Lebensdaten
1584 bis 1651
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Ingolstadt
Beruf/Funktion
Jesuit ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118617672 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stengel, Georg
  • Stengelius, Georgius
  • Stengl, Georg
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Zitierweise

Stengel, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617672.html [20.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph († 1588), zunächst im Dienst d. Fugger, dann Verw. in d. Abtei St. Ulrich u. Afra in A.;
    M Kunigunde, aus Nürnberg;
    4 Geschw u. a. Karl (1581–1663), 1593 Benediktiner im Reichsstift St. Ulrich u. Afra in A., 1602 Kantor, „rector musices“ u. „scholae magister“, 1613 Subprior, 1622–30 Ökonom, 1630–47 Abt v. Anhausen /Brenz, 1632–35 u. 1638–40 auf d. Flucht, kehrte 1649 n. St. Ulrich u. Afra zurück, Vf. zahlr. dt. u. lat. geistl. Schrr., Dramen u. Überss., u. a. e. Augsburger KGesch., auch Vf. e. Tageb. (s. ADB 36; Augsburger Stadtlex.; Kosch, Lit.-Lex.3; W, L).

  • Leben

    S. besuchte das Jesuitengymnasium bei St. Salvator in Augsburg, wo er u. a. den Schriftsteller Matthäus Rader (1561–1634) als Lehrer und Vorbild hatte. 1601 trat er in das Noviziat der Societas Jesu in Landsberg/Lech ein und lehrte nach den ersten Studienjahren seit 1607 Philosophie und Rhetorik in Ingolstadt, Pruntrut (Porrentruy) und München. Nach dem Theologiestudium in Ingolstadt 1610–14 und der Priesterweihe 1616 wirkte er als Lehrer und bisweilen als Rektor in München, 1631–40 mit kriegsbedingten Unterbrechungen in München, hier auch als Prediger an der Frauenkirche, als Erzieher am Hof und Leiter der Marian. Kongregation 1632–37, in Dillingen 1640–43 und in Ingolstadt.

    Anerkennung fand S. als Seelsorger, Lehrer und als überaus produktiver und anspruchsvoller Schriftsteller. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen überwiegen theol. Traktate, u. a. sein einflußreiches Werk über die Göttliche Vorsehung (De Judiciis Divinis, 4 Bde., 1651, dt. 1712), eine Sammlung von Exempeln über das Gnadenwirken Gottes, das als Trostbuch in Kriegs- und Krisenzeiten (A. Weißenberger) galt. Der Seelsorge dienten S.s gedruckte Predigtsammlungen sowie die als Handreichung für die Prediger gesammelten „Exemplorum libri tres“ (1650). Hervorzuheben ist auch S.s „Ova Paschalia Sacro Emblemate inscripta descriptaque“ (2 Bde., 1634, 21678), eine Sammlung von 100 Emblemata in Eiform, das Ei als Symbol des Lebens verstanden. Die Sinnbilder sollten der „größeren Ehre Gottes“ dienen, dem Betrachter „unterhaltsamen Trost“ bieten und eine Vertiefung des Glaubenswissens bei den Gebildeten, beim Adel und bei der studierenden Jugend bewirken. S.s elf erhaltene Dramen sind bedeutende Beispiele für die frühe Blüte des Jesuitentheaters: „Otho redivivus“ (1614) ist ein eindrucksvolles Drama für die Feierlichkeiten bei der Überführung der Gebeine Kard. Ottos Truchseß v. Waldburg, des Gründers der Univ. Dillingen, von Rom nach Dillingen 1614. Überaus erfolgreich war auch das Stück „Triumphus Deiparae virginis Mariae“ (1617), das zur Einweihung der Jesuitenkirche in Dillingen geschrieben wurde und drei Tage dauerte. Neben den Dramen, die wie Predigten wirken sollten, und seinen theol. Werken verfaßte S. lat. Gedichte, u. a. ein für die „pietas austriaca“ bezeichnendes „Carmen Eucharisticum de familia Austriaca“ (1606) und ein „Carmen epicum pro Roberto Card. Bellarmino contra ejus impugnatores“ (1605). Von kulturgeschichtlicher Bedeutung ist S.s Briefwechsel mit seinem Bruder Karl. Dieser erwarb sich ebenfalls als Schriftsteller und Übersetzer (u. a. mit Büchern zur Ordensgeschichte, einer Übersetzung von Arnoldus Wions „Lignum Vitae“, 1607, und zahlreichen hagiographischen Schriften) Ansehen. Sein „Diarium“ (Bayer. Staatsbibl., Clm 2296) bildet eine wichtige Quelle für die Biographie beider Brüder.

  • Werke

    Weitere W Labyrinthi ab Aegyptiis Structi Fraudes, cum mundi a Diabolo seducti periculis , 1630, dt. Übers. 1651;
    De monstris et Monstrosis, quam mirabilis, bonus, et iustus, in mundo administrando sit Deus, monstrantibus, 1647;
    Korr.:
    F. Rädle, Die Briefe d. Jesuiten G. S. an seinen Bruder Karl, in: S. Neumeister u. C. Wiedemann (Hg.), Res publica litteraria, 1987, S. 525–34;
    W-Verz.
    VD 17;
    zu Karl:
    Das Leben vnnd Wunderwerck des H: Augspurg. Bf. Simperti, 1616;
    Joacimus et Anna, id est Mariae Deiparae virginis parentum, Jesu Christi dom. deique nostri avorum vitae historia ( . . . ), 1621;
    Passionis D. N. Iesu Christi. Historia e IV Evang. SS:PP. & probatis: Scriptoribus paraphasticos enarrata, & nova. methodo explicata, 1622;
    Brevis Index Sanctorum, qui sub Regula S. Benedicti vixerunt, & claruerunt, 1645;
    Josephus hoc est Sanctissimi Educatoris Christi Dom. Deique nostri in Terris apparentis, ac Aeternae Virginis Mariae Sponsi, 1656;
    Emblemata Josephina cum eulogiis, 1658;
    W-Verz.
    VD 17;
    – B. Pitschmann (Hg.), Aus d. Tagebuch e. Flüchtlings d. Dreißigj. Krieges, Abt C. S. in Kremsmünster, in: StMBO 88, 1977, S. 53–145.

  • Literatur

    ADB 36;
    F. A. Veith, Bibliotheca Augustana III, 133–81 u. XII, 147, in: Diöcesan-Archiv in Schwaben 15, 1897, S. 161–87;
    F. Rädle, G. S. als Dramatiker, in: R. Brinkmann u. a. (Hg.), Theatrum Europaeum, FS f. Elida Maria Szarota, 1982, S. 87–107;
    ders., Die Briefe d. Jesuiten G. S., in: Res publica litteraria, 1987, S. 522–34;
    A. Schneider, Narrative Anleitungen z. „praxis pietatis“ im Barock, Dargest. am Exempelgebrauch in d. „Judicia Divina“ d. Jesuiten G. S., 1982;
    P. A. Weißenberger, Die Brüder Karl u. G. S. u. ihre Druckschrr. in d. Barockbibl. d. Abtei Neresheim, in: Jb. d. Ver. f. Augsburger Bm.gesch. 18, 1984, S. 341–52;
    M. Mulsow, Exemplum u. Affektenlehre b. G. S., in: AKG 73, 1991, S. 313–49;
    H. Zäh, Die Univ.gründung auf d. Theaterbühne, G. S.s Otho redivivus (1614), in: R. Kießling (Hg.), Die Univ. Dillingen u. ihre Nachfolger, FS z. 450j. Gründungsjub., 1999, S. 4–40;
    ders., Die Welt im Ei, G. S.s Ova Paschalia, in: Zs. f. Kulturgesch. 73, 2000, S. 145–61;
    H. Pörnbacher, Schwäb. Lit.gesch., 2002, S. 144 f. u. 158 f.;
    S. Appuhn-Radtke, Jesuit. Andachtsbücher d. Barock, in: Bohemia Jesuitica 1556–2006, II, 2010, S. 1204–07;
    Augsburger Stadtlex.;
    Biogr. Lex. LMU;
    LThK2/3;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Enz. Märchen.

  • Portraits

    Ölgem. (Stadtmus. Ingolstadt), Abb. in: Die Jesuiten in Ingolstadt 1549–1773, hg. v. Stadtmus. Ingolstadt, 1991.

  • Autor/in

    Hans Pörnbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Pörnbacher, Hans, "Stengel, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 248-249 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Stengel: Georg St., Jesuit, geboren 1584 zu Augsburg, am 10. April 1651 zu Ingolstadt. Er trat 1601 zu Landsberg in den Orden ein, machte von 1603 an seine philosophischen Studien zu Ingolstadt, wurde dann als Lehrer zu Pruntrut und München beschäftigt, machte dann die theologischen Studien zu Ingolstadt, wurde dort 1618 Professor der Philosophie, 1621 der Casuistik, 1622 der Controversen. 1640—43 war er Rector des Collegiums zu Dillingen, wurde dann aber nach Ingolstadt zurückversetzt. St. hat 70 lateinische und deutsche Schriften verfaßt, Gedichte, Dissertationen und namentlich polemische Schriften, insbesondere gegen seinen 1621 Protestant gewordenen Landsmann und Ordensgenossen Jacob Reihing (A. D. B. XXVII, 698; „Vermeint päbstisch, eigentlich lutherische Fallstricke des armseligen, übel verstrickten Mannes J. Reihing“ 1622, u. a.), Joh. Gordon (Antitortor Bellarminianus u. a.), Th. Thummius (Libri duo de duobus apostatis s. duae paraeneses, in quarum prima exemplo et Luciferi et malorum angelorum, in altera dictis factisque J. Reihingii, Th. Thummii aliorumque praedicantium aut apostatarum ostenditur, quam sit miserum, a Deo et veritate recedere, 1626).

    • Literatur

      Kobolt, Baier. Gel.-Lex. I, 659. — Hurter, Nomenclator (2) I, 424.de Backer.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Stengel, Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 49 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617672.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA