Lebensdaten
1878 bis 1946
Geburtsort
Dinklage (Oldenburg)
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
Kardinal ; Bischof von Münster
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118537210 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Galen, Clemens Augustinus Graf von
  • Galen, Clemens Graf von
  • Galen, Clemens Augustinus Graf von
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Galen, Clemens Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118537210.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1831–1906), Fideikommißherr, Zentrumsabgeordneter im Reichstag („Antrag Galen“ z. Schutz d. arbeitenden Bevölkerung v. 19.3.1877, s. BJ XI, Tl. 1906), S d. Matthias (1800–80) u. d. Anna Freiin v. Ketteler (1803–84);
    M Elisabeth (1842–1920), T d. August Gf. v. Spee u. d. Franziska Gfn. v. Brühl;
    Groß-Ov Wilh. Emmanuel Frhr. v. Ketteler ( 1877), Bischof v. Mainz;
    Ov Maximilian Gf. v. G. (1832-1908), Weihbischof v. Münster (s. BJ XIII, Tl. 1908, L);
    B Friedrich (1865–1918), seit 1907 Mitgl. d. Reichstags (s. DBJ II, Tl. 1918, L), Franz (1879–1960), Mitgl. d. preuß. Landtags 1931/32.

  • Leben

    Nach humanistischer Ausbildung (Gymnasium der Jesuiten zu Feldkirch und Vechta) studierte G. 2 Semester zur Pflege der Allgemeinbildung in Freiburg/Schweiz, 1898 bis 1903 Theologie in Innsbruck, 1903/04 in Münster. Nach der Priesterweihe in Münster 1904 wurde er dort Domvikar, 1906-29 war er Kaplan, Kuratus und Pfarrer in Berlin, 1929-33 Pfarrer in Münster an Sankt Lamberti. Durch Pius XI. wurde er 1933 zum Bischof von Münster ernannt, durch Pius XII. 1946 zum Kardinal. In Berlin lernte G. die Aufgaben der Großstadt- und Diaspora-Seelsorge kennen und bewährte sich besonders auch unter der Handwerkerjugend (Kolpingsfamilie). Politisch gehörte er bis 1933 zum katholisch-konservativen Flügel des Zentrums; frühzeitig für sozialpolitische Probleme interessiert wurde er auch durch nahe Verwandte im Parlament, dann durch Studium der päpstlichen Rundschreiben (Leo XIII. und Pius XI.) und der Schriften und Reden des Mainzer Bischofs von Ketteler. Seine Religiosität war durch katholische Familientradition und ignatianischen Geist geformt, er lebte ganz aus dem Glauben, eine unkomplizierte Natur von schlichter Hingabe an die Lehren und Übungen seiner Kirche.

    Mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus 1933 wuchs G. als Bischof zu geschichtlicher Größe. In Predigten, Hirtenschreiben und Eingaben an die Regierung kämpfte er gegen das aufsteigende Neuheidentum, unter anderem gegen die neue Rassenlehre mit Begründung eines christlichen Humanismus aufgrund der allgemeinen Vaterschaft des Schöpfer-Gottes und der Erlösung aller Kreatur durch Christus, gegen die zunehmenden Verletzungen kirchlicher Rechte mit Berufung auf das Reichskonkordat von 1933. Er veranlaßte 1934 die große Verbreitung der 1. Ausgabe der „Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts“ gegen Alfred Rosenberg, 1937 die erfolgreiche sofortige Verbreitung des päpstlichen Rundschreibens „Mit brennender Sorge“ über die Falschlehren des Nationalsozialismus. Unter Einsatz von Freiheit und Leben, worüber G. sich selbst klar war, verurteilte er 1941 in 3 Predigten den Klostersturm, die Beschlagnahme von Kirchengut und die mörderische Anwendung der Euthanasie bei Geisteskranken. Nach Kriegsende wurde G. der Anwalt der schutzlosen Bevölkerung und der Gefangenen bei der Besatzungsmacht, in 2 Denkschriften auch bemüht um den geistigen „Wiederaufbau“ und die „Neuordnung des öffentlichen Lebens“ in Deutschland. Er blieb in allen Lagen seinem bischöflichen Wahlspruch treu Nec laudibus nec timore. So wurde der Bischof, kein Theologe oder Prediger von außergewöhnlichem Format, ein Hüter des reinen Glaubens für seine Herde, ein Retter der Ehre der Nation, ein defensor humanitatis.Dr. theol. h. c; Ehrenbürgerbrief seiner Bischofsstadt, Denkmal in Dinklage; durch die Münsterer Kurie Einleitung des Verfahrens der Seligsprechung.

  • Werke

    Wahlrecht – Wahlpflicht, in: Allg. Rdsch. 15, 1918, S. 339 f.;
    Die Zusammensetzung d. Preuß. Herrenhauses, in: Hist.-pol. Bll. 161, 1918, S. 904 ff.;
    Wo liegt d. Schuld? Gedanken üb. Dtld.s|Niederbruch u. Aufbau, ebd. 164, 1919, S. 221 ff., 293 ff.;
    Kath. Wirtsch.ordnung, Kath. Pol., Eine Slg. v. Vorträgen, gehalten b. Zusammenkünften d. rhein.-westf. Adels, H. 1, 1924, S. 21 ff.;
    Die Pest d. Laizismus u. ihre Erscheinungsformen, Erwägungen u. Besorgnisse e. Seelsorgers üb. d. rel.-sittliche Lage d. dt. Katholiken, 1932. – Entwurf e. Progr. (f. d. Wiederaufbau u. d. Neuordnung d. dt. Vaterlandes), 1945 (Ms.);
    Kath. Grundsätze f. d. öffentl. Leben, 1946 (Ms.).

  • Literatur

    H. Portmann, Bischof Gf. v. G. spricht, 1946;
    ders., Dokumente um d. Bischof v. Münster, 1948;
    ders., Kardinal v. G., 1948 (P);
    M. Bierbaum, Die letzte Romfahrt d. Kardinals v. G., 1946;
    ders., Kardinal v. G., Bischof v. Münster, 1947;
    ders., Nicht Lob nicht Furcht, Das Leben d. Kardinals v. G. nach unveröff. Briefen u. Dokumenten, 51962 (P).

  • Portraits

    Phot. in: Genealog. Hdb. d. Adels 2, 1952.

  • Autor/in

    Max Bierbaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Bierbaum, Max, "Galen, Clemens Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 41-42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118537210.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA