Lebensdaten
1878 bis 1957
Geburtsort
Aschaffenburg
Sterbeort
San Remo
Beruf/Funktion
Photochemiker ; Sammler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117271578 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stenger, Erich
  • Stenger, E.

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Zitierweise

Stenger, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271578.html [08.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Valentin (1849–1927, aus Aumühle b. A., Fabrikbes., Dir. d. Kalkwerke AG vorm. Hein & Stenger in A., KR;
    M Maria (1858–1931, aus Düsseldorf, T d. Franz Deckers (1826–1908, Baumeister in A.;
    Aschaffenburg 1906 Margarethe (Etha) (kath.), T d. Caspar Schmelzer (1848–1909, Architekt in A.;
    1 S Ernst (* 1913), Dr. med., Chirurg, 1 T Erika (* 1909), Dr. iur., Jur.;
    Vt Heinrich (1869–1945, Dr. iur., Jur., Amateurphotograph.

  • Leben

    Nach privatem Unterricht besuchte S. seit 1888 das humanistische Gymnasium in Aschaffenburg. 1897 begann er an der TH und der Univ. München Chemie, Mineralogie und Philosophie zu studieren und wurde 1903 an der Univ. Kiel zum Dr. phil. promoviert. Nach sechs Monaten Dienst als Einjährig-Freiwilliger in München und kurzer Tätigkeit am Physikalischen Institut der TH Hannover bei Julius Precht (1871–1942) arbeitete S. seit Okt. 1905 als Assistent von →Adolph Miethe (1862–1927) am „Photochemischen Laboratorium“ der TH Berlin-Charlottenburg.

    Nach Kriegsteilnahme (im Rahmen der Luftaufklärung) wurde er 1919 nach kumulativer Habilitation Privatdozent, 1922 nichtplanmäßiger ao. Professor, 1934 Lehrstuhlinhaber und Leiter des „Photochemischen Laboratoriums“, nun unter dem Namen „Institut für Angewandte Photochemie“. 1927–34 war S. zudem Bibliotheksrat und Leiter der Dokumentensammlung an der Preuß. Staatsbibliothek zu Berlin.

    S., schon seit seiner Jugend ein begeisterter Sammler, u. a. auf dem Gebiet der Philatelie und der Steingutfabrikation, trug in den ersten zehn Jahren seiner Berufstätigkeit eine große private Sammlung von Bildern, Dokumenten, Büchern, Autographen und Geräten zur Geschichte der Photographie zusammen. Seit Mitte der 1920er Jahre begann er, neben der Publikation zahlreicher populärer Texte zur Photographiegeschichte Stücke dieser Sammlung in historischen Kabinetten großer Photoausstellungen zu präsentieren, wie etwa bei der „Kino-Photo-Ausstellung“ (KIPHO) in Berlin 1925 und der „Internat. Presseausstellung“ PRESSA in Köln 1928. Ab etwa 1925 beriet er Photographen bei der Planung größerer Arbeitsprojekte, etwa August Sander bei seinem Konzept zu seinem Mappenwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“.

    Große Erfolge waren auch die historischen Abteilungen der Avantgarde-Fotoausstellung „Film und Foto“ 1929 in Stuttgart und ihrer Nachfolgerin „Das Lichtbild“ 1930 in München und Wien. Für die Berliner Ausstellung „Die Kamera“ 1933 agierte er bereits im Sinne der neuen Machthaber als Beauftragter des Propagandaministeriums. 1938 erschien „Die Photographie in Kultur und Technik“, die er durch größere Artikelserien in Amateur- und Fachzeitschriften vorbereitet hatte. Allgemein galt S. zu diesem Zeitpunkt als höchste Autorität auf dem Gebiet der Photogeschichte in Deutschland, was mit erheblicher Anpassung an die NS-Ideologie verbunden war: So unterschlug er den jüd. Assistenten Miethes, Arthur Traube (1878–1948), und dessen wissenschaftliche Leistung, während er den Leibphotographen Hitlers, Heinrich Hoffmann (1885–1957), wortreich rühmte. Zum hundertjährigen Jubiläum der Photographie 1939 publizierte S. eine Reihe von Texten, hielt zahlreiche Vorträge und war auch an der Neuaufstellung der Abteilung Photographie im Deutschen Museum München beteiligt.

    1939 wurde S. zum Schriftführer des Vorstandsrats des Deutschen Museums gewählt; 1937–43 war er Vorstand der „technischen Untersektion“ in der „Kommission zur Bewahrung von Zeitdokumenten, Sektion Bildpresse“, die im Propagandaministerium angesiedelt war. Zeitlebens versuchte er, den dt. Anteil an der Photogeschichte übermäßig hoch darzustellen, etwa durch die Hervorhebung von Johann Heinrich Schulze (1687–1744) als Entdecker der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen oder durch die zu starke Herausstellung der Verdienste von Hermann Wilhelm Vogel (1834–98).

    1944 wurde das „Institut für Angewandte Photochemie“ nach Brünn ausgelagert; seit Jan. 1945 lebte S. in Kreuzwertheim/Main; 1948 wurde er als Mitläufer – er war nicht der NSDAP beigetreten – zu geringem Bußgeld verurteilt. Schon 1947 war S. der Ruf an die TH Berlin wieder angetragen worden, er lehnte jedoch ab und blieb als Privatgelehrter in Kreuzwertheim, wo er seine Produktion kurzer Texte zur Photogeschichte fortsetzte und neue Messen wie die „photokina“ in Köln mit historischen Kabinetten ausstattete. 1955 verkaufte er seine Sammlung an die Agfa AG, die damit ab 1974 das Agfa Photo-Historama in Leverkusen aufbaute; 1957 verstarb S. während eines Urlaubs.

    1985 ging die gesamte Sammlung mit dem Museum als Dauerleihgabe an die Stadt Köln und wurde ab 1986 im Museum Ludwig präsentiert. Seit dem Ankauf des Agfa Photo-Historamas 2005 ist die Sammlung Stenger Bestandteil des Museums Ludwig.

    S.s wissenschaftliche Arbeit im Bereich Photochemie konzentrierte sich auf Sensiblisierungs-, Kopier- und Farbverfahren sowie auf gutachterliche Tätigkeiten; seine Verdienste liegen in seiner Sammeltätigkeit und in der Begründung der Photogeschichtsschreibung als Kulturgeschichte. Seine Werke, die sich nicht in einer Aufzählung technischer Erfindungen und chemischer Erfolge erschöpften, wurden schnell durch die Arbeiten von Beaumont Newhall, Lucia Moholy und Helmut Gernsheim überholt, diese erhielten jedoch von S. ihre entscheidenden Impulse.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Ges. Dt. Lichtbildner (GDL) (1926); Vors. d. dt. Postwertzeichenausst. (1922) u. d. internat. Postwertzeichenausst. (1930); David Octavius Hill-Medaille d. GDL (1955); Ehrenmitgl. d. Dt. Photogr. Ges. (1942) u. d. Dt. Ges. f. Photographie (DGPh) (1956); – E.-S.-Preis d. DGPh (seit 1977).

  • Werke

    Über e. neue Synthese unsymmetrisch substituirter Pyrrole, Über Acetonoxaminsäure, Diss. phil. Kiel 1903;
    mehr als 500 Publl. zu phototechn. u. -hist. Fragen: u. a. Neuzeitl. photogr. Kopierverfahren (Ozobromprozess, Bromsilberpigmentpapier, Pigment-Gravüre, Öldruck, Bromöldruck, Katatypie, Druckschrr.-Kopierverfahren), 1909, 21917, 31920(Bibl. d. Dt. Mus.);
    Wiederherstellung alter photogr. Bilder u. Reproduktion derselben im ursprüngl. u. in neuzeitl. Verfahren, 1920;
    Bogeneintlg. u. Aufl.nrr. d. Postwertzeichen Bayerns, 1921;
    Die Kopierverfahren mit Entwicklungs- u. Auskopierpapieren, Hdb. d. Photogr. II/3, 1926;
    Gesch. d. Photogr., 1929;
    Die Photogr. in Kultur u. Technik, 1938, engl. 1939, Neuaufl. u. d. T. Siegeszug d. Photogr. in Kultur, Wiss., Technik, 1950;
    100 J. Photogr. u. d. Agfa 1839–1939, 1939;
    Die Steingutfabrik Damm b. Aschaffenburg 1827–1884, 1949;
    Die Gesch. d. Kleinbildkamera bis z. Leica, 1949;
    Wie ich Sammler wurde, in: Foto Prisma, 1953, S. 2–4 (P);
    Autobiogr.: Lebenserinnerungen e. Sammlers, Typoskr., Kreuzwertheim 1945 (Mus. Ludwig, Köln).

  • Literatur

    R. Sachsse, Daguerre-Büste, Photographenmarsch u. Werbetonfilm, Jub.ausstellungen u. Geb.tagsfeiern f. d. Photographie, in: Silber u. Salz, Zur Frühzeit d. Photographie im dt. Sprachraum 1839–1860, hg. v. B. v. Dewitz u. R. Matz, Ausst.kat. 1989, S. 584–97, hier S. 593–95;
    Kultur, Technik u. Kommerz, Die Photokina-Bilderschauen 1950–1980, Ausst. im Hist. Archiv d. Stadt Köln, hg. v. U. Pohlmann, 1990, S. 48. ff. (P);
    B. v. Dewitz, „. . . sich von einer Arbeit durch eine andere erholen . . .“, E. S. u. seine Gesch. d. Fotografie, in: Fotogesch., Btrr. z. Gesch. u. Ästhetik d. Fotografie 17, 1997, H. 64, S. 3–18 (P);
    P. Brinkemper, E. S., e. Sammler u. sein Verständnis, 2008 (Typoskr., DGPh, Köln);
    C. Kemp, Das hundertj. Jubiläum d. Fotogr. u. d. Dt. Mus., Ein Balanceakt zw. wiss. Anspruch u. NS-Propaganda?, in: Das Dt. Mus. in d. Zeit d. NS, hg. v. E. Vaupel u. St. L. Wolff, 2010, S. 412–48;
    M. Halwani, Marginalien z. Gesch.schreibung d. Fotografie 1839–1939, Diss. Hamburg 2010, S. 97–108 u. 114–37;
    Pogg. V–VII a (W);
    Rhdb. (P);
    Wi. 1935;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1950 (W)

  • Portraits

    | Fotos, anonym, 1906, Abb. in: Fotogesch., 1997 (s. L), S. 20, u. Kölner Mus.-Bull., 1997 (s. L), S. 14;
    Foto v. M. Hoepffner, 1946 (Köln, Mus. Ludwig), Abb. in: Fotogesch., 1997 (s. L), S. 5.

  • Autor/in

    Rolf Sachsse
  • Empfohlene Zitierweise

    Sachsse, Rolf, "Stenger, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 249-250 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271578.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA