Lebensdaten
1915 – 1944
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Sowjetunion (Narew-Front)
Beruf/Funktion
Offizier ; Widerstandskämpfer
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 118810723 | OGND | VIAF: 62345184
Namensvarianten
  • Boeselager, Georg Freiherr von
  • Boeselager, Georg
  • Boeselager, Georg Freiherr von
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Boeselager, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810723.html [22.02.2024].

CC0

  • Georg Freiherr von Boeselager gehörte seit 1942 zum Kreis der Verschwörer gegen Hitler in der Heeresgruppe Mitte um Henning von Tresckow (1901–1944). Er führte einen Kavallerieverband, der in der Partisanenbekämpfung eingesetzt wurde und zugleich als Verfügungstruppe zum Militärputsch in Berlin dienen sollte. Boeselager forderte eine politische Lösung anstelle eines rassenideologischen Vernichtungskriegs im Osten.

    Lebensdaten

    Geboren am 25. August 1915 in Kassel
    Gestorben am 27. August 1944 in Sowjetunion (Narew-Front)
    Grabstätte Friedhof in Burg Heimerzheim (Nordrhein-Westfalen)
    Konfession römisch-katholisch
    Georg Freiherr von Boeselager, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Georg Freiherr von Boeselager, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebenslauf

    25. August 1915 - Kassel

    1926 - 1934 - Bad Godesberg

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Aloisius-Kolleg

    1934 - Paderborn

    Eintritt in die Reichswehr

    Reiter-Regiment 15

    1934 - 1939 - Paderborn

    Militärdienst (1939 Oberleutnant)

    Reiter-Regiment 15, seit 1936 Kavallerie-Regiment 15

    1939 - 1942 - Frankreich; Sowjetunion

    Kriegsdienst (1941 Rittmeister)

    Aufklärungs-Abteilung 6

    1942 - 1942 - Krampnitz (Potsdam)

    Taktiklehrer

    Kavallerieschule Schule für Schnelle Truppen

    1942 - 1942 - Târgoviște (Rumänien)

    Ausbildungsoffizier

    Deutsche Heeresmission Rumänien

    13.3. 1943 - Smolensk (Sowjetunion)

    gescheiterter Attentatsversuch auf Adolf Hitler (1889–1945)

    Heeresgruppe Mitte

    1943 - 1944 - Sowjetunion

    Kommandeur (Dezember 1943 Oberstleutnant)

    Reiterverband Boeselager; Kavallerie-Regiment Mitte; 3. Kavallerie-Brigade

    1944

    Beteiligung an der Verschwörung des 20. Juli

    1944

    Oberst (postum)

    27. August 1944 - Sowjetunion (Narew-Front)
  • Genealogie

    Vater Albert Dominikus Hyacinthus Hubertus Vitus Joseph Maria Freiherr von Boeselager 1883–1956 Oberleutnant d. R., Kürassier-Regiment „von Driesen“ (Westfälisches) Nr. 4 in Münster; Autor der Schrift "Kreuz und quer durch Europa. Jagdfahrten in 60 Jahren" (1955, erw. Neuausg. 2006)
    Großvater väterlicherseits Philipp August Wenzeslaus Hubertus Maria Freiherr von Boeselager 1846–1898 aus Würzburg
    Großmutter väterlicherseits Therese Maria von Boeselager, geb. zu Stolberg-Stolberg 1852–1931 aus Westheim (Marsberg); römisch-katholisch
    Urgroßvater väterlicherseits Joseph Theodor Graf zu Stolberg-Stolberg 1804–1859 römisch-katholisch; Rittergutsbesitzer; 1852–1854 Abgeordneter der zweiten Kammer des Preußischen Landtags; 1849 Mitglied im Präsidium des deutschen Katholikentags; 1849–1859 Präsident des Bonifatius-Vereins (heute Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken)
    Mutter Maria-Theresia Ferdinandine Antonie Aloysia von Boeselager, geb. Freiin von Salis-Soglio 1890–1968 aus Solingen
    Großvater mütterlicherseits Anton Joseph Aloysius Stanislaus Maria Freiherr von Salis-Soglio 1860–1939 aus Gemünden am Main; Dr. iur.
    Großmutter mütterlicherseits Maria Adelheid Theresia Gräfin von Salis-Soglio, geb. von Bissingen-Nippenburg 1866–1919
    Schwester Elisabeth Therese Adelheid Antonia Huberta Maria Freiin von Fürstenberg, geb. von Boeselager 1914–1989 verh. mit Kaspar Freiherr von Fürstenberg (1904–1986)
    Bruder Philipp Freiherr von Boeselager 1917–2008 Offizier; Widerstandskämpfer; nach 1945 Reserveoffizier der Bundeswehr und Forstverbandsfunktionär, 1968–1988 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände
    Schwester Adelheid Antonia Alexandrine Huberta Maria Freiin von Boeselager 1920–2008
    Geschwister drei weitere Brüder, zwei weitere Schwestern
    Heirat keine
    Kinder keine
    Großonkel Clemens August Graf von Galen 1878–1946 1933–1946 Bischof von Münster; öffentlicher Kritiker des Nationalsozialismus; 1946 Kardinal; 2005 Seligsprechung
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Boeselager, Georg (1915 – 1944)

  • Biografie

    alternativer text
    Georg Freiherr von Boeselager (zweiter von rechts), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)

    Einer alten, katholisch-westfälischen Adelsfamilie entstammend, wuchs Boeselager auf Burg Heimerzheim nahe Bonn auf, legte 1934 am Aloisius-Kolleg der Jesuiten in Bad Godesberg sein Abitur ab und begann in Paderborn die Offizierslaufbahn. An den Feldzügen gegen Polen und Frankreich nahm er 1939/40 als Oberleutnant teil, wurde mehrfach ausgezeichnet und kurz nach Beginn des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 zum Rittmeister ernannt. Über seine politischen Überzeugungen und seine Haltung zum Nationalsozialismus bis 1939 ist nichts bekannt.

    Boeselager wusste aus Gesprächen mit Kameraden früh um deutsche Verbrechen im Ostkrieg. Der Bericht des Oberstleutnants Friedrich August Freiherr von der Heydte (1907–1994) in britischer Kriegsgefangenschaft, Boeselager sei im Krieg Zeuge der Erschießung polnischer Juden geworden, ist quellenmäßig nicht gesichert und lässt nicht klar erkennen, ob Boeselager selbst geschossen habe. Seit Januar 1942 diente Boeselager als Taktiklehrer an der Kavallerieschule für Schnelle Truppen in Krampnitz (Potsdam).

    Boeselager entwickelte aus eigener Kriegserfahrung das Konzept einer selbstständig operierenden Kavallerieabteilung zur Sicherung des Hinterlandes: In den Weiten Russlands könnte ein kampfkräftiger berittener Verband in Regimentsstärke schnell auf Partisanen reagieren und diese auch in panzerungünstigem Gelände (Wald, Sumpf) bekämpfen. Im Januar 1943 traf er mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall Günther von Kluge (1882–1944), zusammen, bei dem sein Bruder Philipp Freiherr von Boeselager (1917–2008) Ordonnanzoffizier war. Boeselager unterbreitete Kluge sein Konzept und wurde von diesem mit der Aufstellung eines eigenständigen Kavallerieverbands beauftragt.

    Boeselager war seit Januar 1943 Teil des militärischen Widerstandskreises um den Ersten Generalstabsoffizier (I a) der Heeresgruppe Mitte, Henning von Tresckow (1901–1944). An dem Plan, Adolf Hitler (1889–1945) bei einem Besuch der Heeresgruppe am 13. März 1943 zu erschießen, war er zentral beteiligt. Der Plan scheiterte, weil Kluge ihn zuletzt ablehnte, da Heinrich Himmler (1900–1945) nicht anwesend war und er bei einer alleinigen Ermordung Hitlers einen bewaffneten Konflikt zwischen Heer und SS befürchtete.

    Im April 1943 übernahm Boeselager das zuletzt rund 3000 Mann umfassende Kavallerie-Regiment Mitte und wurde im selben Jahr zum Major und Oberstleutnant befördert. Im Juni 1943 legte er dem Heeresgruppenkommando einen „Erfahrungsbericht über die Kampftaktik der Partisanen und Möglichkeiten unsrerseits die Bandengefahr zu beschränken“ vor. Darin empfahl er die Evakuierung aller Männer bis 50 Jahre aus „banden-verseuchten“ Gebieten, anschließend dort angetroffene Männer sollten erschossen werden. Der Bericht beinhaltete zwar eine völkerrechtlich fragwürdige Kriegführung, forderte aber zugleich eine Abkehr von der Terrorpraxis des rassenideologischen Vernichtungskriegs und betonte, eine Befriedung der eroberten Territorien sei nur zu erreichen, wenn der sowjetischen Bevölkerung eine politische Perspektive gegeben werde.

    Im Mai 1944 wurde Boeselagers Verband zur 3. Kavallerie-Brigade aufgewertet. Seit Mitte Juli 1944 wieder an der Ostfront eingesetzt, erlebte er den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte und schickte rund 1200 Soldaten seiner Brigade unter Führung seines Bruders Philipp nach Westen zur Unterstützung des geplanten Staatsstreichs vom 20. Juli 1944. Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler kehrten die Einheiten zur Truppe zurück. Am 27. August 1944 fiel Boeselager bei Kämpfen zwischen Białystok und Warschau. Da die Gestapo seine Rolle im Widerstand nicht aufklären konnte, wurde er mit militärischen Ehren beigesetzt und postum zum Oberst befördert.

  • Auszeichnungen

    1939 Eisernes Kreuz I. Klasse
    1941 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub (1944 postum mit Schwertern)
    1966 Georg-von-Boeselager-Straße, Bonn
    1970 Boeselager-Wettkampf der Panzeraufklärungstruppe der Bundeswehr und ihrer Verbündeten (bis 1996 jährlich, seit 1988 zweijährlich)
    1984 Freiherr-von-Boeselager-Kaserne, Munster (Niedersachsen)
    1993 Georg-von-Boeselager Sekundarschule, Swisttal (Nordrhein-Westfalen)
    2012 Boeselagerstraße, Braunschweig
    Oberst-von-Boeselager-Straße, Freyung (Niederbayern)
    Boeselagerstraße, Montabaur (Rheinland-Pfalz)
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, RH 11-I/60 (enthält u. a. Nachrufe auf Boeselager); RH 19-II/172 (umfasst u. a. Boeselagers „Erfahrungsbericht über die Kampftaktik der Partisanen und Möglichkeiten unsrerseits die Bandengefahr zu beschränken“).

  • Literatur

    Heinz Doepgen, Georg von Boeselager. Kavallerie-Offizier in der Militäropposition gegen Hitler, 1986.

    Friedrich Gerhard Hohmann (Hg.), Deutsche Patrioten in Widerstand und Verfolgung 1933–1945. Paul Lejeune-Jung, Theodor Roeingh, Josef Wirmer, Georg Freiherr von Boeselager. Ein Gedenkbuch der Stadt Paderborn, 1986.

    Heinz Doepgen, Georg Freiherr von Boeselager (1915–1944), in: Wilhelm Janssen (Hg.), Rheinische Lebensbilder, Bd. 11, 1988, S. 343–377.

    Thomas Reuther, Soldaten für den Staatsstreich. Die Heeresgruppe Mitte und der 20. Juli 1944, in: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung 3 (2004), H. 2, S. 4–7.

    Winfried Heinemann, Georg und Philipp von Boeselager im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, in: Die Warte. Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 143, 2009, S. 23–29.

  • Onlineressourcen

    Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

    WDR ZeitZeichen vom 25. August 2015. (Radio-Feature anlässlich des 100. Geburtstags von Boeselager)

  • Porträts

    Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

  • Autor/in

    Winfried Heinemann (Cottbus)

  • Zitierweise

    Heinemann, Winfried, „Boeselager, Georg“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118810723.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA