Lebensdaten
1883 bis 1967
Geburtsort
Wangen bei Radolfzell (Höri, Baden)
Sterbeort
Konstanz
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119193337 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Wangen, J. P. (Pseudonym)
  • Badner, Jakob (Pseudonym)
  • Horner, Eugen (Pseudonym)
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Zitierweise

Picard, Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119193337.html [14.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Simon (1851–97), Kaufm. in W. u. Zürich, S d. Kaufm. Isak Jakob (1817–99) u. d. Babette Rothschild ( 1897);
    M Eugenie (1862-nach 1938), T d. Kaufm. Max Bernheim u. d. Victoria Levi;
    vermutl. Köln 1924 ( um 1930) Frieda Gerson, Dr. med. dent., Zahnärztin in Köln;
    1 T.

  • Leben

    P.s Biographie ist vom Erlebnis der Landschaft des Bodensees und des jüd. Lebens in seinem Heimatdorf geprägt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Konstanz studierte er zunächst 1903 in München Germanistik, danach Jura seit 1904 in Berlin, 1905 in Freiburg und München und seit 1907 in Heidelberg (Dr. iur. 1914). Nach vierjähriger Teilnahme am 1. Weltkrieg (Baltikum, Frankreich) war er Rechtsanwalt in Konstanz und Köln.

    Seine früh ausgebildeten literarischen Interessen hat er darüber nie vernachlässigt. Angeregt durch Mentoren wie Emanuel v. Bodman (1874–1946) und beeinflußt durch Detlev v. Liliencron (1844–1909), Gustav Falke (1853–1916), Ernst Blaß (1890–1939), Stefan George (1868–1933) und vor allem Wilhelm Schäfer (1868–1952), reüssierte er zunächst als formstrenger Lyriker – die Gedichtbände von 1913 und 1920 galten der Landschaft und dem Kriegserlebnis – und arbeitete später als Essayist und Kritiker an namhaften Blättern mit (u. a. „März“, „Die Hilfe“, „Die Schaubühne“, „Frankfurter Zeitung“). Seit 1933 in seiner beruflichen Tätigkeit zunehmend eingeschränkt, widmete sich P. ganz der Literatur und wurde unter dem Eindruck von Bedrohung und Auslöschung zum Chronisten des südwestdeutsch-alemann. Judentums. 1936 erschien unter Ausschluß der nichtjüd. Öffentlichkeit sein (bald darauf wieder eingestampftes) Hauptwerk „Der Gezeichnete“ (engl. 1956) – ein Dutzend jüd. Geschichten, die in der erzählerischen Tradition eines J. P. Hebel und G. Keller eindringlich das heimat- und gesetzestreue Leben der Landjuden an Bodensee, Rhein und Neckar im 19. Jh. thematisieren.

    Nachdem er 1936/37 noch einmal in seiner Heimat verbracht hatte, emigrierte P. von Berlin aus, wo er seit 1937 lebte, 1940 über die UdSSR, die Mandschurei, Korea und Japan in die USA. Tätigkeiten als Lehrer am Haverford College (Pennsylvania), als Gärtner, Handwerker und Krankenpfleger, die seinen literarischen Interessen enge Grenzen setzten, ließen ihn dort nicht heimisch werden. Jährliche Besuchsreisen führten ihn seit Mitte der 50er Jahre zurück an den Bodensee. Vorbereitet durch die Verleihung des Bodenseeliteraturpreises (1964, verliehen für seine 1963 unter dem Titel „Die alte Lehre“ wieder aufgelegten Erzählungen), konnte er 1965 endgültig nach Deutschland zurückkehren. P.s bleibende literarische Bedeutung liegt in der anrührenden Darstellung eines eigenständigen und aufrechten Landjudentums jenseits von Ghetto und Assimilation.|

  • Auszeichnungen

    BVK (1964); Mitgl d. Dt. PEN, London.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das Ufer, Gedichte, 1913;
    Die friedengefährdende Klassenverhetzung, Diss. Heidelberg, 1914;
    Erschütterung, Gedichte, 1920;
    Der Uhrenschlag, Gedichte, 1960;
    Werke in zwei Bänden, hg. v. M. Bosch, 1991 (P);
    Und war ihm leicht wie nie zuvor im Leben, Erzz., 1993. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: New York, Leo Baeck Inst.

  • Literatur

    H. Pross, in: Dt. Rdsch. 84, 1958, H. 1, S. 46-48;
    D. Stolz, in: Hegau 9, 1964, H. 17, S. 63-72;
    F. Sieburg, in: FAZ v. 17.8.1963;
    G. Sprenger, in: Neue Dt. Hh. 29, 1982, H. 4, S. 767-75;
    M. Barth, in: Allmende 9, 1989, H. 24/25, S. 39-47;
    M. Bosch, in: Bad. Biogr. NF III;
    ders., Bohème am Bodensee, 1997, S. 52-58;
    ders. u. J. Grosspietsch, J. P. 1883-1967, 1992 (W-Verz., L);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Killy;
    Dt.sprachige Exillit. seit 1933, IV/3, hg. v. J. M. Spalek, K. Feilchenfeldt u. S. H. Hawrylchak, 1994 (L, W-Verz.);
    J. M. Spalek, S. H. Hawrylchak, Guide to the Archival Materials of the German Speaking Emigration to the United States after 1933, I, 1997.

  • Autor/in

    Manfred Bosch
  • Empfohlene Zitierweise

    Bosch, Manfred, "Picard, Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 406 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119193337.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA