Winckler, Johann Dietrich
- Lebensdaten
- 1711 – 1784
- Geburtsort
- Hamburg
- Sterbeort
- Hamburg
- Beruf/Funktion
- lutherischer Theologe ; Polyhistor ; Evangelischer Theologe ; Pfarrer ; Superintendent ; Gymnasiallehrer
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 11739985X | OGND | VIAF: 59860367
- Namensvarianten
-
- Winckler, Johann Dieterich
- Winckler, Johann Dietrich
- Winckler, Johann Dieterich
- Winkler
- Winckler, J. D.
- Wincklerus, Joannes Dietericus
- Winckler, Joannes Dietericus
- Winckler, Joannes Dietrich
- Winckler, Joannes Diederich
- Winkler, Dietrich
- Winkler, Johann Dieterich
- Wincklerus, Joannes Didericus
- Winckler, Johann Diederich
- Wincklerus, Joannes Diedericus
- Winckler, Johannes Dietericus
- Winckler, Johan Dietrich
- Wincklerus, Johannes Diedericus
- Winckler, Johann D.
- Wincklerus, Ioannes Dietericus
- Winckler, Johann Diedrich
- Winklerus, Ioannes Dietericus
- Wincklerus, Johannes Dietericus
- Wincklerus, Ioannes Diedericus
- Winkler, Johann Dietrich
- Winckler, Johann Dietherich
- Wincklerus, Joannes Diethericus
- Winckler, Joannes Diethericus
- Winkler, Johann Dietherich
- Winckler, Johannes Diethericus
- Wincklerus, Ioannes Diethericus
- Winklerus, Ioannes Diethericus
- Wincklerus, Johannes Diethericus
Vernetzte Angebote
- Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern (BVB)
- * Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB)
- Deutsche Digitale Bibliothek
- Thesaurus des Consortium of European Research Libraries (CERL)
- Normdateneintrag des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB)
- Österreichischer Bibliothekenverbund (OBV)
- Gemeinsamer Verbundkatalog (GBV)
- * Niedersächsische Personen
- Index Theologicus (IxTheo)
- Biodiversity Heritage Library (BHL)
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
Winckler, Johann Diet(e)rich
| lutherischer Theologe, * 27.12.1711 Hamburg, † 5.4.1784 Hamburg, ⚰ Hamburg.
-
Genealogie
V →Johann Friedrich (s. 2), S d. →Johann (s. 1);
M Dorothea Mancke (s. 2);
⚭ 1) 1744 Johanna Sophia (1719–1761), T d. →Johann Anton Winckler (s. 1), 2) 1762 Anna Lucia Schultz (1741–1773), 3) 1774 Catharina Elisabeth Albers, verw. Richter (1754–1814);
7 K aus 1) u. a. Johanna Friederike Antoinette (1746–1802, ⚭ 1769 Andreas Schultze, Kaufm.), Johanna Sophia Maria (1755–1804, ⚭ 1782 →Johann Gottlieb Ernst Merckel, luth. Pastor in Lauenburg), →Johann Christian (* 1758), Jurist in Riga. -
Biographie
W. besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums und seit 1728 das Akademische Gymnasium in Hamburg, wo →Johann Christian Wolf (1690–1770), →Johann Albert Fabricius (1668–1736) und →Hermann Samuel Reimarus (1694–1768) seine Lehrer waren. Er zählte früh zur intellektuellen Elite der Stadt. Seit 1732 studierte er Philosophie und Theologie in Leipzig. Nach der Magisterpromotion 1736 wurde er als Nachfolger von Fabricius Professor für Rhetorik und praktische Philosophie (Ethik) am Akademischen Gymnasium; 1737 wechselte er auf die Professur für Logik und Metaphysik.
In den folgenden Jahren lehnte W. mehrere auswärtige Berufungen ab, u. a. an die Univ. Wittenberg. 1744 trat er das Amt des Superintendenten in Hildesheim an und wurde in Rinteln mit einer Dissertation zur aristotelischen Philosophie zum Dr. theol. promoviert.
In Hildesheim war er 1745 mit dem Domprediger Isverding SJ in einen weitläufigen interkonfessionellen Streit um die Alleinstellung der Heilsmittlerschaft Christi verwickelt. 1758 wurde W. Hauptpastor an St. Nikolai in Hamburg. Seit 1779 wirkte er zudem wie sein →Vater und →Großvater als Senior des Geistlichen Ministeriums, nachdem er 1770 die Wahl abgelehnt hatte. In den kirchlichen Auseinandersetzungen mit Vertretern der Aufklärung in Hamburg und Altona, die in großer Schärfe vom Senior und Hauptpastor →Johann Melchior Goeze (1717–1786) geführt wurden, vertrat W. traditionelle luth. Glaubenssätze sowie die geistige und moralische Vorrangstellung der ev.-luth. Kirche. Dies gilt v. a. für die Kontroverse 1764 mit dem Theologen und Philanthropen →Johann Bernhard Basedow (1724–1790), dessen reformpädagogische Vorstellungen und deistische Anschauungen W.s Protest hervorriefen. Auch andere aufklärerische Bestrebungen, wie die des Arztes →Johann Friedrich Struensee (1737–1772), des Theologen →Julius Gustav Alberti (1723–1772) und des Juristen →Johann Klefeker (1698–1775), lehnte W. ab. Er distanzierte sich jedoch auch von Goezes Auftreten in den Auseinandersetzungen, das er in Briefen als aggressiv, stolz und unversöhnlich beschrieb.
Im sog. Fragmentenstreit unterstützte W. Goezes Ablehnung der 1774–78 herausgegebenen „Fragmente eines Unbekannten“ sowie →Gotthold Ephraim Lessings (1729–1781) Kommentare und Frage, da sie die Fundamente der christlichen Religion erschütterten und zu Spaltungen in Kirche und Stadt führten.
W. war ein Universalgelehrter mit ausgeprägten philologischen und exegetischen Interessen. Er verfaßte ein umfangreiches wissenschaftliches theol. Werk, gab ein niedersächs. Gelehrtenlexikon (Nachrr. v. Niedersächs. berühmten Leuten u. Fam., 2 Bde., 1768/69) heraus und führte einen ausgedehnten Briefwechsel mit luth. Theologen und anderen Gelehrten. 1773/74 korrespondierte er mit dem Philosophen →Moses Mendelssohn (1729–1786) über die hebr. Bibel. Dabei war W. der sog. Philologia sacra der Frühorthodoxie und der Lehre der Verbalinspiration verpflichtet, zeigte sich aber auch offen für die wissenschaftliche Orientalistik und Judaistik seiner Zeit.
-
Werke
W-Verz.: Kosch, Lit.-Lex.³;
– Qu Staats- u. Univ.bibl. Hamburg (Briefslg. 1724–83). -
Literatur
|ADB 43;
F. Kopitzsch, Grundzüge e. Soz.gesch. d. Aufklärung in Hamburg u. Altona, ²1990;
F. Ahuis, Zw. luth. Orthodoxie u. jüd. Aufklärung, Drei Briefe d. Hauptpastors v. St. Nikolai u. ehem. Prof. am Akad. Gymn. J. D. W. an Moses Mendelssohn, in: Das Akad. Gymn. zu Hamburg (gegr. 1613) im Kontext frühneuzeitl. Wiss.- u. Bildungsgesch., hg. v. J. A. Steiger, 2017, S. 359–76;
ders., Getrenntes zus.bringen, Blicke auf d. AT u. d. Judentum (1524–1939), 2018, S. 109–14;
ders., in: Auf d. zweiten Blick, Frauen u. Männer d. Nordkirche v. MA bis z. Gegenwart, hg. v. C. Tietz u. a., 2018, S. 207–16;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L). -
Porträts
|Kupf. v. Ch. Fritzsch, J. L. Masch u. J. Ch. Sysang (Staats- u. Univ.bibl. Hamburg).
-
Autor/in
Claudia Tietz -
Zitierweise
Tietz, Claudia, "Winckler, Johann Diet(e)rich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11739985X.html#ndbcontent
-
Winckler, Johann Dietrich
-
Biographie
Winckler: Johann Dietrich W., Sohn von Johann Friedrich W. (s. o. S. 375) und Enkel von Johann W. (s. o. S. 365 ff.), wurde am 27. Decbr. 1711 zu Hamburg geboren. Er besuchte zunächst das Johanneum und sodann das akademische Gymnasium seiner Vaterstadt; auf letzterem wurde er am 26. April 1728 immatriculirt und verweilte dort vier Jahre; er hielt hier beim Jubelfest der Augsburgischen Confession im J. 1730 die Festrede. Um Ostern 1732 begab er sich nach Leipzig zum Studium der Theologie und Philosophie; hier ward er am 16. Februar 1736 Magister. Er wollte sich nun gerade als Docent in der philosophischen Facultät habilitiren, als er am 25. October 1736 als Nachfolger seines Lehrers Johann Albert Fabricius zum Professor der Beredsamkeit und der praktischen Philosophie am Gymnasium in Hamburg erwählt ward, obschon er noch nicht 25 Jahre alt war. Im J. 1737 vertauschte er die Professur der praktischen Philosophie mit der der Logik und Metaphysik. In den folgenden Jahren ward er einige Male nach auswärts in geistliche Aemter berufen; er lehnte aber zunächst ab. Im Juli 1740 war er bei der Besetzung einer theologischen Professur in Wittenberg mit|in Aussicht genommen, ward aber nicht gewählt. Als dann am 3. Juli 1744 der Ruf in die Superintendentur nach Hildesheim an ihn erging, nahm er ihn an und trat, nachdem er noch in Hamburg sich verheirathet hatte, am 15. October das neue Amt an. Am 26. November desselben Jahres promovirte er in Rinteln zum Doctor der Theologie. In Hildesheim hatte er einen unangenehmen und langwierigen Streit mit dem katholischen Pater Isverding darüber, daß er in einer Reformationspredigt geäußert hatte, die Katholiken hätten neben Christo noch andere Mittler. Am 2. Juli 1758 ward er zum Hauptpastor an St. Nicolai in Hamburg erwählt und am 6. December vom Senior Wagner in dieses Amt eingeführt. Als Johann Melchior Goeze im J. 1770 das Seniorat niedergelegt hatte, ward W. vom Senat zum Senior erwählt; er nahm aber die Wahl nicht an. Als er dann neun Jahre später bei einer abermaligen Vacanz des Seniorats noch einmal gewählt ward, nahm er die Wahl an und verblieb in dieser Würde bis zu seinem Tode, der am 5. April 1784 erfolgte. Er war drei Mal verheirathet gewesen; ihn überlebten nur aus seiner ersten Ehe ein Sohn Johann Christian, der Jurist wurde und nach Riga ging und dort ohne Nachkommen starb, und zwei Töchter. — W. war ein Gelehrter nach Art seines Lehrers Fabricius, ein Polyhistor mit guter philologischer Schulung; dabei ein ernster Theolog und ein auf die Erbauung seiner Gemeinde bedachter Geistlicher. Er hat sehr viel geschrieben; das Hamburger Schriftstellerlexikon führt 98 Druckschriften von ihm an, unter denen viele erbaulichen Inhalts sind; und dieses Verzeichniß ist noch nicht vollständig, namentlich fehlen einige pseudonym von ihm herausgegebene Werke; außerdem schrieb er noch viele Artikel in Zeitschriften. Als Senior hat er sich unleugbar um die hamburgische Kirche verdient gemacht.
-
Literatur
Neubauer, Nachricht von den itztlebenden ... Theologen u. s. f. Züllichau 1743, S. 409 ff. —
Döring, Die gelehrten Theologen Deutschlands, 4. Bd., S. 733 ff. —
Mönckeberg, Die St. Nikolai-Kirche in Hamburg, Hamburg 1846, S. 161 ff. —
Lex. d. Hamburg. Schriftsteller, Bd. 8, S. 76 ff. -
Autor/in
Carl Bertheau. -
Zitierweise
Bertheau, Carl, "Winckler, Johann Dietrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), S. 376-377 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11739985X.html#adbcontent