Lebensdaten
1892 bis 1985
Geburtsort
Wiesbaden
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Anthropologe ; Soziologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118741071 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eyser, Ulrich (Pseudonym)
  • Plessner, Helmuth
  • Eyser, Ulrich (Pseudonym)
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Zitierweise

Plessner, Helmuth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118741071.html [05.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Fedor, Dr. med., Sanitätsrat;
    M Elisabeth Eschmann;
    1952 Monika Atzert.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Wiesbaden 1910 studierte P. Medizin, Zoologie und Philosophie in Freiburg, Berlin, Heidelberg (Hans Driesch, Wilhelm Windelband), Göttingen (Edmund Husserl) und Erlangen. Bei Paul Hensel in Erlangen 1916 mit der Arbeit „Krisis der transzendentalen Wahrheit im Anfang“ (1918) zum Dr. phil. promoviert, arbeitete P. 1917/18 als Assistent am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Nach seiner Habilitation für Philosophie 1920 bei Driesch in Köln wurde P. dort zum Privatdozenten, 1926 zum ao. Professor für Philosophie ernannt. 1933 wegen seiner jüd. Herkunft entlassen, emigrierte er zuerst in die Türkei, anschließend in die Niederlande. Seit 1936 lehrte P. als Dozent, seit 1939 als Stiftungs-Professor in Groningen Soziologie und Philosophie. 1943 vom deutschen Reichskommissar für die Niederlande aus dem Dienst entfernt, bekleidete er seit 1946 dieses Amt erneut. 1951 kehrte er nach Deutschland zurück, um nach einer Gastprofessur 1949 an der Univ. Göttingen den dort neu errichteten Lehrstuhl für Soziologie und Philosophie zu übernehmen (1957/58 Dekan, 1960/61 Rektor); er wurde Gründer und Direktor des Soziologischen Seminars. 1962/63 war er erster Inhaber der Theodor-Heuß-Professur an der New School for Social Research New York. Nach seiner Emeritierung 1962 übernahm P. einen Lehrauftrag an der Univ. Zürich.

    P. wird, neben Max Scheler, zu den Begründern der philosophischen Anthropologie gezählt. Aufbauend auf der Philosophie Husserls entwickelte er eine in seiner Zeit einflußreiche Sichtweise vom Menschen, bei der er Forschungsergebnisse aus Humanbiologie, Psychologie und Soziologie in seine Philosophie über die Natur des Menschen einarbeitete. In seinem Buch „Die Einheit der Sinne“ (1923) und insbesondere durch sein Hauptwerk „Die Stufen des Organischen und der Mensch“ (1928) begründete P. sein Programm einer phänomenologisch geprägten soziologischen Anthropologie, die auf biologischem Wissen basiert. Seine philosophische Grundfrage ist die nach der Stellung des Menschen in Natur, Geschichte und Gesellschaft. P. versuchte, die dem Menschen im Gegensatz zum Tier eigentümlichen Beziehungen zwischen Körper und Geist mit dem Begriff der „exzentrischen Positionalität“ zu erfassen. Mit dieser Definition beschreibt P. die Stellung des Menschen als Organismus innerhalb der Natur, der sich aber gleichzeitig seiner selbst und seines Verhältnisses zu seiner Umwelt bewußt ist. Dadurch nimmt der Mensch die Umwelt nicht nur als sinnlich erlebte Außenwelt, sondern auch als sozial und geschichtlich vorgeprägte Kulturwelt wahr („natürliche Künstlichkeit“, „vermittelte Unmittelbarkeit“). Mit dieser Betonung der dialektischen Dualität des Menschen, dem Miteinander von Körper und Geist, der gleichzeitigen Einheit von Weltgebundenheit und Weltoffenheit trug P. erheblich bei zur Entwicklung und kritischen Formulierung soziologischer Theorien über soziale Rolle, Sozialisationsprozesse und Identitäts- und Persönlichkeitsbildung. Wirkungsgeschichtlich wurde sein Hauptwerk „Die Stufen des Organischen und der Mensch“ (1928) in der allgemeinen philosophischen Rezeption durch Heideggers „Sein und Zeit“ (1927) und Schelers „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ (1928) in den Hintergrund gedrängt. Sehr viel stärker öffentlich bekannt wurde P. durch seine Analyse der sozioökonomischen und geistesgeschichtlichen Wurzeln des Nationalsozialismus, insbesondere in seinem Buch „Die verspätete Nation, Über die Verführbarkeit bürgerlichen Geistes“ (21959, 1935 erstmals veröff. u. d. T. „Das Schicksal dt. Geistes im Ausgang seiner bürgerl. Epoche“), sowie durch seine Untersuchung „Lachen und Weinen“ (1941, 31962, span., engl., niederländ.).|

  • Auszeichnungen

    Avenarius-Preis d. Sächs. Ak. d. Wiss. (1932); Gr. BVK (1963); Dr. h. c. (Groningen 1964, Zürich 1972, Freiburg i. Br. 1982); Mitgl. d. Ak. d. Wiss. zu Göttingen (1956), Amsterdam u. Mainz; 1954 wurde P. zum Präs. d. Allg. Ges. f. Philos. (seit 1954); Vors. d. Dt. Ges. f. Soziol. (1955–59).

  • Werke

    Weitere W Die wiss. Idee, 1913;
    Grenzen d. Gemeinschaft, 1924;
    Macht u. menschl. Natur, 1931;
    Zw. Philos. u. Ges., 1953;
    Conditio humana, 1964;
    Diesseits d. Utopie, 1966;
    Philos. Anthxopol., hg. v. G. Dux, 1970;
    Ges. Schrr., 10 Bde., hg. v. dems., O. Marquard u. E. Ströker, 1980-85.

  • Literatur

    Wesen u. Wirklichkeit d. Menschen, FS f. H. P., hg. v. K. Ziegler 1957 (P);
    F. Hammer, Die exzentr. Position d. Menschen, Methode u. Grundlinien d. phil. Anthropol. H. P.s, 1967;
    Sachlichkeit, FS z. 80. Geb. v. H. P., hg. v. G. Dux u. T. Luckmann, 1974 (P);
    B. Delfgaauw u. a. (Hg.), Phil. Rede v. Menschen, Stud. z. Anthropol. H. P.s, 1986;
    In memoriam H. P., Gedenkfeier am 7. Febr. 1986 in d. Aula d. Georg-August-Univ., mit e. Gedenkrede v. E. Ströker, 1986;
    St. Pietrowicz, H. P., Genese u. System seines phil.-anthropolog. Denkens, 1992;
    H. Redeker, H. P. od. d. verkörperte Philos., 1993;
    J. König, H. P., Briefwechsel 1923-1933, hg. v. H.-U. Lessing u. A. Mutzenbecher, 1994;
    B. Westermann u. J. Friedrich (Hg.), Unter offenem Horizont, Anthropol. nach H. P., 1995;
    G. Arlt, Anthropol. u. Pol., Ein Schlüssel z. Werk H. P.s, 1996;
    H.-U. Lessing, „Hermeneutik d. Sinne“, Eine Unters. zu P.s Projekt e. „Ästhesiol. d. Geistes“, nebst e. P.-Ineditum, 1998;
    A. Szabó, Vertreibung, Rückkehr, Wiedergutmachung, Göttinger Hochschullehrer im Schatten d. NS, 2000, S. 122-26, 250-52;
    BHdE II;
    Nassau. Biogr.;
    Enz. Phil. u. Wiss.theorie, hg. v. J. Mittelstraß, 1995/97;
    BBKL.

  • Autor/in

    Dirk Kaesler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaesler, Dirk, "Plessner, Helmuth" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 534-535 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118741071.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA