Lebensdaten
erwähnt 7./8. Jahrhundert
Geburtsort
Regensburg (?)
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Bischof ; Missionar
Konfession
Niedermünsterkirche
Normdaten
GND: 122228731 | OGND | VIAF: 4989156253571508110001
Namensvarianten
  • Erhard von Regensburg
  • Erhardus, Herhard, Herhardus
  • Erhard
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Zitierweise

Erhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122228731.html [02.12.2022].

CC0

  • Kritische Würdigung

    Erhard, dessen Wirken noch vor der kanonischen Errichtung des Bistums Regensburg 739 anzusetzen ist, wird seit dem 10. Jahrhundert hier und darüber hinaus in ganz Mitteleuropa verehrt. In der Diözese Regensburg gilt Erhard mit Emmeram (gest. 685/690) und Wolfgang (gest. 994) als einer der Bistumspatrone.

    Lebensdaten

    Gestorben frühes 8. Jahrhundert in Regensburg (?)
    Grabstätte Niedermünsterkirche in Regensburg
    „Messe des hl. Erhard“  (InC)
    „Messe des hl. Erhard“ (InC)
  • Genealogie

    Eltern unbekannt
    Bruder Hi(l)dulf (?) erwähnt 7./8. Jahrhundert Gründer des Klosters Moyenmoutier in den Vogesen
  • Biografie

    Die Verehrung Erhards an seinem Grab in der Kirche von Niedermünster in Regensburg ist seit dem 10. Jahrhundert bezeugt; 1052 erhob Papst Leo IX. (1002–1054) im Beisein von Kaiser Heinrich III. (1017–1056) seine Gebeine, was einer Kanonisation gleichkam. Seit dem Spätmittelalter ist der Kult des Heiligen, der v. a. bei Augenleiden um Hilfe angerufen wird, in ganz Mitteleuropa verbreitet. Der Schwerpunkt liegt allerdings weiterhin in der Diözese Regensburg, wo Erhard mit Emmeram (gest. 685/690) und Wolfgang (gest. 994) als einer der Bistumspatrone gilt.

    Der historische Erhard ist dagegen nur schwer zu fassen. Seine erst Mitte des 11. Jahrhunderts, vermutlich im Zusammenhang mit der Erhebung der Gebeine, von einem Fuldaer Mönch namens Paulus (Judaeus) (gest. 1066) verfasste Vita ist vorwiegend erbaulichen Charakters und hat keinen eigenständigen Quellenwert. Dies betrifft auch die dort behauptete dreifache Herkunft Erhards aus Narbonne, Nevers und Irland, die lediglich auf freier Kombination beruht. Erhards Name taucht erstmals im Salzburger Verbrüderungsbuch von 784 als der eines verstorbenen Bischofs auf, dort allerdings ohne Nennung seines Sitzes. Die archäologische Datierung seines Grabes in Niedermünster führt in das frühe 8. Jahrhundert, und da ihn die ältesten Regensburger Bischofskataloge nicht kennen, ist sein Wirken noch vor der kanonischen Errichtung des Bistums 739 anzusetzen. Dass Erhard sich vor seinem Tod als Bischof ohne festen Diözesansprengel in Regensburg aufhielt, scheint somit gesichert.


    Weitere Zeugnisse für Erhards Leben findet man in den Viten der Heiligen Odilia (gest. um 720) und Hi(l)dulf (gest. um 710) aus dem 10. Jahrhundert, die ihn in Verbindung mit dem elsässischen Herzogsgeschlecht der Etichonen zeigen. Erhard, ein Bischof aus Bayern, sei ein Bruder Hildulfs gewesen und habe die Tochter des Herzogs Eticho (gest. nach 682) namens Odilia im burgundischen Kloster Baume-les-Dames von Blindheit geheilt und getauft bzw. als Pate aus der Taufe gehoben. Außerdem habe er in der Nähe des von Hildulf gegründeten Klosters Moyenmoutier in den Vogesen eine Kirche zu Ehren des Heiligen Aper/Èvre von Toul errichtet. Die Einzelheiten dieser Überlieferung sind fragwürdig, doch lässt Erhards Auftreten in diesem Raum und zu dieser Zeit an eine Identität mit dem gleichnamigen Abt des von Eticho gegründeten Klosters Ebersheimmünster im Elsass denken, der dort (wenngleich wiederum erst in jüngerer Überlieferung) für das späte 7. Jahrhundert belegt ist.

    Demzufolge war Erhard, über dessen ursprüngliche Herkunft nichts bekannt ist, zunächst im burgundisch-elsässischen Raum tätig, ehe er nach Bayern kam. Seine Berufung dorthin steht, ebenso wie die Tätigkeit der fränkischen Bischöfe Rupert (gest. nach 717) in Salzburg und Korbinian (gest. zwischen 725 und 730) in Freising vermutlich in Zusammenhang mit den Bemühungen des Herzogs Theodo (gest. nach 716) um den Aufbau einer bayerischen Bistumsorganisation. Allerdings lässt Erhards Bestattung in einer Kirche, die nicht als bischöfliche Kathedrale, sondern als herzogliche Pfalzkapelle anzusprechen ist (und in der möglicherweise auch Theodo begraben wurde), darauf schließen, dass er in erster Linie für die Seelsorge am Herzogshof zuständig war und somit nicht als direkter Vorgänger der Regensburger Diözesanbischöfe gelten kann.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    8. Januar Gedenktag
    • Quellen

      Paulus Iudaeus, Vita sancti Herhardi episcopi (BHL 2590), hg. v. Wilhelm Levison, MGH SS rer. Merov. 6, 1913, S. 1–21. (Onlineressource)

      Vita Odiliae abbatissae Hohenburgensis (BHL 6 271), hg. v. Wilhelm Levison, MGH SS rer. Merov. 6, 1913, S. 24–50. (Onlineressource)

      Vita Hildulfi prima (BHL 3945), in: Acta Sanctorum, Juli Bd. 3, 31867, S. 211–213. (Onlineressource)

      Karl Forstner, Das Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Vollständige Faksimileausgabe im Originalformat (= Codices selecti 51). Akademische Druck- und Verlags-Anstalt, 1974, S. 20. (Onlineressource) (Link zur Handschrift)

    • Literatur

      Paul Mai, Der heilige Bischof Erhard (gestorben vor 784), in: Bavaria Sancta. Zeugen christlichen Glaubens in Bayern, Bd. 2, hg. v. Georg Schwaiger, 1971, S. 32–51.

      Gisela Koschwitz, Der heilige Bischof Erhard von Regensburg. Legende – Kult – Ikonographie, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens 86 (1975), S. 481–644.

      Paul Mai, Der heilige Erhard. Bischof von Regensburg (Erste Hälfte des 8. Jahrhunderts), in: Lebensbilder aus der Geschichte des Bistums Regensburg, Bd. 1, hg. v. Georg Schwaiger, 1989, S. 38–52.

      René Bornert, Abbaye Saint-Maurice d’Ebersmunster, in: Les monastères d’Alsace, Bd. 2/1, hg. v. René Bornert, 2009, S. 92–189.

      Michèle Gaillard, Erhard, évêque de Ratisbonne, un saint aquitain en Bavière?, in: Saints d'Aquitaine. Missionnaires et pélerins du haut Moyen Âge, hg. v. Edina Bozóky, 2010, S. 159–171.

      Karl Weber, Die Formierung des Elsass im Regnum Francorum. Adel, Kirche und Königtum am Oberrhein in merowingischer und frühkarolingischer Zeit, 2011, S. 106–111.

      Katrinette Bodarwé/Clemens Kosch, Fürsten – Äbtissinnen – Heilige. Zu prominenten Grablegen des Früh- und Hochmittelalters in der Regensburger Frauenstiftskirche Niedermünster, in: Zugänge zu Archäologie, Bauforschung und Kunstgeschichte – nicht nur in Westfalen. Festschrift für Uwe Lobbedey zum 80. Geburtstag, hg. v. Mareike Liedmann/Verena Smit, 2017, S. 341–357.

      Eleonore Wintergerst, Die Ausgrabungen unter dem Niedermünster zu Regensburg. III. Befunde und Funde der nachrömischen Zeit. Auswertung, Bd. 1, 2019, S. 34–39 u. 124 f.

      Lexikonartikel:

      Auguste Dumas, Art. „Erhard“, in: Roger Aubert/Luc Courtois (Red.), Dictionnaire d’histoire et de géographie ecclésiastiques, Bd. 15, 1963, S. 711.

      Rombaut Van Doren, Art. „Erhard“, in: Bibliotheca Sanctorum, Bd. 4, 1964, Sp. 1285–1287. (P)

      Alois Schmid, Art. „Erhard“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 3, 1986, Sp. 2138 f.

      René Bornert, „Erhardus, Herhardus, Eberhard“, in: Jean-Pierre Kintz (Red.), Nouveau dictionnaire de biographie alsacienne, Bd. 9, 1986, S. 839.

      Helmut Flachenecker, Art. „Erhard“, in: Walter Kasper (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 3, 31995, Sp. 763 f.

      Ekkart Sauser, Art. „Erhard“, in: Friedrich Wilhelm Bautz (Hg.), Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 15, 1999, Sp. 525 f.

      Joachim Schäfer, Art. „Erhard von Regensburg“, in: Ökumenisches Heiligenlexikon. (P) (Onlineressource)

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Älteste Darstellung im Evangelistar der Äbtissin Uta von Niedermünster, 1. Viertel d. 11. Jh., Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 13 601, fol. 4 r. (Onlineressource)

      Florentine Mütherich, Malerei, in: Louis Grodecki/Florentine Mütherich/Jean Taralon/Francis Wormald, Die Zeit der Ottonen und Salier, 1973, S. 85–225, bes. S. 156–161.

      Karl-Georg Pfändtner/Brigitte Gullath, Der Uta-Codex. Frühe Regensburger Buchmalerei in Vollendung – die Handschrift Clm 13 601 der Bayerischen Staatsbibliothek, 2 Bde., 2012.

  • Autor/in

    Roman Deutinger (München)

  • Zitierweise

    Deutinger, Roman, „Erhard“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/122228731.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA