Lebensdaten
erwähnt 12. – 20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
böhmisches Adelsgeschlecht
Konfession
mehrkonfessionell
Namensvarianten
  • Waldstein, Grafen von
  • z Valdštejna
  • Waldstein-Wartenberg, Herren von
  • mehr

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Zitierweise

Waldstein, Herren von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138562.html [22.02.2024].

CC0

  • Biographie

    Als Ahnherr der W. gelten der böhm. Kämmerer Markwart ( vor 16. 6. 1160), dessen SohnHermann v. Roll (Heřman z Ralska, n. 1197), Burggf. von Kladno, 1175 / 77 Marschall und 1189 Kämmerer von Böhmen, sowie andere Mitglieder der Adelsfamilie der Markwartinger (s. NDB 16), von denen sich auch die Herren v. Wartenberg und weitere böhm. Geschlechter ableiten. In diesen Familienzusammenhang gehört auch die hl. Zdislava v. Lämberg (z Lemberka, n. 1220–52, Hl.sprechung 1995), die Schutzheilige der Armen und Leidenden in Böhmen.

    Jaroslaus v. Hruschtitz (Jaroslaw v. Hruschticz, Jaroslav z Hruštice, um 1269), 1239 Burgvogt auf dem Königstein (Sachsen), später bis 1262 Burgvogt von Jungbunzlau (Mladá Boleslav), gründete vermutlich die vor 1280 entstandene Burg Waldstein bei Turnau (Turnov). Sein dort residierender Nachkomme Zdenko (Zdeněk, 1260–1304) führte wohl als erster den Titel eines Herren von W. Sein Verwandter, Johann VI. (Jan, 1311), übernahm 1303 den Bischofsstuhl von Olmütz (Olomouc). Im 14. Jh. bauten die W. ihren Besitz in Mittel- und Nordböhmen aus, spalteten sich seitdem in mehrere Zweige auf und bekleideten Ämter am Prager Hof, standen dabei aber lange im Schatten der v. Wartenbergs und anderer Familienlinien.

    Aus der Linie Jettenitz (Dětenice) stammte Haasko v. W. (Hašek z Valdštejna, n. 1452), seit 1405 Lehnsmann der mähr. Markgrafen, 1421 / 22 Prager Hauptmann, der 1423 / 24 als Münzmeister von Böhmen und 1426 als Landeshauptmann von Mähren amtierte, bevor er 1434–37 als Landeshauptmann von Glatz (Kłodzko) und Frankenstein (Ząbkowice Śląskie) wirkte. In der Schlacht am Wyschehrad unterstützte er 1420 den böhm. Kg. Sigismund von Luxemburg (1368–1437) ge-|gen die hussitischen Heere, 1422 befehligte er die Truppen der gemäßigten Prager Hussiten und kämpfte nach 1424 erneut auf Seiten Sigismunds. 1420 hatte ihm auch der in Mähren begüterte Henning v. W. auf Goldenstein (Heník, Hynek na Kolštejnu, 1427) gegenübergestanden, der für die hussitische Kirchenreform und später für eine poln. Thronfolge in Böhmen eintrat.

    Hynko (Hynek, 1402), Besitzer von Starkenstein (Jilemnice), war Oberstmundschenk von Mähren und begründete die begüterte mähr. Linie, die nach 1400 als Herren von Pirnitz (Brtnice) den Beinamen Brtniczky v. W. (Brtnický z Valdštejna) führte und im 16. Jh. hohe Positionen in der mähr. Landesverwaltung einnahm. Hynkos Sohn Heinrich (Heník, 1436), der auf seinem Grund die aus Iglau (Jihlava) vertriebenen Juden ansiedelte, focht in den Hussitenkriegen auf Seiten Kg. Sigismunds. Seine Söhne und Mitglieder anderer Familienzweige schlossen sich der kirchlichen Reformbewegung an, verurteilten die Hinrichtung von Johannes Hus (um 1370–1415) und beteiligten sich an hussitischen Heerzügen. Burian Brtniczky v. W. ( 1544) war Oberstlandrichter von Mähren, sein Sohn Zdenko (Zdeněk, 1561) 1557–61 mähr. Landeshauptmann, sein EnkelHeinrich (Jindřich, Hynek, 1555–89) 1581 / 82 Oberstlandrichter und 1582–89 ebenfalls Landeshauptmann.

    In der böhm. Herrenstandsordnung von 1501 wurden die W. unter den alten Herrengeschlechtern Böhmens an elfter Stelle geführt. Im 16. und 17. Jh. besetzten sie häufig das Amt des Kreishauptmanns von Königgrätz (Hradec Králové) und anderer nordböhm. Regionen, während kirchliche Karrieren erst wieder seit dem 17. Jh. eingeschlagen wurden. Eine Ausnahme bildete Benedikt (Beneš, 1505), der nach Studien in Prag und Krakau Domherr in Prag und Altbunzlau (Stará Boleslav), anschließend Propst in Olmütz (Olomouc) wurde. 1455–85 Domherr von Leitmeritz (Litomě řice), regierte Benedikt danach bis zu seinem Amtsverzicht 1498 als Bischof von Cammin (Pommern).

    Mit dem Utraquisten Johann (Hans, Jan, 1508–76), ksl. Rat, 1554–70 Oberstlandrichter, anschließend Oberstkämmerer von Böhmen, begann der weitere Aufstieg der Hauptlinie. Johanns wohlhabender Neffe Heinrich (Heník, 1568–1623) auf Dobrowitz (Dobrovice), Verfasser tschech. Gedichte und theol. Betrachtungen, gründete eine Lateinschule und 1610 eine Druckerei, mit deren politischen Pamphleten er in Konflikt mit den Habsburgern geriet. Als Vertreter der Ständeopposition floh er nach Sachsen, sein konfiszierter Besitz wurde auf Albrecht (v. Wallenstein, 1583–1634, s. 1) übertragen.

    Auch der Brtniczker Familienzweig war von den böhm. Auseinandersetzungen 1618–23 betroffen. Zdenko (Sidonius, Zdeněk, 1582–1623), der im Rahmen seiner Kavalierstour 1596–1602 die Universitäten von Straßburg (wo er an staatsrechtl., theol. u. med. Disputationen teilnahm), Orleans und Siena besucht und 1618–20 dem ständischen Direktorium in Brünn angehört hatte, wurde wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Er starb in der Brünner Festung Spielberg, der Familienbesitz wurde konfisziert, mehrere Verwandte mußten emigrieren. Kath. Mitglieder dieses Familienzweigs erhielten 1632 den Grafenstand und blieben in ksl. Diensten wie Burian Ladislaus (1591–1645), Generalfeldwachtmeister und Prager Stadtkommandant, und dessen Söhne Maximilian Adam (1626–1706), seit 1669 Reichshofrat und Geheimer Rat, und der Kämmerer Ferdinand Rudolf (1628–87).

    Adam d. J. (1569 / 70–1638), der älteste Sohn Johanns und Senior der böhm. Hauptlinie auf Schloß Kammerburg (Komorní Hrádek), begann als Edelknabe am Hof Ks. Rudolfs II. seine Karriere. Er trat um 1590 zum Katholizismus über und diente dem Kaiser seit 1596 als Kämmerer, seit 1608 als Oberststallmeister. In Böhmen übernahm er 1608 die Stelle des Oberstlandrichters und 1611–19 sowie seit 1621 die des Oberstlandhofmeisters. 1619 / 20 war er im sächs. Exil. 1627 wurde Adam Oberstburggraf von Böhmen, 1631 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und 1637 Geheimer Rat; er gehörte zu den wenigen böhm. Hochadligen, die ihre Position bei Hof bzw. in Prag über den Ständeaufstand und den Tod Albrechts v. Wallenstein hinweg erhalten konnten. Seit 1628 böhm. Graf und Reichsgraf, 1636 auch ungar. Graf, erweiterte Adam den Familienbesitz durch den Kauf konfiszierter Güter. Seine gebildete, auch tschech.sprachige luth. Schwester Katharina (Kateřina, 1638), in zweiter Ehe mit Karl d. Ä. v. Zierotin (Karel starší ze Žerotína, 1564–1636), dem Führer der mähr. Stände, verheiratet, brachte die große Fideikommißherrschaft Trebitsch (Třebíč ) in den Familienbesitz ein.

    Adams Sohn Maximilian (1598–1655) diente nach Studien in Siena 1617 seit 1620 als ksl. Offizier und erhielt nach der Schlacht von Nördlingen 1634 den Titel eines Feldmarschalls. Von seinem Cousin Albrecht v. Wal-|lenstein erwarb er 1627 die Herrschaft Münchengrätz (Mnichovo Hradiště), die zum Stammsitz der Familie wurde, und nach Albrechts Tod weitere Besitztümer, darunter 1639 das Prager Palais W. Seit 1617 war Maximilian Kämmerer, seit 1638 Geheimer Rat, 1637–42 Oberststallmeister und 1650–55 Oberstkämmerer der österr. Erblande. 1654 wurden er und seine Nachkommen in das schwäb. Reichsgrafenkollegium, er selbst 1655 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. 1651 gründete er das Franziskanerkloster in Turnau, wurde jedoch in der Waldsteinkapelle der Augustinerkirche in Wien beigesetzt. Sein Bruder Rudolf (1592–1640) gehörte als Beisitzer dem Landgericht an und wurde 1637 Obersthofmarschall von Böhmen.

    Aus dem anfangs prot. Familienzweig Arnau (Hostinné), der 1521 diese Herrschaft erworben hatte und im 17. Jh. zum Katholizismus zurückkehrte, stammten neben Albrecht v. Wallenstein auch Vertreter der böhm. Ständeopposition. Neben Hannibal (1576–1622), der nach dem Besuch der Gymnasien in Görlitz und Zerbst und dem Studium an der Univ. Frankfurt/ Oder dort 1595 Rektor wurde und 1607–12 als Oberstmünzmeister von Böhmen für die Ständeopposition eintrat, ist dessen Neffe Zdenko Siegmund (Zdeně k Sigmund, 1633) zu nennen. Bereits seit 1620 Offizier des sächs. Kurfürsten, verlor er 1623 durch Konfiskation seine schles. Güter.

    Im Kontext der habsburg. Herrschaft erhielten die W. 1656 den Titel des Obersterblandvorschneiders von Böhmen und besetzten zahlreiche bedeutende Hofämter in Prag und Wien. Ferdinand Ernst (Ferdinand Arnošt, 1624–56), Kämmerer und böhm. Appellationsrat, stieg 1648–59 zum Reichshofrat auf. Er übernahm diplomatische Aufträge, war ksl. Gesandter für Böhmen beim Westfäl. Friedenskongreß, 1650 / 51 Präsident des böhm. Appellationsgerichts, 1651 Oberstlandrichter, 1652 Oberstlandkämmerer und Statthalter sowie 1651 / 52 kgl. Landtagskommissar in Böhmen. Sein Bruder Franz Augustin (František Augustin, 1628–84), Großbailli des Malteserordens, seit 1666 Herr auf Trebitsch, erlangte als Hauptmann der Leibgarde und dann als Obersthofmarschall direkten Zugang zu Ks. Leopold I. (1640–1705), was die Wirkungsmöglichkeiten der Familie beträchtlich erweiterte, ihm aber trotz ksl. Unterstützung nicht den angestrebten Kardinalsrang einbrachte. Ebenso wie schon 1675 ein weiterer Bruder, Karl Ferdinand (Karel Ferdinand, 1634–1702), Herr auf Trebitsch, Diplomat 1678 beim Frieden von Nimwegen und an den Höfen in London, Warschau und Paris sowie später Konferenzminister, wurde 1684 Franz Augustin mit dem Orden vom Goldenen Vlies ausgezeichnet. Hofdamen wurden ihre Schwestern Maximiliana (1625– n. 1652) 1640–47 bei Ksn. Maria Anna (1606–46) und ihre Tochter Maria Anna (1634–96) sowie 1641–55 Katharina (Kateřina, 1629–91) bei Ksn. Eleonora Gonzaga d. Ä. (1598–1655).

    Johann Friedrich (Jan Bedřich, 1642–94), der jüngste Bruder Ferdinand Ernsts, Besitzer der Herrschaften Dux (Duchcov) und Oberleutensdorf (Horní Litvínov), begann seine Karriere mit einem Theologiestudium in Prag und Rom, wurde Hausprälat von Papst Alexander VII. (1599–1667) und übernahm Kapitelpfründen in Olmütz und Breslau. Seit 1668 Bischof von Königgrätz, fand seine Weihe erst 1674 statt. 1675 wurde er zum Erzbischof von Prag und parallel zum Generalgroßmeister der dortigen Kreuzherren ernannt. Seine Rekatholisierungspolitik galt neuen Klöstern und Kirchen sowie der Neugestaltung der Pfarreiorganisation und Priesterausbildung einschließlich des Drucks der ersten tschech. kath. Bibelausgabe. Zugleich kam er in Konflikt mit den ksl. Reformen der staatlichen Verwaltung in Böhmen.

    Aus der folgenden Generation stammte einer der bedeutendsten Diplomaten seiner Zeit, Karl Ernst (Karel Arnošt, 1661–1713), Sohn Karl Ferdinands, Kämmerer der Ks. Leopold I. und Joseph I. (1678–1711). Nach einem Studium an der Phil. Fakultät der Univ. Prag diente er 1689–92 als Reichshofrat, dann als Botschafter und Gesandter in Spanien, Polen, Savoyen, Brandenburg, Frankreich und 1700–03 in Portugal. Er war an Heiratsverbindungen ebenso beteiligt wie am Bündnis mit Kg. Johann III. Sobieski von Polen zur Verteidigung Wiens gegen die Osmanen 1683. Karl Ernst wurde in den span. Santiago-Orden und 1698 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Er diente 1704–08 als Obersthofmarschall, 1708 / 09 als Obersthofmeister der Ksn. Amalia Wilhelmine (1673–1742) und wurde als Oberstkämmerer 1709 zum Konferenzrat ernannt. Seine Tochter Eleonore (1687–1749) war Hofdame der Kaiserin, Sternkreuzordensdame und heiratete ihren Großcousin Johann Joseph (Jan Josef, 1684–1731, s. 2).

    Die Hauptlinie setzte Ernst Joseph (Arnošt Josef, 1654–1708), der Sohn von Ferdinand Ernst, fort. Er stieg durch ökonomische Reformen auf seinem Landbesitz zum wohlhabendsten Mitglied der Familie auf, machte die neue Herrschaft Münchengrätz (Mnicho-|vo Hradiště ) zum Stammsitz und erwarb weiteren Grundbesitz, u. a. die Herrschaft Pürglitz (Křivoklát) mit Unhoscht (Unhošt’). In der Landesverwaltung war der Geheime Rat und Kämmerer als Beisitzer des Lehensgerichts, böhm. Statthalter und kgl. Landtagskommissar eingebunden; 1708 wurde er Oberstlandhofmeister von Böhmen. Seine beiden Söhne Franz Joseph Oktavian (František Josef Oktavián, 1680–1722) und Johann Joseph sowie die Enkel setzten diese Erfolgsgeschichte einer höfischen Adelsdynastie über mehrere Generationen hinweg bis in die Mitte des 18. Jh. fort. Franz Joseph Oktavian studierte in Prag und wurde nach seiner Kavalierstour 1710 Kommissar des böhm. Landtags und einer der Statthalter in Prag. 1714–19 Obersthofrichter in Böhmen, übernahm der Geheime Rat 1719 / 20, nachdem ihm die Fideikommißherrschaft Trebitsch zugefallen war, das Amt des Landeshauptmanns von Mähren. Auch der ältere Sohn Franz Ernst (František Arnošt, 1706–48) und der Enkel Vinzenz Ferrerius (Vincenc, 1732–97) waren Beisitzer des Hoflehens- und Kammergerichts in Prag. Franz Ernst begann auf Schloß Hirschberg (Doksy) eine große Bibliothek aufzubauen, Vinzenz trat als erstes Familienmitglied in das schwäb. Reichsgrafenkollegium ein. Franz Joseph Oktavians jüngerer Sohn Franz (de Paula) Joseph (František Josef, 1709–71), Kämmerer und Geheimer Rat, baute die von seinem Onkel Johann Joseph geerbte Fideikommißherrschaft Dux-Oberleutensdorf erfolgreich aus und erreichte auch, daß der Hauptlinie der W. auf Münchengrätz mit ihren Zweigen 1758 das Prädikat der 1632 ausgestorbenen Herren von Wartenberg übertragen wurde. Als Witwer trat Franz Joseph 1760 in das Kapuzinerkloster Münchengrätz ein.

    Aus dem Arnauer Familienzweig, der 1632 den Reichsgrafenstand erhalten hatte und 1886 in männlicher Linie ausstarb, stammte Leopold Wilhelm d. J. (Leopold Vilém, 1677–1748), 1724–41 Landeshauptmann der Grafschaft Glatz und 1728–33 Gesandter in Dresden. Sein Neffe Emanuel Franz Ernst (Emanuel František Arnošt, 1716–89) wurde nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe in Rom erst Propst in Neuhaus (Jindřichu˚ v Hradec), dann in Altbunzlau, anschließend Domherr sowie tschech. Domprediger in Prag. Seit 1756 Weihbischof von Prag bzw. Titularbischof von Amyclae, wirkte der vom Jansenismus geprägte kath. Aufklärer 1760–89 als Bischof von Leitmeritz und gründete 1762 das dortige Priesterseminar.

    Im Duxer Familienzweig, seit 1758 ebenfalls „v. W. und Wartenberg“, wurde die Familientradition begründet, als Ehrenritter oder Ehrendamen dem Malteserorden beizutreten. Franz Josefs Sohn, der Kämmerer und Geheime Rat Emanuel Philibert (Emanuel Filibert, 1731–75), förderte auf seinen Herrschaften die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung durch Kunstaufträge und die Gründung weiterer Manufakturen. Sein Sohn Johann Friedrich (Jan Bedřich, 1756–1812) wurde Domherr in Salzburg und Augsburg und 1802 Bischof von Seckau. Dessen Bruder Franz Adam (František Adam, 1759–1823) erforschte als ehemaliger Offizier nach 1798 insbesondere die ungar. Pflanzenwelt und hinterließ dem Vaterländischen Museum in Prag (heute Nat.mus.) sein Herbarium. Ein weiterer Bruder,Ferdinand Ernst (Ferdinand Arnošt, 1762–1823), war Ritter, Diplomat und später Befehlshaber des Dt. Ordens in Bonn bzw. in engl. Diensten und gilt als ein Förderer Ludwig van Beethovens (W.sonate, 1803 / 04). Der älteste der vier Brüder, Josef Karl (Josef Karel, 1755–1814) pflegte nach seiner militärischen Laufbahn vielfältige Kontakte zu Wissenschaftlern und Künstlern und beschäftigte seit 1785 Giacomo Casanova als Bibliothekar auf Schloß Dux, wo dieser die meisten seiner Schriften verfaßte.Georg Joseph (Jiří Josef, 1768–1825), ein Cousin der vier Brüder, ließ 1796 / 97 in Schloß Leitomischl (Litomišl) ein Privattheater einbauen, was dann auch auf anderen w.-wartenbergschen Familiensitzen realisiert wurde.

    Nachfahre dieses Zweigs war Johann Nepomuk (Jan, János Nepomuk, 1809–76), Dr. phil. und Dr. jur., der bis 1849 als Hofrat im Gubernium in Triest tätig war und danach unternehmerisch beim Eisenbahnbau und in der Pferdezucht in Ungarn aktiv wurde. Er beteiligte sich 1850 an der Gründung des Österr. Kunstvereins, gehörte dem Kuratorium des Österr. Museums für Kunst und Industrie in Wien sowie dem Senat der Ungar. Akademie der Wissenschaften in Budapest an und leitete seit 1871 die ungar. Landeskommission für bildende Künste. Johann, seit 1866 Geheimer Rat und seit 1868 Mitglied der ungar. Magnatentafel, erhielt 1856 den St.-Stephans-Orden, 1857 das Kommandeurskreuz des belg. Leopold-Ordens und 1873 das Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens.

    Seit 1800 dominierten in allen Linien neben einem Jurastudium die militärischen Karrieren, die meist im mittleren Alter aufgegeben wurden, worauf die Verwaltung des Landbesitzes, häufig mit großen Waldbeständen, folgte. Nach 1870 stieg die Familie in die|Zuckerindustrie ein. In der Münchengrätzer Linie leitete Christian Vinzenz Ernst (Kristián Vincenc Arnošt, 1794–1858) den Forstverein Böhmens und war seit 1852 Präsident der Gesellschaft des Böhm. Museums. Er gründete 1856 auf seiner westböhm. Herrschaft Stiahlau (Št’áhlavy) eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, aus der unter späteren Besitzern die Pilsener Škoda-Werke hervorgingen. Erbliche Mitglieder im österr. Herrenhaus waren seit 1873 Christians Sohn (Josef) Ernst Franz (Arnošt František, 1821–1904), zugleich Mitglied der ungar. Magnatentafel, 1867 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und Vertrauter von Ehzg. Franz Ferdinand (1863–1914), sowie danach die beiden Enkel und Juristen Ernst Karl (Arnošt Karel, 1849–1913) und Adolf (1868–1930), die sich auch im böhm. Landtag engagierten und zur liberalen Verfassungspartei bekannten. Auch Feldmarschalleutnant Josef (1824–1903), Bruder von Ernst, und Major Josef Vinzenz (1836–1929) wurden ins Herrenhaus berufen, während mit den böhm. Landtagsabgeordneten Franz Salesius (1834–87) und dessen Sohn Zdenko Franz (Zdeněk František, 1862–1936) weitere Vertreter dieser Linie politisch aktiv waren.

    Marie (1855–1934), die Schwester von Ernst Karl und Adolf, diente als Hofdame der Kronprn. Stephanie von Habsburg (1864–1945). Der Jurist Karl Ernst (Karel Arnošt, 1897–1985) war Senior der Familie, als nach 1945 der Grundbesitz der Familie in der Tschechoslowakei konfisziert wurde. Die Mehrzahl der Familienmitglieder lebt seitdem in Österreich, wohin seit dem 18. Jh. mehrfach einzelne Zweige der W. gezogen waren. Für das 20. Jh. sind der Historiker Berthold Josef (1925–92) und seine Frau Margareta Daisy (geb. Tetzeli v. Rosador, verwitwete Thun-Hohenstein, 1927–2017) zu erwähnen. Berthold war Ordensrat des Großpriorats Böhmen des Malteserordens, leitete seit 1980 das Österr. Staatsarchiv in Wien und war seit 1990 Hofrat, seit 1982 Präsident der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft Adler. Margareta Daisy, Mitglied des Malteserordens und des Dritten Ordens der Dominikanerinnen, ausgezeichnet mit dem Komturkreuz des päpstlichen Sylvester- und Gregor-Ordens sowie dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich, engagierte sich seit 1956 für den Malteser Hospitaldienst, für die Ostpriesterhilfe bzw. Kirche in Not, weitere Flüchtlingshilfs- und andere Sozialdienste und trug nach 1989 zum Aufbau des Malteserdiensts in Tschechien bei.

  • Literatur

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    Berthold Waldstein-Wartenberg, Die Markwartinger, 1966;
    P. R. Pokorný u. P. Preiss, Václav Vavřinec Reiner, Zámek Duchcov, valdštejnská rodová galerie [Wenzel Lorenz Reiner, Gem. u. Fresken im Bereich d. Schlosses Dux u. d. Ahnengal. d. W.-Geschlechts], 1992;
    Deník rudolfinského dvořana, Adam mladší z Valdštejna [Das Tageb. e. Hofmanns v. Rudolf II., Adam d. J. v. W.] 1602–1633, hg. v. P. Mat’a u. M. Koldinská, 1997;
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    Zedler 52, 1747, Sp. 1506–61;
    Wurzbach 52, 1885, S. 207–40;
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    GHdA 112, Gfl. Häuser XV, 1997, S. 535 ff.;
    Alm. č eských šlechtických rodu˚ [Alm. d. böhm. Adelsfam.] 2017, 2018, S. 429–45;
    Biogr. Slg. d. Collegium Carolinum, München.

  • Autor/in

    Robert Luft
  • Familienmitglieder

  • Zitierweise

    Luft, Robert, "Waldstein, Herren von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 316-320 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA