Lebensdaten
1909 bis 1989
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Altdorf bei Nürnberg
Beruf/Funktion
Wasserzeichenforscher
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11931729X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bickert, Gerhard (eigentlich)
  • Piccard, Gerhard August Karl
  • Piccard, Gerhard
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Piccard, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11931729X.html [14.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. Bickert, Soldat, Postbeamter;
    M N. N.;
    Rosalie N. N. (1918–78).

  • Leben

    P.s ausgeprägte musikalische Begabung legte zunächst eine Pianistenlaufbahn nahe. Während der Gymnasialzeit war er Schüler von Conrad Ansorge. Nach dessen Tod 1930 mußte P. aus wirtschaftlichen Gründen die musikalische Ausbildung abbrechen. Er war als freischaffender bildender Künstler tätig, der seinen Lebensunterhalt in einem Architekturbüro verdiente. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde er zur Wehrmacht eingezogen und 1941 an der Ostfront bei einer Pioniereinheit eingesetzt. Nach russ. Gefangenschaft (1945/46) freundete er sich mit der Journalistikwissenschaftlerin Lore Sporhan-Krempel (1908–94) an. In deren elterlicher Papierfabrik in Enzweihingen entwickelten beide seit 1947 ihr Interesse an alten Papieren und deren Wasserzeichen.

    P. begann 1949 mit der systematischen zeichnerischen Erfassung von Wasserzeichen, um diese für die Alters- und Echtheitsbestimmung historischer Dokumente einzusetzen. In mehreren theoretischen Studien legte er das Fundament für die Entwicklung der Wasserzeichenforschung zu einer historischen Hilfswissenschaft, während gleichzeitig das Hauptstaatsarchiv Stuttgart unter der Leitung von Max Miller für den Aufbau einer umfassenden Wasserzeichenkartei gewonnen werden konnte. Diese Arbeit führte P. ohne feste Anstellung in etwa 80 europ. Archiven und fünf Bibliotheken durch. Bis 1974 entstanden so etwa 130 000 Pausen, von denen ca. 95 000 Wasserzeichen als Reinzeichnungen in die Kartei übertragen wurden. 1961-87 besorgte P. die Drucklegung von 15 Findbüchern mit nach ikonographischen Gesichtspunkten geordneten Wasserzeichenmotiven. Zwei weitere Findbücher wurden postum|veröffentlicht. P. schuf damit die bisher umfangreichste wasserzeichenkundliche Datenbasis für den Zeitraum seit Auftreten der ersten Filigrane (Italien 1282) bis etwa 1600. Auf Widerspruch der Kunstwissenschaft stieß hingegen seine Arbeit über den Magdalenenaltar in Tiefenbronn (1969), dessen Datierung „1431“ und Zuschreibung an „Lucas Moser“ er für gefälschte Ergänzungen des frühen 19. Jh. hielt. Noch nicht veröffentlicht sind seine gemeinsam mit Wolfgang v. Stromer (1922–99) durchgeführten Untersuchungen über die Anfänge der graphischen Druckverfahren.|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (Baden-Württ., 1980); korr. Mitgl. d. Komm. f. geschichtl. Landeskde, in Baden-Württ.

  • Werke

    u. a. Die Mgfl. Papiermühle in Niefern u. d. papierwirtschaftl. Verhältnisse in Baden-Durlach im XVIII. Jh., in: ZGORh 98 (= NF 59), 1950, S. 295-306;
    Die Unters. d. ältesten erhaltenen Ztgg. auf ihre Wasserzeichen, in: Papiergesch. 1, 1951, S. 13-16;
    Die Wasserzeichenslg., ebd. 15, 1965, S. 14-21;
    Das Wappen d. Herzöge v. Jülich-Berg, Cleve, Mark u. Ravensberg, ebd. 17, 1967, S. 1-14;
    Riesaufdrucke u. Riesumschläge, ebd. 18, 1968, S. 1-26;
    Wasserzeichenkde, u. Urbarforsch., in: Archivum 2, 1952, S. 65-81;
    440 J. Papiermacherei in Freiburg. 100 J. „Neue“ Papierfabrik Ferdinand Flinsch Freiburg im Breisgau, 1952 (mit L. Sporhan-Krempel);
    Frankfurt, frühe Stadt d. Papierhandels, 1954;
    Die Wasserzeichenforsch, als hist. Hilfswiss., in: Archival. Zs. 52, 1956, S. 62-115;
    Carta bombycina, carta papyri, pergamena Graeca, ebd. 61, 1965, S. 46-75;
    Die Datierung d. Missale speciale (Constantiense) durch seine Papiermarken, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel 16, 1960, H. 14a, S. 259-72;
    Die Datierung d. Urschr. d. „Püchels von mein gslecht u. von abentewr“ durch seine Papiermarken, ebd. 17, 1961, H. 41a, S. 811-14;
    Das Mainzer „Catholicon“ v. 1460 u. seine Datierung, ebd. 38, 1982, S. A125-A128;
    Die Papiermühle zu Rottweil 1630-1643, in: ZWLG 19, 1960, S. 171-74;
    Die Datierung d. Missale speciale (Constantiense) durch seine Papiermarken, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 2, 1960, Sp. 571-84;
    Rechtschein. (bad.) Papiermühlen u. ihre Beziehungen zu Straßburg, ebd. 4, 1963, Sp. 997-1102;
    Papiererzeugung u. Buchdruck in Basel bis z. Beginn d. 16. Jh., ebd. 8, 1967, Sp. 26-322;
    Über d. Anfänge d. Gebrauchs d. Papiers in dt. Kanzleien, in: Studi in onore di Amintore Fanfani, 1962, S. 345-401;
    Die Papiermacherei im Renchtal, 1962;
    Zur Gesch. d. Papiermacherei in Ravensburg, in: Neue Büt. z. südwestdt. Landesgesch., FS f. Max Miller, 1962, S, 88-102;
    Zur Gesch. d. Papiererzeugung in d. Reichsstadt Memmingen, in: Memminger Gesch.bll. 1963, 1964, S. 42-68;
    Vom Papier u. seinem frühen Gebrauch in süddt. Kanzleien, in: Mitt. f. d. Archivpflege in Bayern 11, 1965, S. 53-60;
    Die Papiermarken d. Cod. Cus. 220, in: Mitt. u. Forsch.btrr. d. Cusanus-Ges. 7, 1969, S. 47-66;
    Die Wasserzeichenkartei P. im HStA Stuttgart, Veröff. d. Staatl. Archiwerw. Baden-Württ., Sonderreihe, 17 Bde., 1961-97.

  • Literatur

    P. Amelung, in: Gutenberg-Jb. 65, 1990, S. 386-91 (P);
    H. Bannasch, Wasserzeichen als Datierungshilfen, d. Wasserzeichenkartei P. im HStA Stuttgart, in: Zauberstoff Papier, hg. v. J. Franzke u. W. v. Stromer, 1990, S. 69-88;
    S. Grube-Bannasch, Bestand J 40/12, Nachlaß P (1948–1987), 1995;
    G. Richter, in: ZWLG 50, 1991, S. 439-41;
    W. v. Stromer, „Der P.“, Findbücher d. Wasserzeichen, in: IPH-Information, NF 23, 1989, S. 119-30;
    Frieder Schmidt, Bibliogr. d. Veröff. d. Wasserzeichenforschers u. Papierhistorikers G. P (1909–1989), ebd., S. 131-36;
    Wasserzeichenslg. P, Lagerortsverz., (1995);
    G. Brinkhus, in: LGB2

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Piccard, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 407 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11931729X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA