Eleonora Anna Maria Gonzaga
- Lebensdaten
- 1598 – 1655
- Geburtsort
- Mantua (Herzogtum Mantua)
- Sterbeort
- Wien
- Beruf/Funktion
- Kaiserin ; Königin von Ungarn ; Königin von Böhmen ; Prinzessin von Mantua und Monferrato
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 104086491 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Eleonora Anna Maria Gonzaga
- Eleonore, Mantua, Prinzessin
- Eleonora, Heiliges Römisches Reich, Kaiserin
- Eleonore, Ungarn, Königin
- Eleonore, Österreich, Erzherzogin
- Gonzaga, Eleonore
- Gonzaga, Leonora
- Eleonore, Böhmen, Königin
- Eleonore, Ungarn und Böhmen, Königin
- Eleonora, Heiliges Römisches Reich, Caiserin
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Eleonora Anna Maria Gonzaga
1598 – 1655
Kaiserin, Königin von Ungarn, Königin von Böhmen, Prinzessin von Mantua und Monferrato
Eleonora, jüngste Tochter des Herzogspaars von Mantua und Monferrato Vincenzo I. Gonzaga (1562–1612) und Eleonora de’ Medici (1567–1611), war als zweite Gemahlin Kaiser Ferdinands II. (1578–1637) von 1622 bis 1637 Regierende Römische Kaiserin. Sie förderte den Transfer barocker italienischer Kultur, u. a. von Ballett und Oper, an den Wiener Hof. Ihre Vermittlungsversuche konnten den Mantuanischen Erbfolgekrieg (1628–1631) nicht verhindern. Sie blieb über den Tod ihres Ehemanns hinaus eine einflussreiche Förderin des Hauses Gonzaga.
Lebensdaten
Eleonora Gonzaga (InC) -
Autor/in
→Matthias Schnettger (Mainz)
-
Zitierweise
Schnettger, Matthias, „Eleonora Anna Maria Gonzaga“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd104086491.html#dbocontent
Aufgewachsen am herzoglichen Hof in Mantua, erhielt Eleonora Gonzaga einen Großteil ihrer Erziehung im Geist des posttridentinischen Katholizismus unter der Aufsicht ihrer Tante Margherita Gonzaga (1591–1632) in dem Mantuaner Kloster S. Orsola, zeitweise mit ihrer Nichte Maria Gonzaga (1609–1660). Sie wurde u. a. in Sprachen, Geschichte, Musik und Malerei unterrichtet.
Nachdem sich Heiratsprojekte mit den Häusern Colonna und Savoyen zerschlagen hatten, wurde Eleonora von dem seit 1616 verwitweten Kaiser Ferdinand II. (1578–1637) als Ehefrau ausgewählt. Die Heiratsverhandlungen fanden im Sommer und Herbst 1621 unter Federführung des Ersten Ministers und Vertrauten Ferdinands, Johann Ulrich von Eggenberg (1568–1634), in Mantua statt; am 21. November 1621 wurden der Ehevertrag und die Prokurationsehe geschlossen. Am 2. Februar 1622 wurde in Innsbruck die Hochzeit Eleonoras und Ferdinands gefeiert. Die Eheleute teilten Interessen wie die Liebe zur Musik und eine katholische Frömmigkeit; ihre Ehe galt als harmonisch, blieb aber kinderlos. Durch ihre Heirat wurde Eleonora zur Stiefmutter der Kinder Ferdinands aus erster Ehe. Sie begleitete ihren Mann auf Reisen in seine Erbländer und in das Reich und nahm an den Regensburger Kurfürstentagen von 1623, 1630 sowie 1636 teil. 1622 wurde sie in Pressburg (heute Bratislava, Slowakei) zur Königin von Ungarn, 1627 in Prag zur Königin von Böhmen und 1630 in Regensburg zur Römischen Kaiserin gekrönt.
Eleonora unterhielt ein transalpines Netzwerk mit vielfältigen Korrespondenzen und persönlichen Kontakten zu Verwandten, Gesandten, Künstlern und Geistlichen. Besonders förderte sie den Transfer italienischer Kultur an den Wiener Kaiserhof und spielte eine Schlüsselrolle bei der Etablierung von Ballett und Oper als wichtigen Elementen der habsburgischen Herrschaftsrepräsentation. 1627 brachte sie anlässlich der böhmischen Königskrönung ihres älteren Stiefsohns, des späteren Kaisers Ferdinand III. (1608–1657), die Pastorale „La transformatione di Calisto“ zur Aufführung, für die ihr Verwandter Cesare II. Gonzaga-Guastalla (1592–1632) das Libretto verfasst hatte. Ein ihr 1622 übertragenes Lustschloss vor den Toren Wiens benannte und gestaltete sie nach dem Vorbild der Mantuaner Favorita. 1627 ließ Eleonora die Loretokapelle in der Wiener Augustinerkirche erbauen und stiftete die Karmelitinnenklöster in Wien (1629) und Graz (1643). Insbesondere dem Wiener Konvent war sie eng verbunden; während ihrer Witwenschaft seit 1637 lebte sie dort zeitweise als Gast.
Als Kaisergemahlin wurde Eleonora regelmäßig als Patronin bzw. Vermittlerin der Patronage ihres Ehemanns in Anspruch genommen; politischen Einfluss machte sie v. a. zugunsten ihrer Herkunftsfamilie geltend. Eine besondere diplomatische Aktivität entfaltete sie in der mantuanischen Erbfolgekrise: Angesichts des absehbaren Aussterbens der Mantuaner Linie der Gonzaga favorisierte Eleonora zunächst eine Erbfolge der habsburgtreuen Linie Guastalla statt der näher verwandten französischen Linie Nevers. Nachdem der Erbfall 1627 eingetreten war und die Nevers die Nachfolge angetreten hatten, strebte sie eine Lösung an, die ihnen unter Anerkennung der kaiserlichen Lehnshoheit und gegen Entschädigung der anderen Prätendenten (Guastalla sowie Savoyen) die Herrschaft über Mantua und Monferrato beließ. Da die Konfliktparteien und die sie unterstützenden Mächte (Frankreich und Spanien) sich nicht auf Eleonoras Vermittlungsvorschläge einließen, begann im Januar 1628 der Mantuanische Erbfolgekrieg. Ferdinand II. schickte schließlich eigene Truppen nach Italien und untersagte seiner Gemahlin weitere Vermittlungsversuche; Eleonora konnte nicht verhindern, dass kaiserliche Truppen im Juli 1630 Mantua einnahmen und im „Sacco di Mantova“ plünderten. Anschließend ließ sie jedoch ihrer Nichte Maria Gonzaga materielle Unterstützung zukommen und versuchte (mit begrenztem Erfolg) eine Rückerstattung von Plünderungsgut zu erreichen.
Als Ferdinand II. im Februar 1637 starb und sein Sohn Ferdinand III. ihm auf dem Thron nachfolgte, löste dessen Gemahlin Maria Anna von Spanien (1606–1646) Eleonora als Regierende Römische Kaiserin ab. Diese zog sich vorübergehend nach Graz zurück. In Kooperation mit ihrer Nichte Maria bahnte Eleonora die Ehe des zweimal verwitweten Ferdinand III. mit ihrer Großnichte Eleonora Gonzaga-Nevers (1628–1686) an: Im Auftrag ihres Stiefsohns führte sie die Hochzeitsverhandlungen und nahm 1651 im Rahmen eines Familientreffens der Gonzaga in Villach ihre Großnichte in Empfang, um sie ihrem Bräutigam zuzuführen. Eleonora unterstützte die neue Kaiserin in ihren ersten Jahren am Wiener Hof. Nach einer Reise zum Reichstag nach Regensburg (1653) starb sie im Juni 1655 in Wien.
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Archivio di Stato di Mantova, Archivio Gonzaga, Corrispondenza estera, Affari in corte cesarea, Serie E II 2, Lettere imperiali, busta 434–436 (Korrespondenz mit dem Mantuaner Hof); Serie E II 3, Carteggio degli Inviati e Residenti, busta 494–496 u. busta 498–499. (Korrespondenz der mantuanischen Gesandten am Wiener Hof)
Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenz-Akten Nr. 627/III. (Korrespondenz mit Kurfürstin Elisabeth von Bayern)
Österreichisches Staatsarchiv, Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Hofarchive, Obersthofmeisteramt, Ältere Zeremonialakten, Karton 2, Nr. 12. (Krönung der Kaiserin Eleonora in Regensburg am 7. November 1630)
Riksarkivet Stockholm, Extranea 195-1. (Briefe an Ferdinand III., 1647)
Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Ratskanzlei, Krönungsakten, Nr. 20. (Relation der zur Krönung der Gemahlin Elenora des Kaisers Ferdinand II. am 28.10./9.11.1630 nach Regensburg deputierten Georg Christoph Volckamer und Johann Christoph Tucher)
Gedruckte Quellen:
Gabriele Bertazzolo, Breve relatione dello sposalitio. Fatto della Serenissima Principessa Eleonora Gonzaga. Con la Sacra Cesarea Maestà di Ferdinando II. Imperatore […], 1622. (Onlineressource)
Crönungs-Handlung. Eygendliche Abbild- vnd Erklärung / welcher gestalt die … Fraw Eleonora, Röm. Kayserin / in Germanien / zu Hungarn vnnd Böhein …den 7. Novemb. (28. Octob.) deß 1630. Jahrs … in Regenspurg / zur Römischen Kayserin solenniter gekrönet worden, 1630. (Onlineressource)
Hermann Horst S. J., Virtutes Annae Eleonorae Mantuanae imperatricis, Ferdinandi II. Austriaci Romanorum imperatoris coniugis, 1656. (Onlineressource)
Editionen:
Hans Kiewning (Bearb.), Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Actenstücken. Vierte Abtheilung. Siebzehntes Jahrhundert. Nuntiatur des Pallotto 1628–1630, 2 Bde., 1895–1897. (Onlineressource) (Onlineressource)
Elena Venturini (Hg.), Le collezioni Gonzaga. Il carteggio tra la corte cesarea e Mantova (1559–1636), 2012, S. 655–738.
Monografien und Sammelbände:
Katrin Keller, Hofdamen. Amtsträgerinnen im Wiener Hofstaat des 17. Jahrhunderts, 2005, S. 46, 119–122, 131–133, 142–145, 158–162, 175–179 u. 240–247. (Qu, L, P)
Katrin Keller, Die Kaiserin. Reich, Ritual und Dynastie, 2021, S. 13–15, 75 f., 110–114, 166, 176 u. 185. (P) (Onlineressource)
Katrin Keller/Matthias Schnettger (Hg.), Transalpine Transferprozesse im 17. Jahrhundert. Die Gonzaga-Kaiserinnen zwischen Mantua und Wien, 2025.
Hannes Alterauge, Eleonora Gonzaga und Eleonora Gonzaga-Nevers zwischen Wien und Mantua. Handlungsspielräume römisch-deutscher Kaiserinnen in der dynastischen Politik des 17. Jahrhunderts, 2027 (im Druck).
Aufsätze:
Giovanni Battista Intra, Le due Eleonore Gonzaga imperatrici, in: Archivio storico lombardo 18 (1891), S. 342–363 u. S. 629–657. (Onlineressource)
Herbert Seifert, Die Musiker der beiden Kaiserinnen Eleonora Gonzaga, in: Manfred Angerer (Hg.), Festschrift Othmar Wessely zum 60. Geburtstag, 1982, S. 527–554.
Almut Bues, Das Testament der Eleonora Gonzaga aus dem Jahre 1651. Leben und Umfeld einer Kaiserin-Witwe, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 102 (1994), S. 316–358.
Otto G. Schindler, Von Mantua nach Ödenburg. Die ungarische Krönung Eleonoras I. Gonzaga (1622) und die erste Oper am Kaiserhof. Ein unbekannter Bericht aus der Széchényi-Nationalbibliothek, in: Biblos 46 (1997), S. 259–293.
Otto G. Schindler, Sonst ist es lustig alhie. Italienisches Theater am Habsburgerhof zwischen Weißem Berg und Sacco di Mantova, in: Andreas Weigl (Hg.), Wien im Dreißigjährigen Krieg. Bevölkerung – Gesellschaft – Kultur ‒ Konfession, 2001, S. 565–654.
Charles W. Ingrao/Andrew L. Thomas, Piety and Power. The Empresses-Consort of the High Baroque, in: Clarissa Campbell Orr (Hg.), Queenship in Europe, 1660–1815. The Role of the Consort, 2004, S. 107–130.
Linda Maria Koldau, Familiennetzwerke, Machtkalkül und Kulturtransfer. Habsburgerfürstinnen als Musikmäzeninnen im 16. und 17. Jahrhundert, in: Dorothea Nolde/Claudia Opitz (Hg.), Grenzüberschreitende Familienbeziehungen. Akteure und Medien des Kulturtransfers in der Frühen Neuzeit, 2008, S. 55–72.
Daniela Frigo, Les deux impératrices de la Maison de Gonzague et la politique „italienne“ de l’Empire (1622–1686), in: Dix-septième siècle 243 (2009), S. 219–237.
Michael Poelzl, Kaiserin-Witwen in Konkurrenz zur regierenden Kaiserin am Wiener Hof 1637–1750. Probleme der Forschung, in: Wiener Geschichtsblätter 67 (2012), H. 2, S. 165–189.
Matthias Schnettger, Die Kaiserinnen aus dem Haus Gonzaga: Eleonora die Ältere und Eleonora die Jüngere, in: Bettina Braun/Katrin Keller/Matthias Schnettger (Hg.), Nur die Frau des Kaisers? Kaiserinnen in der Frühen Neuzeit, 2016, S. 117–140. (Onlineressource)
Matthias Schnettger, Zwei Ehen und ihre Folgen. Die beiden Kaiserinnen aus dem Haus Gonzaga zwischen Italien und dem Reich, in: Elena Taddei/Matthias Schnettger/Robert Rebitsch (Hg.), Reichsitalien in Mittelalter und Neuzeit, 2017, S. 113–130.
Matthias Schnettger, Kaiserinnen und Kardinäle. Wissensbroker(innen) zwischen dem Kaiserhof und Italien im 17. Jahrhundert, in: Sabina Brevaglieri/ders. (Hg.), Transferprozesse zwischen dem Alten Reich und Italien im 17. Jahrhundert. Wissenskonfigurationen – Akteure – Netzwerke, 2018, S. 127–160. (Qu, L)
Matthias Schnettger, Zwischen den Dynastien. Kaiserin Eleonora Gonzaga und der Mantuanische Erbfolgekrieg, in: Guido Braun (Hg.), Diplomatische Wissenskulturen der frühen Neuzeit. Erfahrungsräume und Orte der Wissensproduktion, 2018, S. 63–111.
Harriet Rudolph, Die Krönung der Kaiserin. Über die Neuerfindung eines politischen Rituals und seine Funktionen im konfessionellen Zeitalter, in: Archiv für Kulturgeschichte 100 (2018), S. 305–340.
Matthias Schnettger, „Affezionattissima et fedelissima madre sin’a morte“. Die Briefe der Kaiserinwitwe Eleonora Gonzaga an Kaiser Ferdinand III. aus dem Jahr 1647, in: Bettina Braun/Matthias Schnettger (Hg.), Zwischen Einschränkungen und Freiräumen. Fürstliche Witwen in der Frühen Neuzeit, 2026 (im Druck).
Lexikonartikel:
Almut Bues, Art. „Eleonora Gonzaga, imperatrice“, in: Dizionario Biografico degli Italiani 42 (1993). (Onlineressource)
Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Eleonora (Gonzaga) I.“, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, hg. v. Rudolf Flotzinger/Barbara Boisits, 2002. (Onlineressource)
Gemälde (Öl/Leinwand) v. Justus Suttermans (Sustermans) (1597–1681), Eleonora Gonzaga im Brautkleid, 1621, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, 7 146, ausgestellt in der Wiener Hofburg. (Onlineressource)
Kupferstich v. Pieter van Sompel (1600–nach 1643), 1644, Österreichische Nationalbibliothek, Porträtsammlung, PORT_00053749_01 POR MAG. (Onlineressource)
Kupferstich v. Wolfgang Kilian (1581–1662), ca. 1645/55, Österreichische Nationalbibliothek, Porträtsammlung, PORT_00053747_01 POR MAG (Onlineressource)
Kupferstich v. Wolfgang Kilian (1581–1662), ca. 1650, Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Inv.-Nr. II,234,303. (Onlineressource)