Winckler, Johann Friedrich
- Lebensdaten
- 1679 – 1738
- Geburtsort
- Wertheim (Franken)
- Sterbeort
- Hamburg
- Beruf/Funktion
- lutherischer Theologe ; Orientalist ; Pfarrer ; Gymnasiallehrer
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 117399876 | OGND | VIAF: 69706880
- Namensvarianten
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- Winckler, Johann Friedrich
- Winkler, Johann Friedrich
- Winckler, Ioann Friderico
- Winckler, Ioan. Friderico
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Winckler, Johann Friedrich
| lutherischer Theologe, * 13.12.1679 Wertheim (Franken), † 24.10.1738 Hamburg, ⚰ Hamburg.
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Genealogie
V →Johann (s. 1);
M Johanna Kugelmann (s. 1);
⚭ 1707 Dorothea Mancke (1681–1737);
4 K u. a. →Johann Dietrich (s. 3), Johanna Margaretha (1713–1768, ⚭ 1751 →Esaias Culemann, Kaufm. in H.) -
Biographie
W. erhielt Privatunterricht in seinem Elternhaus in Hamburg, u. a. bei dem Orientalisten und Judenmissionar →Esdras Edzard (1629–1708) in hebr. Sprache und Literatur. Seit 1691 lernte er oriental. Sprachen in Frankfurt/M. bei dem Universalgelehrten →Hiob Ludolf (1624–1704). 1693 kehrte W. wegen des drohenden Kriegs nach Hamburg zurück und erhielt Privatunterricht in hebr. und oriental. Sprachen bei →Joachim Morgenweg (1666–1730), damals Katechet am Zuchthaus, der ihn auch in den Talmud und die Rabbinistik einführte. 1695 nahm W. das Theologiestudium an der Univ. Greifswald auf und studierte u. a. bei →Heinrich Brandanus Gebhardi (1657–1729), der einen gemäßigten Pietismus vertrat. Im Anschluß an die Magisterdisputation 1697 unternahm er eine längere Studienreise nach Den Haag, Leiden und Amsterdam, wo er sich bei →Johann Colerus (1647–1707) aufhielt. Seit 1700 war er in London und Oxford und studierte die oriental. Handschriften in der Bodleian Library. Danach ging er zurück nach Frankfurt zu Ludolf, den er mit dem Hallenser Orientalisten →Johann Heinrich Michaelis (1668–1738) bei der Bearbeitung seiner „Grammatica aethiopica“ (1702) unterstützte. 1702/03 begleitete er die Studien seiner Brüder Johann Anton und Johann Christoph an der Univ. Helmstedt. 1704 wurde W. als Nachfolger von →Eberhard Anckelmann (1641–1703) Professor für oriental. Sprachen am Akademischen Gymnasium in Hamburg. Hier hielt er zur Vorbereitung auf das Theologiestudium u. a. Vorlesungen über alttestamentliche Bücher unter Hinzuziehung rabbinischer Kommentare sowie verwandter oriental. Sprachen, wie des Aramäischen und Syrischen. W. besaß eine größere Anzahl arab., pers., türk. und äthiop. Handschriften. 1712 wurde er Hauptpastor an St. Nikolai in Hamburg, 1730 zudem Senior des Geistlichen Ministeriums, setzte aber auch im Pfarramt seine oriental. Studien fort.
Einige Predigten sowie erbauliche und katechetische Schriften sind im Druck erhalten.
Nicht nur in linguistischer Hinsicht war W. ein herausragender Kenner der Orientalistik, des Judentums und der Rabbinistik. Er beschäftigte sich – u. a. im Briefwechsel mit →Johann Gottlob Carpzov (1679–1767) – mit der theologischen Frage, welche Inhalte des Judentums vom Christentum übernommen worden seien und reflektierte in einer Predigt zu Lukas 19, 41–48, die sein →Sohn 1742 postum herausgab, die Gnade Gottes gegenüber Christen und Juden. Dabei unterschied er zwischen der feindlichen Haltung der führenden jüd. Schicht gegenüber Jesus einerseits und der positiven Aufnahme Jesu durch das jüd. Volk andererseits.
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Werke
W-Verz.: Kosch, Lit.-Lex.³;
– Qu Staats- u. Univ.bibl. Hamburg (Briefslg. 1702 – 38). -
Literatur
|ADB 43;
G. Behrmann, Hamburgs Orientalisten, 1902, S. 55–57;
N. N. [F. Burg,] Oriental. Hss. d. Stadtbibl., ausgelegt z. XIII. Internat. Orientalisten-Congresse Sept. 1902 in Hamburg, 1902;
St. G. Burnett, Hebraists and Hebrew Study at the Academic Gymn. in Hamburg before Reimarus (1613–1727),|in: Das Ak. Gymn. zu Hamburg (gegr. 1613) im Kontext frühneuzeitl. Wiss.- u. Bildungsgesch., hg. v. J. A. Steiger, 2017, S. 103–17;
F. Ahuis, Getrenntes zus.bringen, Blicke auf d. AT u. d. Judentum (1524–1939), 2018, S. 99–108;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L). -
Porträts
|Kupf. v. J. Ch. G. Fritzsch (Staats- u. Univ.bibl. Hamburg).
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Autor/in
, Claudia Tietz -
Zitierweise
Tietz, Claudia, "Winckler, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 222-223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117399876.html#ndbcontent
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Winckler, Johann Friedrich
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Biographie
Winckler: Johann Friedrich W., geboren zu Wertheim am 13. December 1679, kam in seinem fünften Jahre mit seinem Vater, dem spätern Senior Johann W. (s. o. S. 365 ff.), nach Hamburg. Zunächst wurde er im Hause unterrichtet; schon sehr früh gab ihn sein Vater zu Esdras Edzardi (siehe A. D. B. V, 650) in den Unterricht des Hebräischen und Rabbinischen. In seinem zwölften Jahre ward er nach Frankfurt a. M. zu Hiob Ludolf (A. D. B. XIX, 394) gesandt, um von diesem in den andern orientalischen Sprachen und im Aethiopischen unterwiesen zu werden. Als wegen Kriegsgefahr der Aufenthalt dort unsicher ward, nahm ihn der Vater wieder nach Hamburg und ließ ihn von Joachim Morgenweg (s. A. D. B. XXII, 234), der damals Katechet am Zuchthause war, unterrichten. Im J. 1695 ging er zum Studium der Theologie nach Greifswald, wo er nach zwei Jahren Magister ward. Er unternahm darauf eine längere Reise nach Holland und England, auf welcher er die persönliche Bekanntschaft vieler Gelehrten machte und namentlich auf der Bodlejanischen Bibliothek in Oxford orientalische Handschriften studirte. Von hier lud ihn Ludolf ein, zu ihm nach Frankfurt zu kommen, um ihm mit Johann Heinrich Michaelis bei der neuen Bearbeitung seiner äthiopischen Grammatik behülflich zu sein (sie erschien Frankfurt a. M. 1702 in Folio; die erste Auflage war London 1661 in Quart herausgekommen). Nachdem er nach Hamburg zurückgekehrt war, sandte ihn sein Vater im Herbst 1703 nach Helmstedt, um dort die Studien zweier jüngerer Brüder zu leiten. Schon am 18. März 1704 ward er, noch nicht 25 Jahre alt, zum Professor der orientalischen Sprachen am Gymnasium in Hamburg erwählt. In diesem Amte war er noch nicht acht Jahre, als er am 3. Januar 1712 an Stelle des schon im Juni 1710 verstorbenen Franciscus Wolf zum Hauptpastor zu St. Nicolai erwählt wurde, in welcher Stellung er dann während 26 Jahre bis zu seinem Tode verblieb; im J. 1730 ward er auch zum Senior der hamburgischen Kirche erwählt. Auch als Pastor setzte er seine gelehrten, namentlich seine orientalischen Studien fort; er hat dann aber auch eine Anzahl erbaulicher Schriften und Predigten drucken lassen. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er die Fürsorge für die eine der von seinem Vater gegründeten Schulen, die sog. Winckler’sche. Er war ein außerordentlich beliebter Prediger; seine Kirche war so gefüllt, daß die Kirchenvorsteher immer neue Sitzplätze mußten anlegen lassen. In seinen letzten Jahren nahm seine Gesundheit ab; Badereisen brachten nicht den gewünschten Erfolg; er starb in seinem 59. Jahre am 24. October 1738.
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Literatur
Das Leichenprogramm für Joh. Friedr. Winckler von Joachim Dietrich Evers ist abgedruckt in: Fabricius. Memoriae hamburgenses, tom. VIII, pag. 355 sqq. —
Joannis Molleri Cimbria literata, tom. II, pag. 1005 sq.— Mönckeberg, Die St. Nikolai-Kirche in Hamburg, Hbg. 1846, S. 154 ff. —
Lex. d. hamburgisch. Schriftsteller VIII, 86 ff. —
Jöcher IV, Sp. 2009. -
Autor/in
Carl Bertheau. -
Zitierweise
Bertheau, Carl, "Winckler, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), S. 375-376 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117399876.html#adbcontent