Lebensdaten
1890 bis 1914
Geburtsort
Chełmno
Sterbeort
bei Bouconville (Frankreich)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119218208 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lotz, Ernst Wilhelm
  • Lotz, Ernst W.
  • Lotz, Wilhelm

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Zitierweise

Lotz, Ernst Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119218208.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Friedrich (1858–1930), Dr. phil. (Romanist). Lehrer a. d. Kadettenanstalt in C;
    M Margarethe Rost (1869–1958);
    B Werner (* 1889, 1915), Schauspieler (s. Kosch, Theater-Lex.);
    - Berlin 1914 Henny Romeycke (* 1890).

  • Leben

    Seine Kindheit verbrachte L. in Köslin, Karlsruhe, Wahlstatt (Liegnitz) und Plön. Schon zur Zeit seiner Ausbildung in der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde begann er zu schreiben. Als Fähnrich wurde er 1909 zum Infanterie-Rgt. Nr. 143 in Straßburg versetzt, wo er Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Friedrich Lienhard schloß. 1910 zum Leutnant befördert, gab er im Sept. 1911 die Offizierskarriere auf, da er sich unfrei und „unwürdig behandelt“ fühlte. Den Entschluß, „Schriftsteller, d. h. Bohemien“ zu werden, stellte er zunächst zurück und begann nach dem Besuch einer Berliner Handelsschule 1912 ein Volontariat bei einer Hamburger Import-Export-Firma. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit Rimbaud- und Verlaine-Nachdichtungen. In dieser Zeit nannte er Max Dauthendey, Hanns Heinz Ewers und Stefan George als seine Vorbilder. 1913 lernte er Richard Dehmel kennen; im selben Jahr wandte er sich endgültig vom bürgerlichen Leben ab und fand als freier Schriftsteller durch die Freundschaft mit Kurt Hiller und Ernst Stadler rasch Zugang zur Berliner Literatenavantgarde. 21 seiner Gedichte wurden in der expressionistischen Zeitschrift „Der Sturm“ veröffentlicht. Seine erste Lyriksammlung „Und schöne Raubtierflecken …“ (1913) verrät Einflüsse der Literatur des Fin de Siècle. Seine zum Teil an Verlaine orientierten Gedichte sind in ihrem Vitalismus und ihrer Exotik Ausdruck eines Willens, aus den Normen der wilhelminischbürgerlichen Welt auszubrechen. Das bekannteste Gedicht „Aufbruch der Jugend“ (1913) wendet sich mit aktivistischem Revolutionspathos, aber ohne konkrete politische Ausrichtung gegen das Bestehende und gilt als für L. und den utopischen Frühexpressionismus typisches Dokument. Im Frühjahr 1914 zog L. sich mit Ludwig Meidner aus der Großstadthektik in die Bohème von Dresden zurück. Unter Meidners Einfluß und in Anlehnung an Delaunay, Kandinsky und Marc begann er selbst zu zeichnen. Mit Meidner plante er im April 1914 eine neue Kunstzeitschrift, die gegen „zurückgebliebene und-geschrittene“ Ästheten, Katholiken und Formalisten gerichtet sein sollte.

    Am 2. Aug. 1914 wurde L. nach Straßburg einberufen. In den Feldpostbriefen mischen sich nationale Begeisterung und Abscheu vor dem Kriegsgeschehen. Neben anderen schon zu Beginn des Krieges gefallenen jungen Schriftstellern wurde L. nach seinem Tode innerhalb der expressionistischen Bewegung bald zum Vorbild stilisiert. Das lyrische Hauptwerk „Wolkenüberflaggt“ (1916), von L. noch selbst zum Druck vorbereitet, zeigt seine „ambivalente Stellung“ (Korte) im Prozeß der literarischen Entwicklung. Ein Teil der „Folge von 40 Gedichten“ wird noch bestimmt von eskapistischen Motiven und Themen des Jugendstils. Andere stellen Rausch, Traum und Exotik bereits als Surrogat für die Mängel einer engen und leeren sozialen Wirklichkeit dar, die L. in Militär, Kontor und Kaffeehaus repräsentiert sieht, und distanzieren sich vom „Kulissenbrand“ des intellektuellen Revolutionspathos. Nur wenige Prosaskizzen sind vom Plan eines breit angelegten politischen Romans erhalten, in dem aus der Kritik europäischer Lebens- und Denkweisen die Utopie einer idealen und sozialen Weltrepublik erwachsen sollte.

  • Werke

    Weitere W Und schöne Raubtierflecken … Ein lyrisches Flugblatt, 1913, 21968 hrsg. v. H. Draws-|Tychsen;
    Wolkenüberflaggt, hrsg. v. Henny Lotz, 1916;
    Prosaversuche u. Feldpostbriefe, hrsg. v. H. Draws-Tychsen, 1955 (W-Verz., P);
    60 unveröff. Gedichte u. Gedichtübertragungen.

  • Literatur

    K. Hiller, Gedenkrede, in: Die Neue Rdsch. 26, 1915, H. 1, S. 561-66;
    dass., in: Prosaversuche u. Feldpostbriefe 7-14, s. W;
    L. Meidner, Erinnerung an Dresden, in: Neue Bll. f. Kunst u. Dichtung 1, 1918, Nr. 2, S. 36-38;
    dass., in: ders., Septemberschrei, Hymnen, Gebete, Lästerungen, 1920, S. 11-14;
    F. Leschnitzer, Über drei Expressionisten, in: Das Wort 2, 1937, H. 12, S. 44-53;
    A. R. Meyer, Die Maer v. d. musa expressionistica, 1948, S. 42-44;
    H. H. W. Müller, Die Briefe v. u. an E. W. L., Ein Verz. mit biogr. Abriß u. e. erstveröff. Brief, in: Jb. d. Schillerges. 11, 1967, S. 566-76;
    ders., Richard Dehmel u. E. W. L., Mit zwei erstveröff. L.-Briefen an Dehmel, ebd. 12, 1968, S. 88-93;
    ders., Die Verlaine-Nachdichtungen v. E. W. L., ebd. 13, 1969, S. 530-35;
    W. Schmähling, Gedichte d. Expressionismus, 1968, S. 18-23;
    K. L. Berghahn, E. W. L., „Aufbruch d. Jugend 1913“, in: Gedichte d. „Menschheitsdämmerung“, Interpretationen expressionist. Lyrik, hrsg. v. H. Denkler, 1971, S. 106-24;
    K. H. Hucke, Utopie u. Ideologie in d. expressionist. Lyrik, 1980, S. 105-32;
    H. Korte, Der Krieg in d. Lyrik d. Expressionismus, Stud. z. Evolution e. literar. Themas, 1981, S. 74-93;
    H. J. Schütz, Verse vom Aufbruch d. Jugend, Das allzu kurze Leben d expressionist. Lyrikers E. W. L., in: Börsenbl. 40, 1984, S. 618 f.

  • Portraits

    Kohlezeichnung v. Werner Lotz (B), 1908, Abb. In: Prosaversuche u. Feldpostbriefe, s. W;
    Federzeichnung v. L. Meidner, 1912, Abb. in: Expressionismus, Lit. u. Kunst 1910–23, 1960 (Kat.).

  • Autor/in

    Adalbert Wichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Wichert, Adalbert, "Lotz, Ernst Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 251 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119218208.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA