tätigkeit bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, seit 1959 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 1974 als Behördenleiter. In seine Zuständigkeit fielen u. a. die Ermittlungen 1962 in der sog. Spiegel-Affäre wegen des Verdachts des Landesverrats, 1969 wegen des vierfachen Soldatenmords von Lebach und v. a. seit 1972 wegen der Terrortaten der Roten Armee Fraktion (RAF). Am 7. April 1977 wurden Buback und zwei Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft von RAF-Mitgliedern ermordet.

    Lebensdaten

    Geboren am 3. Januar 1920 in Wilsdruff bei Meißen
    Gestorben am 7. April 1977 (ermordet) in Karlsruhe
    Grabstätte Hauptfriedhof in Karlruhe-Neureut
    Siegfried Buback, Imago Images (InC)
    Siegfried Buback, Imago Images (InC)
  • 3. Januar 1920 - Wilsdruff bei Meißen

    1926 - 1938 - Wilsdruff bei Meißen; seit 1930 Meißen

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Grundschule; seit 1930 Gymnasium Franziskaneum

    4.4.1938 - 26.10.1938

    Reichsarbeitsdienst

    1938 - 1941 - Leipzig; Dresden

    Studium der Rechtswissenschaften (Abschluss: Erstes juristisches Staatsexamen)

    Universität; Oberlandesgericht

    1.7.1940 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1941 - 1945 - Reichsland Elsass-Lothringen (heute Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin, Frankreich)

    Kriegsdienst

    Wehrmacht

    1945 - 1947 - Elsass (Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin, Frankreich)

    britische, dann französische Kriegsgefangenschaft

    Internierungslager

    1950 - Hannover

    Entnazifizierungsverfahren

    Spruchkammer

    August 1947 - Oktober 1950 - Celle; Hannover

    Gerichtsreferendar (Abschluss: Zweites juristisches Staatsexamen)

    Oberlandesgericht; niedersächsisches Justizministerium

    Dezember 1950 - Oktober 1951 - Achim bei Bremen; Syke bei Bremen; Hannover

    Richter

    Amtsgericht; Landgericht

    November 1951 - Oktober 1953 - Lüneburg

    Staatsanwalt

    Staatsanwaltschaft

    Oktober 1953 - August 1959 - Celle

    Staatsanwalt; 1959 Erster Staatsanwalt

    Staatsanwaltschaft; 1957–1959 Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht

    August 1959 - Karlsruhe

    wissenschaftlicher Mitarbeiter

    Bundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof (BGH)

    November 1963 - Karlsruhe

    Oberstaatsanwalt

    Bundesanwaltschaft beim BGH

    April 1971 - Karlsruhe

    Bundesanwalt

    Bundesanwaltschaft beim BGH

    Mai 1974 - Karlsruhe

    Generalbundesanwalt

    Bundesanwaltschaft beim BGH

    7. April 1977 (ermordet) - Karlsruhe

    Buback besuchte Schulen in Wilsdruff bei Meißen und Meißen, wo er 1938 am Gymnasium Franziskaneum das Abitur erhielt. Im selben Jahr begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig (1941 Erstes juristisches Staatsexamen). 1940 trat er in die NSDAP ein. Von 1941 bis 1945 leistete er Kriegsdienst und war anschließend bis 1947 in britischer, dann französischer Kriegsgefangenschaft. Seit August 1947 absolvierte er seine Referendarzeit in Celle (1950 Zweites juristisches Staatsexamen) und war danach bei der Justiz in Niedersachsen tätig.

    Bekannt wurde Buback v.  a. durch seine Arbeit bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, an die er 1959 als wissenschaftlicher Mitarbeiter wechselte und die er seit 31. Mai 1974 als Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (BGH) leitete. 1962 war er, noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter, befasst mit dem Verfahren wegen der sog. Spiegel-Affäre, ausgelöst durch Conrad Ahlers (1922–1980) Artikel „Bedingt abwehrbereit“ im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (1962) und den darauf gegründeten Verdacht des Landesverrats. Ende Oktober 1962 erfolgte im Rahmen der Strafverfolgungsmaßnahmen die öffentlich heftig kritisierte Durchsuchung der Spiegel-Redaktionsräume in Hamburg und Bonn und die vorübergehende Verhaftung mehrerer Spiegel-Redakteure, darunter Chefredakteur und Herausgeber Rudolf Augstein (1923–2002). In der Folge kam es zu einer Regierungskrise, Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (1915–1988) musste zurücktreten. Der BGH stellte 1965 die Strafverfahren gegen die Spiegel-Redakteure aus Mangel an Beweisen für einen wissentlichen Verrat von Staatsgeheimnissen ein.

    1969 gelang es Buback als Oberstaatsanwalt beim BGH, die Mörder von vier Bundeswehrsoldaten bei dem Überfall auf ein Munitionsdepot nahe Lebach bei Saarlouis zu überführen. Er war auch leitend mit der sog. Guillaume-Affäre befasst, der Enttarnung und Verhaftung des Mitarbeiters im Bundeskanzleramt, Günter Guillaume (1927–1995), als Agent des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR am 24. April 1974, was Anlass für den Rücktritt des Bundeskanzlers Willy Brandt (1913–1992) wurde. Im Prozess gegen Guillaume und dessen Ehefrau Christel Guillaume (1927–2004) war Buback einer der Anklagevertreter.

    Ein Schwerpunkt von Bubacks Arbeit war die Verfolgung der sechs Sprengstoffanschläge der Rote Armee Fraktion (RAF) im Mai 1972, bei denen vier US-amerikanische Soldaten starben. Wegen dieser Attentate erhob die Bundesanwaltschaft am 26. September 1974 Anklage zum Oberlandesgericht Stuttgart gegen Andreas Baader (1943–1977), Gudrun Ensslin (1940–1977), Ulrike Meinhof (1934–1976), Holger Meins (1941–1974) und Jan-Carl Raspe (1944–1977). Der sog. Baader-Meinhof-Prozess begann am 21. Mai 1975 in Stuttgart-Stammheim, Buback zählte nicht zu den Anklagevertretern der Bundesanwaltschaft. Kurz vor Ende des Prozesses und der Verurteilung Baaders, Ensslins und Raspes zu lebenslangen Freiheitstrafen am 28. April 1977 wurden Buback und seine Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster (1933–1977) am 7. April 1977 durch zwei RAF-Mitglieder in Karlsruhe ermordet. Dieses Attentat war der Auftakt der „Offensive 77“ der RAF, die in den sog. Deutschen Herbst mit mehreren Attentaten der RAF und dem Selbstmord der drei verurteilten Terroristen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim mündete. Bislang wurden die beiden Mörder nicht identifiziert, als Mittäter bei der Vorbereitung des Attentats wurden 1980 Knut Folkerts (geb. 1952) sowie 1985 Christian Klar (geb. 1952) und Brigitte Mohnhaupt (geb. 1949) zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. 2010 wurde Verena Becker (geb. 1952), u. a. aufgrund von Nachforschungen Michael Bubacks (geb. 1945), als Mittäterin angeklagt, aber 2012 lediglich wegen Beihilfe zu diesem Anschlag zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt. 2015 stellte die Bundesanwaltschaft alle Ermittlungen zu weiteren Mittätern ein.

    1969 Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1977 postum Großes Verdienstkreuz mit Stern)

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Landesarchiv Baden-Württemberg, Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 191. (Zeitungsausschnittsammlung zur Personengeschichte)

    Bundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof, B34. (Personalakten)

    Bundesministerium der Justiz, P 41–B24. (Personalakten)

    Bundesarchiv, Koblenz, B 106/106 683, ZSG 148/25a u. B 106/111 240.

    Bundesgerichtshof, Beschluss des 3. Strafsenats v. 13.5.1965 zur „Spiegel-Affäre“, Abdruck in: Neue Juristische Wochenschrift 18 (1965), S. 1187–1192.

    Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 302 VII, Bü 1, Urteil des OLG Stuttgart gegen Baader, Ensslin und Raspe v. 28.4.1977; EL 302 VII, Bü 50, Urteil des OLG Stuttgart gegen Knut Folkerts v. 31.7.1980; EL 302 VII, Bü 17, Urteil des OLG Düsseldorf gegen Stefan Wisniewski v. 4.12.1981; Urteil des OLG Stuttgart gegen Verena Becker v. 6.7.2012 zum Buback-Attentat, 6-2 StE 2/10.

    Butz Peters, Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF, 2004.

    Der dritte Mann. Wer erschoss Siegfried Buback? Titelgeschichte in: Der Spiegel Nr. 17 v. 23.4.2007. (Onlineressource)

    Michael Buback, Der zweite Tod meines Vaters, 2008.

    Klaus Pflieger, Die Rote Armee Fraktion – RAF – 14.5.1970 bis 20.4.1998, 32011, S. 90–93 u. 303–306.

    RAF. Ermittlungen zu Buback-Attentat eingestellt, in: Zeit online v. 19.5.2015. (Onlineressource)

    Klaus Pflieger, Gegen den Terror. Erinnerungen eines Staatsanwalts, 2016, S. 61 u. 347.

    Michael Buback/Elisabeth Buback, Der General muss weg!, 2020.

    Stefan Aust, Der Baader-Meinhof-Komplex, 1985, Neuausg. 2020.

    Klaus Pflieger, Buback, Siegfried. Jurist, Generalbundesanwalt, in: Baden-Württembergische Biographien, Bd. 8, 2022, S. 52–56. (Qu, L) (Onlineressource)

    Fotografien, 1975/76, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

  • Autor/in

    →Klaus Pflieger (Sersheim)

  • Zitierweise

    Pflieger, Klaus, „Buback, Siegfried“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118667823.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA