Lebensdaten
1745 bis 1801
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Violinist ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119000008 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stamitz, Carl Philipp
  • Stamitz, Karl
  • Stamitz, Carl
  • mehr

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Zitierweise

Stamitz, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119000008.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (s. 1);
    M Maria Antonia Lüne(n)born;
    Greiz 1790 Maria Josepha Pilz (1764–1801;
    4 K (alle früh †).

  • Leben

    S. erhielt den ersten musikalischen Unterricht von seinem Vater; nach dessen Tod übernahmen Christian Cannabich, Ignaz Jakob Holzbauer und Franz Xaver Richter seine Ausbildung. Bereits 1761 wurde er als Zweiter Violinist in die Hofkapelle aufgenommen, wo er sich die spezifischen Mannheimer Kompositions- und Aufführungscharakteristika aneignete. 1770 ließ sich S. in Paris nieder, und reüssierte hier als Virtuose – teils gemeinsam mit seinem Bruder Anton – in den Concerts spirituels. 1772 lebte er in Versailles, wo die erste seiner Programm-Symphonien, „La promenade royale“, entstand. 1771–73 hatte S. die Position des Hofkomponisten bei Hzg. Louis von Noailles inne. Konzertreisen führten ihn 1772 nach Wien, im folgenden Jahr nach Frankfurt/M. sowie 1774 nach Augsburg, Straßburg und Wien. S. publizierte zahlreiche Werke in Paris und erfuhr öffentliche Anerkennung, z. B. im „Mercure de France“. 1777 verließ er Paris, womit ein unstetes Wanderleben mit der vergeblichen Suche nach einer bedeutenden Position begann. 1777–80 hielt er sich – unterbrochen von Konzertreisen u. a. nach Paris 1778 – in London auf, wo er wieder konzertierte, umfangreich publizierte und in Kontakt mit Johann Christian Bach trat. Seit 1782 war S. in Den Haag am Hof Wilhelms V. von Oranien tätig, wo er u. a. an der Seite des 12jährigen Ludwig van Beethoven auftrat. 1785 kehrte S. nach Deutschland zurück. Nach Aufenthalten in Hamburg und Burgsteinfurt folgten 1786 Reisen nach Lübeck, Magdeburg, Leipzig und Berlin. Kg. Friedrich Wilhelm II. von Preußen garantierte ihm|für alle dem Hof zugeeigneten Werke vertraglich eine Honorierung. In Berlin leitete S. gemeinsam mit Johann Adam Hiller eine Aufführung von Händels „Messias“. Die von Gerber für 1787 mitgeteilte Anstellung S.s am Hof des Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst ist nicht nachgewiesen; weitere Konzertreisen, bei denen er primär als Violaspieler auftrat, führten ihn u. a. nach Dresden, Prag, Halle und Nürnberg. 1789/90 wurde er zum Leiter der Liebhaberkonzerte in Kassel ernannt. Anschließend lebte er in Greiz, wo er heiratete und sich vergeblich um eine Anstellung am Hof des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin bemühte. 1795 übersiedelte S. nach Jena; hier wirkte er bis zu seinem Tod als Kapellmeister sowie Musiklehrer an der Universität. Seine Verschuldung konnten diese Stellungen nicht mindern. Ein 1810 erstellter Auktionskatalog seiner Werke führte zu keinem Verkaufserfolg, die Sammlung ist verschollen. Eine geplante Reise nach St. Petersburg kam nicht mehr zustande.

    S. zählt zu den herausragenden Komponisten der zweiten Generation der „Mannheimer Schule“. Er hinterließ ein äußerst umfangreiches Werk für fast alle Instrumentalgattungen, aber kaum Vokalmusik. Seine Aufenthalte in Paris – v. a. mit seinen Beiträgen zur dort populären Gattung der „Symphonia concertante“ – und London, wo das Gros seiner Kammermusik entstand, hatten eine Stilentwicklung zur Folge, die über die Mannheimer Traditionen hinauswies. S.s bedeutendste Leistung war sein Beitrag zur Entwicklung der Symphonie. Diese kehren zur ital. inspirierten Dreisätzigkeit (schnell – langsam – schnell) zurück; Durchführungselemente sind knapp gehalten und verbinden sich häufig mit der Reprise, so daß die Kopfsätze formal meist zweiteilige Sonatensätze sind. Die reine Klanglichkeit, die für den Vater charakteristisch gewesen war, tritt zugunsten einer oft lyrisch gehaltenen thematischen Vielfalt zurück. Orchestrale Effekte, so Echowirkungen und bläserdominierte Passagen, tragen zur Abwechslung bei. Entsprechend sind die Werke umfangreicher angelegt. Die Besetzungen seiner zwei- bzw. dreisätzigen „Symphonie concertante“ reichen von zwei bis sieben Soloinstrumenten. S.s ebenso zahlreiche Beiträge zur Gattung des Solokonzerts zeigen v. a. auf „seinen“ Instrumenten hohe virtuose Anforderungen, die ihm die Möglichkeit zu brillieren verschafften; bemerkenswert sind insbesondere die Konzerte für Viola d’amore, da sie zu den seltenen Gattungsbeiträgen gehören.

    S. war, zumindest in seinen frühen Jahren und trotz der eher widrigen Lebensumstände, ein hochrespektierter Komponist. Schubart hob v. a. die – häufig in Moll stehenden – langsamen Sätze als „meisterhaft gerathen“ hervor (Ch. Fr. D. Schubart, Ästhetik der Tonkunst, 1806, S. 141 [geschrieben 1784]); Jean Paul setzte ein Gartenkonzert von S. in Dichtung um (Jean Paul, Hesperus od. 45 Hundsposttage, 1795, S. 775). Umso erstaunlicher erscheint Mozarts 1778 geäußertes Verdikt über „die 2 Stamitz“: „das sind 2 Elende Notenschmierer – und spieller – Säüffer – und hurrer – das sind keine leüte für mich“ (Bauer/Deutsch u. a., Mozart, Briefe u. Auszeichnungen, Bd. 2, 1962, S. 399). Die Nachwelt hat Mozart recht gegeben; erst in jüngerer Zeit ist das Werk S.s wieder ins Blickfeld geraten.

  • Werke

    S.s reichhaltiges Œuvre ist in zahlr. Drucken u. Hss. überliefert;
    mehr als 50 Sinfonien, davon gedr. u. a. 3 Sinfonien op. 3, Venier 1768;
    6 Sinfonien op. 9, La Chevardière 1772;
    Programmsinfonie Simphonie de chasse, Sieber 1772;
    38 Sinfonie concertante (von 2 bis 7 Soloinstrumenten), La Chevardière, Heina u. Sieber;
    mehr als 60 Solokonzerte: für Violine (15), Viola (3), Viola d`amore (4), Violoncello (4), Flöte (12), Klarinette (11), Fagott (7), Harfe (2), Klavier (2), viele verschollen;
    daneben e. reicher Corpus an Kammermusik v. d. Duobis z. Septett-Besetzung in z. T. sehr ungewöhnl. Kombinationen unter Heranziehung v. Blasinstrumenten, aber auch reine Bläser-Partiten;
    die meisten W in Paris, später noch einige in London gedruckt, zahlr. W auch in Sammeldrucken wiederveröff.;
    W-Verz.
    vgl. themat. Kat. v. Fritz Kaiser (s. L) u. in MGG2 .

  • Literatur

    H. Riemann, Vorworte zu DTB, Alte Folge, Bd. 15, Jg. VIII/2, 1907, u. Bd. 28, Jg. XV, 1914;
    F. Waldkirch, Die konzertanten Sinfonien d. Mannheimer im 18. Jh., 1931;
    A. Schering, Fünf Briefe v. K. S., Bruchstücke e. Selbstbiogr., in: FS Fritz Stein, hg. v. H. Hoffmann u. F. Rühlmann, 1939, S. 57–65;
    Fritz Kaiser, C. S. (1745–1801, Biogr. Btrr., das symphon. Werk, themat. Kat. d. Orchesterwerke, Diss. Marburg 1962;
    J. Záloha, Drei unbek. Autographe v. K. S. in d. Musikalienslg. in Český Krumlov, in: Musikforsch. 19, 1966, S. 408–11;
    M. Rosenblum, The Viola d`amore and its Literature, in: The Strad 58, 1967, S. 250–53 u. 277;
    M. de Smet, La musique à la cour de Guillaume V, Prince d`Orange (1748–1806), 1973;
    D. Thomason, A Discussion of the Viola d`Amore Music of K. S., 1979;
    H. Fink, Ein Bassetthornkonzert v. C. S.?, in: Tibia 6/1, 1981, S. 256;
    J. Pickering, Printing, publishing and the migration of sources: the case of C. S., in: Brio 27/2, 1990, S. 59;
    L. Finscher, Mannheimer Orchester- u. Kammermusik, in: ders. (Hg.), Die Mannheimer Hofkapelle im Za. Carl Theodors, 1992, S. 141–76;
    I. Gronefeld, Die Flötenkonzerte bis 1850, Ein them. Verz., 1994;
    M. Jacob, Die Klarinettenkonzerte v. C. S., 1991;
    C. White, From Vivaldi to Viotti, A History of the Early Classical Violin Concerto, 1992;
    D. R. Rhodes, C. S. and Ludwigslust, An Appraisal of his Correspondance with the Meckl.-Schwerin Court and of Selective of His at Schwerin, in: Musik in Meckl., hg. v. K. Heller, H. Möller u. A. Waczkat, 1999, S. 489–510;
    Riemann;
    MGG;
    MGG2;
    New Grove;
    New Grove2.

  • Autor/in

    Stephan Hörner
  • Empfohlene Zitierweise

    Hörner, Stephan, "Stamitz, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 45-47 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119000008.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA