Lebensdaten
erwähnt um 690 , gestorben nach 716
Beruf/Funktion
bayerischer Herzog
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13879474X | OGND | VIAF: 95420301
Namensvarianten
  • Theodo I.
  • Theodo
  • Theodo I.

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Theodo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13879474X.html [26.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Vermutl. aus d. Fam. d. Agilolfinger (s. NDB I);
    Folchaid (nach späterer Überlieferung auch Gleisnot u. Regintrud);
    S Lantpert, Theodpert, Grimoald (s. ADB IX), Theodolt, Tassilo II. (unsicher), T Uta.

  • Leben

    Die Informationen, die die Quellen des 8. Jh. zu T. liefern, sind so spärlich und disparat, daß nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden kann, ob sie sich alle auf dieselbe Person oder auf verschiedene Herzöge dieses Namens beziehen. Doch auch, wenn alle Nachrichten einer einzigen Person zugeordnet werden, bleibt die Chronologie der Ereignisse unklar, da die Quellen nur wenige Anhaltspunkte für eine genauere Datierung geben. T.s Vorfahren lassen sich ebensowenig benennen wie sein Amtsvorgänger als Herzog von Bayern, doch dürfte er der Familie der Agilolfinger angehört haben, die traditionell die bayer. Herzöge stellte.

    Das Verhältnis T.s zu den Herrschern der Nachbarreiche war konfliktträchtig. Vom fränk. Hausmeier Pippin d. M. ( 714) wird, dies allerdings erst in später und nicht unbedingt zuverlässiger Überlieferung, berichtet, er habe 688 und 691 Feldzüge nach Bayern unternommen. Anlaß dafür war vielleicht Widerstand, den T. gegen die Machtübernahme des Karolingers im Frankenreich leistete. 702 gewährte T. dem langobard. Thronprätendenten Ansprand und seinem Sohn Liutprand für längere Zeit Asyl, 712 unterstützte er beide militärisch bei der Rückkehr nach Italien und bei der gewaltsamen Übernahme der Königsherrschaft. Beiläufig erwähnt wird auch ein Überfall der Awaren auf das bayer. Grenzgebiet an der Enns; dieser kann allerdings weder datiert noch historisch eingeordnet werden. Eine im 19. Jh. erwähnte Schlacht Theodos gegen Slawen im Lungau ist als Legende zu betrachten.

    Zur Vertiefung des christlichen Glaubens im Land und zum weiteren Aufbau kirchlicher Organisationsstrukturen berief T. die fränk.|Bischöfe Emmeram, Rupert und Korbinian nach Bayern, doch schwanken die Berufungsdatierungen bei Emmeram ebenso wie bei Rupert zwischen ca. 675 und 715. Dementsprechend läßt sich auch nicht sicher sagen, ob T. sein Herzogsamt schon vor 675 angetreten hat oder erst um die Jahrhundertwende. Während Emmeram von T.s Sohn Lantpert ermordet wurde, konnte Rupert in Salzburg mit Hilfe reicher Güterschenkungen von seiten des Herzogs zwei Klöster gründen und die Basis für einen künftigen Bischofssitz schaffen, ähnlich wie Korbinian in Freising. Gegen Ende seines Lebens unternahm T. eine Wallfahrt nach Rom, die im zeitgenössischen Liber pontificalis an den Beginn der Amtszeit Papst Gregors II. (715–31) gesetzt wird. Eine Instruktion Gregors für seine Legaten zur Errichtung einer bayer. Kirchenprovinz vom 15. 5. 716 ist wohl Ergebnis dieses Besuchs; die Umsetzung des Plans gelang allerdings nur eingeschränkt.

    Problembehaftet ist ferner die isolierte Nachricht in der Korbiniansvita Arbeos von Freising, der Herzog habe seine Provinz für sich und seine Söhne in vier Teile geteilt. Man hat daraus eine Beteiligung der Söhne an der Herrschaft schon zu Lebzeiten des Vaters erschlossen, verbunden mit der Zuweisung von Teilherzogtümern mit Sitz in Regensburg, Passau, Freising und Salzburg. Doch ist weder die Zahl der Söhne noch die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche auf sie eindeutig festzustellen. Ebenso unklar bleibt die zeitliche Ansetzung des Vorgangs; sie bewegt sich zwischen ca. 700 und ca. 715. In anderen Quellen findet die Aussage Arbeos keine Stütze, so daß sie auch schon grundsätzlich angezweifelt worden ist. Sollte die Teilung tatsächlich stattgefunden haben, wäre sie im Frankenreich einzigartig und ein Zeichen für eine besonders eigenständige, königsgleiche Herrschaft des Herzogs in Bayern. T.s Tod wird in der hochmittelalterlichen Salzburger Annalistik auf 717/18 datiert, doch handelt es sich dabei wohl um nachträgliche Berechnung, nicht um alte Überlieferung, so daß auch die Zeit um 720 in Frage kommt.

  • Quellen

    Qu Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, hg. v. G. Waitz, MGH SS rer. Germ. 48, 1878; Annales Mettenses priores a. 688 u. 691, hg. v. Bernhard v. Simson, MGH SS rer. Germ. 1, 1905, S. 4, 12; Vita Hrodberti episcopi Salisburgensis, ed. W. Levison, in: MGH SS rer. Merov. 6, 1913, S. 140–62; Arbeonis Vitae sanctorum Haimhrammi et Corbiniani, ed. B. Krusch, MGH SS rer. Germ. 13, 1920; Das Verbrüderungsbuch v. St. Peter in Salzburg, Vollst. Faksimile-Ausg. hg. v. K. Forstner, 1974, S. 20; Auctarium Altahense, hg. v. Ph. Jaffé, in: MGH SS 17, 1861, S. 360.

  • Literatur

    L S. Riezler, in: ADB 37;
    ders., Gesch. Baierns I, 1878, S. 78–80;
    B. Sepp, Die bayer. Herzoge aus d. Geschlechte d. Agilulfinger u. d. falschen Theodone, in: Oberbayer. Archiv 50, 1897, S. 1–17;
    E. Klebel, Zur Gesch. d. Herzogs T., in: Verhh. d. hist. Ver. f. Oberpfalz u. Regensburg 99, 1958, S. 165–205, erneut in: Zur Gesch. d. Bayern, hg. v. K. Bosl, 1965, S. 172–224;
    J. Jarnut, Btrr. zu d. fränk.-bayer.langobard. Beziehungen im 7. u. 8. Jh. (656–728), in: ZBLG 39, 1976, S. 331–52;
    ders., Geneal. u. pol. Bedeutung d. agilolfing. Herzöge, in: MIÖG 99, 1991, S. 1–22, beides erneut in: ders., Herrschaft u. Ethnogenese im FrühMA, hg. v. M. Becher, 2002, S. 67–88 u. 139–60;
    K. Reindel, Die pol. Entwicklung, in: Hdb. d. bayer. Gesch., Bd. 1, hg. v. M. Spindler, 21981, S. 101–76, hier S. 156–62 (Qu, L);
    M. Werner, Adelsfamilien im Umkreis d. frühen Karolinger, Die Verwandtschaft Irminas v. Oeren u. Adelas v. Pfalzel, 1982, S. 225–36;
    H.-D. Kahl, Die Baiern u. ihre Nachbarn bis z. Tode d. Hzg. T. (717/18), in: Die Bayern u. ihre Nachbarn, Bd. 1, hg. v. H. Wolfram u. A. Schwarcz, 1985, S. 159–225, erneut in: H.-D. Kahl, Streifzüge durch d. MA d. Ostalpenraums, Ausgew. Abhh. (1980–2007), hg. v. R. Bratož u. P. Štih, 2008, S. 21–87;
    J. Jahn, Ducatus Baiuvariorum, Das bair. Hzgt. d. Agilolfinger, 1991;
    J. Semmler, Per Iussorium Gloriosi Principis Childerici Regis, in: MIÖG 107, 1999, S. 12–49;
    A. Huber, Hzg. T. u. d. „Blutige Alm“ oder wie Sagen entstehen, Die Kärntner Landsmannschaft 9/10, 1998, S. 50–5;
    L. Vogel, Vom Werden eines Heiligen, Eine Unters. d. Vita Corbiniani d. Bf. Arbeo v. Freising, 2000;
    St. Freund, Von d. Agilolfingern zu d. Karolingern, Bayerns Bischöfe zw. Kirchenorganisation, Reichsintegration u. Karoling. Reform (700–847), 2004;
    R. Deutinger, Das Zeitalter d. Agilolfinger, in: Hdb. d. bayer. Gesch., Bd. 1, hg. v. A. Schmid (in Vorbereitung); LexMA.

  • Autor/in

    Roman Deutinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Deutinger, Roman, "Theodo" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 96-97 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13879474X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Theodo, Herzog von Baiern, aus dem Hause der Agilolfinger (vielleicht nicht der erste seines Namens), regierte von ca. 690—717. Ungefähr seit der Mitte des sechsten Jahrhunderts kennen wir in Baiern das Herzogsgeschlecht der Agilolfinger, von dem zweifelhaft bleibt, ob es bairischen oder fränkischen Ursprungs ist, und dessen einzelne Fürsten im Verhältniß zu den mächtigen Flanken alle Wandlungen von völliger Unabhängigkeit bis zur Vasallität durchmachen. Unter ihnen tritt Th., dessen Gemahlin man in einer Regintrud, vielleicht einer fränkischen Königstochter, vermuthen darf, bedeutend hervor. Gegenüber den Franken nach allem, was wir wissen, selbständig, konnte er doch nicht verhindern, daß die Avaren im Osten vordrangen und die Gegend um die Enns zur Wüste machten. Unter ihm wahrscheinlich ist die Ueberarbeitung des umfänglichsten Theils des bairischen Gesetzbuches (Tit. 8—22) vorgenommen worden, eine Redaction, welche keine Spur von fränkischem Einfluß und das Christenthum, ohne daß die Kirche schon mächtig wäre, als herrschend zeigt. Eben durch Theodo's Wirksamkeit scheint diese Herrschaft in Baiern fest begründet worden zu sein, doch zeigt sich der Christenglaube zu seiner Zeit im Lande noch stark vermischt mit heidnischen Gewohnheiten und Anschauungen. Auf dem Wege zu den heidnischen Avaren, die er bekehren wollte, ward der fränkische Glaubensbote Emmeram von Th. in Regensburg bestimmt, in Baiern zu bleiben und dort für das Christenthum zu wirken. Nach dem Biographen Emmeram's lud ihn der Herzog ein, entweder als Bischof die Leitung der bairischen Kirche zu übernehmen oder als Abt den Klöstern des Landes vorzustehen. Dann aber mußte Th. erleben, daß der Bischof durch einen seiner eigenen Söhne gewaltsamen Tod fand. Uta, des Herzogs Tochter, war das Opfer eines Verführers geworden. Emmeram's Biograph beschuldigt der That den Sohn eines Richters Namens Sigibert, während Uta selbst, angeblich auf Rath des Bischofs, diesen als Schuldigen bezeichnete. Auf das Geständniß der Schwester eilte Theodo's Sohn Lantbert dem Bischofe, der eben nach Rom aufgebrochen war, nach, traf ihn bei Grub an der Mangfall und verstümmelte ihn tödtlich. Th. aber strafte Lantbert's eigenmächtige Rache durch dessen Verbannung und vielleicht hängt es mit diesem Vorfall zusammen, daß sich der Herzog 715 oder 716 nach Rom zu Papst Gregor II. begab. Der Papst betraute dann eine Gesandtschaft mit der Durchführung eines Organisationsentwurfes für die bairische Kirche, die ohne alle fränkische Vermittlung in directe|Abhängigkeit von Rom treten sollte, ein Ziel, das erst später durch Bonifatius erreicht wurde. Noch ein zweiter fränkischer Glaubensbote, Corbinian, erschien an Theodo's Hofe, von ihm und seinem Sohne Grimoald hoch geehrt. Der Herzog suchte den nach Rom Reisenden im Lande zu halten, und vielleicht ward hierdurch der Anstoß gegeben, daß Corbinian später seine ganze Thätigkeit Baiern widmete. Corbinian's Biograph Arbeo schildert T. als einen Fürsten von großer Frömmigkeit und hervorragender Macht, dessen Ruhm weit gedrungen war. Nachdem T. schon während einer Krankheit seinen ältesten Sohn Theodebert zum Mitregenten erhoben hatte, theilte er später die Regierung mit den Söhnen Theodebert, Grimoald, Tassilo II., vorübergehend vielleicht auch mit dem frühzeitig verstorbenen Theodebald. Er selbst hauste in Regensburg.

    • Literatur

      Riezler, Geschichte Baierns I, wo Quellen und weitere Litteratur verzeichnet sind.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Theodo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 713-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13879474X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA